Inschriftenkatalog: Lüneburg (Stadt)

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 100: Stadt Lüneburg (2017)

Nr. 319 Museum Lüneburg 1536 o. später

Beschreibung

Porträt des Johannes Koller.1) Ölgemälde auf Holz. Das Gemälde kam 1941 durch Tausch aus dem Annen-Museum Lübeck nach Lüneburg. Es soll aus dem Besitz des inschriftlich genannten Lübecker Ratsherrn Heinrich Koller stammen; vgl. dazu den Kommentar. Das Porträt zeigt den letzten katholischen Lüneburger Propst im Ornat mit Hermelinumhang, in den Händen hält er einen Folianten. In der linken oberen Ecke sein Wappen, darunter die Inschrift A. Auf dem Tisch, vor dem Koller steht, zwei Bücher und der Münzpokal Nr. 313 mit der Inschrift B, die zwar in mehreren Ringen umlaufend dargestellt, für den Betrachter aber komplett zu lesen ist.

Maße: H.: 127 cm; B.: 100 cm; Bu.: 1,5–2 cm (A), 2–2,5 cm (B).

Schriftart(en): Kapitalis mit Versalien und Minuskeln (A), Kapitalis (B).

Akademie der Wissenschaften zu Göttingen (Sabine Wehking) [1/2]

  1. A

    D(omi)n(us) M(AGISTER) JOHANN COLER / PRAEPOS(ITVS) LÜNAEB(URGENSIS) CANO(NICVS) / VERD(ENSIS) ET WONSTORP(IENSIS) etc(etera) / D(omi)n(i) HENRICI SENIORIS / SENAT(ORIS) LÜB(ICENSIS) FRATER / OBŸT 1[5]36

  2. B

    BEI DISER MVNT // SOL MAN LEREN //WI SICH DIE WELT // TVT VORKEREN

Übersetzung:

Herr Magister Johannes Koller, Propst zu Lüneburg, Kanoniker zu Verden und Wunstorf etc., Bruder des Herrn Heinrich des Älteren, Lübecker Ratsherrn, starb 1536. (A)

Versmaß: Deutscher Reimvers (B).

Wappen:
Koller2)

Kommentar

Zu dem Propst Johannes Koller vgl. Nr. 316. Der auf dem Tisch stehende Münzpokal stellt – mit Abweichungen zum Original – den von Johannes Koller in Auftrag gegebenen Pokal des Ratssilbers dar, der u. a. eine der Inschrift B inhaltlich ähnliche Inschrift trägt (Nr. 313). Die zahlreichen kopialen Überlieferungen, die die Inschrift des Pokals immer wieder zitieren, tun dies ausnahmslos in der Version des Gemäldes.3) Dies zeigt, dass das Gemälde offensichtlich bekannt war, selbst wenn die kopialen Überlieferungen des 16. und 17. Jahrhunderts untereinander zusammenhängen. Dies spricht wiederum dafür, dass es sich ursprünglich nicht um ein in Privatbesitz des Heinrich Koller in Lübeck befindliches Gemälde, sondern vielmehr um das im 17. Jahrhundert noch in St. Marien bezeugte Gemälde handelt, das mit der Versgrabschrift des Lucas Lossius gekoppelt war (vgl. Nr. 318) und das zu Bertrams Zeit (vor 1719) wegen Renovierungsarbeiten aus der Kirche entfernt worden war. Denkbar wäre, dass es danach in den Besitz der Nachfahren Kollers in Lübeck gelangte, weil man in Lüneburg keine Verwendung mehr für das Gemälde hatte. Die Erwähnung des Lübecker Ratsherrn Heinrich Koller lässt darauf schließen, dass er der Auftraggeber des Gemäldes war. Vermutlich initiierte er die Anbringung eines Epitaphs in St. Marien zum Gedächtnis an seinen Bruder.

Anmerkungen

  1. Inv. Nr. H 101.
  2. Wappen Koller (aus Ast nach oben hervorwachsender Zweig mit drei Eicheln und zwei Blättern).
  3. Vgl. Nr. 313, Anm. 1.

Nachweise

  1. Körner, Leitfaden, S. 152, Nr. H 101.
  2. Michael, Führer, S. 202, Nr. H 101.

Zitierhinweis:
DI 100, Stadt Lüneburg, Nr. 319 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di100g019k0031902.