Inschriftenkatalog: Lüneburg (Stadt)

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 100: Stadt Lüneburg (2017)

Nr. 335 Museum Lüneburg nach 1539

Beschreibung

Deckelhumpen, sogenannter Planetenbecher.1) Silber, vergoldet. Der Humpen wurde vom Museum 1972 im Kunsthandel erworben. Auf der Wandung in sieben vertieften Feldern gravierte Darstellungen von Planetengöttern mit den zugehörigen Tierkreiszeichen zu ihren Füßen und den oben im Bildfeld eingravierten Tituli A. Der Deckelknauf wird von einem Putto mit einem Wappenschild bekrönt, darin die gravierten Initialen B. Auf der Unterseite des Humpens Stichelproben, das Lüneburger Beschauzeichen und eine Meistermarke (Abb. 339) sowie eine verdrückte Marke.

Maße: H.: 20,5 cm; Dm.: 12,3 cm; Bu.: 0,25 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

Akademie der Wissenschaften zu Göttingen (Sabine Wehking) [1/4]

  1. A

    SATVRNVS // IVPIDER // · MARS · // · SOL · // VENVS // MERCVR/IVS // LVNA

  2. B

    L W

Wappen:
L. W.2)

Kommentar

Körner schreibt den Planetenbecher dem Lüneburger Goldschmied Jochim Gripeswoldt zu, weil er die Initialen der Marke als IG interpretiert, und erkennt Gripeswoldt gleichzeitig alle anderen ihm in der älteren Literatur zugesprochenen Pokale ab, weil sie eine andere Marke tragen (vgl. dazu Nr. 313).3) Allerdings zeigt die Marke des Humpens ein großes beidseitig mit vier Dornen besetztes I und einen nach links an die beiden unteren Drittel des I angesetzten Bogen, der sich eher als C lesen lässt. Dies ergibt die Initialen CI, die sich bislang keinem Lüneburger Goldschmied zuweisen lassen.

Die Darstellung der Planetengötter zeigt nach Alpers große Ähnlichkeit mit einer von Hans Sebald Beham angefertigten Kupferstichfolge, die auf 1539 datiert ist, hier allerdings in spiegelverkehrter Wiedergabe.4) Danach erfolgt die zeitliche Einordnung des Humpens. Da der Humpen im Inventar des Ratssilbers5) nicht verzeichnet ist, war er wahrscheinlich ursprünglich für die private Nutzung bestimmt. Ob dies in Lüneburg der Fall war, oder der Humpen hier nur hergestellt wurde, muss offen bleiben, solange sich die Initialen L W und das Wappen nicht zuordnen lassen.

Anmerkungen

  1. Inv. Nr. F 11.
  2. Wappen L. W. (Sparren, darüber zwei Rosen, darunter eine Rose).
  3. Gerhard Körner, Planetenbecher, Faltblatt 1 (1972), Museumsverein Lüneburg. Körner, Leitfaden, S. 104, F 11.
  4. Alpers, Livische Figuren, S. 63–66.
  5. Gedr. bei Bursche, Ratssilber, S. 184–187.

Nachweise

  1. Alpers, Livische Figuren, S. 64 (nur Jupiter), Abb. 1, S. 65, Tafel 18, 19.
  2. Körner, Leitfaden, S. 104, F 11 (B).
  3. Michael, Führer, S. 119, F 11.

Zitierhinweis:
DI 100, Stadt Lüneburg, Nr. 335 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di100g019k0033502.