Inschriftenkatalog: Rheingau-Taunus Kreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 43: Rheingau-Taunus-Kreis (1997)

Nr. 87† Eberbach, Klosterkirche 1357

Beschreibung

Grabinschrift des Ritters Nikolaus von Scharfenstein, dessen Grab in der Bartholomäuskapelle auf der Südseite der Klosterkirche lag. 1614 überliefert, ein Wappen, sonstige Ausführung unbekannt.

Nach Helwich.

  1. + Anno domini m ccc lvii iii nonas decembris in vigilia beatae Barbarae virginis obiit Nicolaus de Scharppinstein miles qui morabatur in Hattenheim cuius anima requiescat in pace amen.

Übersetzung:

Im Jahre des Herrn 1357, am 3. Tag vor den Nonen des Dezember (3. Dezember), am Tag vor dem Fest der seligen Jungfrau Barbara starb Ritter Nikolaus von Scharfenstein, der sich in Hattenheim aufhielt, dessen Seele in Frieden ruhe, Amen.

Wappen:
(Schwarze von) Scharfenstein (daneben Hz.: Büffelhörner mit Wiederholung des Schildbildes).

Kommentar

Ungewöhnlich ist die bei allen Gewährsmännern vorhandene Ortsangabe; da Pater Bär – ebenso wie Helwich – in seiner Abschrift diesen Zusatz mit den offensichtlich per Autopsie gewonnenen Kürzungen q(ui) morabat in hattinh(eim) wiedergab, dürfte es sich kaum um eine beliebige Hinzufügung handeln; es ist zu fragen, ob damit der Wohnort oder der zufällige Aufenthaltsort zum Todeszeitpunkt gemeint war.

Der Verstorbene wird von Bodmann den Schwarzen von Scharfenstein zugeordnet und als „ungemein großer Wohltäter aller Stifter und Klöster in Mainz und im Rheingau“ bezeichnet.1) Laut Humbracht soll er ein Sohn des gleichnamigen Ritters und einer nicht näher bekannten Agnes gewesen sein.2) Nikolaus von Scharfenstein ehelichte Agnes Salmann (Salmännin), Tochter Rudolfs zum Silberberg, deren figürliche Grabplatte erhalten geblieben ist (Nr. 119). Aus der urkundlichen Überlieferung ist bekannt, daß Nikolaus von Scharfenstein Patronatsrechte über die Kapelle zu Rauenthal ausübte.3) 1349 stiftete er gemeinsam mit seiner Ehefrau die Bartholomäuskapelle in der Eberbacher Kirche. 60 Pfund Heller gaben sie für die Errichtung dieses Kapellenanbaus an das Südseitenschiff der Klosterkirche aus und wurden wunschgemäß nach ihrem Tode vor dem in der Kapelle stehenden Altar beigesetzt.4)

Anmerkungen

  1. Bodmann 1, 356 Anm.
  2. Humbracht Taf. 216.
  3. NUB I 3 Nr. 2185 zu 1339 November 29.
  4. So nach Bodmann 1, 356 und NUB I 3 Nr. 2573.

Nachweise

  1. Helwich, Syntagma 160.
  2. Anonymus ed. Roth, Geschichtsquellen III 82.
  3. Bär, Epitaphiensmlg. fol. 2.
  4. Würdtwein, Epitaphienbuch 238.
  5. Bodmann 1, 356.
  6. Roth, Geschichtsquellen III 259.
  7. Beitr. Gesch. Erzstift 28.

Zitierhinweis:
DI 43, Rheingau-Taunus-Kreis, Nr. 87† (Yvonne Monsees), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di043mz05k0008703.