Inschriften: Santa Maria dell’Anima

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DIO 3: Santa Maria dell’Anima, Rom (2012)

Nr. 19† Santa Maria dell’Anima 1450

Beschreibung

Grabplatte des Kanonikers und Rotanotars Robert von Bliterswich, ehemals im Boden vor der Benno-Kapelle1), heute verschollen.

Nach NN.

  1. HON(ORABILIS)a) MAG(ISTRI) ROBERTI DE BLITERSWICH / QVONDAM CANONICI HAMELE MINDEN(SIS) DIOCES(IS) ET SACRI PALATII / AP(OSTO)LI(CARVM) CAVSARVM NOTARII OBIIT / DIE V IVNII M CCCC L CVI(VS) ANIMA REQVIESCAT IN PACE

Übersetzung:

(Hier liegt der Leib) des ehrenhaften Magisters Robert von Bliterswich, einstiger Stiftsherr in Hameln, Diözese Minden, und Notar an der Rota, welcher am 5. Tag des Juni 1450 verstarb, dessen Seele ruhe in Frieden.

Kommentar

Die vermutlich aus dem heutigen Blitterswijk (Gem. Venray, Prov. Limburg, Niederlande) stammende Familie wanderte bereits im Mittelalter nach Brabant und nach Westfalen aus2). Der wohl eher dem westfälischen Zweig der Familie angehörende Robert wird in den römischen Quellen erstmals 1438 als Osnabrücker Kleriker erwähnt3). Laut Inschrift war er Stiftsherr in Hameln (Diözese Minden, Niedersachsen) und Notar4) am päpstlichen Gerichtshof in Rom. Er hinterließ dem Anima-Hospital ein Bett und 5 Dukaten5). Ein im Wimpheling-Codex fol. 41v überliefertes „Epitaphium Roberti de Bliterswick“6) war offensichtlich nicht als Inschrift ausgeführt.

Textkritischer Apparat

  1. Zu ergänzen wäre in Analogie zu anderen zeitgenössischen Inschriften ein vorangehendes HIC IACET CORPVS. S. HON. MA (mit Kürzungsstrich mit Ausbuchtung nach oben) Galletti.

Anmerkungen

  1. Lib. Mort. fol. 2.
  2. Freundlicher Hinweis von Dr. Michiel Verweij vom 8. März 2012. – Bezeugt sind etwa im 15. Jahrhundert ein Johannes und ein Willem de Blitterswijk als Bürgermeister in Brüssel.
  3. Vgl. RG V 08080.
  4. Die Rotanotare bezeichneten sich meist als „notarii sacri palatii“ oder auch als „notarii causarum“, vgl. dazu Schuchard, Kurie 118f.
  5. Vgl. Schmidlin, Anima 197.
  6. Vgl. dazu ausführlich Nr. 46 mit Anm. 11. – Das von Engelhard Funck, Humanist und Mitglied der Anima-Bruderschaft, Ende der 1480er Jahre verfasste Gedicht lautet: “Poena, inflexibilis ministra mortis, / Gravi pondere quae meas coerces / Umbras, haec, rogo, nuntia ad nepotes, / Ruperti mihi nomen inditum esse, / Blitterswick veteris fuisse gentis, / Maiores, atavos proavosque / E prisca mihi Gelria exstitisse. / Si quis plura roget, licebit addas: / Hic urbis fuerat Coloniensis / Urbis, quam posuisse Agrippa fertur, / (Quamvis advena) civis et senator. / Hac mercede meas minus gravari / Sub hoc ponderis arbitrabar umbras“. – Schmerz, unbeugsame Dienerin des Todes, der du mit deinem Gewicht meinen Schatten erdrückst, sage dies, bitte ich, meinen Nachkommen: Dass mein Name Rupertus war, dass meine Vorfahren zum alten Geschlecht der Blitterswick gehörten, und dass meine Ahnen und Urahnen aus dem alten Geldern kamen. Falls einer mehr wissen möchte, füge denn hinzu: Obwohl Fremder, war dieser Bürger und Ratsherr der Stadt Köln, die Agrippa gegründet haben soll. Für diese Kosten glaubte ich, dass mein Schatten weniger unter diesem Gewicht erdrückt wird (Übersetzung Dr. Michiel Verweij).

Nachweise

  1. NN., Inschriften Anima fol 47 Nr. 131.
  2. Galetti Nr. 130.
  3. Forcella 3, Nr. 1038.

Zitierhinweis:
DIO 3, Santa Maria dell’Anima, Rom, Nr. 19† (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-dio003r001k0001901.