Inschriftenkatalog: Lüneburg (Stadt)

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 100: Stadt Lüneburg (2017)

Nr. 407† St. Michaelis 1562

Beschreibung

Schrifttafel. Nach Sagittarius wurde die Tafel 1562 in St. Michaelis angebracht (vgl. Kommentar), für die Lucas Lossius die Inschrift A verfasste.1) Die Jahreszahl scheint ebenfalls auf der Tafel angebracht gewesen zu sein, da Lucas Lossius neben die Verse das Ausführungsdatum B gesetzt hat.

Inschriften nach Lossius.

  1. A

    Inclytus haec posuit Princeps Eberhardvs ab HolleSaxoniae primo sic monumenta DuciInclyte te Princeps celebrem virtute per annosFlorentem Pylios seruet ametque DevsDogmatis es summi Domini qui summus amatorIn veraa) constans relligione DeiPacificus sapiens rebus moderatus agendisDoctorum fautor Pieridumque choriEst tua praecellens sapientia cognita PrincepsEst pietas studium pacis amorque bonaeInter vbi Phoebesb) facta est Patresque DucesquePax olim nulla dissolvenda dieNamque tuo inprimis pax haec est parta laboreQuam toties patres quam petiere Duces

  2. B

    Anno 1562 Mense April(is)

Übersetzung:

Der berühmte Fürst Eberhard von Holle setzte dem ersten Herzog von Sachsen so diese Denkmäler. Dich, berühmter Fürst, möge Gott berühmt an Tüchtigkeit und blühend endlose Jahre erhalten und lieben. Du bist ja der größte Verehrer der Lehre des höchsten Herrn, unerschütterlich in der wahren Religion Gottes, friedliebend, klug und besonnen bei der Ausübung deines Amtes, ein Förderer der Lehrer und des Musenchors. Deine herausragende Weisheit, Fürst, deine Frömmigkeit, dein Eifer, deine Liebe zum guten Frieden ist bekannt, seitdem zwischen dem Lüneburger Rat und den Herzögen einst ein Friede geschlossen wurde, der niemals gebrochen werden soll. Denn dieser Frieden, den die Ratsherren und die Herzöge so oft gesucht haben, ist vor allem durch deinen Einsatz zustande gekommen. (A) Im Jahr 1562 im Monat April. (B)

Versmaß: Elegische Distichen (A).

Kommentar

Zu dem Abt von St. Michaelis, Bischof von Lübeck und Administrator von Verden Eberhard von Holle vgl. Nr. 571. Nach Sagittarius wurde die Tafel auspiciis Eberhardi ab Holle abbatis 1562 in St. Michaelis angebracht.1) Dies erscheint jedoch nur dann sinnvoll, wenn man die Angabe allgemein im Sinne von ‚in der Amtsszeit des Eberhard von Holle‘ versteht, nicht im Sinne von ‚unter seiner Leitung‘. Da Eberhard von Holle in der von Lucas Lossius verfassten Inschrift A als inclytus princeps zweimal genannt und im zweiten Fall direkt angesprochen wird, wäre es sehr eigenartig, wenn er sich die nachfolgenden ihn rühmenden Verse selbst gesetzt hätte. Wahrscheinlicher ist es, dass der Konvent von St. Michaelis seinem Abt im Jahr 1562 ein Denkmal setzte, zum einen weil dieser den Fortbestand des Klosters nach dem Tod seines Onkels, des Abts Herbord von Holle (vgl. Nr. 384) sicherte, zum anderen, weil er als Vermittler zwischen Stadt und Landesherrn maßgeblich an einem zwischen beiden Parteien im März 1562 geschlossenen Rezess beteiligt war, der Streitigkeiten – besonders um Angelegenheiten der Saline – beendete.2) Diese Übereinkunft zwischen Stadt und Landesherrschaft thematisieren auch die letzten Verse der Inschrift A.

Die im ersten Distichon erwähnten monumenta beziehen sich auf ein von Eberhard von Holle für Hermann Billung gesetztes Denkmal – damals offenbar in der Nähe der Schrifttafel angebracht –, bei dem es sich wohl nur um die Abtstafel handeln kann. Sie trägt ein Gedicht in deutschen Reimversen und eine deutsche Prosainschrift, die beide Hermann Billung als den Klostergründer rühmen (Nr. 408). Dass die Verse auf Hermann Billung und die Distichen der Schrifttafel bei Lossius direkt hintereinander wiedergegeben sind, spricht ebenfalls für einen engen räumlichen Bezug zwischen beiden Inschriftenträgern.3)

Textkritischer Apparat

  1. vero Lossius und Sagittarius.
  2. Phoebus Sagittarius.

Anmerkungen

  1. Tabula ista auspiciis Eberhardi ab Holle abbatis fuit posita anno MDLXII mense aprili, eoque nomine Lucas Lossius hoc, quod sequitur, carmen composuit. Sagittarius, Historia, Ex. Hann. 915, p. 303 §102.
  2. Dazu ausführlich Weyhe-Eimke, Äbte, S. 165f.
  3. Lossius, Epitaphia Principum, S. 20–22.

Nachweise

  1. Lossius, Epitaphia Principum, S. 21f.
  2. Sagittarius, Historia, Ex. Hann. 915, p. 303 §102.

Zitierhinweis:
DI 100, Stadt Lüneburg, Nr. 407† (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di100g019k0040703.