Inschriftenkatalog: Rheingau-Taunus Kreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 43: Rheingau-Taunus-Kreis (1997)

Nr. 409 Eberbach, Klosterkirche (aus Kapitelsaal) 1535

Hinweis: Die vorliegende Online-Katalognummer ist im Vergleich zum gedruckten Band mit Ergänzungen und Korrekturen versehen. Sie finden diese am Ende des Artikels. [Dorthin springen]

Beschreibung

Grabplatte bzw. Kenotaph für die Äbte Wendelin aus Boppard und Lorenz aus Dornberg. Heute liegt die Steinplatte im Boden der 3. Südkapelle von Westen (Plan Äbte Nr. 13). Hochrechteckige Platte aus gelbem Sandstein; im rundbogig eingetieften, in den Zwickeln mit geflügelten Puttenköpfen verzierten Feld zwei reliefierte Abtsstäbe, links mit Mitra; die jeweils vierzeiligen Inschriften für Abt Lorenz links (A) und für Abt Wendelin rechts (B) stehen parallel zu den Abtsstäben. Platte mehrfach gebrochen und wieder zusammengesetzt, Oberfläche nach 1935 mit Spitzeisen oben rechts zerstört, Textverluste.

Erg. nach Helwich.

Maße: H. 218, B. 110,5, Bu. 5,5 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

Bender_Forschungsstelle Die Deutschen Inschriften bei der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz [1/1]

  1. A

    ANN(O) 1535 · 15 · IANV[A]RIIa) O(BIIT) REVEREND(VS) / IN CHR(IST)O · PATER AC · D(OMI)N(V)S / D(OMI)N(V)S LAVRENCIVSb) ABBAS EBIRBACEN(SIS) · 26 / CVIVS A(N)I(M)A REQVIESCAT IN PACE

  2. B

    EODEM A[NNO]c) 14 CALEN(DAS) NOVE(M)B(RIS) [M]IGRA/VITd) A SECVLO VENERA(N)D(VS) P(ATE)Re) ET [D](OMI)N(V)S / D(OMI)N(V)S W[E]NDALIN(VS) ABBAS ELEC[TVS]f) E[B]IR[BA]/CEN(SIS)g) [2]7h) C(VIVS) A(N)I(M)A CV(M) BEAT[IS VIVAT]i)

Übersetzung:

Im Jahre 1535, am 15. Januar starb der ehrwürdige Vater in Christo und Herr, Herr Lorenz, 26. Eberbacher Abt, dessen Seele in Frieden ruhe. (A) – Im selben Jahre, am 14. Tag vor den Kalenden des November (19. Oktober) schied der verehrungswürdige Vater und Herr, Herr Wendelin, 27. gewählter Abt Eberbachs, von dieser Welt, dessen Seele mit den Seligen lebe. (B)

Kommentar

Mit diesem wohl erst zum Jahresende 1535 entstandenen Stein verließ man in Eberbach erstmals das traditionelle Grabbild des stehenden Abtes. Man widmete den beiden Verstorbenen gemeinsam einen nur mit den Insignien der Amtswürde versehenen Stein. Ligaturen kommen in den beiden Grabinschriften nur wenige vor, litterae insertae in Inschrift (B) mit dem in das größere C eingestellten A bei der Fürbitte. Auffallend ist die starke Linksschrägenverstärkung. Die Worttrennunng wurde in (A) gelegentlich durch kleine Dreiecke gekennzeichnet.

Der Schönauer Abt Lorenz von Dornberg sollte nach Bär den Vorsitz bei der Abtswahl in Eberbach führen, wurde jedoch vom dortigen Konvent in der Verhandlung vom 4. Juni 1527 selbst zum Nachfolger des Nikolaus IV. von Eltville (Nr. 396) gewählt.1) Tatkräftig bemühte er sich vor allem um den Weinhandel der Abtei und pflegte die Klosterschiffe auf ihrem Weg nach Köln zu begleiten. Während einer solchen Reise starb er am 14. Januar in Zons2). Sein Leichnam wurde in der benachbarten, 1130 als Prämonstratenserkloster gegründeten Abtei Knechtsteden3) beigesetzt. Eberbach erhielt die Todesnachricht. Als der am 24. Januar 1535 zum Eberbacher Abt gewählte4) Wendelin aus Boppard bereits am 24. November 1535 nach kurzer Amtszeit starb, fertigte man die Platte für beide Äbte gemeinsam an.

Textkritischer Apparat

  1. Linke Haste des V erkennbar, Rest abgespitzt.
  2. VS sehr eng gedrängt. Helwich fügt den aus anderen Quellen gewonnenen Zunamen des Abtes de Dotzheim hinzu.
  3. Nur noch unterer Teil der rechten Haste des A zu sehen, Rest abgespitzt.
  4. M am Stein korrigiert.
  5. Großer Abstand zum nachfolgenden Wort.
  6. L verhauen wie B; vermutlich wollte der Steinmetz erst EBERBACENSIS einhauen und änderte dann das Wort in ELECTVS um.
  7. Letztes E mit überstarker Haste, wohl verhauen, Oberfläche abgespitzt.
  8. Helwich XXVII.
  9. So auch Helwich und Foto von um 1935 (Abb. Sattler). Heute Wortrest ESCAT, A kleiner in C eingestellt.

Anmerkungen

  1. Nachlaß Rossel, Ms. Bär fol. 285, auch zum folgenden.
  2. Lkr. Grevenbroich.
  3. Nach Catalogus erhielt er dort eine Inschrift „in cubiculo abbatis nominatio tabulo super abacum pendens effigiem huius habet cum hac inscriptione: Reverendus pater ac dominus Laurentius abbas Ebirbacensis vicesimus sextus“.
  4. Series abbatum.

Nachweise

  1. Helwich, Syntagma 178; 179.
  2. Catalogus fol. 36, ed. Roth, Geschichtsquellen III 120f.; IV 119.
  3. Series abbatum fol. 102v (A).
  4. Roth, Geschichtsquellen III 269.
  5. Sattler, Sanierung 2 Abb.2 (Foto um 1935).
Addenda & Corrigenda (Stand: 06. Oktober 2021):

Neuer Standort: Die Grabplatte ist aktuell im Nordseitenschiff aufgestellt. Sie befindet sich im 6. Joch von Osten als mittlerer von drei Steinen.

Material: Grauer Sandstein, so Monsees, Grabmäler, Nr. 13
Es besteht Unstimmigkeit beim Sterbedatum von Abt Wendelin, er starb nicht, wie in der Inschrift angegeben, am 19. Oktober, sondern einige Wochen später am 24. November 1535, vgl. Monsees, Grabmäler, Nr. 13.

Zitierhinweis:
DI 43, Rheingau-Taunus-Kreis, Nr. 409 (Yvonne Monsees), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di043mz05k0040909.