Inschriftenkatalog: Rheingau-Taunus Kreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 43: Rheingau-Taunus-Kreis (1997)

Nr. 136† Idstein, Unionskirche 1393

Beschreibung

Grabplatte des Grafen Walram IV. von Nassau-Wiesbaden-Idstein, der im Chor hinter dem Hochaltar begraben lag.1) Die bereits seit der großen Kirchenrestaurierung 1665 verschwundene2) Figurenplatte ist durch eine Zeichnung aus der Feder des Malers Heinrich Dors von 1632 und in einer farbigen Zeichnung mit einigen Abweichungen von Andreae überliefert. Beide zeigen die Ganzfigur in voller Rüstung mit einem als Zaddelrock gearbeiteten Pelz darüber. Der Kopf mit dem visierlosen Helm ruhte auf einem mit Quasten besetzten Kissen; am Gürtel trug der Ritter Langschwert und Dolch, die Hände waren aneinandergelegt, die Füße ruhten auf einem Löwen. Das nassauische Wappen war auf zwei Schilden zu Häupten der Figur abgebildet. Die Grabinschrift umlief den Stein dreiseitig gegen den Uhrzeigersinn mit Beginn rechts oben, so daß sie von außen zu lesen war. Diese Form der Inschriftanbringung läßt eine erhöht stehende, tumbenähnliche Anlage vermuten. Die gesamte rechte Längsseite war dagegen inschriftlos. Dors zeichnete den beschädigten Grabstein ab, seine Wiedergabe ist genauer als diejenige Andreaes, der die fehlenden Inschriftenteile ergänzte.

Nach Dors, erg. nach Andreae.

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

  1. [Anno domi]ni · m · ccc · nonagesimo · tercia · vii · / die · me(n)sis · noue(m)bris · o(biit) · spectabil(is)a) · et · nobili[s dominus dominus Walramus co]mes · de · nassaue · cui(us) · a(n)i(m)a [requiescat in pace].

Wappen:
Nassau.

Kommentar

Der Verstorbene, mit dessen Sepultur der Beginn einer Familiengrablege in Idstein verbunden war, entstammte der 1332 geschlossenen Ehe Adolfs I. von Nassau-Wiesbaden-Idstein mit Margarethe, Burggräfin zu Nürnberg. Er heiratete 1374 Bertha, Tochter Johanns II. von Westerburg, die nach ihrem Tode im Jahre 1418 neben ihm in der Unionskirche beigesetzt wurde.3) Der Ehe entstammte das Geschwisterpaar Adolf II.4) und Margarethe, die seit 1398 mit Heinrich VII. von Waldeck kinderlos verehelicht war.5) Walram von Nassau gilt als Erbauer des Schlosses Wallrabenstein. Er folgte seinem Vater Adolf I. 1370 zunächst gemeinsam mit seinem Bruder Gerlach in der Regierung und übernahm sie ab 1386 allein.

Textkritischer Apparat

  1. Andreae generosus; zwar sieht die Zeichnung bei Dors wie eine genaue, auch Schreibformen und Beschädigungen wiedergebende Autopsie aus, doch entspricht generosus den Gepflogenheiten der Zeit und des Standes, vgl. Einleitung Kap. 4.

Anmerkungen

  1. Lage nach Dors.
  2. Hagelgans 80.
  3. Europ. Stammtafeln NF I Taf. 109. Ihr Grabmal ist ebenfalls in einer Zeichnung von Dors überliefert, vgl. Nr. 174.
  4. Verheiratet mit Margarethe von Baden. Zu dem erhaltenen Doppelepitaph in der Idsteiner Unionskirche s. Nr. 179.
  5. Europ. Stammtafeln NF I Taf. 109.

Nachweise

  1. Dors, Genealogia 128 Nr. 20, Abb. 37.
  2. Andreae fol. 34.
  3. St. George 55.
  4. Hagelgans 28 Nr. LXIV.
  5. Kremer, Origines II 460 Nr. 13.
  6. Roth, Nass. Epitaphienbuch 557 Nr. L.
  7. Struck, Quellen Klöster II Nr. 892.
  8. Struck, Stifte 415.

Zitierhinweis:
DI 43, Rheingau-Taunus-Kreis, Nr. 136† (Yvonne Monsees), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di043mz05k0013606.