Der vorerst ausschließlich digital publizierte Teilbestand der Inschriften der Kirche Santa Maria dell’Anima und der zugehörigen Gebäude des ehemaligen Pilgerhospitals und heutigen Priesterkollegs (im Folgenden stets als Anima bezeichnet) enthält die kommentierte Edition von 120 Inschriften aus Mittelalter und Früher Neuzeit bis zum Jahr 1559. In einem Anhang werden zudem  15 antike Inschriften vorgestellt, die mit Sicherheit nicht aus der Anima stammen, aber Mitte der 70er Jahre des 19. Jahrhunderts an den Wänden des Innenhofs des Priesterkollegs angebracht wurden. Im vorliegenden Katalog sind alle sowohl original erhaltenen als auch nur mehr abschriftlich überlieferten Inschriften verzeichnet, soweit sie vor Ort bzw. in den Archiven und Bibliotheken ausfindig gemacht werden konnten.

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1. Vorbemerkungen

Der vorerst ausschließlich digital publizierte Teilbestand der Inschriften der Kirche Santa Maria dell’Anima und der zugehörigen Gebäude des ehemaligen Pilgerhospitals und heutigen Priesterkollegs (im Folgenden stets als Anima bezeichnet) enthält die kommentierte Edition von 120 Inschriften aus Mittelalter und Früher Neuzeit bis zum Jahr 15591). In einem Anhang werden zudem  15 antike Inschriften vorgestellt, die mit Sicherheit nicht aus der Anima stammen, aber Mitte der 70er Jahre des 19. Jahrhunderts an den Wänden des Innenhofs des Priesterkollegs angebracht wurden. Im vorliegenden Katalog sind alle sowohl original erhaltenen als auch nur mehr abschriftlich überlieferten Inschriften verzeichnet, soweit sie vor Ort bzw. in den Archiven und Bibliotheken ausfindig gemacht werden konnten.

Seit ihrer Gründung in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts als Kirche des Hospitals der Deutschen in Rom avancierte die Anima – auch dank der zahlreich erteilten päpstlichen Privilegien – rasch zur begehrten Begräbnisstätte für bestimmte Teile der in Rom verstorbenen deutschsprachigen Bevölkerung. Im Gegensatz zum altehrwürdigen Campo Santo Teutonico2) ließen sich in der Anima vor allem die in gehobenen Positionen an der römischen Kurie tätigen Kleriker bestatten, die überwiegend aus dem nordalpinen Bereich des Heiligen Römischen Reiches stammten und meist in der Anima-Bruderschaft organisiert waren. Trotz der großen, in der Regel durch Bautätigkeiten verursachten Verluste an inschriftlichen Denkmälern, bietet das vorliegende Korpus erstmals einen beeindruckenden Einblick in den ehemals großen Bestand an Grabdenkmälern dieses durchaus zur gehobenen Mittel- bzw. Oberschicht Roms zählenden Personenkreises; dazu gehören auch einzelne Monumente für adelige und bürgerliche Laien, darunter auch einige wenige Frauen und Kinder. Zudem vermittelt der Katalog eine gute Vorstellung vom vormals reichen Bestand an Weihe- Bau- und Stiftungsinschriften sowie zumindest ansatzweise an mit Inschriften versehenen kirchlichen Ausstattungsgegenständen wie etwa Kelche, Monstranzen, oder auch Paramente. Kaum erwartete philologische Schätze bietet die überraschend oft den Grabinschriften beigegebenen Grabdichtung, die mit ihren kunstvoll geschmiedeten lateinischen Hexametern und Distichen faszinierende Einblicke in die Gedankenwelt des renaissancezeitlichen Rom erlauben.

1.1 Vorwort

Die Sammlung und Bearbeitung der Inschriften der Kirche Santa Maria dell’Anima und der zugehörigen Gebäude des ehemaligen Hospitals und heutigen Priesterkollegs erfolgte im Zeitraum  Mai 2010 bis Dezember 2012 im Rahmen eines vom Deutschen Historischen Institut in Rom geförderten Forschungsprojektes, für das ich als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Inschriften-Kommission der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz beurlaubt worden war2). Initiiert und befördert wurde dieses Projekt durch Herrn Prof. Dr. Michael Matheus, dem damaligen Direktor des Deutschen Historischen Instituts in Rom (DHI), der in der noch ausstehenden Sammlung und kommentierten Edition der Inschriften der Anima eine wesentliche Ergänzung der bisherigen Institutsvorhaben sah, durch die in den letzten Jahren mit der systematischen Erforschung der Geschichte der Anima begonnen wurde3). Ihm gebührt daher an erster Stelle mein tiefempfundener Dank.

Im Laufe der Arbeit habe ich von vielen Seiten Unterstützung erfahren, für die ich mich an dieser Stelle ebenfalls herzlich bedanken möchte. Bei den ersten, noch unsicheren Schritten im unbekannten römischen Milieu sind mir von Seiten der Anima alle erdenklichen Hilfen zuteil geworden, angefangen von den stets hilfsbereiten studentischen Hilfskräften4) in der Kirche, den freundlichen Schwestern und den beiden engagierten Hausmeistern, bis hin zu Frau Margareth Berti vom Gemeindebüro. Der heutige Rektor der Anima, Msgr. Dr. Franz Xaver Brandmayr, hat die fortschreitende Arbeit von Anfang an mit Wohlwollen und großem Interesse verfolgt5). Nicht zuletzt gilt mein ausgesprochen herzlicher Dank Dr. Johan Ickx, dem Leiter des Archivs der Anima, und seinem Kollegen Dr. Andrea Pagano, für den zuvorkommenden und stets unbürokratischen Umgang mit den sicher nicht immer leicht zu erfüllenden archivalischen Wünschen des Bearbeiters6). Dank eines vom DHI finanzierten Werkvertrages stand mir im ersten Halbjahr 2011 mit Paul Sebastian Moos ein studentischer Mitarbeiter zur Seite, der sich als künftiger Alt-Philologe nicht nur um die Erst-Übersetzung schwieriger lateinischer Inschriften kümmerte, sondern auch bei deren Aufnahme und bei sonstigen Arbeiten vor Ort mit vollem Herzen dabei war. Dank der gemeinsamen finanziellen Unterstützung von Anima und DHI konnten während mehrerer Kampagnen in den Jahren 2011 und 2012 erstmals die inschriftlichen Denkmäler nahezu vollständig fotografisch erfasst werden; dafür gebührt dem Epigraphiker und Fotografen Dr. Ingo Seufert besonderer Dank für seinen großen persönlichen Einsatz. Als besonders wichtig und fruchtbar haben sich – begleitend zu den praktischen Arbeiten in Kirche und Archiv – die ersten Kontakte mit den mir bis dahin unbekannten wissenschaftlichen Strukturen Roms erwiesen. Als Vermittler sind hier außerhalb des DHIs vor allem Dr. Anna Blennow, Dr. Ottavio Bucarelli und Dr. Albrecht Weiland zu nennen, die als versierte Mittelalter-Epigraphiker viele nützliche Hinweise gaben und weitere Kontakte vermittelten. Dr. Tobias Daniels, Mitarbeiter am Nationalkirchen-Projekt der Biblioteca Hertziana, war nicht nur bei der Beschaffung von spezieller Literatur behilflich sondern auch stets ein anregender Gesprächspartner. Von Seiten der Mitarbeiter des Deutschen Historischen Instituts habe ich den Bibliothekaren Elisabeth Dunkl und Dr. Thomas Hofmann sowie Monika Kruse und Deborah Scheierl für Hilfe in vielerlei Hinsicht zu danken. Dr. Martin Bertram führte mich in die faszinierende Welt der Biblioteca Apostolica Vaticana ein, Dr. Kerstin Rahn machte mich mit der komplizierten Struktur des Repertorium Germanicum vertraut und Dr. Andreas Rehberg ließ mich nicht nur an seinem nahezu unerschöpflichen Wissen um die mittelalterliche und frühneuzeitliche stadtrömische Geschichte teilhaben, sondern gab auch zahlreiche prosopographisch wichtige Hinweise und wertvolle Tipps zur kopialen Inschriftenüberlieferung in römischen Archiven und Bibliotheken. Schließlich danke ich allen Mitarbeitern des Instituts für die wohltuend kollegiale Atmosphäre, den charmanten Damen der Verwaltung für viele unbürokratische Hilfen und namentlich Dr. Cecilia Cristellon, Dr. Britta Kägler, Dr. Ricarda Matheus, Dr. Jens Späth, Dr. Kai-Michael Sprenger und Dr. Kordula Wolf für die vielen guten, in freundschaftlicher Atmosphäre geführten Gespräche, die nicht nur mein wissenschaftliches Leben immens bereichert haben.

Um den von mir in verhältnismäßig kurzer Zeit erstellten Katalog publikationsfähig zu machen, bedurfte es zudem der Hilfe zahlreicher Fachkollegen, die wertvolle Hinweise oder Verbesserungsvorschläge zu den Katalognummern beisteuerten, ihnen ist an entsprechender Stelle in den Anmerkungen gedankt. Ausdrücklich hervorheben und besonders herzlich danken möchte ich aber Dr. Christine Schuchard, sowie PD Dr. Michael Oberweis und Dr. Michiel Verweij, die weder Zeit noch Mühe scheuten, um ihr reiches archivalisches, historisches und vor allem philologisches Wissen in den Dienst des Projektes zu stellen.

Ob das Inschriften-Korpus der Anima – wie beabsichtigt – bis in die Gegenwart fortgeführt werden kann, ist noch offen, ebenso, ob und in welcher Form es im Druck erscheinen wird7). Die von Anfang an geplante Online-Publikation des Inschriften-Korpus auf der Plattform „Romana Repertoria“ bzw. „Deutsche Inschriften Online“ ist einer Kooperationsvereinbarung des Deutschen Historischen Institut in Rom mit der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz zu verdanken. Für die konstruktive Zusammenarbeit in diesem sensiblen Bereich danke ich einerseits Niklas Bolli und Jan-Peter Grünewälder von der EDV-Abteilung des DHI, andererseits der Digitalen Akademie Mainz mit Torsten Schrade M.A., Max Grüntgens und Dominik Kasper für ihr großes, keinesfalls selbstverständliches Engagement und die sorgfältige Online-Bereitstellung der Daten.

Schließlich wäre ohne die Unterstützung meiner Frau Martina das „Projekt Rom“ in dieser Form nicht durchzuführen gewesen, ihr danke ich besonders herzlich.

Rom, am 7. Oktober 2012, dem Tag der Erhebung Hildegards von Bingen zur Kirchenlehrerin,

Eberhard J. Nikitsch.

1.2 Benutzerhinweise

Aufgenommen wurden sowohl alle zugänglichen erhaltenen Inschriften mit ihren Trägern als auch alle nur noch im Druck, auf Fotos, in Nachzeichnungen oder in Abschriften überlieferten Inschriften, die heute verschollen oder ganz verloren sind. Vollständigkeit der Erfassung wurde angestrebt, aber angesichts der erst ansatzweise aufgearbeiteten Bestände der zahlreichen in Rom vorhandenen oder auch nach außerhalb verbrachten Archivbestände, dürfte dieses Ziel nicht ganz erreicht worden sein.

Die Bearbeitung der Inschriften und die Gestaltung der einzelnen Katalogartikel orientiert sich an den für das Inschriftenunternehmen „Die deutschen Inschriften“ der deutschen Akademien der Wissenschaften und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften geltenden Richtlinien7). Da Inschriften in der Regel Unikate sind, werden reproduzierbare Texte – wie sie etwa auf Medaillen, Münzen und Siegeln zu finden sind – in der Regel nicht berücksichtigt; zudem sind diese Quellen Gegenstand eigener Fachdisziplinen. Ebenso von der Edition ausgeschlossen bleiben Meister-, Goldschmiede- und Beschauzeichen sowie Monogramme und Einzelbuchstaben, sofern sie nicht in Verbindung mit einer Inschrift auftreten oder ihr zugeordnet werden könen. Singuläre Jahreszahlen eines Standortes werden in der Regel in einer Sammelnummer zusammengefasst und unter der frühesten Jahreszahl im Katalog eingeordnet.

Die Reihenfolge der Inschriften im Katalogteil ist chronologisch bestimmt. Für undatierte Inschriften wurde eine möglichst enge Eingrenzung ihres Entstehungszeitraums vorgenommen. Sie sind jeweils an das Ende des ermittelten Zeitraums gestellt. Konnte ein „terminus post“ bzw. „ante quem“ ermittelt werden, ist der Artikel vor bzw. nach der Inschrift, deren Datum am nächsten liegt, eingeordnet.

1.3 Der Aufbau der Katalogartikel

Die Katalogartikel sind untergliedert in Kopfzeile, Beschreibung, Wiedergabe des Inschriftentextes, Kommentar und Apparat.

Die Kopfzeile enthält die laufende Nummer, die Bezeichnung des Standortes und die Datierung(en) der Inschrift(en). Bei erhaltenen Inschriften ist der aktuelle, bei verlorenen der letzte nachweisbare Standort genannt.

1 Links in der Kopfzeile steht die fortlaufend gezählte Katalognummer.
1† Ein Kreuz neben der laufenden Nummer kennzeichnet nicht mehr vorhandene Inschriften.
1(†) Steht das Kreuz zwischen runden Klammern, weist dies entweder auf erhaltene und verlorene Inschriften innerhalb einer Katalognummer hin oder auf stark überarbeitete bzw. modern ausgeführte Inschriften auf originalen Trägern.
1400 Am rechten Rand der Kopfzeile steht das Entstehungsjahr bzw. der erschlossene Entstehungszeitraum der Inschrift. Die Datierung ist in der Regel der Inschrift entnommen, falls nicht eindeutige Anzeichen auf frühere oder spätere Herstellung vorliegen. Bei einer zufälligen Wiederverwendung des Inschriftenträgers werden die Inschriften getrennt und unter Verweis auf den Träger unter dem jeweiligen Entstehungsjahr eingeordnet, dagegen bei einer offensichtlich bewusst konzipierten Wiederverwendung – etwa im familiären Bereich – gemeinsam unter der ältesten Inschrift. Sind auf einem Träger zahlreiche eigenständige Inschriften aus verschiedenen Entstehungsjahren angebracht, werden entsprechend mehrere Datierungen – durch Komma getrennt – in die Kopfzeile gesetzt; die älteste Inschrift bestimmt dabei die Einordnung in den Katalog.
1400? Unsichere Datierungen erhalten ein Fragezeichen.

Der auf die Kopfzeile folgende Absatz nennt zunächst den Inschriftenträger (bzw. die Inschriftenart) und gibt Informationen zu Standort bzw. Herkunft. Es folgt eine kurze Beschreibung des Trägers mit Bemerkungen zum Material, zur Anbringung und Herstellungstechnik der Inschrift und zum Erhaltungszustand. Mehrere eigenständige Inschriften innerhalb eines Trägers sind mit A, B, C (usw.) bezeichnet, mehrere eigenständige Inschriftenträger innerhalb eines Standortes mit I, II, III (usw.). Außer bei den Wappenbeschreibungen erfolgen die Richtungsangaben immer vom Blickpunkt des Betrachters aus.
Bei kopial überlieferten Inschriften endet dieser Absatz mit der Nennung der für die Textwiedergabe maßgeblichen Quelle. Für original überlieferte Inschriften werden die Maße des Inschriftenträgers, die Buchstabenhöhe und die Schriftart angegeben.
Die Texte der Inschriften werden fortlaufend wiedergegeben, dabei beidseitig eingerückt. Inschriften in gebundener Sprache sind nach Versen abgesetzt, auch wenn das Original die Inschriften fortlaufend wiedergibt. Bei der Wiedergabe der Inschriften werden folgende Zeichen verwendet:

/ Ein Schrägstrich markiert das reale Zeilenende auf dem Träger, bei Grabplatten mit Umschrift die Ecken, bei Schriftbändern einen markanten Knick im Band.
// Ein doppelter Schrägstrich kennzeichnet den Übergang auf ein anderes Inschriftenfeld, innerhalb der Zeile die Unterbrechung der Schrift durch eine Darstellung.
= Worttrennstriche am Zeilenende originaler Inschriften sind als Doppelstrich wiedergegeben.
( ) Abkürzungen werden unter Wegfall des Kürzungszeichens zwischen runden Klammern aufgelöst. Auch wenn die Kürzungszeichen aufgrund des schlechten Erhaltungszustandes der Inschrift nicht mehr zu erkennen sein sollten, werden dennoch runde Klammern verwendet. Bei Kürzungen ohne Kürzungszeichen wird ebenso verfahren und der Befund in der Regel vermerkt.
[ ] Eckige Klammern kennzeichnen Textverlust, nicht mehr lesbare Stellen, Ergänzung aus nicht originaler Überlieferung sowie Zusätze des Bearbeiters.
[...] Ist bei Textverlust eine Ergänzung nicht möglich, zeigen in eckige Klammern gesetzte Punkte in etwa den Umfang des verlorenen Teils an.
[– – –] Ist die Länge einer Fehlstelle ungewiss, werden stets nur drei durch Spatien getrennte Bindestriche gesetzt.
<...> Bei der Entstehung der Inschrift absichtlich freigelassene Stellen – etwa für später nach zutragende Sterbedaten – sind mit spitzen Klammern kenntlich gemacht, die entweder Auslassungszeichen oder den tatsächlichen Nachtrag enthalten.
NE Unter die Buchstaben gesetzte Striche bezeichnen Nexus litterarum, Bogenverschmelzungen oder Ligaturen. Andere Formen von Buchstabenverbindungen (Enklaven, Verschränkungen) werden in den Anmerkungen erläutert.

Bei erhaltenen Inschriften wird der erkennbare Buchstabenbestand wiedergegeben. Bei der Auflösung der Abkürzungen ist AE- oder E-Schreibung je nach Usus der Inschrift eingesetzt, ebenso U und V. Liefert die Inschrift keinen Anhaltspunkt, wird nach klassischem Gebrauch verfahren. Aus kopialer Überlieferung gewonnene Inschriften werden dann buchstabengetreu ediert, wenn der Quelle eine weitgehend textgetreue Übernahme zuzutrauen ist. Andernfalls werden lateinische Texte normalisiert und die Eigennamen groß geschrieben. Vorhandene Kürzungen werden in der Regel vermerkt. Die Interpunktion der kopialen Überlieferung wird allerdings nicht übernommen.

Lateinische Inschriften werden übersetzt. Es folgt die Auflösung des Datums, die Angabe der Reimform oder des Versmaßes sowie die Nennung der am Träger befindlichen Wappen oder Marken. Bei Ahnenproben wird die Anordnung der Wappen angegeben. Zudem werden diese beim ersten Vorkommen in den Anmerkungen beschrieben.

Der anschließende Kommentarteil enthält Erläuterungen zum epigraphischen Befund, zu Sprache und Formular, zu den genannten Personen, zum historischen Hintergrund und gegebenenfalls zur kunsthistorischen Einordnung des Trägers. Für die inschriftenpaläographischen Beschreibungen werden die von den Mitarbeitern der Akademien erarbeiteten Begriffe verwendet.8)

Der Apparat gliedert sich in Buchstaben- und Ziffernanmerkungen. Die Buchstabenanmerkungen enthalten textkritische Angaben wie etwa Textvarianten, unsichere Lesarten, orthographische und paläographische Besonderheiten. Die Ziffernanmerkungen umfassen Zitat- und Literaturnachweise und geben ergänzende Erläuterungen zu Beschreibung und Kommentar.

Das abschließende, chronologisch geordnete Literaturverzeichnis listet die erreichbaren ungedruckten und gedruckten Überlieferungen und Abbildungen der Inschrift auf.

Das Register bereitet das Inschriftenmaterial nach verschiedenen Gesichtspunkten auf; die Inschriften sind dort nach der jeweiligen Katalognummer zitiert.

2. Historisch-chronologischer Überblick9)

Zweite Hälfte 14. Jh. Das Ehepaar Johannes und Katharina Petri aus Dordrecht (in Holland) erwirbt in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts im Stadtteil Parione drei in schlechtem Zustand befindliche Häuser mit Gärten und Nebengebäuden, um darin zu Ehren und unter dem Titel „beatae Mariae Animarum“ ein Armen-Hospital für Menschen aus Deutschland („nationis Almanorum“) einzurichten. Diese Stiftung besteht aus einem im mittleren Haus gelegenen „oratorium“ und den zwei seitlichen Häusern zur getrennten Unterbringung von Männern und Frauen.
1398 In der von Papst Bonifaz IX. ausgestellten Ablassurkunde „Quanto frequentis“ wird die oben skizzierte Gründung des Hospitals erstmals beschrieben und durch die Gewährung eines Ablasses auf Spenden gefördert. Die Gründer des Hospitals werden als „… dilectus filius Johannes Petri de Dordrecht laicus, noster serviens armorum et … Catharina eius uxor“ bezeichnet.
nach 1400 Dietrich Niem aus Westfalen, päpstlicher Skriptor und Abbreviator, sowie langjähriger Rektor bzw. Provisor der Anima (Nrn. 3 und 9), schenkt dem Hospital zunächst zwei Häuser und sichert durch weitere großzügige, testamentarisch verfügte Stiftungen dessen Existenz. Die Konstituierung der das Hospital tragenden Anima-Bruderschaft, der „confraternitas hospitalis“ dürfte auf seine Initiative zurückgehen.
1406 Papst Innozenz VII. befreit durch ein auf Wunsch der Rektoren der Anima ausgestelltes Exemtionsprivileg das Hospital von aller pfarrlicher wie städtischer Jurisdiktion und stellt es unter den Schutz des Heiligen Stuhles. In weiteren Urkunden bestätigt der Papst die Gründung des „hospitalis pauperum beate Marie Alamannorum“ mit der Aufgabe, die Armen und Pilger deutscher Nation zu sammeln, sie zu stärken und ihre Gesundheit wieder herzustellen. Mit der Erlaubnis zur Errichtung eines eigenen Friedhofes und der Gewährung des Begräbnisrechtes löst er das Hospital zudem aus der Zuständigkeit der bis dahin zuständigen Pfarrei S. Nicolai in Agone.
ab 1421 Die in Rom ansässigen deutschsprachigen Handwerker und Kaufleute sowie die an der Kurie tätigen deutschsprachigen Kleriker fördern Kirche und Hospital durch reiche Schenkungen, Stiftungen und Erbschaften. Durch reichlich fließende Miet- und Pachteinnahmen sowie durch die Inkorporation des bereits 1380 gegründeten deutschen St. Andreas-Hospitals wird die Bruderschaft in die Lage versetzt, an der Stelle der alten Kapelle und der beiden Hospitalshäuser den Bau einer großen neuen Kirche im gotischen Stil zu planen.
1431-1449 Das eigentliche Hospital wird in ein benachbartes Gebäude verlegt und 1431 wird mit dem Neubau der Kirche begonnen. An die Stelle der alten Hospitalskirche tritt das Mittelschiff der neuen Kirche und an die der Häuser die beiden Seitenschiffe. Bereits im Mai 1431 erfolgt die Weihe des Hauptaltars im Chor durch Bischof Christian Koband von Ösel (Nr. 4), in den folgenden Jahren werden alle anderen Kapellen geweiht (Nrn. 6, 7, 9 und 17).
1444 Durch eine Bulle Papst Eugens IV. wird die Anima zur Seelsorge an den deutschen Pilgern und Armen, zum regelmäßigen Gottesdienst, zum Hören der Beichte und zur Spendung der Sakramente berechtigt.
1446 Am 13. Dezember wird die Gesamtweihe der gotischen Kirche, einer dreischiffigen, dreijochigen Basilika mit fünfseitig eingezogenem Chor, durch Rudolf, päpstlicher Pönitentiar und Bischof von Città di Castello, vollzogen.
1448-1514 Die Beliebtheit und die Bedeutung der Kirche zeigen sich nicht nur in der Wahl als Begräbnisstätte bedeutender Persönlichkeiten, sondern auch darin, dass hier zwischen 1448 und 1514 insgesamt 59 Bischöfe geweiht werden.
1463 Der aus der Diözese Verden stammende „copista“ Heinrich Marwede beginnt unter Verwendung älterer Aufzeichnungen mit der Anlage des „Liber Confraternitatis“, in dem die Mitglieder der Bruderschaft verzeichnet werden.
1482 Durch den von Papst Sixtus IV. veranlassten Bau von Santa Maria della Pace verliert die Anima ihren Friedhof und einige angrenzende Hospitals-Häuser.
1483/84 Auf Beschluss der Bruderschaft werden alle der Anima gehörenden Häuser mit dem doppelköpfigen Reichsadler versehen (Nr. 43).
1496 Der aus Straßburg stammende Johannes Burckard (Nrn. 49, 50), päpstlicher Zeremonienmeister, Bischof und langjähriger Provisor der Anima, organisiert die an der Anima tätigen Kleriker (Hospizkaplan, Sakristan, Kustos und sechs weitere Kapläne) in einem dem gemeinschaftlichen Leben verpflichteten Kaplanskollegium.
1499 Um nicht hinter den neu errichteten Bauten der anderen „nationes“ zurückzustehen, beschließen 22 Mitglieder der Bruderschaft unter dem Vorsitz des Provisors Johannes Burckard am 24. September den Abriss der etwa 50 Jahre alten gotischen Hospitalskirche und den Bau einer neuen, die ein „opus laudabile Alemannico more compositum“ werden soll9).
1500 Die Grundsteinlegung erfolgt durch Matthias Scheidt, Fürstbischof von Seckau und Gesandter Kaiser Maximilians I. Es entsteht eine dreischiffige, vierjochige Hallenkirche mit acht quergerichteten Kapellen, flach geschlossenen Seitenschiffen und einem zweijochigen Chor mit halbkreisförmigem Schluss. Die Verbindung mit dem Reich dokumentieren u. a. die Schlußsteine im Gewölbe mit sechs (von sieben) kurfürstlichen Wappen.
1503 Bernhard Sculteti (Nr. 69), apostolischer Skriptor und Hauskaplan Papst Leos X., übernimmt die Leitung der Anima und damit auch die Aufsicht über die Baustelle, ihm folgen der damalige apostolische Skriptor Wilhelm van Enckenvoirt (Nr. 98) und der Rota-Notar Johannes Sander (Nr. 100) nach.
1509 Um die weitere Finanzierung des Kirchenbaus zu sichern, werden die vermögenderen Mitglieder der deutschen Gemeinde Roms um unverzinsliche Darlehen gebeten.
1510 Am 25. November ist der Rohbau der Kirche soweit vollendet, dass Chor und Hochaltar sowie die beiden anschließenden Kapellen im Kirchenschiff durch Bischof Titus von Castro geweiht werden können.
1511/12 Martin Luther rühmt die Kirche anlässlich seines Rombesuches: „zu Rom im Spital ist die deutsche Kirche, die ist die beste, hat ein deutschen Pfarherr“.
1514 Die Meister Giuliano da Sangallo zugeschriebene Fassade der Kirche ist am 16. Juni soweit fertiggestellt, dass die Widmungsinschrift angebracht werden kann (Nr. 61). Papst Leo X. fördert die weiteren Bauarbeiten der Kirche durch eine Ablassverleihung. Ausführender Bildhauer ist Steinmetzmeister Bartolomeo Lante.
1515/16 Die Hospitalsgebäude werden abgerissen und neu erbaut (Nrn. 65 und 66).
1518 Kaiser Maximilian I. nimmt auf dem Reichstag zu Augsburg die Anima unter den besonderen Schutz des Heiligen Römischen Reiches und erklärt sie für reichsunmittelbar: „In Nostram et Sacri Romani Imperii protectionem tuitionem defensionemque et curam suscepimus et suscipimus“. Realer Schutzherr in Rom ist der jeweilige kaiserliche Gesandte beim Heiligen Stuhl.
1523 Der Kirchenneubau ist in seinen wesentlichen Teilen fertiggestellt. Die monumentalen, heute noch vorhandenen Wappen Papst Hadrians VI und Kaiser Maximilians I. werden im oberen Teil der Fassade befestigt.
1527 Im Sacco di Roma wird auch die Anima nicht verschont; drei der Anima-Häuser werden zerstört, in der Kirche gehen nahezu alle liturgischen Geräte und Paramente verloren; dagegen kann das Archiv durch den Rotanotar Dietrich von Einem (Nr. 88) gerettet werden.
1533 Der in Alt-St. Peter in einem Backstein-Sarkophag beigesetzte Leichnam Papst Hadrians VI. wird zehn Jahre nach seinem Tod in die Anima überführt und im Chor im Bereich seines bereits 1529 vollendeten Grabdenkmals (Nr. 89) bestattet.
1542 Am 25. November wird die Gesamtweihe der Kirche vollzogen.
1551 Die beschlussfähigen Versammlungen der Bruderschaft, in der bislang alle „confratres“ Sitz und Stimme hatten, werden zugunsten einer sich selbst ergänzenden „Congregation“ aufgegeben; ihr gehören nur noch 12 bzw. 13 entscheidungsberechtigte Mitglieder an.
1598/99 Zur Jahreswende verwüstet ein dreitägiges Tiber-Hochwasser das Innere der Kirche, dabei werden ein großer Teil der Ausstattung sowie zahlreiche Grabdenkmäler in Mitleidenschaft gezogen.
1599 Infolge der Loslösung Hollands vom Reich wird beschlossen, keine „Belgier“ mehr in die Anima aufzunehmen.
1635-1644 Bau der neuen Sakristei.
1677 Auf Beschluss der Provisoren werden die alten Glasfenster der Kirche herausgebrochen und durch neue hellere ersetzt.
1699 Kaiser Leopold I. bestätigt den 1518 ausgestellten Schutzbrief Kaiser Maximilians.
1713 Aufgrund der immensen Ausgaben für die Trauerfeierlichkeiten des 1712 verstorbenen Kaiser Joseph I. sieht sich die Anima gezwungen, die Almosenzahlungen an die Armen und den Betrieb des Hospitals auf unbestimmte Zeit einzustellen.
1742 Das kaiserlich-deutsche Protektorat geht auf Wunsch der Anima-Provisoren und mit Bestätigung Papst Benedikts XIV. auf das Haus Österreich über.
1747-1751 Während des Rektorats von Christoph Anton Graf von Migazzi wird unter der Leitung des Architekten Paolo Posi aus Siena die Barockisierung des Chores und Teile des Langhauses durchgeführt. Einige der bedeutenden Grabdenkmäler werden verändert bzw. versetzt, zudem gehen große Teile der renaissancezeitlichen Ausstattung verloren.
1774 Um die immense Nässe und die Bodenfeuchtigkeit in den Griff zu bekommen, wird eine Unterkellerung des gesamten Kirchenschiffs veranlasst und gleichzeitig eine Art Krypta angelegt; dies erfordert einen neuen Bodenbelag und führt zum Verlust nahezu aller dort liegenden spätmittelalterlichen Grabplatten.
1798 Proklamierung der Römischen Republik, Beschlagnahme und Plünderung der Kirche durch die französische Besatzung. Sämtliche liturgischen Geräte, Paramente und sonstige Ausstattungsgegenstände wurden meistbietend an römische Händler verkauft, ebenso die drei Glocken; mobile Skulpturen (wie Lorenzettos Pietà, Nr. 90) und die Tafelbilder (darunter die von Giulio Romano und Saraceni gemalten, Nr. 77) werden in die Villa Medici bzw. bis nach Paris verbracht. Das Kirchenschiff diente nun als Heumagazin, die Sakristei als Pferdestall.
1800 Nach dem Ende der Römischen Republik 1799 wird die Anima reorganisiert; einzelne Ausstattungsgegenstände können zurückerworben werden; auch die beschlagnahmten Kunstwerke kehren in die Anima zurück.
1801 Wiedereröffnung der Kirche im Rahmen einer feierlichen Ostermesse.
1806 Kaiser Franz II. verzichtet auf die römisch-deutsche Kaiserkrone; das Protektorat geht auf das neugegründete Kaisertum Österreich über.
1824 Das Hospital wird als Herberge für alle aus der Habsburgmonarchie stammenden Pilger wieder eröffnet, sie erhalten das Recht auf Beherbergung für einen bis drei Tage.
1827 Der unter den Franzosen verwüstete Chor wird wiederhergestellt.
1842-1844 Restaurierung des Langhauses.
1851 Die deutschsprachige Gemeinde Roms beklagt in einer Denkschrift nicht nur die „Italianisierung“ der Anima, sondern auch mit Nachdruck, dass die ursprünglich gesamtdeutsche Stiftung nunmehr zu einer rein österreichischen Institution geworden sei.
1859 Ein von Papst Pius IX. auf Bitten des österreichischen Kaisers Franz Joseph I. erlassenes Breve „Praeclara instituta charitatis“ ordnet die Strukturen der Anima als ein „für arme deutsche Pilger“ bestimmtes Hospital neu und legt fest, dass sie für alle Nachfolgestaaten der bis 1806 dem Heiligen Römischen Reich zugehörigen Mitglieder zuständig sei. Die Stellung des Rektors wird gestärkt und gleichzeitig ein Priesterkolleg eingerichtet, in das alle studierwilligen Priester aus jenen Diözesen, die vor 1806 Teil des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation waren, aufgenommen werden können.
1872-1887 Unter dem Rektorat von Karl Jänig (zuvor Rektor des Campo Santo) wird sowohl eine wirtschaftliche als auch geistliche Konsolidierung der Anima erreicht; begonnen wird zudem mit einer historischen Aufarbeitung. Der Innenhof des Priesterkollegs wird mit architektonischen, figuralen und sepulkralen Spolien unterschiedlichster Herkunft geschmückt und erhält sein heutiges pittoreskes Aussehen. Das Kaplanskollegium zählt nun 25 Mitglieder.
1874/75 Durchgreifende Restaurierung und Veränderungen in der gesamten Kirche durch Emilio Stranucci als Architekt und den Maler Ludwig Seitz.
1906 Anlässlich des 500jährigen Anima-Jubläums belebt Rektor Joseph Lohninger die Bruderschaft neu; prominentes Mitglied wird Papst Pius X. – Joseph Schmidlin, Vizerektor der Anima, publiziert das bis heute gültige Standardwerk „Geschichte der deutschen Nationalkirche in Rom S. Maria dell’Anima“.
1915 Nach dem Kriegseintritt Italiens auf Seiten der Entente kann die drohende Beschlagnahmung der Anima nur dadurch verhindert werden, dass Kardinalprotektor Merry de Val die Kirche unter den Schutz der spanischen Vatikansbotschaft stellt.
1920 Wiedereröffnung des Priesterkollegs unter dem Protektorat der Republik Österreich.
1923-1952 Der aus Graz stammende Theologe Alois Hudal wird zunächst zum kommissarischen Leiter, 1937 zum Rektor der Anima bestellt. 1933 von Eugenius Pacelli, dem späteren Papst Pius XII., zum Bischof geweiht, entfaltete er reiche, breitgefächerte Aktivitäten. Seine Nähe zum Nationalsozialismus führt 1952 zu seinem vom Heiligen Stuhl gewünschten Rücktritt.
1925 Die Anima betreut im Heiligen Jahr über 80 Pilgerzüge.
1937 Einweihung der Kriegergedächtniskapelle mit den sterblichen Überresten von 456 Gefallenen der österreich-ungarischen Armee des Ersten Weltkrieges, entworfen von Hofrat Karl Holey, Dombaumeister und Rektor der Technischen Hochschule Wien.
1961 Auf gemeinsame Initiative des deutschen Kardinals Frings und des österreichischen Kardinals Innitzer wird durch ein Breve Papst Johannes XXIII. festgelegt, dass nun die österreichischen Bischöfe im Einvernehmen mit den deutschen Bischöfen den Rektor, bestimmen, der Erzbischof von Köln hingegen den Kuraten, beide werden dem Kardinal-Präfekten der Studienkongregation zur Ernennung vorgeschlagen. Der Vizerektor soll ein Deutscher sein, wenn der Rektor Österreicher ist, und umgekehrt.
1962-1965 Während des Zweiten Vatikanischen Konzils dient die Anima den deutschen Bischöfen und ihren Mitarbeitern als Zentrum und der Deutschen Bischofskonferenz als Tagungsort.

3. Die Überlieferung der Inschriften

Solange das dringend wünschenswerte, aber leider noch in weiter Ferne stehende „Korpus der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Inschriften Roms“ nicht realisiert worden ist 10), sind wir bei der Beschäftigung mit diesen Inschriften naturgemäß auf die (unten skizzierten) wertvollen Sammlungen angewiesen, die wir den Historiographen und Antiquaren des 17. und 18. Jahrhunderts verdanken11), und die ihrerseits erstmals Ende des 19. Jahrhunderts in dem grundlegenden Werk von Vincenzo Forcella zusammengefasst und publiziert worden sind.

Im Bereich der Kirche der Anima und den zugehörigen Gebäuden konnten bislang für den gesamten Bearbeitungszeitraum vom Mittelalter bis in die Gegenwart insgesamt 335 Inschriften gesammelt bzw. nachgewiesen werden, hinzu kommen 15 Inschriften aus der Antike 12), die als Spolien im Innenhof des Priesterkollegs vermauert sind. Von diesen insgesamt 350 Inschriften haben sich bis heute 198 im Original erhalten, während 152 als verschollen betrachtet werden müssen und nur mehr aus Abschriften oder Nachzeichnungen bekannt sind. Allerdings stellt sich das Verhältnis zwischen verschollenen und erhaltenen Inschriften je nach betrachtetem Zeitraum völlig unterschiedlich dar. Abgesehen von drei frühen, nicht aus der Anima stammenden Inschriften (Nrn. 1, 2, 33), haben sich von den insgesamt 48, aus den Jahren nach Gründung des Hospitals bis zum Abriss der gotischen Kirche Ende des 15. Jahrhunderts zuverlässig nachgewiesenen Inschriften lediglich 3 (Nrn. 6, 22, 43) erhalten. Von den 54, ab 1500 bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts überlieferten Inschriften sind immerhin noch 14 vorhanden und von den 91 zwischen 1550 und 1650 nachgewiesenen noch 37. Von den restlichen 134 Inschriften bis zur Gegenwart haben sich nahezu alle, nämlich 126, im Original erhalten. Das heißt: Durch die seit der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts verzeichneten Inventare der Anima und durch die Ende des 16. Jahrhundert einsetzende gute kopiale Überlieferung der Grabinschriften erhalten wir einen einigermaßen zuverlässigen Einblick in den bis zur Barockisierung der Kirche um 1750 vorhandenen realen Bestand an inschriftlichen Denkmälern.13) Dem dadurch und vor allem durch die Anlage der Krypta im Jahr 1774 eingetretenen Verlust an vor allem mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Denkmälern steht erfreulicherweise der nahezu unverändert erhaltene Bestand des 18. bis 21. Jahrhunderts entgegen. Dabei muss natürlich stets berücksichtigt werden, dass es im gesamten Zeitraum mit Sicherheit weitere mit Inschriften versehene Denkmäler gegeben hat 14), die keine abschriftliche Überlieferung erfahren haben.

3.1 Benützte Handschirften (in chronologischer Reihenfolge14)

Chacon, Alfonso (1530-1599) : Inscriptiones et epitaphia. Vatikanstadt, Biblioteca Apostolica Vaticana (BAV) Chigiano IV 167 (ehem. Anonymus Spagnolus). – Handschrift, darin fol. 180r-184v „In aede S. Mariae de A(n)i(m)a“. Datierung: kurz vor 1578.15)

Die Handschrift weist im Anschluss an die Überschrift „Inscriptiones et epitaphia“ folgende Einträge von vier unterschiedlichen Händen16) auf: „exscripta t(em)p(o)re Pii Pape .V. ut collige(tur) ex / fol. 372 an. 1566 f.° 119 Bulla Pii V. 1569 / 1571 f.° 442,69 r-v / Fol.106 et 116 adsunt inscript(iones) ann(o) 1576“. Darunter steht von einer weiteren Hand: „fray A(n)gelo de prato / octaviano zoco a ca(m)po di fior“. Die nach den Rione (den Stadtbezirken) Roms geordnete (Sammel-)Handschrift beginnt mit einem Inhaltsverzeichnis, danach folgen insgesamt 462 foliierte Seiten mit den Inschriften der zugehörigen Kirchen; fol. 180r-184v überliefern einige Inschriften aus der Anima. Die in spanischer Sprache verfassten Bemerkungen zur Anima-Kirche fol. 184r-v legen nahe, dass es sich bei dem Verfasser im einen Spanier handelt. Bestätigt wird diese Vermutung durch I. Herklotz; demnach der bisherige Anonymus zweifelsfrei mit dem bekannten spanischen Dominikaner, apostolischen Pönitentiar und Kirchenhistoriker Alfonso Chacon (Ciaconius)17) zu identifizieren ist. Bekräftigt wird dies durch einen Vergleich mit einer in Madrid verwahrten Handschrift des Chacon, Romanas Epitafios (s. u.), in der sich überdies die fehlenden (bei anderen Kopisten vollständig überlieferten) Inschriften der Anima befinden. Aus weiteren Vergleichen mit in der Anima noch vorhandenen Inschriften ergibt sich zweifellos, dass Chacon (und seine Mitarbeiter) wohl persönlich die Kirchen Roms aufgesucht, Inschriften eigenhändig abgeschrieben und sie insgesamt sehr zuverlässig überliefert haben. Chacon gibt die Inschriften in zeitgenössischer Schreibschrift mit entsprechenden Kürzungen wieder, die aber nicht immer denen des Originals entsprechen.

Im Einzelnen ist zu bemerken:

  • das tatsächliche Schluss-e der Inschrift wird mit ae bzw. oe, bzw. das ae der Inschrift mit oe wiedergegeben;
  • unterschieden wird zwischen „tumulus“ (Grabdenkmal, größeres Epitaph), „tabula“ (Tafel an der Wand) und „lapis“ (im Boden liegende Grabplatte);
  • gelegentlich werden die Schlusszeilen der Inschrift nicht überliefert, etwa bei Sprüchen oder Stifternennungen;
  • Distichen werden durch Einzug angezeigt;
  • gelegentlich werden Verbesserungen vorgenommen, so wird etwa M D (aus Gewohnheit schnell niedergeschrieben) zum korrekten MCCCCC (wie in der Inschrift) geändert;
  • gelegentlich finden sich Kommentare, etwa zu einem ungewöhnlichen Figurenprogramm18)
  • .

Chacon, Alfonso (1540-1599): Romanas Epitafios. Madrid, Biblioteca Nacional di Madrid, Ms. 2008.18) – Sammelhandschrift, darin fol. 184v-186r, 207r-207v, 217v-218r, 222r-225 Inschriften aus der Anima: „De S. Maria de Anima Xenodochio et te(m)plo germanor(um)“. Datiert: Mitte der 70 Jahre des 16. Jahrhunderts.

Die Handschrift wurde erstmals von I. Herklotz19) aufgrund von Handschriftenvergleichen eindeutig dem erwähnten Alfonso Chacon zugeschrieben und aufgrund von Inschriftenzitaten (die letzte überlieferte Inschrift stammt aus dem Jahr 1572) in die frühen siebziger Jahre des 16. Jahrhunderts datiert. Es dürfte sich hier um auf verschiedene Seiten verteilte Teile von A. Chacon, Inscriptiones et epitaphia (BAV Chigiano I V 167, bisher Anonymus Spagnolo) handeln (s. o.), die in dieser Handschrift fehlen.

Chacon, Alfonso (1540-1599): S. Maria De Anima. Rom, Biblioteca Angelica, Ms. 1564.19) – Sammelhandschrift, darin fol. 224r-228r Inschriften aus „S. Maria De Anima, in regione Parionis, Ecclesia Teutonicor(um), elegans templu(m) (…).“ Datiert: nach 1592.

Es handelt sich hier – trotz seiner eigenen Sammlungen – aufgrund der übereinstimmenden Struktur in der Abfolge der Inschriften offensichtlich um Abschriften aus dem 1592 in Helmstadt erschienenen Werk von Lorenz Schrader „Monumentorum Italiae“ (s. u.), das Chacon im hohen Alter dazu benutzte, um einige ihn interessierenden lateinischen Verse aus römischen Kirchen, in der Regel Distichen, zu verzeichnen.

Rikemann, Jacob (1558-1626): Epitaphiorum et Inscriptionum Tumulorum Sepulcralium Tomus I Continens Centurias VIII Minus S. Epitaphys ex omnium temporum omnis generis autoribus monumentis marmoreis et erectis vel humi collocatis lapidibusque collectus bono studio et opera a Iacobo Rikemanno Luneburg. Wolfenbüttel, Herzog August Bibliothek Cod. Guelf 28.9 Aug.20) – Handschrift, darin S. 88-111: Grabinschriften aus der Anima („Sepultus Romae ad S. Mariam de Anima in regione Parionis Templo Germanorum“). Datierung: vor 1626. Aufgrund der Anordnung nach römischen Kirchen und der übereinstimmenden Abfolge der Inschriften dürfte es sich hier ebenfalls um Abschriften aus dem 1592 in Helmstadt erschienenen Werk von Lorenz Schrader „Monumentorum Italiae“ handeln.

Codex Albani 201: „Tombs of Illustrious Italians at Rome“. Windsor, Royal Library at Windsor Castle RCIN 97033421). – Sammelhandschrift mit neun Nachzeichnungen22) von figürlichen Grabdenkmälern aus der Kirche der Anima. Datierung: 1. Hälfte 17. Jahrhundert. Der aus dem Besitz des römischen Antiquars Cassiano dal Pozzo23) stammende Sammelband enthält qualitätsvolle Zeichnungen zahlreicher römischer Grabdenkmäler mit eindeutigem Schwerpunkt auf Monumentalgräber des Adels und der Geistlichkeit der Renaissance. Die von unterschiedlichen Händen24) stammenden Blätter sind mit der Feder gezeichnet und laviert; Inschriften auf Grabdenkmälern werden dabei nur gelegentlich wiedergegeben.

Gualdi, Francesco (um 1574-1657): Hs. ohne Titel (Gualdi B). Zwei Teile, Vatikanstadt, BAV Cod. Vat. lat. 8253. – Teil 1, fol. 1-262: Buchstabe A bis M (S. Maria di Aracoeli). Teil 2, fol. 263-504: Buchstabe M bisV, sowie Inschriften aus einigen Städten in der Umgebung Roms (S. Maria di Aracoeli bis Trinita del Monti; Albano bis Trani). Darin: fol. 356r-367v „Nella chiesa di S. Maria dell’Anima della natione tedescha“. Datierung: um 1650.

Die mit kräftiger Tinte geschriebene Handschrift befindet sich in einem schlechten Zustand, viele Seiten sind in jüngerer Zeit mit Schutzfolie überklebt worden; dadurch drückt sich die Schrift durch und ist gelegentlich schwer zu entziffern. Bei den Texten handelt es sich um sehr zuverlässige, von  Gualdi25) und seinen Mitarbeitern vorgenommene Abschriften von Inschriften, die in alphabetischer Reihenfolge nach Kirchen geordnet und dann nachträglich foliiert wurden. Bemerkenswert ist die hier vorgenommene, bei anderen Antiquaren so nicht übliche (knappe) Beschreibung der Inschriftenträger, wobei nicht nur gelegentlich die Schriftart – wie etwa Gotische Majuskel – nachgeahmt wird, sondern auch die auf den Grabdenkmälern vorhandenen Wappen beschrieben bzw. zeichnerisch wiedergegeben und ihre Stellung innerhalb der Inschrift mitgeteilt werden. Vereinzelt werden auch alte Briefumschläge als Schreibpapier wiederverwendet (fol. 128); ein signifikanter Hinweis auf den vorläufigen Charakter der Sammlung26). Zeilentrennung wird in der Regel durch ein besonders Zeichen angezeigt (fehlt etwa bei Nr. 38), manchmal durch ein =, oder auch durch ein Zeichen ähnlich einem umgedrehten &. Am Beispiel der langzeiligen Inschrift für Kardinal Wilhelm van Enckenvoirt (Nr. 98) lässt sich etwa gut nachzuvollziehen, dass die Zeilentrennung zuverlässig angezeigt wird.

Magalotti, Cesare (1602-1666): Delle notitie delle Famiglie Italiane et Oltramontane (etc.). Vatikanstadt, BAV Chigiano G V 143 Vol. V. Datierung: um 1650.

Handschrift mit einem vorgehefteten, alphabetischen, unfoliierten Namensindex. Anschließend folgen auf fol. 1-1200 Inschriftenabschriften aus den Kirchen Roms, geordnet nach Familiennamen, darunter auch zahlreiche Grabinschriften aus der Anima. Magalotti27) legt offensichtlich keinen Wert auf genaue Textüberlieferung, so schreibt er etwa stets „Johannes“ statt IOANNES der Inschrift. Im Vordergrund seines Interesses stehen eindeutig die den Inschriften entnehmbaren biographischen Informationen, daher fehlen nähere Angaben zur Zeilentrennung ebenso wie zu Wappen oder figürlichen Darstellungen.

Bruzio, Giovanni Antonio (1614-1692): Archisodalitates et Sodalitates Romanae Urbis [Einbandrücken: Io: Ant: Brutij / Opera / To: XIV / Sodalitates]. Vatikanstadt, BAV Cod. Vat. Lat. 11883. Datierung: um 1660.

Die von dem aus der Nähe von Urbino stammenden Bruzio28) verfasste Handschrift enthält verhältnismäßig präzise Beschreibungen der Ausstattung römischer Kirchen, darunter auf fol. 212r-214v „De Sodalitate Mariae de Anima Germanorum“, eine detailreiche Beschreibung der Anima vor der Barockisierung. Sie beginnt im Chor, handelt dann jede Kapelle einzeln ab und führt dabei gelegentlich auch Inschriften auf, die mit der Ausstattung in Verbindung stehen. Inschriften auf Grabdenkmäler interessieren dabei offensichtlich nicht.

Anonymus I, ohne Titel (NN., Inschriften). Rom, Archivio di Santa Maria dell’Anima (ASMA) C V e (alte Signatur: II. M. a.)29). – Teil 2 einer aus zwei Teilen bestehenden Handschrift, von der der erste Teil fehlt. Sie enthält auf den noch vorhandenen durchgezählten Seiten 31-47 Abschriften von Inschriften der Anima. Datierung: kurz vor 175030).

Die zweifellos vor Ort aufgenommenen Inschriften und Inschriftenfragmente sind in der Regel schematisch nach ihrem tatsächlichen Aussehen wiedergegeben, entweder als tafelförmige Epitaphien mit zeilenweiser Inschrift oder als Grabplatten mit Umschrift bzw. mit zeilenweiser Inschrift31); Fehlstellen werden durch Auslassungspunkte gekennzeichnet. Allerdings werden Wappen oder figürliche Darstellungen nicht wiedergegeben. Die offensichtlich in der Reihenfolge ihrer Standorte32) aufgenommenen und durchnummerierten Abschriften und schematischen Nachzeichnungen beginnen auf Seite 31 mit Nr. 69 und enden auf Seite 47 mit Nr. 129 bzw. Nr. 131 (die letzten beiden Inschriften sind nicht gezählt). Ganz selten finden sich kurze Kommentare in italienischer Sprache, die auf nicht mehr lesbare Stellen hinweisen. Möglicherweise wurde diese umfangreiche Inschriftensammlung anlässlich der bevorstehenden Barockisierung der Kirche um 1750 angelegt und vermittelt – wenn auch nur rudimentär – einen guten Eindruck vom damals vorhandenen Bestand an Grabdenkmälern.

Galletti, Pier Luigi (1722-1788): Inscriptiones Urbis Germania, Austria, Flandria, Svecia, Venetia. Vatikanstadt, BAV Cod. Vat. Lat. 7916. – Chronologisch wie topographisch ungeordnete, aus zahlreichen Einzelnotizen und eingeklebten Blättern bestehende umfangreiche Sammlung von Inschriften der Angehörigen der deutschen Nation in Rom. Datierung: kurz vor 177132).

Der als Skriptor an der Vatikanischen Bibliothek tätige Benediktinermönch und spätere Titularbischof von Cyrene33) benutzte für seine Arbeiten erstmals von ihm in Archiven und Bibliotheken Roms vorgefundenen Inschriftensammlungen seiner Vorgänger, ergänzte sie durch eigene Forschungen in den Kirchen Roms und stellte die Inschriften mit Angabe des Standortes durchnummeriert und nach Nationen geordnet in zahlreichen Bänden zusammen34). In der Regel orientiert sich das Schriftbild am Aussehen der Inschrift, die Zeilentrennung wird zuverlässig wiedergegeben, gelegentlich finden sich nachgezeichnete Wappen und ganz vereinzelt wird auch versucht, die Schriftart nachzuahmen.

Monumenta Sepulcralia Belgarum qui Romae obierunt & sepulti iacent, Anno 1390 ad annum 1736. Brüssel, Koninklijke Bibliothek van België, Handschriftenkabinet ms. 1398635). – Datierung: kurz nach 1736.

Die 34 Blätter umfassende Handschrift versammelt erstmals in chronologischer Reihenfolge die in Rom begrabenen Angehörigen aus dem Bereich der heutigen Benelux-Staaten.36) Als Grundlage diente dem unbekannten Verfasser vermutlich die Inschriftensammlung von F. Galletti.37)

Forster, Joachim, ohne Titel (Grabinschriften der Anima). Rom, ASMA, B V b, fol. 1-20. –Handschrift, enthält die damals vorhanden bzw. zugänglichen Inschriften der Grabdenkmäler in der Kirche der Anima. Datierung: 184438).

Anonymus II, ohne Titel (NN., Inschriften Anima). Rom, ASMA, B V b, fol. 289-338. – Handschrift, enthält, von mehreren Händen verfasst, überwiegend aus Forcella (s. u.) bzw. Galletti (s. o.) entnommene Inschriften der Grabdenkmäler in der Kirche der Anima. Datierung: 2. Hälfte 19. Jahrhundert.

3.2 Benützte Inventarverzeichnisse

Im Archiv der Anima (ASMA) sind an unterschiedlichsten Stellen der verschiedenen Bücher aufschlussreiche Inventare verzeichnet, die die Ausstattung der Kirche, der Anima-Häuser und des Andreas-Hospitals auflisten und gelegentlich die Gegenstände näher beschreiben. Für den vorliegenden Katalog wurden die folgenden Inventare mit Nennungen von Inschriften herangezogen:

A V 3 (Lib. Misc. Lit. E Tom. 3) fol. 54v-58: Inventarium de rebus (…) et aliis cleinodiis ceptus in sacristia hospitalis Beate marie Theotonicorum de anno 1469 die xxi augusti per Albertus Cock et (…) provisores factum.

A V 3 (Lib. Misc. Lit. E Tom. 3) fol. 59v-61: Inventarium de rebus hospitalibus beate Marie de Anima de urbe theuthonicorum factum per me Fridel de Corbecke (…) provisorem dicti hospitalis Anno domini 1473.

A II 3 (Lib. Instr. Lit. B Tom. 3) fol. 63-65 (alte Foliierung fol. 65ff.): Inventarium rerum et bonorum existentium in ecclesia et sacristia illius b. Marie de Anima hospitalis Teutonicorum de Urbe regionis Parionis per dominum Godfridum de Beca (…), Caspar Wirt, Wilhelmo Enkevort et Johannes Schutz confratribus et provisoribus cum rebus ipsis per eum exhibitis michi Johanni Sander, provisori dicti hospitalis, consignatum die xvi. maij 1514.

A V 11 (Lib. Misc. Lit. E Tom. 11) fol. 6r-9v: Sequntur res et bona Inventaria ecclesie et hospitalis beate Marie de Anima Theutonicorum post captivitatem spolium et desolationum Urbis et ecclesiarum illius facta die septima may 1527 per hostes imperiales Alamannos et Hispanos viginti milium et ultra. Et primo res ecclesie sacristie dicti hospitalis die xv. Novembris 1528 consripte per me Joannem Sander provisorem dicti hospitalis (…).

A V 9 (Lib. Misc. Lit. E Tom. 9) fol. 276-304. Die 13. Februarij 1660. Hoc est Inventarium et singolorum bonorum mobilium Sacrorumque supellectilia argenti et auri respective existentes in Sacrestia seu Ecclesia Beate Maria de Anima (…) Reverendissimi Domini Joannis Emerix Sacrae Rotae Auditoris ac Reverendissimi Domini Leonardi Briffonij (…) videlicet.

3.3 Gedruckte Überlieferung39)

Rybisch, Siegfried: Monumenta clarorum doctrina praecipue toto orbe terrarum virorum collecta passim et maximo impendio cura et industria in aes incisa sumptu et studio nobilis viri D. Sigefridus Rybisch, opera vero Tobiae Fendt (…). Frankfurt am Main 31589 (1. Aufl. 1574) (Vorhanden in: Biblioteca Hertziana, Sign. Bo 102-1740/b raro).

Unter den 125 Kupferstichen von Grabmälern berühmter Persönlichkeiten aus Antike, Mittelalter und Neuzeit40) finden sich mit den Denkmälern für Bernardo Saliceto (Nr. 79) und Valerius Cordus (Nr. 102) erstaunlicherweise auch zwei aus der Anima.

Schrader, Lorenz: Monumentorum Italiae, quae hoc nostro saeculo & a Christianis posita sunt, libri quatuor. Editi a Laurentio Schradero (…). Helmstadt 1592.

Der aus Halberstadt gebürtige protestantische Gelehrte41) unternahm im Jahr 1556 seine erste Italienreise, deren wissenschaftlichen Ertrag er in Form von Kurzbeschreibungen italienischer Städte, ihrer Baudenkmäler und der Mitteilung ihrer Inschriften erst 1592 in dem angezeigten Werk verwerten konnte. Einen längeren Besuch in Rom im Jahr 1562 dürfte Schrader zur persönlichen Aufnahme der Inschriften in römischen Kirchen genutzt haben. Wenn er auch gelegentlich nur den dichterischen Teil einer Inschrift ohne die zugehörige Prosa überliefert, so verdanken wir ihm doch die erste nahezu vollständige und damit grundlegende Sammlung der damals noch in der Anima vorhandenen Grabinschriften (fol. 143r-147r).

Sweertius, Franciscus, Selectae Christani orbis deliciae ex Vrbibus, Templis, Bibliothecis, et aliunde per F. S. Köln 1625.

Ohne jemals in Rom gewesen zu sein, verzeichnet der Autor unter der Überschrift „In Sancta Maria de Anima, Templo Germanorum“, zwölf Inschriften bedeutender Persönlichkeiten, die er aus bereits erschienenen Büchern zusammengestellt hat, darunter die von ihm in seiner Einleitung erwähnten T. Fendt (S. Rybisch) und L. Schrader.

Gaillard, Victor: Épitaphes des Neérlandais (Belges et Hollandais) enterrés a Rome, publiées avec introduction et notes biographiques, par V. G. Gand 1853.
Der mit biographischen Anmerkungen versehene Katalog ist chronologisch geordnet und verzeichnet die Grabinschriften der in der Anima und anderen römischen Kirchen begrabenen Belgier und Holländer.

Forcella, Vincenzo: Iscrizioni delle chiese e d'altri edifici di Roma dal secolo XI fino al giorni nostri. Band 3, Teil 4: S. Maria dell’Anima. Roma 1873.

Forcella42) überliefert für den Bereich der Anima im Zeitraum 1420 bis 1859 insgesamt 184 chronologisch geordnete Inschriften, die er aus der gedruckten sowie archivalisch vorhandenen Literatur des späten 16. bis 18. Jahrhunderts zusammengestellt43) und für das späte 18. und das 19. Jahrhundert wohl weitgehend selbst gesammelt hat. Er verwendet sowohl Schrader als auch Gualdi, Magalotti und Galletti, deren Überlieferungsvarianten er gelegentlich mit textkritischen Kommentaren versieht. Aus seinen Bemerkungen zu den noch in der Anima vorhandenen Inschriften lässt sich mit Sicherheit schließen, dass er die Kirche persönlich aufgesucht hat und ihm ein Großteil der noch vorhandenen Denkmäler bekannt waren. So unverzichtbar Forcellas Sammlung nach wie vor für die Arbeit mit den Inschriften Roms ist, so sehr fallen aber auch einige Mängel ins Gewicht44): Bei seiner Edition ist zwischen Autopsie und Übernahme aus kopialen Quellen nicht immer klar zu unterscheiden, so dass in der Regel weder epigraphische noch sonstige hilfswissenschaftliche Analysen möglich sind, zudem werden Personen- und Ortsnamen nicht identifiziert45) und die Inschriften weder übersetzt noch kommentiert.

4. Inschriften und Inschriftenträger

S. Maria dell'Anima, Weiheinschrift

Der vorliegende Bestand enthält im bearbeiteten Zeitraum bis 1559 hauptsächlich Grab- und Sterbeinschriften auf Grabplatten und Epitaphien46), daneben aber auch nicht wenige Weihe-, Bau- und Stiftungsinschriften sowie (freilich allesamt nicht mehr vorhandene) Namensinschriften auf Kelchen, vereinzelt auch auf Monstranzen oder Messgewändern. Zudem finden sich im Innen- wie Außenbereich der Anima zahlreiche Bau-und Spruchinschriften verschiedenster Provenienz.

4.1 Grabinschriften46)

Bei dem ältesten in der Anima vorhandenen mittelalterlichen (allerdings aus Santa Prassede stammenden) Grabdenkmal (Nr. 1) handelt es sich um eine nur noch fragmentarisch erhaltene hochrechteckige Platte aus weißem Marmor mit einer umlaufenden Gedächtnisinschrift für den 1087 verstorbenen Kardinal Benedictus Caius, kombiniert mit einer zeilenweise abgesetzten „Renovierungsinschrift“, mit der sich 1332 dessen Nachfahren Quintilius und Hannibal Caius auf diesem eigenwilligen, für Rom aber nicht untypischen Memorial-Denkmal47) verewigt haben. Ein signifikantes Zierelement zeigt sich in der Verwendung eines am Rand verlaufenden Mosaikbandes aus grünem und rotem Porphyr, das wohl im Zusammenhang mit den Cosmatenarbeiten zu sehen ist. Auch das zweitälteste Grabdenkmal (Nr. 2), ein aus dem Jahr 1374 stammendes Fragment einer figürlichen Platte mit umlaufender Inschrift und einem auf gedrehten Säulen ruhenden Baldachin, muss schon vom Datum her ebenfalls als Spolie (deren Herkunft nicht geklärt werden konnte) bezeichnet werden.

Ebenfalls nicht mehr im Original erhalten, dafür zeichnerisch äußerst zuverlässig überliefert, ist das figürliche Grabdenkmal (Nr. 4) für den aus Mecklenburg stammenden, 1432 verstorbenen Christian Koband, Generalprokurator des Prämonstratenser-Ordens in Rom und Bischof des estländisch-livländischen Bistums Ösel-Wiek. Mit diesem außergewöhnlichen Monument beginnt die lange Reihe der für die Anima nachgewiesenen Grabdenkmäler, die – wie überall in Rom – in der Regel aus Marmor bestanden haben dürften. Das für höhere Kleriker in dieser Zeit charakteristische Grabdenkmal zeigt in spätmittelalterlicher Manier den Verstorbenen im Pontifikalgewand auf einer hochrechteckigen Marmorplatte mit vor dem Leib gekreuzten Armen unter einem dreigiebeligen, auf gedrehten Säulen ruhenden Baldachin, begleitet von zwei Wappen. Die umlaufende Inschrift informiert – abweichend von dem zu dieser Zeit üblichen HIC-IACET-Formular48) – knapp über die Lebens- und Todesdaten des hochrangigen Verstorbenen, ohne allerdings auf den Hinweis zu verzichten, dass es sich bei ihm immerhin um den Hauskaplan und Beichtvater Papst Martins V. gehandelt habe. Auch der Schluss der Inschrift begnügt sich nicht mit der im Mittelalter üblichen Fürbitte CVIVS ANIMA REQVIESCAT IN PACE, sondern bittet für den hier Begrabenen CVIVS ANIMA CVM SANCTIS ET ELECTIS DEI REQVIESCAT IN SANCTA PACE, dass dessen Seele zusammen mit den Heiligen und Auserwählten Gottes in heiligem Frieden ruhen möge.

Mit der verschollenen Grabplatte des ebenfalls im Jahr 1432 verstorbenen Kanonikers Michael Henrici aus dem niederländischen Seeland, der in Rom als Kursor, also quasi als päpstlicher Postbote tätig war, haben wir erstmals das eben erwähnte, für das Spätmittelalter charakteristische HIC-IACET-Formular49) vor uns: Auf den Liegevermerk HIC IACET, der in der Regel mit CORPVS ergänzt wird, folgt der Name des Verstorbenen mit der Angabe seiner Herkunft, im Fall eines Klerikers verbunden mit der Nennung seines geistlichen Standes bzw. seiner geistlichen Funktionen in der Heimat, etwa CANONICVS, SCHOLASTICVS, PREPOSITVS oder DECANVS einer Stifts-oder Domkirche, bzw. PASTOR oder RECTOR einer Pfarrkirche. Im gegebenen Fall werden dann seine in Rom erworbenen und ausgeübten Ämter und Funktionen genannt, daran anschließend folgt das zentrale Prädikat OBIIT mit dem Todesdatum, bestehend aus Todesjahr und Todestag50); geendet wird in der Regel stets mit der schlichten Fürbitte CVIVS ANIMA REQVIESCAT IN PACE AMEN. Bei Geistlichen kann das Formular durch Epitheta wie VENERABILIS oder auch HONORABILIS angereichert werden. Aber es gibt auch Ausnahmen. Worin etwa das außergewöhnliche HVMANISSIMVS, also das zutiefst Menschliche, des 1479 verstorbenen Johann Adam Piscatoris aus Mainz bestanden hat, wissen wir nicht, können es allenfalls ahnen, schließlich fungierte er als Prokurator der Pönitentiarie, des päpstlichen Bußamtes. Und auch bei Laien werden standestypische Epitheta wie NOBILIS, HONORABILIS oder STRENVVS VIR und Standesbezeichnungen wie ARMIGER, MILES oder COMES PALATINVS hinzugefügt; gelegentlich ergänzt durch Berufsbezeichnungen wie PHYSICVS und MEDICVS, oder auch MERCATOR, PELICZARIVS und PISTOR (Kaufmann, Kürschner und Bäcker). Waren die Verstorbenen an der römischen Kurie tätig, so werden in der Regel ihre genauen Amtsbezeichnungen mitgeteilt: Wir finden Prokuratoren der päpstlichen Audentia neben Kopisten, zahlreiche an der Rota tätige Notare und Archivare neben Abbreviatoren, Korrektoren und Sollizitatoren der päpstlichen Urkunden, apostolische Referendare neben apostolischen Almoseniers oder auch Skriptoren der Urkunden der Heiligen Pönitentiarie neben Revisoren der Rechts-Suppliken: Geradezu unendlich scheint die Anzahl der päpstlichen Ämter zu sein! Und hatte der Verstorbene auch noch als Leiter der Anima fungiert, wird dies als HVIVS HOSPITALIS PROVISOR stolz der Grabinschrift hinzugefügt, so erstmals 1456 in der Inschrift für den aus Turnhout bei Antwerpen stammenden Kurienprokurator Walter Pauli (Nr. 24). Zudem finden wir nicht selten Personen mit Ämtern aus dem persönlichen Umfeld des Papstes, wie etwa einen Barbier, einen Kammerherren, einen Bannerträger und einen Sekretär, aber auch einen Präfekten, der laut Inschrift „in wichtigen Angelegenheiten des römischen Päpste und des heiligen Senates des Kardinalskollegiums“ (Nr. 73) unterwegs war. Nicht zuletzt gibt es auch Ausnahmeerscheinungen wie den berühmten Johannes Burckard aus Straßburg (Nr. 49), der nicht nur als apostolischer Protonotar und päpstlicher Zeremonienmeister fungierte, sondern als Anima-Provisor die treibende Kraft für den Neubau der Kirche um 1500 war. Gerne wird in den Inschriften auch auf erreichte Universitäts-Abschlüsse verwiesen, sei es als Magister, Magister der freien Künste, Lizentiat des Kirchenrechts, Lizentiat beider Rechte, Doktor des Kirchenrechts oder gar als Doktor beider Rechte.

Das mittelalterliche HIC-IACET-Formular hält sich in der Anima bis in den Beginn des 16. Jahrhunderts und lässt sich letztmals bei dem 1511 verstorbenen Propst und Protonotar Markus Fugger d. J. (Nr. 56) nachweisen. Es wird bereits ab der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts gelegentlich durch Varianten wie HIC SEPVLTVS EST (Nrn. 24, 37, 42, 68), HIC REQVIESCIT (Nr. 47) oder HIC SITVS EST (Nr. 54) ersetzt, aber auch durch das ebenfalls mittelalterliche ANNO-DOMINI-Formular. Dieses im nordalpinen Raum bereits seit dem 13. Jahrhundert verwendete Formular lässt sich in der Anima zuerst und noch vereinzelt, aber wohl nicht zufällig im Jahr 1433 bei dem aus Stendal in Sachsen stammenden Audentiaprokurator Franz Stenvelt (Nr. 8) nachweisen, letztmals 1478 auf der Grabplatte des aus Hamburg stammenden Anima-Provisors und Rota-Prokurators Dr. Dietrich Clinkrode (Nr. 40). Bei diesem Formular beginnt die Inschrift unmittelbar mit den Todesdaten und dem obligatorischen OBIIT, dann erst folgen Namen, Würden und Funktionen des Verstorbenen, gelegentlich ergänzt mit HIC SEPVLTVS (Nrn. 23, 25), dem Hinweis auf das Grab (fehlt bei Nrn. 27, 28, 40), und gefolgt von der unveränderten Fürbitte. Zudem lässt sich in der Anima Ende des 15. Jahrhunderts mit der Abfolge Namens- und Funktionsnennung sowie anschließendem Begräbnis- und Sterbevermerk eine gelegentlich verwendete Kombination beider Formulare beobachten (Nrn. 35, 37, 53).

Abgelöst werden beide mittelalterlichen Formulare schließlich durch einen vollkommen neuen Typ, der sich – im Rückgriff auf die antiken Weiheformeln D(IS) M(ANIBVS) bzw. I(OVI) O(PTIMO) M(AXIMO) – mit der beginnenden Renaissance entwickelt und dessen Inschrift in der Regel mit der Formel D(EO) O(PTIMO) M(AXIMO) einsetzt. Ein für die Anima früher Vorläufer dieses Typs51) findet sich bereits 1454 mit der Inschrift TADEO ADELMARIO DE TARVISIO […] SACRVM; das Fragment der Grabplatte des Arztes und kaiserlichen Hofpfalzgrafen Tadeus Adelmari, hochberühmt durch seine Tätigkeiten für die römische Kurie, befindet sich als Spolie eingemauert in der Außenwand der Casa Sander (Nr. 22), links vom heutigen Eingang ins Archiv der Anima. Der gleichen Konstruktion bedient sich sowohl die Inschrift auf einem 1476 errichteten Grabdenkmal (Nr. 35), das eine trauernde Mutter ihrem im Alter von drei Jahren verstorbenen Sohn IOANNI PASCHALI DVLCISSIMO FILIO setzen lässt, wie auch die 1479 dem VENERABILI VIRO JOANNI ADAMI PISCATORIS bzw. die 1487 dem aus Mittelfranken stammenden CONRADO LEBENTHER gestifteten Grabplatten (Nrn. 41 und 46). Mit dem Erstarken der Renaissance Ende des 15. Jahrhunderts setzt sich dieser Typ auch in der Anima endgültig durch52), wie auf der Grabplatte des 1493 verstorbenen Kanonikers und Juristen Johannes Ferber aus Danzig gut zu sehen sehen ist. Mit beginnendem 16. Jahrhundert werden Inschriften dieses Typs nun durchgehend mit dem stereotypen D(EO) O(PTIMO) M(AXIMO) eingeleitet, dann folgt der im Dativ stehende Namen des Verstorbenen, da meist gegen Ende der Inschrift nun der oder die Stifter genannt werden. Ergänzende Angabe zu Herkunft des Verstorbenen und die Aufzählung seiner Ämter und Funktionen kommen hinzu, ebenso – ganz im Unterschied zum mittelalterlichen Formular – lobende Sentenzen zu Wesen und Charakter des Verstorbenen, weitere Bemerkungen zu seinem Lebensweg, seinem Schicksal und das der Hinterbliebenen. In der Regel folgt mit dem Vermerk POSVIT die Nennung des Stifters, sei er nun Mitglied der Familie, ein Freund oder gar ein bestimmter, vom Verstorbenen eingesetzter Testamentsvollstrecker. Beendet werden die Inschriften meist mit der Angabe der Lebenszeit nach Jahren, Monaten und Tagen und schließlich mit dem Todesjahr53).

Ungeachtet dessen, dass sich gereimte oder in Versen ausgeführte Inschriften durchaus auch auf mittelalterlichen römischen Grabdenkmälern nachweisen lassen54), stellen die den renaissancezeitlichen Inschriften auffallend oft beigegebenen Grabgedichte eine wirkliche Neuerung dar. Wie erwähnt, werden jetzt nicht nur die Lebens- und Todesdaten des Verstorbenen mitgeteilt, nun wird die Inschrift dichterisch erhöht und – gelegentlich auch unter Verzicht auf den vor- oder nachgestellten Prosateil – sein Leben gerühmt, meist in Form von anspruchsvollen, aus Hexameter und Pentameter zusammengesetzten elegischen Distichen55). Diese panegyrische Grabdichtung scheint geradezu symptomatisch für die literarischen Arbeiten der frühen Renaissance zu sein. Wenn auch die der Antike verpflichtete Textmetaphorik dieser Dichtung gelegentlich hohe Ansprüche an das Verständnis des heutigen Lesers stellt, so bietet sie gerade deswegen faszinierende Einblicke in die Gefühls- und Gedankenwelt dieser Zeit, zumindest so, wie sie gern gesehen werden wollte. Schon das früheste überlieferte Beispiel der Anima aus dem Jahr 1467 (Nr. 29) verbirgt die eigentlich schlichte Sterbenachricht einer aus Salzburg stammenden Elisabeth in poetisch leicht überhöhter Form in einem Distichon:

  1. ELZVLA DE GENTE SALSZBVRGA HAC VIRGINIS EDE PVLVERIS INGRESSA DORMIT IN VRBE VIAM

Übersetzung:

Elzula aus salzburgischem Geschlecht schläft in der Stadt in diesem Tempel der Jungfrau, nachdem sie den Weg des Staubes beschritten hat.

Und im Jahr 1476 beklagt eine Mutter ihren frühverstorbenen Sohn in zwei bewegenden Distichen (Nr. 36):

  1. CARE PVER MVLTIS MIHI PARTE LABORIBVS IN QVO SPES ERAT HAC MATREM DESTITVIS MISERAM TE SINE QVOD VITAE SVPEREST PER TOEDIA DVCAM SED TV COELICOLIS ASSOCIATE VALE AMEN

Übersetzung:

Teures Kind, wie viel Schmerzen hast du mir bei der Geburt bereitet, nun lässt du, in dem die Hoffnung lag, deine arme Mutter allein. Ohne dich werde ich in Leid den Rest meines Lebens verbringen, du aber, vereinigt mit den Himmelsbewohnern, lebe wohl! Amen.

Während die Aussage dieser beiden Texte noch ohne weiteres verstanden werden kann, bedürfen die fünf Distichen, die Leben und Tod des 1487 verstorbenen, aus Franken stammenden Kurienprokurator Dr. Konrad Lebenther (Nr. 46) des genauen Hinhörens und wohl auch einer Erklärung:

  1. PRIMV(M) CLARA DIEM TRIBVIT GERMANIA NOBISSVPREMV(M) TRIBVIT ROMA SVPERBA DIEM AETAS INGENIVM MORES ET FORMA FVERE SINGVLA QVAE FATIS EST VIOLASSE PVDOR VER(VM) HAEC TAM PARVI TERNAE FECERE SORORES VT SORTIS POSSIT QVEMQ(VE) PIGERE SVAE PRINCIPIVM VITAE DOLOR EST DOLOR EXIT(VS) INGENS ET MEDIVM LABOR EST VIVERE QVIS CVPIAT AT TIBI SIC FACILEM LACHESIS SINAT IRE SENECT(AM) VT NOSTRIS REQVIEM MANIBVS ORE ROGES

Übersetzung:

Den ersten Tag teilte uns das ruhmvolle Germanien zu, den letzten Tag das stolze Rom. Alter, Begabung, Sitten und Auftreten (des Verstorbenen) waren so einzigartig, dass es dem Schicksal zur Schande gereicht, sich an ihnen (den Tugenden) vergriffen zu haben. Aber die drei Schwestern gewährten diesen nur eine so kurze Spanne, damit ein jeder wegen des eigenen Schicksals hadern möge. Der Anfang des Lebens ist Schmerz, das Ende ist maßloser Schmerz, dazwischen liegt Mühsal. Wer (also) sollte begehren zu leben? Dir jedoch möge Lachesis ein so angenehmes Greisenalter zukommen lassen, dass du mit dem Munde für unsere Manen Ruhe erflehen kannst.

Hier wird der Leser dieses kunstvoll mit antiken mythologischen Elementen spielenden Grabgedichtes direkt angesprochen, ihm gegen Ende der Inschrift ein hohes Alter gewünscht und zugleich nahegelegt, für den Toten zu beten. Und vermutlich war diesem Leser durchaus klar (vermutlich im Gegensatz zum heutigen), dass im Zusammenhang mit der Todesthematik mit den „drei Schwestern“ die Parzen gemeint waren, die drei Schicksalsgöttinnen der römischen Mythologie, die den drei Moiren der griechischen Mythologie entsprechen. Eine davon, die inschriftlich ebenfalls erwähnte Lachesis, war verantwortlich, die Länge des Lebensfadens zu messen. Und dass mit den Manen in der Antike die Geister der Toten gemeint waren, war wohl ebenso geläufig.

Auch die beiden Distichen der Grabinschrift für den 1517 verstorbenen Wilhelm Kreytfyschs (Nr. 67) aus Neuss am Rhein verlangen dem Leser einiges ab:

  1. NVSSIA ME GENVIT RAPVIT MAVORTIA ROMA BIS TRIA CVM FVERANT LVSTRA PERACTA MIHI ET GENERE ATQ(VE) BONIS ANIMI NON VLTIMIS AST HAEC CONTRA LANIGERAS NIL POTVERE DEAS

Übersetzung:

Neuss hat mich hervorgebracht, es raubte mich das kriegerische Rom, als mir zweimal drei Lustren vergangen waren. Sowohl von der Abstammung als auch von den Anlagen des Geistes her war ich nicht der letzte; aber diese (= bona) vermochten nichts gegen die Göttinnen mit den (Woll)fäden.

Auch hier kann davon ausgegangen werden, dass dem Leser bekannt war, dass mit zweimal drei Lustren der Zeitraum von 30 Jahren gemeint war und dass es sich bei den Göttinnen mit den Wollfäden um die schon genannten Parzen handelt. Ob ihm aber auch klar war, dass der Hexameter des ersten Distichons den Beginn des apokryphen, von Sueton überlieferten Grabepigramms für Vergil aufnimmt und variiert, darf wohl bezweifelt werden.

Den kaum zu überbietenden Höhepunkt dieser gelehrten Hinwendung zur Antike bildet aber zweifellos eine kurze Inschrift auf dem erhaltenen Epitaph des einer berühmten Bologneser Juristenfamilie entstammenden und im Jahr 1525 verstorbenen Bartolomeo Saliceto (Nr. 79), dem seine hinterbliebenen Freunde, die Kardinäle Andreas della Valle und Alexander Farnese (der spätere Papst Paul III.) folgenden unglaublichen Satz aufs Grabmal schreiben ließen:

  1. SCIRE SAT SALICETVS HIC SEPVLTVS / SOCRATEM PERISSE BIS PVTATO

Übersetzung:

Es genügt zu wissen, dass Salicetus hier begraben liegt; du sollst glauben, dass Sokrates ein zweites Mal gestorben ist!

Es ist wohl kein Zufall, dass nach 1500 mit dem Fortschreiten des Neubaus der Anima-Kirche auch neue inhaltliche Töne in der Grabdichtung festzustellen sind. Nun wird in kunstvollen Versen, dennoch aber ziemlich direkt, dem Leser offen und öffentlich vermittelt, dass irdische Güter gut angelegt sein wollen, was soviel heißt, dass Zuwendungen an die Kirche hoch willkommen sind. Eindrucksvoll dokumentiert dies das gemeinsame Epitaph für die beiden 1518 kurz hintereinander verstorbenen Pröpste Johann Knibbe und Dr. Bernhard Sculteti (Nr. 69), wobei letzterer neben anderem auch als bedeutender Anima-Provisor fungierte. Nachdem in der längeren Prosainschrift auch die von beiden zugunsten der Anima verfassten Testamente gewürdigt wurden, endet die Inschrift mit dem hübschen Schluss-Distichon:

  1. DISCITE • AB • EXEMPLO • PRESENTI • DISCITE • FRATRES VT • BENE • PRO • VOTIS • RITE • LOCENTVR • OPES

Übersetzung:

Lernt durch dieses gegenwärtige Beispiel, lernt o Brüder, wie gut Güter durch ein Gelübde nach rechtem Brauch angelegt werden.

Weitere Distichen auf den Grabdenkmälern der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts appellieren in eine ähnliche Richtung56), wenn es etwa heißt „Wanderer, bemühe Dich um Tugend und schiebe Gutes nicht auf, dann erst wird deiner Asche größerer Ruhm folgen (Nr. 70). Viele dieser Verse dienen aber auch dazu, den Hinterbliebenen Trost zu spenden, etwa mit den Worten: „Fast immer wird das Beste zuerst mit gierigen Händen geraubt, nur das Minderwertige schöpft die Zahl seiner Jahre voll aus“ (Nr. 91), ein Spruch, der uns in seiner modernen, etwas zynischen Variante „Nur die Besten sterben jung“ durchaus vertraut ist. Ganz persönlich und auch heute noch berührend sind dagegen jene Distichen, die eine Mutter an ihren Sohn richtet (Nr. 103): „Warum beweinst Du mich, Sohn? Sterben wir schließlich nicht alle? War ich nicht dem Tod geweiht, und stehst Du nicht hier als ein Sterblicher? Beweine, beweine Dich in Deinem Elend; beweine, beweine Deine Sünden; beweine die meinen, weil ich fern von der Heimat begraben bin. Aber wenn auch der arglistige Tod uns im Körper mit der Sichel getrennt hat, wird uns im Geiste die Liebe niemals auseinanderbringen“. Und natürlich darf in Grabdichtung dieser Art auch das „Memento mori“ nicht fehlen, so heißt es auf dem Grabdenkmal des aus Antwerpen stammenden, 1558 verstorbenen Rota-Auditors Alexander Junius (Nr. 117) eindringlich: „ Rom hatte dem Fremden große Ehren erwiesen, die der Tod dem vorzeitig Verstorbenen geraubt hat. Lerne aus meinem Beispiel, dass der Lohn der Tugend niemals fehle, aber lerne auch, dass man zu jeder Zeit sterben kann“.

4.2 Weihe-, Bau- und Stiftungsinschriften

Die Bewahrung des öffentlichen Gedenkens an Wohltäter und Stifter ist eine der wichtigsten Aufgaben von Inschriften, die vor allem in Kontinuität garantierenden Gemeinschaften – wie der Anima-Bruderschaft – ihre größte Wirksamkeit entfaltet. Abgesehen von den Grabinschriften, in denen per se den Verstorbenen gedacht wird, bieten mit Bautätigkeiten und Stiftungen verbundene Inschriften57) eine ganz besondere Möglichkeit der (Selbst-)Darstellung. In der Anima lässt sich dies anhand der gut dokumentierten Weiheinschriften für die Kapellen der gotischen Kirche eindrücklich illustrieren.

Nachdem am 5. April 1431 mit dem Abbruch der noch aus Zeiten der Anima-Stifter stammenden kleinen Hospitalanlage begonnen wurde, konnte bereits am 26. Mai des gleichen Jahres der Rohbau des neuen Chors geweiht werden, zusammen mit der sogenannten Bäckerkapelle, der vordersten Kapelle im linken Seitenschiff. Bereits am 24. Dezember des folgenden Jahres wird mit der Lambert-Kapelle (in den Quellen auch häufig Koband-Kapelle genannt) eine weitere, nun das Seitenschiff nach Westen abschließende Kapelle geweiht. Erfreulicherweise ist die damals zur Erinnerung an das Geschehen entstandene Weiheinschrift der Kapelle nicht nur abschriftlich in Kopie überliefert, sondern hat sich bis heute erhalten, wenn auch nur als Fragment, das heute in die Wand des Innenhofs des Priesterkollegs vermauert ist (Nr. 6). Die zeilenweise eingehauene Inschrift teilt zunächst die Lage der Kapelle mit, dann folgt eine Aufzählung von Heiligen, denen die Kapelle geweiht ist, und schließlich das genaue Datum der Weihe. Eine Besonderheit stellt schließlich der Schluss der Inschrift dar, in dem jedem Besucher ein Ablass von 40 Tagen gewährt wird, der am Jahrestag der Weihe oder am Festtag eines der genannten Heiligen in der Kapelle betet. Das der Inschrift beigefügte Wappen informiert zudem über den namentlich nicht genannten Stifter der Kapelle, bei dem es sich um den schon erwähnten Christian Koband, Bischof von Ösel, handelt, der diese Kapelle reich bedacht hatte und vor ihrem Altar begraben wurde.

Vier weitere Weiheinschriften für die Kapellen des linken und rechten Seitenschiffs haben sich nur in Abschrift erhalten. Es handelt sich um die am 2. Juli 1433 geweihte Anselm-Kapelle (Nr. 7), die interessanterweise ausdrücklich auch PRO ANIMA BONAE MEMORIAE DOMINI HERMANNI TWERG DECRETORVM DOCTORIS geweiht worden ist. Hier wird das Gedächtnis an den Protonotar und Brevenkorrektor Dr. Hermann Dwerg bewahrt, ein weiterer bedeutender Wohltäter der Anima, der allerdings bereits 1430 verstorben war und nicht in der Anima, sondern in S. Maria Maggiore begraben wurde. Am 29. August des gleichen Jahres 1433 konnte mit der Servatius-Kapelle (Nr. 9) die mittlere Kapelle des rechten Seitenschiffs geweiht werden, auch hier verbunden mit dem Gedächtnis an einen für die Anima zentralen Wohltäter. Es handelt sich um Dietrich Niem, einen der ersten Anima-Provisoren, der bereits am 22. März 1418 in St. Servatius in Maastricht verstorben war und dort auch begraben wurde: PRO ANIMA VENERABILIS DOMINI TEODORICI NIEM FAMOSSISIMI LITERARVM APOSTOLICARVM ABBREVIATORIS PATRONI ET DOTATORIS HVIVS HOSPITALIS. Erst am 23. Dezember des Jahres 1449, also einige Jahre nach der Schlussweihe der Kirche, konnte mit der Nikolaus- und Martinskapelle die vorderste und somit letzte Kapelle des rechten Seitenschiffs geweiht werden. Diese Inschrift (Nr. 17) überliefert nun nicht nur das Weihedatum und den genauen Standort des Altars, sondern auch die Namen des weihenden Bischofs und den ihn beauftragenden päpstlichen Vikars von Rom, zudem eine stattliche Liste von Heiligen, nämlich AD LAVDEM DEI OMNIPOTENTIS ET IN HONOREM SANCTI NICOLAI ET MARTINI EPISCOPORVM ET CONFESSORVM AC SANCTARVM AGNETIS ET KATHARINE VIRGINVM ET MARTYRVM CVM RELIQVIIS DE SANCTIS SABA ABBATE ET CONFESSORE ET GEMINIO MARTYRE AC CONSTANTIA VIRGINE.

Merkwürdigerweise fehlen entsprechende Inschriften für die acht Kapellen der heutigen, ab 1500 neuerbauten Renaissance-Kirche; hier finden wir allenfalls Jahreszahlen, wie das M D XIIIII in der Markgrafenkapelle (Nr. 63), die wohl nicht mehr das Ende der entsprechenden Bautätigkeiten markieren. Gelegentlich begegnen uns aber Stifter-Inschriften auf Kunstwerken, mit denen die Kapellen ausgestattet worden waren. Eine dieser Inschriften befand sich offenbar in der Nähe des von Giulio Romano 1521/22 geschaffenen Altargemäldes der Heiligen Familie, das Jakob Fugger (der Reiche) in Auftrag gegeben hatte. Die bisher unbeachtete, durch den spanischen Historiographen Alfonso Chacon bereits Ende des 16. Jahrhunderts aber zuverlässig überlieferte Inschrift (Nr. 77) lautet: IACOBO FOKAER DVOB(VS) MARCIS FRATRI AC FRATRIS FILI[O] B(ONAE) M(EMORIAE) D(EDIT). Direkter Anlass für die Stiftung dürfte der frühe Tod seines Neffen Markus im Jahr 1511 gewesen sein (Nr. 56), der vor der ehemaligen Nikolauskapelle der gotischen Kirche begraben wurde, an der gleichen Stelle, an der schon im Jahr 1478 sein gleichnamiger Onkel (Nr. 38) beigesetzt worden war. Ob sich das DEDIT allein auf die Stiftung des sich seit 1750 im Chor der Kirche befindenden Gemäldes oder auf die geplante Ausmalung und Ausstattung der jetzt Markus-Kapelle genannten Kapelle bezogen hat, bleibt offen. Jedenfalls ist mit dieser Inschrift erstmals die unmittelbare Wirksamkeit Jakob Fuggers für die Anima bezeugt, die bislang lediglich durch die Anfangspassage bekannt war, mit der Giorgio Vasari die Schilderung des bereits bei den Zeitgenossen berühmten Bildes eingeleitet hatte. Und wenn man genau hinschaut, ist heute noch eine ähnliche Inschrift auf dem Sockel der von dem Florentiner Bildhauer Lorenzetto, einem Mitarbeiter Raffaels, geschaffenen Pietà zusehen (Nr. 90); hier heißt es auf der einen Seite IOHANES • SCHVTS / BOHEMVS • HAS • / DVAS • D(ONO) • D(EDIT (Johann Schütz aus Böhmen gab diese beide Figuren als Geschenk) und auf der anderen IACOBVS • DE / BRANDE • FL/ANDRVS P(RO) / SOCERO • F(IERI) C(VRAVIT) (Jakob van Brande aus Flandern hat dies für seinen Schwiegervater machen lassen).

Für die Kirche selbst haben wir die monumentale, über die gesamte Breite des ersten Obergeschosses laufende Bauinschrift mit der Nachricht über ihre (vorläufige) Fertigstellung im Jahr 1514: TEM/PLVM BEATE • MARIE • DE ANIMA • HOSPITALIS • TEVTONICORVM • M • D • / XIIII (Nr. 61). Ausserhalb der Kirche begegnen uns dagegen Bauinschriften mit völlig anderem Charakter. So wurden aus gutem Grund nach 1484, dem Todesjahr Papst Sixtus' IV., sämtliche Häuser der Anima in Rom mit dem Doppeladler versehen, offensichtlich als Zeichen der kaiserlichen Protektion. Zumindest einer dieser ungewöhnlichen Wappensteine, versehen mit der Buchstabenfolge A E I O V, der Devise Kaiser Friedrichs III. (Nr. 43), hat sich erhalten und befindet sich heute im Innenhof des Priesterkollegs. Vermutlich über dem Eingang zum ehemaligen Hospital war eine Tafel mit der vierzeiligen Hausinschrift DOMVS • HOSPI/TALIS • S(ANCTE) • MARIE / DE • ANIMA THEV/TONICORVM (Nr. 64) eingelassen, die den 1516 fertiggestellten Neubau als Hospital der Deutschen ausweist; auch sie wurde transloziert und ist heute ebenfalls im Innenhof aufgestellt. Zudem waren in die Wände des Hospitals zwei etwa zur gleichen Zeit entstandene, heute aber verschollene Inschriftensteine eingelassen, der eine trug die inhaltlich passenden, aus Jesaia 58,7 entnommene Inschrift EGENOS VAGOSQVE INDVC IN DOMAM TVAM (Bedürftige und Fahrende führe ein in dein Haus) (Nr. 66); der andere die leicht sarkastischen, auffallenderweise auf Deutsch gereimten Verse GEWALT GELT VND GVNST / BRICHT RECHT TREW VND KVNST (Nr. 65); ob dieses Sprichwort lediglich als allgemeingültige Sentenz dienen sollte oder sich möglicherweise doch auf ein bestimmtes zeitgenössisches Vorkommnis bezogen hatte, wäre noch herauszufinden.

Einen Sonderfall hinsichtlich der Bau- und Spruchinschriften stellt schließlich die Casa Sander dar, das 1506 von dem Rota-Notar und späteren Anima-Provisor Johannes Sander erbaute Haus, das sich direkt links an die Anima-Kirche anschließt. Hier finden wir innen wie außen unübersehbar insgesamt zwölfmal den in Stein gehauenen Hinweis auf den aus Nordhausen in Thüringen stammenden Erbauer des Hauses IOANNES SANDER NORTHVSANVS ROTAE NOTARIVS, über dem Eingangsportal erweitert zur kompletten Bauinschrift FECIT MDVIII. Das innen wie außen reich mit Malereien verzierte Haus wurde 1873 stark restauriert, wobei an der gänzlich erneuerten Fassade zum Teil neue, aber auch einige der ursprünglichen Inschriften wieder angebracht wurden. Unter ihnen befindet sich eine als Distichon ausgeführte Inschrift, die das Vergnügen der damaligen Zeit am Spiel mit symbolischen Andeutungen eindrucksvoll wiederspiegelt:

  1. HEC DOMVS EXPECTET LVNAS SOLESQ(VE) GEMELLOS PHOENICAS NATOS CORRVAT ANTE DVOS

Übersetzung:

Dieses Haus möge darauf warten, dass zwei Monde und zwei Sonnen (gleichzeitig aufgehen); untergehen soll es, bevor zwei Phönixe (auf einmal) geboren werden.

Was soviel heißen soll wie: Beide Ereignisse werden nie eintreten, daher wird gewünscht, dass das Haus für alle Zeiten Bestand haben möge.

Durch zahlreiche Inventarverzeichnisse58) sind wir über die ehemalige Ausstattung der Anima gut unterrichtet; sie reichen vom späten Mittelalter bis weit in die frühe Neuzeit hinein und verdienten es in ihrer Gesamtheit wissenschaftlich erfasst und analysiert zu werden. Denn die Aufnahme des heutigen Bestandes führt zu einer traurigen Erkenntnis: In der Sakristei befinden sich – mit Ausnahme des (inschriftlosen) Barbara-Reliquiars und eines im Jahr 1605 angefertigten Kelchs – nur noch liturgische Gerätschaften und Paramente aus der zweiten Hälfte des 19. und des 20. Jahrhunderts. Dieser im Blick auf die lange Geschichte der Anima ernüchternde Befund dürfte mit Sicherheit auf die um 1800 erfolgte Besetzung und Plünderung der Anima durch französische Truppen zurückzuführen sein59), ein großer Verlust, der sich ähnlich bereits in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts ereignet hatte. Denn durch Vergleiche von vor und nach dem Sacco di Roma angelegten Inventarverzeichnissen sind wir in der Lage, die im Jahr 1527 entstandenen Verluste an liturgischem Gerät gut nachzuvollziehen. Für die mit Inschriften versehenen Geräte heißt dies: Unwiederbringlich verloren sind ein von Dietrich von Niem, einem der Mitbegründer der Anima, um 1418 gestifteter und mit seinem Namen versehener Kelch mit Patene (Nr. 3), ein ebenfalls namentlich bezeichneter Kelch mit Patene, den der 1449 in Florenz verstorbene Dr. Anselm Fabri, Rat Kaiser Friedrichs III. und Referendar der Päpste Eugens IV. und Nikolaus V. der Anima hinterlassen hatte (Nr. 18), ein Kelch mit Stifterinschrift des 1464 verstorbenen, aus dem Bistum Regensburg stammenden Rotanotars Rudolf Swentener (Nr. 26), zwei vor 1514 entstandene, mit den Initialen P. A. bzw. S. P. versehene Kelche (Nrn. 58, 59). Bei einer silbervergoldeten Monstranz, verziert mit dem Anima-Bild, der Darstellung der Jungfrau Maria mit den beiden armen Seelen (Nr. 57), könnte es sich um eine gemeinsame Stiftung der beiden Anima-Provisoren Johannes Burckard und Johannes Copis gehandelt haben. Ebenso verloren sind drei jeweils für einen Priester, einen Diakon und einen Subdiakon angefertigte Messgewänder aus Brokat, die der damalige Mainzer und Magdeburger Erzbischof und spätere Kardinal Albrecht von Brandenburg mit seinem Wappen und Namen versehen lassen (Nr. 62) und um 1514 der Anima gestiftet hatte. Verloren ist auch ein Altartuch, ein Antependium aus grünem Damast (Nr. 75), auf dem sich der Stifter Johannes Büren, Mainzer Dekan und Prokurator an der Pönitentiarie mit Wappen und Namen verewigt hatte. Ende 1528 wurden wohl als erster Ersatz für das Verlorengegangene ein mit dem Mariengruß versehenes Antependium (Nr. 85) angeschafft, sowie eine hölzerne Monstranz (Nr. 86), die vermutlich notdürftig vergoldet worden war.

5. Sprache und Schrift

Wie in Rom nicht anders zu erwarten, sind in der Anima bis auf eine signifikante Ausnahme alle 120 Inschriften bis 1559 in lateinischer Sprache abgefasst60). Wie bereits erwähnt, dringen – vermutlich durch die beginnende Renaissance befördert – in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts allmählich auch versifizierte Inschriften in die in der Regel in Prosa verfassten Grabinschriften ein. Handelt es sich bei der ältesten, 1467 entstandenen Inschrift dieser Art noch um zwei unsicher überlieferte Distichen (Nr. 29), so bieten die zahlreichen folgenden, meist in elegischen Distichen verfassten Verse eindrucksvolle Beispiele gelehrter lateinischer, mit antiker Metaphorik spielender Grabdichtung. Zu unterscheiden sind dabei eigenständige, vollständig versifizierte Grabinschriften (Nrn. 34, 74, 103) von denen, die Verse und Prosa kombinieren (Nrn. 36, 46, 67, 69, 70, 78, 91, 97, 102, 108, 110, 117, 120).

Die schriftgeschichtliche Charakterisierung des in der Anima vorhandenen Bestandes steht vor dem Problem, dass sich aufgrund der großen Verluste des 15. Jahrhunderts keine allgemein gültigen Entwicklungslinien aufzeigen lassen, sondern allenfalls Einzelbeobachtungen möglich sind61). Da sich in der Anima die im nordalpinen Bereich für das 15. Jahrhundert so dominante gotische Minuskel weder real noch in kopialer Überlieferung nachweisen lässt, ist es umso bedauerlicher, dass sich die gerade in Rom so auffallend kurze Übergangsphase von der gotischen Majuskel zur renaissancezeitlichen Kapitalis62) gerade nur einmal ansatzweise fassen lässt. Zwar haben wir mit den beiden (allerdings nicht aus der Anima stammenden) Fragmenten (Nrn. 1 und 2) gute Beispiele für die von Rundungen geprägte Formensprache der gotischen Majuskel im 14. Jahrhunderts vor uns, charakterisiert durch Schaftverbreiterungen, Bogenschwellungen, die Bevorzugung runder Gestaltung selbst kapitaler Formen und der Tendenz zur Abschliessung offener Buchstaben. Doch bereits bei der ersten erhaltenen, aus der Anima stammenden Inschrift aus dem Jahr 1432 (Nr. 6) handelt es sich um eine stark von kapitalen Formen geprägte Schrift. Entsprechend ihrer antiken Vorbilder ist sie zwar in gleichmäßiger Strichstärke ausgeführt, zeigt aber doch sowohl durch ihre keilförmig verbreiterten Schaft- und Balkenenden als auch durch vermeintlich geringe Abweichungen wie etwa ein halbhoher Mittelteil bei M und eine geschwungene und stark einwärts gekrümmte Cauda bei R durchaus noch Anklänge an die Formensprache der gotischen Majuskel. Andererseits wird durch den vollständigen Verzicht auf die Verwendung runder Formen sowie auf abgeschlossene Buchstaben und Bogenschwellungen zweifellos angezeigt, dass es sich hier bereits um eine im Kern ausgebildete Renaissance-Kapitalis handelt. Da sich Kapitalis dieser Art in Rom erstmals auf der Grabplatte der 1425 verstorbenen Andreozza Normanni in Santa Maria in Aquiro einigermaßen gesichert nachweisen lässt63), handelt es sich bei dem Beispiel aus der Anima sogar um einen verhältnismäßig frühen Beleg. Vierzig Jahre später lässt sich bei den fünf Buchstaben des kurz nach 1484 entstandenen Wappensteins mit der Devise Kaiser Friedrichs III. (Nr. 43) eine deutliche Veränderung beobachten. Die exakt gehauenen Buchstaben orientieren sich nun an der klassischen Antike64), sie sind mit einer (wenn auch kaum wahrnehmbaren) Linksschrägenverstärkung versehen, die bei der Schattenachse des O ein wenig stärker ausgeprägt ist. Zudem zeigt E in Übereinstimmung mit den antiken Vorbildern drei gleichlange Balken. Geringe Abweichungen von der idealen Form sind bei den an der Casa Sander im Jahr 1508 angebrachten Inschriften (Nr. 55) zu beobachten. Sie sind ebenfalls mit kaum merklicher Linksschrägenverstärkung in einem breiten Duktus und ausgewogenen Proportionen ausgeführt und weisen an den Buchstabenenden nur schwach ausgebildete Serifen auf. Auffällig sind dabei das sehr spitz zulaufende A mit Mittelbalken, E mit leicht verlängertem unteren Balken und R mit stachelförmiger Cauda. Dagegen findet sich eine deutlich ausgeprägte Linksschrägenverstärkung bei der Widmungsinschrift über dem Portal der Anima-Kirche (Nr. 61), deren monumentale Buchstaben interessanterweise nach dem Vorbild der Bauinschrift des 1513 fertiggestellten Palazzo della Cancelleria angefertigt worden sind. Auffallend dünnstrichig ausgeführt, aber breit proportioniert mit einer gerade noch angedeuteten Linkschrägenverstärkung, zeigt sich die Kapitalis auf einer 1516 entstandenen Tafel (Nr. 64), die ehemals über dem Eingang zum Hospital angebracht war.

Mit jedem weiteren Beispiel aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts wird die erstaunliche Variationsbreite der Kapitalis deutlich, die natürlich auch den verschiedenen Händen der ausführenden Werkstätten zu verdanken ist. So sind etwa bei der 1518 gehauenen Grabinschrift für die Anima-Provisoren Bernhard Sculteti und Johannes Knibbe (Nr. 69) Schaft-, Balken- und Bogenenden keilförmig verbreitert, E zeigt einen deutlich verkürzten Mittelbalken und R eine raumgreifende, leicht nach innen gebogene Cauda, die weit außen am Bogen ansetzt. Dagegen ist die Cauda des R in der Inschrift des 1523 verstorbenen Camillo Eliazario stachelförmig (Nr. 73) ausgeführt, zudem weist das L einen auffällig verkürzten Balken auf. Mit der Schaftverlängerung am oberen Schrägschaft des N lässt sich erstmals auf dem Epitaph des 1525 verstorbenen Bartolomeo Saliceto (Nr. 79) eine deutlich von antiken Formen abweichende Neuerung beobachten. Weitere Neuerungen zeigen sich mit erhöhten Versalien erstmals bei dem Epitaph des 1528 in der Anima beigesetzten Melchior von Frundsberg (Nr. 87), auffällig sind hier zudem M mit klassizierendem, bis zur Grundlinie reichendem Mittelteil, Q mit auffällig weit nach rechts ausgezogener Cauda und T mit weitem, sich über zwei Buchstaben erstreckenden Balken. Daneben ist es wenig erstaunlich, dass sich die Inschriften am 1529 fertiggestellten monumentalen Epitaph für Papst Hadrian VI.(Nr. 89) wieder verstärkt an den klassisch-augustäischen Formen orientieren. Sowohl die beiden in monumentalen erhabenen Bronzelettern ausgeführten Papstnamen im Boden vor dem Epitaph und auf dem Sarkophag, als auch die beiden anderen, konventionell eingehauenen Inschriften weisen den gleichen weit spationierten Schriftduktus aus. Die feinstrichig ausgeführten Buchstaben sind mit kräftigen Serifen und einer dezenten Linksschrägenverstärkung versehen. Klassisch ist die Gestaltung des E mit (fast) gleich langen Balken, M mit bis auf die Grundlinie reichendem Mittelteil und P mit offenem Bogen. Weitere Varianten der Renaissance-Kapitalis zeigen sich auf der Grabplatte des 1534 verstorbenen Bischof Paulus von Middelburg (Nr. 93), hier fehlt etwa bei B der Mittelteil, G hat lediglich eine bogenverstärkte Cauda, zudem wird offenes P und offenes R eingesetzt. Die Inschrift auf dem 1538/40 fertiggestellten Grabdenkmal für Kardinal Wilhelm van Enckenvoirt fällt ebenso durch großzügig gesetzte Buchstaben- bzw. Wortabstände auf wie durch die quadratischen Proportionen einzelner Buchstaben. E und F zeigen einen leicht verlängerten unteren bzw. oberen Balken, rudimentäre obere Schaftverlängerung beim linken Schrägschaft des M sowie beim Schrägschaft des N, dazu offenes P und R mit weit außen am Bogen angesetzter Cauda. Als Worttrenner dienen Dreiecke mit halbkreisförmig ausgezogener, bis zur Grundlinie verlängerter unterer Spitze. Ebenfalls weit spationiert ist die Inschrift auf dem 1550 hergestellten Epitaph des Georg Sauermann (Nr. 106), hier fällt vor allem die QVE-Kürzung auf, die durch einen kräftigen rechtsschrägen Strich durch die linksschräge Cauda des Q angezeigt wird. Ähnliche Formen sind bei weiteren Grabdenkmälern aus der Mitte des 16. Jahrhunderts zu beobachten (Nrn. 108, 109, 118, 119).

6. Santa Maria dell’Anima als Begräbnisstätte65)

Durch das am 21. Mai 1406 ausgestellte Privileg66) Papst Innozenz' VII. wurde die Anima von aller städtischer und pfarrlicher Jurisdiktion befreit und unter den Schutz des Heiligen Stuhls gestellt, damit erhielt sie denselben Status wie die anderen römischen Kirchen und Hospitäler. Mit zwei zusätzlichen auf den 6. Juli 1406 datierten Urkunden67) bestätigte Papst Innozenz VII. auf Bitten der Anima-Provisoren die Gründung und Ausstattung des Hospitals und verlieh ihm das wichtige Begräbnisrecht (und somit die damit verbundenen Einnahmen der anfallenden Gebühren), das bis dahin die zuständige Pfarrkirche S. Nicolai in Agone inne hatte. Zudem erhielt das Hospital die Erlaubnis, einen Friedhof für die im Hospital verstorbenen (Fremden) einzurichten. Dieser wurde auf einer zur Anima gehörenden, östlich an das Hospital anschließenden Gartenfläche angelegt, ein Bereich, der heute vom Chor der Kirche und der 1481 errichteten Kirche S. Maria della Pace eingenommen wird. Im Jahr 1421 wählte die damals entstandene Bruderschaft der Bäcker die kleine Hospitalskirche68) als Ort ihrer Gottesdienste und legte gleichzeitig eine Gruft für69) ihre Toten an.

Die ersten gesicherten, seit 1428 nachweisbaren Bestattungen70) dürften sowohl in der Kirche als auch auf dem kleinen, mit Weinreben bepflanzten Friedhof stattgefunden haben; beides wird in den Büchern der Anima mit der oft eingesetzten Wendung „sepultus est in hospitali“71) bezeichnet. Ab 1430 finden wir in den Rechnungsbüchern zahlreiche Belege für Begräbnisse auf dem Friedhof bzw. ab 1431 über finanzielle Zuwendungen im Zusammenhang mit Bestattungen72), die nun in der im gotischen Stil neuerbauten Kirche mit ihren sechs Seitenkapellen stattfinden konnten. Wie bei anderen römischen Friedhöfen73), dürfte es auch in der Anima üblich gewesen sein, den Verstorbenen ohne Sarg zu bestatten. Die Liegezeit betrug in der Regel acht bis zehn Jahre, dann wurden die Gebeine entfernt und in ein auf dem Friedhof befindliches Beinhaus verbracht. Während die Quellen bedauerlicherweise über die Grabdenkmäler auf dem Friedhof schweigen, sind wir dank der im Bruderschaftsbuch sowie im Totenbuch festgehaltenen Angaben zum Standort (gelegentlich zum Aussehen) der Grabdenkmäler in der Kirche wenigstens ansatzweise unterrichtet. Begraben wurde sowohl in Einzelgräbern in Kirchenschiff und Chor74) als auch in gemeinsam genutzten Grüften, die sich in der Regel in oder vor den Kapellen befanden. Mit dem Neubau der heutigen Kirche nach 1500 und dem Bau der neuen Hospitalsgebäude um 1515 (Nrn. 64f.) wurde der 1482 durch den Bau von S. Maria della Pace bereits stark verkleinerte Friedhof offenbar vollständig aufgegeben, so dass ab dieser Zeit nur noch in der Kirche selbst bestattet werden konnte75). Offensichtlich war in der frühen Neuzeit eine Begräbnis-Gebühr in festgelegter Höhe nicht vorgesehen76), da das Hospital üblicherweise von den Erblassern in ihren Testamenten reich bedacht und dies gelegentlich sogar in den Grabinschriften vermerkt wurde. Die Zuwendungen konnten Häuser und andere Liegenschaften wie etwa Weinberge umfassen, bestanden aber in der Regel aus einer Kombination aus Bargeld und Sachleistungen. Dabei handelte es sich einerseits um profane Gegenstände wie etwa kostbare Ringe, Kleidung aller Art, Bücher oder sogar auch Federbetten, andererseits um Geräte für den liturgischen Gebrauch wie etwa Monstranzen, Kelche, Altartücher, Kerzenleuchter oder auch Gebetbücher. Die Gegenleistung seitens der Anima bestand neben dem Begräbnis und den damit verbundenen Feierlichkeiten vor allem im permanenten Totengedächtnis: In nahezu jedem Testament findet sich der Passus, dass eine gewisse Geldsumme für die sogenannte Jahrzeit, eine am Todestag zu begehende (ewige) Messe zu verwenden sei.

Während der Chor in der Regel den monumentalen Grabdenkmälern hochrangiger Verstorbener wie Papst Hadrian VI. (Nr. 89), Kardinal Wilhelm van Enckenvoirt (Nr. 98), dem 1575 verstorbenen Erbprinzen Karl-Friedrich von Jülich-Kleve-Berg oder dem 1600 verstorbenen Kardinal Andreas von Österreich vorbehalten blieb, ließen sich die Kurien-Kleriker meist im Kirchenschiff begraben, gern in oder vor denjenigen Kapellen, zu deren Bau, Ausschmückung oder Ausstattung sie durch Stiftungen beigetragen hatten. Auf dem Friedhof scheinen dagegen die einfacheren Leute Platz gefunden zu haben77). Die Liste dieser speziellen, in der Anima begrabenen Wohltäter ist lang: In der gotischen Kirche stiftete Bischof Christian Koband von Ösel (Nr. 4) sowohl die nach ihm benannte als auch die benachbarte Lambert-Kapelle, der Kurienprokurator Jakob Becker aus Arnheim (Nr. 15) gab ein Antependium für den Hochaltar in Auftrag und spendete Geld für die Orgel. In der heutigen Kirche finanzierte Jakob Fugger II. (der Reiche) die nach seiner Familie benannte Kapelle, vor der sein Bruder Markus (Nr. 38) und sein gleichnamiger Neffe (Nr. 56) bestattet lagen. Er ließ sie ausmalen und gab vor 1525 für den Altar das von Giulio Romano geschaffene Bild der heiligen Familie (Nr. 77) in Auftrag, das seit 1750 als Altarbild den Hochaltar der Anima schmückt. Der aus Böhmen stammende Johann Schütz und sein Schwiegersohn Jakob van den Brande beteiligten sich wesentlich an der Finanzierung der von Lorenzetto geschaffene Pietà (Nr. 90). Kardinal Willhelm van Enckenvoirt (Nr. 98) stiftete nicht nur das monumentale Grabdenkmal für Papst Hadrian VI. sondern ebenso den Hauptaltar und die Barbara-Kapelle, auch Brabanter-Kapelle genannt; hier ließen sich nicht nur die Mitglieder der Barbara-Bruderschaft78) sondern auch zahlreiche aus Brabant gebürtige Kuriale bestatten. Deutsche (im engeren Sinne) wählten gern den Bereich der von dem Mainzer Kardinal Albrecht von Brandenburg gestifteten Markgrafen-Kapelle79) und Laien, wie das aus Wimpfen am Neckar stammende Bäckerehepaar Wendelin Walck und Sebastiana Queckel (Nr. 94) oder wie Paul Todeschini aus Gent, Hauptmann in der päpstlichen Garde (Nr. 113), die Gruft vor der Anna-Kapelle im rechten Seitenschiff. Eine weitere Gruft befand sich vor der Markus-Kapelle, hier lagen nicht nur die beiden erwähnten Fugger, sondern in einer eigenen Gruft auch Mitglieder der Familien Lambertini und della Valle (Nr. 114). Der im Alter von 89 Jahren verstorbene Rota-Notar und Anima-Provisor Johannes Sander (Nr. 100) aus Nordhausen in Thüringen ließ 1508 das direkt an die Kirche anschließende Haus Nr. 1 auf seine Kosten neu erbauen (Nr. 55) und sorgte auch für Bau und Ausstattung der Mariä-Geburt-Kapelle, die er zudem als seine Grablege bestimmte.

Aufgrund der guten kopialen Überlieferung aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts dürfen wir davon ausgehen, dass eine Vielzahl der Grabdenkmäler aus der um 1500 abgerissenen gotischen Kirche nicht vernichtet, vielmehr ganz bewusst in die neue Kirche mitübernommen wurden. Der beklagenswerte große Verlust an spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Denkmälern entstand offensichtlich später und dürfte mit zwei einschneidenden Baumaßnahmen in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zusammenhängen. Aufgrund einer „glücklichen Finanzlage“80) Mitte des 18. Jahrhunderts sah sich die Leitung der Anima unter ihrem seit 1747 amtierenden Provisor Christoph Anton Graf von Migazzi in der Lage, die Kirche dem herrschenden Geschmack der Zeit anzugleichen. Die unter der Verantwortung des Architekten Paolo Posi ab 1. Juli 1749 durchgeführte Barockisierung des Chorbereichs und des Kirchenschiffs hatte auch für die Inschriftenträger weitreichende Folgen. So mussten einige der prominenten, im Chor stehenden Grabdenkmäler aus bautechnischen Gründen umgearbeitet werden oder gar ihren Platz räumen: Die im Jahr 1613 neben dem Grabdenkmal Papst Hadrians VI. angebrachte Gedenktafel für Papst Clemens II. wurde an die Ostwand des linken Seitenschiffs versetzt, die monumentalen Epitaphien der Kardinäle Wilhelm van Enckenvoirt und Andreas von Österreich wanderten an die innere Rückwand der Kirche neben das Hauptportal, die bislang dort angebrachten Denkmäler für die Bologneser Saliceto und Eliazario hingegen fanden ihren neuen Platz an der Außenwand des Chors im heutigen Innenhof des Priesterkollegs. Die Liste ließe sich beliebig verlängern, denn im Zuge der Umgestaltung des Kirchenschiffs wurden viele der an den Wänden hängenden Denkmäler abgenommen, gereinigt und neu angeordnet, wobei man die zahlreichen im Boden der Kirche ruhenden Grabplatten vorerst unangetastet ließ. Dies änderte sich aber vehement mit der zweiten großen Baumaßnahme, die wenige Jahre später in Angriff genommen wurde. Um der als großen Übelstand empfundenen, vermutlich mit lästigen Gerüchen verbundenen starken Bodenfeuchtigkeit in der Kirche Herr zu werden, entschloss sich die Verwaltung der Anima mit Datum vom 21. Februar 1774 zu einer einschneidenden Maßnahme: Die Erde unter dem Pflaster des Kirchenschiffs sollte entfernt und Gewölbe eingezogen werden, um damit das Kirchengebäude für alle Zeiten trockenzulegen. Und so geschah es auch81): „Es wurde das ganze Erdmaterial unter dem Fußboden der Schiffe der Kirche weggeführt, bis zu einer Tiefe, die dem Boden unter der Cantina unter der alten Sakristei entsprach. Danach wurden mächtige Gewölbe hergestellt und die Fundamentierung der Kapellen durch Stützbogen verstärkt. Das Presbyterium ließ man unberührt, nur wurde die oberste Erdschichte weggehoben, mit Schutt ausgefüllt und darüber das Marmorpflaster gelegt. Die Grabplatten in den Schiffen der Kirche waren in den Hof des Hauses n. 1 gebracht worden. Hier wurden die brauchbaren ausgesucht, zugeschnitten und poliert und wieder verwendet, soweit sie nicht für die Felder ausreichten, wurden sie durch neue Marmorplatten ersetzt, gleichwie auch die dunklen Bordüren neu sind. Nur wenige Grabplatten, und zwar meistens solche aus dem 18. Jahrhundert, wurden zum Kirchenboden wieder verwendet, bei anderen wurden die Inschriften wieder erneuert (wie bei Gropper, Christian Coband, Hoetfilter, Gravius, Copis)82), wobei verschiedene Irrtümer in der Kopierung der alten Inschriften unterliefen“. Für diese Maßnahmen waren insgesant 3000 Scudi veranschlagt worden83); letztlich betrugen aber die Gesamtkosten der Restauration 9270 Scudi84).

Bereits zu Beginn des Rektorates von Karl Jänig (1872-1887) wurde in den Jahren 1875/75 sowohl die Kirche durchgreifend restauriert85) als auch das Priesterkolleg neu gestaltet. Die Wände des Treppenhauses (Nr. 110) und des Innenhofes wurden mit aufgefundenen oder vorhandenen (meist fragmentarischen) Fundstücken aus der Anima geschmückt86), so etwa mit dem Fragment der Weiheinschrift von 1432 (Nr. 6) und vier aus der Kirche translozierten Grabdenkmälern (Nrn 73, 79, 110, hinzu kommt das Grabmal des 1828 verstorbenen Conte Fedrigotti). Platz fanden auch zahlreiche von außerhalb erworbene Stücke87), darunter die 15 römischen Grabsteine88) sowie die drei mittelalterlichen Fragmente von Grabdenkmälern, eines aus Santa Prassede (Nr. 1), eines unbekannter Herkunft (Nr. 2) und eines aus San Giuliano dei Fiamminghi (Nr. 33).

Mit den geschilderten Baumaßnahmen des 18. und 19. Jahrhunderts verschwanden nahezu alle spätmittelalterlichen und ein Gutteil der frühneuzeitlichen Grabdenkmäler der Anima89). Letztlich sind wir nur dank der unermüdlichen Sammelarbeit der Historiographen und Antiquare des 17. und frühen 18. Jahrhundert in der Lage, diesen kulturhistorische Schatz zumindest ansatzweise zu rekonstruieren und ihn nun – gemeinsam mit den noch erhaltenen Denkmälern – durch den vorliegenden Katalog auch einer breiteren Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen.

  1. Die gewählte Zeitgrenze orientiert sich nicht an einem historischen Ereignis sondern spiegelt den Stand der Bearbeitung der Katalogartikel Ende August 2012 wieder. Alle anderen Inschriften, die bereits textlich und fotografisch bis zum Jahr 2012 erfasst worden sind, sollen künftig an gleicher Stelle ebenfalls publiziert werden, vermutlich aber in mehreren Schritten. »
  2. Auch an dieser Stelle möchte ich mich nicht nur bei Frau Prof. Dr. Elke Lütje-Drecoll, der Päsidentin der Mainzer Akademie, und bei Herrn Prof. Dr. Claudius Geisler, dem Generalsekretär der Mainzer Akademie, herzlich für die gern gewährte Beurlaubung bedanken, sondern auch bei Prof. Dr. Rainer Kahsnitz, dem damaligen Vorsitzenden der Inschriften-Kommission der Mainzer Akademie. Besonderer Dank gilt Dr. Rüdiger Fuchs, dem Leiter der Forschungsstelle, für seine ihm aus guten Gründen zunächst nicht leicht gefallene, dann aber um so entschiedenere Zustimmung zu meinen römischen Plänen. »
  3. Vgl. dazu den von ihm 2010 hrsg. Tagungsband S. Maria dell’Anima mit zwölf aktuellen Beiträgen eines vom Deutschen Historischen Institut (DHI) und dem Päpstlichen Institut S. Maria dell’Anima in Kooperation durchgeführten Symposions. Ein weiteres Projekt des Institutes besteht in der geplanten kommentierten Publikation des in der Forschung viel benützten, bisher aber noch unveröffentlichten Totenbuches, zudem soll mittelfristig eine Neuedition des Liber Confraternitatis, des Bruderschaftsbuches, in Angriff genommen werden. Die beeindruckenden Resultate eines bereits abgeschlossenen, von Dr. Ricarda Matheus durchgeführten Projektes, das sich mit der Transkription und Kommentierung eines Pilgerverzeichnis des späten 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts beschäftigte, sind inzwischen online abrufbar, s. Romana Repertoria. – Die musikgeschichtliche Abteilung des DHI hat ebenfalls im Jahr 2010 eine ausgewählte Edition eigens für die Anima komponierter Festmusik des 17. und 18. Jahrhunderts vorgelegt, vgl. dazu Heyink, Musik pass. »
  4. Besonders hervorheben möchte ich dabei Max(imilian) Klein, den damaligen Zivildienstleistenden der Anima, für seine wirklich unverzichtbaren Hilfeleistungen in den ersten Monaten meiner Tätigkeit. »
  5. Auf seinen Wunsch hin habe ich am 17. November 2010 in der Anima im Rahmen des von ihm ausgerichteten Symposiums über Papst Hadrian VI. einen Vortrag mit dem Titel „Papst Hadrian VI. und seine Klientel im Spiegel ihrer Grabdenkmäler“ gehalten, der zunächst in den Anima-Stimmen 2011/1 und im Lutherjahrbuch 78 (2011) sowie in stark überarbeiteter und erweiterter Form in den QFIAB 91 (2011) publiziert worden ist. »
  6. Herrn Dr. Ickx ist zudem der Fund einer bis dato unbekannten Handschrift mit einer kopialen Inschriftenüberlieferung zu verdanken (ASMA C V e, s. unten Kap. 3.1), die er dem Bearbeiter freundlicherweise zur Verfügung stellte. »
  7. Vgl. Bearbeitungs- und Editionsgrundsätze für „Die Deutschen Inschriften“  »
  8. Deutsche Inschriften. Terminologie zur Schriftbeschreibung. Wiesbaden 1999. »
  9. Offensichtlich waren die Verantwortlichen der Meinung, „daß das Hospiz unserer Nation zu alt sei, und die übrigen Nationen, welche nach uns den Pilgern ihrer Nationen Hospitäler erbauten, bei diesen Hospitälern schmucke Kirchen errichtet und sie mit modernen und höchst stattlichen Anlagen geziert haben“ und gaben somit als Motiv für den Neubau an „damit wir nicht den anderen Nationen ungleich und hinter ihnen zurückzustehen scheinen“, wollen wir „ein rühmliches Werk von deutscher Art herstellen lassen“ (vgl. ASMA Lib. Rec. 1 fol. 298, zit. nach Schmidlin, Anima 207). »
  10. Vgl. zu diesem Desiderat immer noch Silvagni, Pubblicazione pass., der seinen bereits 1928 vorgestellten Plan der Sammlung und Edition aller mittelalterlichen römischen (und italienischen) Inschriften leider nicht verwirklichen konnte. Dieses Vorhaben wird jedoch durch die vom Centro Italiano di Studi dell’Alto Medioevo in Spoleto seit 2002 herausgegebenen Reihe „Inscriptiones Medii Aevii Italiae“ (IMAI) in Angriff genommen, die (mit guten Gründen) allerdings nur den Zeitraum zwischen den Jahren 500 und 1200 erfasst; vgl. zum gegenwärtigen Stand der Publikationen dieses Unternehmens Nikitsch, Inschriften pass. »
  11. Vgl. dazu Blitterdorf/Garms, Grabmäler 1, 21ff., Weiland, Campo Santo 31f. und zuletzt im Überblick Federici, L'interesse pass. »
  12. Vgl. die Edition im Anhang. »
  13. Das gleiche Phänomen hat Weiland, Campo Santo 33 für die Grabdenkmäler des Campo Santo Teutonico mit der Einschränkung festgestellt, dass man „eine gewisse Dunkelziffer für verlorene und nicht durch Abschriften überlieferte Grabinschriften berücksichtigen“ müsse. »
  14. Bedauerlicherweise finden sich in den umfangreichen, zwischen 1711 und 1714 eigenhändig angelegten Sammlungen von Francesco Valesio (1670-1742) mit seinen zahlreichen präzis nachgezeichneten Grabdenkmälern aus römischen Kirchen keine Beispiele aus Santa Maria dell’Anima; weder in seinen 471 Blätter umfassenden „Iscrizioni e Memorie di antichità“ (Rom, Archivio Capitolino, Cred. XIV tom. 39 catene 1188), noch in seinen 559 Blätter zählenden „Chiese e memorie sepolcrali di Roma“ (ebd., tom. 40 catene 1189). »
  15. Die jüngste überlieferte Inschrift stammt aus dem Jahr 1577 (fol. 144). »
  16. Der Titel und die hier fett gekennzeichneten Teile stammen von der ersten Hand, normal gekennzeichnete von der zweiten Hand, kursiv gekennzeichnete von der dritten Hand (in blauer Farbe), unterstrichene von der vierten Hand. »
  17. Chacon wurde vor allem durch seine 1601 posthum erschienene, mehrbändige Geschichte der Päpste und Kardinäle bekannt (s. d.), vgl. zu ihm und seinen nicht publizierten Werken ausführlich Herklotz, Historia Sacra 50ff. »
  18. Den Hinweis auf diese Handschrift und Kopien der die Anima betreffenden Seiten verdanke ich meinem Kollegen Dr. Andreas Rehberg. »
  19. Wie Anm. 23. »
  20. Die Kenntnis der die Anima betreffenden Stellen dieser Handschrift samt erläuternden Bemerkungen verdanke ich der Aufmerksamkeit meiner geschätzten Göttinger Kollegin Dr. Sabine Wehking, Schreiben vom 18. Februar 2011. »
  21. Frau Rea Alexandratos, Dal Pozzo Project Co-ordinator, Royal Library, Schreiben vom 19. Januar 2011, danke ich herzlich für die schnelle und unbürokratische Zusendungen von Kopien der Nachzeichnungen der die Anima betreffenden Grabdenkmäler. – Inzwischen ist die Handschrift in einer hervorragend kommentierten Edition erschienen, vgl. dazu Federici/Garms, Tombs. »
  22. Vgl. die Nrn. 4, 25, 38, 73, 79, 98, zudem die Grabdenkmäler für Egon von Fürstenberg (†1596), Franziskus Oranus (†1599) und Kardinal Andreas von Österreich (†1600). »
  23. Vgl. dazu ausführlich Herklotz, Cassiano dal Pozzo pass. »
  24. Ein Großteil der Zeichnungen ist dem Römer Costantino Gigli zuzuschreiben, der offensichtlich auch für F. Gualdi (s. u.) tätig war; vgl. dazu ausführlich Federici/Garms, Tombs 8ff. »
  25. Vgl. zu ihm ausführlich Franzoni/Tempesta, Il museo pass. sowie zuletzt Federici, L'interesse pass. »
  26. Vgl. dazu und zum Folgenden Federici, Il trattato pass. – Der aus Rimini stammende F. Gualdi hatte wohl die Absicht, ein grundlegendes Werk über römische (Adels)Familien zu publizieren, dessen verschiedene Arbeitsschritte gut zu dokumentieren sind: Cod. Vat. Lat. 8252 (Gualdi A) trägt den Titel „Lapides Sepulchrales et Familiae Rom(an)ae“ und enthält in drei Teilen Grabinschriften und Wappenskizzen zu römischen Adelsfamilien in alphabetischer Reihenfolge, dazu einige Zeichnungen und Holzschnitte der entsprechenden Grabdenkmäler. Das Konvolut dürfte das letzte Stadium vor der Drucklegung darstellen, da mit fol. 10-13 die Familie Alberini betreffende Probedruckseiten eingebunden sind. Cod. Vat. Lat. 8254 (Gualdi C) enthält in zwei Teilen Grabinschriften und Notizen zu Familien und vor allem korrigierte Holzschnitte, dazu ungeordnete, nicht korrigierte Duplikate der Holzschnitte. Ein weiterer Sammelband mit unbezeichneten Holzschnitten spätmittelalterlicher römischer figürlicher Grabdenkmäler aus Gualdis Nachlaß findet sich in der Biblioteca Casanatense, Ms. 1377, Grabdenkmäler aus der Anima sind dort leider nicht aufgenommen. »
  27. Vgl. zu ihm Gemignani, Magalotti pass. »
  28. Vgl. zu ihm Neveu, Bruzio pass. »
  29. Die Kenntnis dieser Handschrift verdanke ich dem Archivar der Anima, Herrn Dr. Johan Ickx. »
  30. Die jüngste überlieferte Inschrift stammt aus dem Jahr 1749. »
  31. Allerdings gibt es auch Ausnahmen, so wird etwa die verschollene (anderwärts bezeugte) figürliche Grabplatte des 1482 verstorbenen Freisinger Kanonikers Simon Jagermann (Nr. 42) als Tafel mit zeilenweiser Inschrift wiedergegeben. »
  32. Die jüngste (mir bislang begegnete) Inschrift (S. 10) stammt aus dem Jahr 1770 und betrifft den Rombesuch Kaiser Josephs II. »
  33. Vgl. zu ihm Ceresa, Galletti pass. »
  34. BAV Cod. Vat. Lat. 7904 bis 7920, vgl. dazu Forcella, Iscrizioni 1 S. IX. – Diese beeindruckende Sammlung diente als Grundlage für sein bereits 1760 in drei Bänden erschienenes Werk „Inscriptiones Romanae“. »
  35. Eine Kopie dieser Handschrift auf CD verdanke ich dem freundlichen Entgegenkommen von Herrn Dr. Michiel Verweij, Kustos der Königlichen Bibliothek von Belgien. »
  36. Eine kurze Beschreibung mit der Abbildung einiger Seiten bietet Verweij, Paus 301ff. »
  37. So ebd. 304 mit Verweis auf zwei weitere Handschriften dieser Art in in der Universitätsbibliothek zu Gent. »
  38. Auf der letzten Seite (fol. 20) steht der eigenhändige Vermerk „Giocchino Forster, Cappellan / 29. Agosto 1844“. »
  39. Bedauerlicherweise finden sich keine die Anima betreffenden Einträge in dem 1664 in Rom in zwei Bänden erschienenen Werk von Gasparo Alvieri, Roma in ogni stato, das die Inschriften vieler römischer Kirchen mit genauen Standortangaben zuverlässig wiedergibt. »
  40. Vgl. dazu Schudt, Italienreisen 40. »
  41. Ab dem Jahr 1566 bis zu seinem Lebensende war Schrader als Rat und Gesandter in Diensten der Bischöfe zu Osnabrück tätig, vgl. dazu Fink, Schrader pass. Er verstarb 1606, wurde in St. Marien zu Osnabrück begraben und erhielt ein ihm angemessenes Epitaph, in dessen Inschrift ausdrücklich betont wird, dass der Verstorbene das für Wissenschaften und Denkmäler bereits berühmte Italien durch seine Christ(ianis) mon(umentis) noch berühmter gemacht habe; vgl. DI 26 (Stadt Osnabrück) Nr. 200 mit Abb. 44. »
  42. Vgl. zu ihm die Beiträge des anlässlich seines 100. Todestages in Rom abgehaltenen Tagung in Studi Romani 54 (NN. 3-4), darunter vor allem Caldelli, Iscrizioni pass. »
  43. In der Einleitung zu seinem über 16700 Inschriften enthaltenden, zwischen 1861 und 1884 in 14 Bänden erschienenen Gesamtwerk (Bd. 1, S. VII-XII) findet sich ein ausführlicher Überblick über die von ihm benutzten Autoren; vgl. auch die Beschreibung der entsprechenden Handschriften in Forcella, Catologo 1. – Forcellas umfangreiche Sammlung (aus Mittelalter und Renaissance stammen ca. 2450 Inschriften) erfuhr ihre Fortsetzung durch Huetter, Iscrizioni di Roma mit drei weiteren, den Zeitraum 1871 bis 1920 abdeckenden Inschriftenbänden. »
  44. Vgl. dazu die kritischen Bemerkungen von Silvagni, Pubblicazione 138 sowie Kajanto, Origin 9f., 12f. und 16. »
  45. Auf ein die Benutzung dieser kopialen Überlieferung erschwerendes Phänomen sei an dieser Stelle kurz hingewiesen: Verständlicherweise haben die römischen Kopisten und Antiquare große Schwierigkeiten mit der korrekten Lesung der ihnen fremden nordalpinen Personen- und Ortsnamen, besonders im Fall stark abgetretener oder beschädigter Grabplatten. So muss es beispielsweise im vorliegenden Material statt Michael Herbici/Michael Henrici (Nr. 5) heißen, statt Franciscus Stenudut/Franciscus Stenvelt (Nr. 7) und statt Matthei Vridanglsdi Midegari/Matthei Vridang alias Ditmari (Nr. 16); die Beispiele ließen sich beliebig vermehren. »
  46. Bis heute fehlt es an einer grundlegenden vergleichenden Arbeit, in der die spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Inschriften Roms nicht nur epigraphisch und philologisch, sondern auch kunst- und kulturhistorisch analysiert werden; erfreulicherweise liegen aber bereits in den philologisch geprägten Studien von L. Kajanto sowie den grundlegenden Aufsätzen von W. Koch zur stadtrömischen Epigraphik (die allerdings über das beginnende 15. Jahrhundert nicht hinausgehen) ausgezeichnete Vorarbeiten vor. Weiterführende Beobachtungen bieten die beiden von W. Koch und F.-A. Bornschlegel auf der Epigraphik-Tagung Rom 2012 unter dem Titel „Schriftentwicklung und Schriftrezeption im mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Rom“ gehaltenen Referate, die 2014 im „Archiv für Diplomatik“ publiziert werden sollen. Zudem darf seitens der Kunstgeschichte keinesfalls der von Blittersdorf/Garms herausgegebene zweibändige Katalog der mittelalterlichen figürlichen Grabmäler in Rom und Latium vergessen werden, auch wenn er sich (aus guten Gründen) auf den Zeitraum 1267 bis 1433 beschränkt.  »
  47. Vgl. dazu Koch, Epigraphik 34f. »
  48. Vgl. ausführlich Kajanto, Dating pass. zur Entwicklung mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Datierungen in Rom. »
  49. Vgl. dazu Kajanto, Studies 17 und Koch, Epigraphik 36f. »
  50. Vgl. dazu Kajanto, Dating 46ff. – Das Tagesdatum wird im vorliegenden Material in Regel durch fortlaufende Tageszählung angegeben, nicht selten aber auch (mit wachsender Häufigkeit im 16. Jahrhundert) in der klassischen Form nach Kalenden, Nonen oder Iden, den Fixtagen der Antike (vgl. Nrn. 22, 34, 36, 54, 67, 70, 72, 76, 83, 87, 89, 93, 94, 95, 99, 101, 102, 105, 107, 108, 112, 115, 116, 117, 118, 120). »
  51. Die ersten Beispiele für Rom lassen sich bereits in den frühen 1430er Jahren nachweisen, vgl. dazu ausführlich Kajanto, Origin 17ff. sowie ders., Studies 20f. und 24ff. mit ausführlichen Diskussion der unterschiedlichen Merkmalen von mittelalterlichen und renaissancezeitlichen Epitaphen. »
  52. Kajanto, Origin 25 bemerkt wohl zurecht, dass sich sowohl in der Anima als auch auf dem Campo Santo die neue Form des Grabdenkmals relativ spät durchsetzt und begründet dies mit der offenbar stärkeren Verbundenheit der aus dem nordalpinen Bereich stammenden Kleriker mit den ihnen vertrauten mittelalterlichen Formen. »
  53. Auch dies ist ein spezielles Merkmal renaissancezeitlicher Usancen, vgl. dazu Kajanto, Origin 25ff. »
  54. Vgl. dazu die Belege bei Koch, Epigraphik 38f. sowie bei Kajanto, Latin verse inscriptions 44ff. mit dem Hinweis auf Forcella, der für Rom zwischen 1000 und 1500 mehr als 220 metrische Inschriften überliefert, wobei die speziell humanistische Dichtung in den 1440er Jahren einsetzt. »
  55. Vgl. dazu ausführlich Kajanto, Studies 82ff. – Das früheste römische Beispiel (etwa für glorifizierenden Nachruhm) dürfte sich in einer Grabinschrift aus S. Maria in Aracoeli aus dem Jahre 1463 nachweisen lassen, vgl. dazu ebd. 84. »
  56. Vgl. zu diesem Komplex ausführlich die entsprechenden Kapitel bei Kajanto, Studies pass. »
  57. Eine vorzügliche Analyse der römischen Prosa-Weiheinschriften des 11. bis 13. Jahrhunderts bietet nun die kürzlich erschienene Studie von Blennow, Consecrative Inscriptions. »
  58. S. o. Kap. 3.2. »
  59. Vgl. dazu ausführlich Schmidlin, Anima 659ff. »
  60. Vgl. zu den vereinzelten Ausnahmen in spanischer, französischer und italienischer Sprache Koch, Epigraphik 36 Anm. 59. – Im Bereich der Anima sind bis jetzt lediglich zwei deutschsprachige Inschriften bekannt geworden, eine verschollene Spruchinschrift aus dem Jahr 1516 (Nr. 65) und eine den hl. Nepomuk anrufende Inschrift aus dem Jahr 1888, die heute im Innenhof des Priesterkollegs vermauert ist.  »
  61. Vgl. dazu die Kommentare in den einzelnen Katalogartikeln. – Zur spätmittelalterlichen Schriftentwicklung in Rom vgl. ausführlich Koch, Epigraphik pass. »
  62. „Im vierten Jahrzehnt [des 15. Jahrhunderts] drang die Renaissance-Kapitalis schlagartig in großem Umfang in die Inschrift ein und verdrängte fast völlig die gotische Majuskel“, so Koch, Epigraphik 32; vgl. auch die dies verdeutlichende Graphik bei dems. Grabinschriften mit Abb. IV S. 453 sowie bereits die entsprechenden Beobachtungen bei Kajanto, Origin 16 und ders., Studies 14f. »
  63. Vgl. dazu Kajanto, Origin 13 mit Abb. 2 und Koch, Spätmittelalterliche Grabinschriften 459. »
  64. Man orientierte sich offensichtlich an der klassischen Form der römischen Monumentalschrift, wie sie sich in der augustäischen Zeit herausgebildet hatte. Während zuvor die Buchstaben stets in gleicher Strichstärke ausgeführt waren, war man durch die neue Technik des Einmeißelns mittels einer beidseitig ausgeführten Kerbe in der Lage, die Stärke der nun spitz zulaufenden Kerben zu variieren. Schäfte und Balken wurden dabei streng senkrecht bzw. waagerecht ausgeführt, Bögen als genaue Kreissegmente mit dem Zirkel gezogen und die Buchstaben insgesamt so gestaltet, dass sie ein Quadrat bildeten; vgl. dazu Meyer, Einführung 37ff. »
  65. Trotz des antiken Begräbnisverbotes in der Stadt Rom kam es in Spätantike und frühem Mittelalter im Zusammenhang mit den Translationen der Märtyrer in die Kirchen dennoch zu zahlreichen Bestattungen, vornehmlich „ad sanctos“ in der Nähe des Altars, in den die Reliquien eingelassen waren. Die Heiligen sollten für die dort Begrabenen besondere Fürbitte zur Linderung der Sündenstrafen leisten, zudem wurde hier die Eucharistie gefeiert und durch die Priester der Verstorbenen gedacht. Trotz wiederholter Einschränkungen und Verbote durch Synoden und Konzilien setzte sich diese Sitte im Verlauf des Mittelalters durch und war in Rom bis zum Cholerajahr 1836 allgemein üblich; vgl. dazu grundsätzlich Schweizer, Kirchhof pass. sowie zu den theologischen und rechtlichen Hintergründen Scholz, Grab pass.  »
  66. Vgl. zu dieser heute noch im Archiv der Anima verwahrten Urkunde ausführlich Schuchard, Exemtionsprivileg pass. »
  67. Vgl. das Regest der Urkunde bei Nagl, Urkundliches 2f. Nr. 9. »
  68. Die Kirche dürfte nicht mehr als 16 Meter lang und 9 Meter breit gewesen sein; vgl. dazu Lohninger, Anima 15. »
  69. Diese Gruft wurde – nachdem die Leichen herausgenommen und anderswo bestattet wurden – am 12. Mai 1431 zugeschüttet und eingeebnet, um Platz für eine neue, an dieser Stelle zu erbauende Kapelle zu schaffen, die von der Bäckerbruderschaft finanziert wurde; vgl. dazu und zum Folgenden Lohninger, Anima 17 und 28f. – Die vorne im linken Seitenschiff gelegene Kapelle wurde Ende des 14. Jahrhunderts von der Barbara-Bruderschaft übernommen, die dort Statuen der hl. Barbara und der hl. Katharina aufstellte. Beide Statuen wurden nach dem Abriss der gotischen Kirche in den 1500 begonnenen Neubau verbracht, dort an dem der (nun Barbara-Kapelle genannten) Kapelle gegenüberliegenden Pfeiler angebracht und dienten den Verfassern des Bruderschafts- wie des Totenbuchs gerne als Standortangabe für Begräbnisplätze. »
  70. Für dieses Jahr findet sich in den Büchern der Anima die Notiz, dass der Hospitaldiener für einen im Hospital verstorbenen Mann ein Grab hergerichtet habe; vgl. dazu und zum Folgenden die Nachweise bei Schmidlin, Anima 193f. und 201. »
  71. Vgl. Kapitel 3, Anm. 3. »
  72. So bezahlten die Herren Kaspar aus Elbinge 17 Groschen, Andreas aus Mecheln 1 holländischen Gulden, Nikolaus aus Havel und Heinrich Stömaber aus Danzig je 2 Gulden, und der Bäcker Nikolaus aus Basel 4 Gulden, vgl. die Nachweise bei Schmidlin, Anima 193 Anm. 4. »
  73. Vgl. dazu Weiland, Campo Santo 95f. »
  74. Die Gruft unter dem Chor wurde erst 1446 durch einen Meister Raynald und seine Gehilfen ausgemauert und eingewölbt; vgl. den Hinweis bei Lohninger, Anima 27. »
  75. Seit 1836 dient der von der Stadt Rom bei San Lorenzo fuori le mura aus hygienischen Gründen neu angelegte Campo Verano als Zentralfriedhof aller Römer, hier unterhält die Anima eine eigene, mit einer Gruft ausgestatteten Kapelle, bei der aber ebenso Erdbestattungen möglich sind; vgl.dazu Krogel, Friedhof 41ff. »
  76. Für die Begräbnisse auf dem Campo Santo mussten im 15. Jahrhundert wenigstens 2 Kerzen von 2 Pfund Wachs hinterlassen werden, ab der Mitte des 16. Jahrhunderts waren dann bestimmte abgestufte Geldbeträge zu bezahlen; vgl. dazu Weiland, Campo Santo 120ff. »
  77. Ein gutes Beispiel dafür bietet der Fall des 1432 verstorbenen apostolischen Kursor Michael Henrici (Nr. 5), der in der Kirche vor der Anna-Kapelle bestattet wurde, seine 1445 verstorbene Haushälterin Lucia erhielt jedoch ein Grab auf dem Friedhof. »
  78. Nach dem Erlöschen der Barbara-Bruderschaft im Jahr 1557 diente sie als Begräbnisplatz der Priester der Anima; in dem Zusammenhang wurde ihr Altar von Papst Gregor XIII. (1572-1585) privilegiert. »
  79. Sie wurde erst lange nach dem Tod des Kardinals fertiggestellt; interessanterweise ließen sich die dafür zuständigen Anima-Prokuratoren Qurinus Galler und Johannes Lemmeken durch in der Kapelle angebrachte Brustbilder abbilden und vor der Kapelle bestatten (Nr. 112). »
  80. Vgl. zum Folgenden ausführlich Lohninger, Anima 138ff., Zitat S. 138. – Laut einer Bestandsaufnahme des Jahres 1799 besaß die Anima in Rom 51 Häuser, aus denen sie Mieteinnahmen erzielte, Anfang des 20. Jahrhunderts noch elf Häuser bzw. Häusergruppen; vgl. Schmidlin, Anima 671 und 775. »
  81. Die folgende anschauliche Schilderung von Lohninger, Anima 149f. beruht auf den vom ihm konsultierten Ausgabe- und Rechnungsbüchern der Anima. »
  82. Vgl. die Nrn. 4 , 108, 117, 118 und 120; wobei es sich bei der Grabplatte für Johannes Gropper um ein Original handelt und Gravius wohl mit mit Alexander Junius verwechselt wurde. – Alle diese genannten neu angefertigten Grabplatten sind noch vorhanden, hinzu kommen noch die ebenfalls neu hergestellten Grabplatten für Dietrich von Calvis (Nr. 34) und Johannes Sander (Nr. 100). »
  83. Vgl. dazu die Aufstellung der Einzelkosten bei Schmidlin, Anima 626f. »
  84. Um die Kosten in den Griff zu bekommen, wurden seitens der Anima „ihre außer Gebrauch gekommenen Silbersachen“ veräußert, vgl. dazu ebd. 626 »
  85. Vgl. dazu Folgenden die Hinweise bei Schmidlin, Anima 165f. »
  86. Darunter ein von einem Anima-Haus stammender Wappenstein (Nr. 43) und eine Hausinschrift vom ehemaligen Hospital (Nr. 64). »
  87. Darunter finden sich u. a. Reste von Schrankenplatten mit Bandgeflecht und Kreuzmotiven (9. Jh.), Reste eines Cosmatenfußbodens, Bruchstücke eines großen, wohl aus der gotischen Kirche stammenden Maßwerkfensters sowie ein Relief mit Maria und Kind (15. Jh.). Bedauerlicherweise ist die Provenienz der meisten Spolien nicht mehr zu klären, da „ihr verdienter Sammler Monsignore Jänig sich selbst nicht mehr der Herkunft erinnert“, so bereits Schmidlin, Anima 155 Anm. 6. »
  88. Vgl. dazu ihre hier erstmals vorgelegte Edition im Anhang. »