Inschriftenkatalog: Rheingau-Taunus Kreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 43: Rheingau-Taunus-Kreis (1997)

Nr. 143† Kiedrich, Kath. Pfarrkirche St. Valentin 4.V.14.Jh.

Beschreibung

Kleine Glocke mit Anrufung und Heiligennamen, als Totenglöckchen verwendet. Herkunft und Gießer unbekannt, nach einem Abklatsch aus dem Ablieferungsjahr 1916 ist die Schriftform bekannt.1) Nach Zaun.

Maße: H. 72, Dm. 72 cm.

Schriftart(en): Gotische Majuskel.

  1. +a) MILGIARb) CASPAR BALDISER REG(ES)c)

Kommentar

Die Dreikönigsglocke besaß die gleichen Buchstabenformen wie die 1389 gegossene Evangelistenglocke (Nr. 130), so daß derselbe Gießer und dieselbe Zeitstellung angenommen werden können.1)

Der Dreikönigskult blieb im Mittelalter zwar weitgehend auf Köln beschränkt, doch kam es durch Wallfahrten und von Köln ausgehende Patrozinien zu einem Kult, der sich u.a. auf Bauten, Glocken mit Pilgerzeichen, Wallfahrtsmedaillen und in Altarpatrozinien niederschlug.2) Die Anrufung der Heiligen Drei Könige in Glockeninschriften tritt andernorts ab der Mitte des 14. Jahrhunderts in einzelnen Exemplaren auf,3) während sie im Bearbeitungsgebiet mit der Kiedricher Glocke singulär bleibt. Ihr wird eine apotropäische Wirkung infolge der dämonenabwehrenden Kraft des Dreikönigssegens zugeschrieben.4) Mit der Erwähnung eines Altars Trium Regum 15045) und 15066) wird eine zumindest kurzzeitig existente Dreikönigsverehrung in Kiedrich greifbar.

Textkritischer Apparat

  1. Fehlt bei Zaun und Roth.
  2. Luthmer (1921) MILGIER, Roth Melchior.
  3. Lotz, Luthmer REX.

Anmerkungen

  1. Frdl. Hinweis von Herrn Dr. h.c. Josef Staab, der die Pausen 1941 beim Pfarramt einreichte. Sie sind seither verschollen.
  2. LCI 6, Sp. 97-99.
  3. Beispiele bei Walter 212 mit Anm. 7.
  4. LCI (wie Anm. 2) 98.
  5. Frdl. Hinweis von Herrn Dr. h.c. Josef Staab auf die Belegstelle in HHStAW 1098 II 2 fol. 55r „1504 off der dry hilgen könige altar“.
  6. Zaun, Kiedrich 92, demzufolge dieser Altar möglicherweise mit dem in der Sakristei befindlichen, in der Mensa noch erhaltenen Altar identisch war. Helwich, Syntagma 261 erwähnte den Dreikönigsaltar nicht; ob es sich bei dem von ihm als namenlos („sine nomine“) bezeichneten Altar um diesen gehandelt haben könnte, bleibt offen.

Nachweise

  1. Zaun, Kiedrich 124.
  2. Zaun, Landkapitel 126.
  3. Lotz (1880) 255.
  4. Roth, Grafen zu Eltz I 342.
  5. Luthmer (1907) 196; (1921) 81.

Zitierhinweis:
DI 43, Rheingau-Taunus-Kreis, Nr. 143† (Yvonne Monsees), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di043mz05k0014309.