Die Inschriften des Rheingau-Taunus-Kreises

6. Nicht aufgenommene Inschriften

Im Katalog fanden nicht alle Inschriften Aufnahme, die sich für den Rheingau-Taunus-Kreis nachweisen ließen. Abgesehen von den definitionsgemäß ausgeschlossenen, reproduzierbaren Inschriften, deren Erfassung durch Nachbardisziplinen abgedeckt wird,1) konnten solche Inschriften nicht berücksichtigt werden, die nach der Zeitgrenze von 1650 entstanden oder die aus fremden Gebieten nachträglich in das Kreisgebiet eingeführt wurden bzw. deren Herkunft aus dem oder Anfertigung für das Kreisgebiet nicht gesichert ist. So blieben auch sog. Patenglocken, die nach dem zweiten Weltkrieg aus den deutschen Ostgebieten in das Kreisgebiet gelangten, von einer Aufnahme ausgeschlossen. Eine Vollständigkeit der Übersicht über die ausgeschlossenen Inschriften ist jedoch im Folgenden nicht angestrebt.

6.1. Inschriften unsicherer Zuordnung, Zeitstellung und Herkunft

Die hl. Hildegard von Bingen soll vom hl. Bernhard von Clairvaux ein mit reichen Malereien verziertes Gebetbuch und einen Ring mit der (übersetzten) Aufschrift Ich leide gern erhalten haben, berichtete Eduard Schneegans 1839 ohne jeden Quellenbeleg.2) Beide Gegenstände sollen bis in seine Zeit im Kloster Eibingen aufbewahrt worden sein. Der Auskunft von Sr. Adelgundis Führkötter3) zufolge ist von den genannten Geschenken in der Hildegard-Forschung nichts bekannt; das in München verwahrte sog. Gebetbuch der hl. Hildegard entstand erst nach ihrem Tod, nach 1190. Möglicherweise floß Schneegans die Kenntnis einer Vision der hl. Hildegard in die Feder, derzufolge sie während eines Fieberleidens Heilige erblickte, die ihr sagten: „Den Schmerz, den du zu erdulden hast, mußt du gern tragen.”4)

In der Sammlung Nassauischer Altertümer des Museums Wiesbaden werden zwei Glasfenster aus dem letzten Viertel des 12. Jahrhunderts (um 1180) aufbewahrt, deren Provenienz nicht eindeutig zu klären ist.5) Die qualitätvollen Fenster, deren Thematik dem Neuen Testament (Auferweckung des Lazarus, Judas-Kuß) entnommen ist, wurden vermutlich im Zuge der Verschleuderung kirchlichen [Druckseite LXXVI] Inventars nach der Säkularisation offenbar aus einem unbekannten Kloster entfernt und gelangten auf nicht mehr rekonstruierbaren Wegen in die Schausammlungen des Museums. Da bisher kein Erwerbungsbericht aufgefunden wurde, ist eine mutmaßliche Herkunft aus Kloster Tiefenthal6) eher unwahrscheinlich, zumal die frühest nachweisbare Aufnahme eines figürlichen Glasgemäldes in eine Zisterzienserkirche erst 1300 in Kloster Haina entgegentritt7) und die Tiefenthaler Kirche 1572 durch eine Brandkatastrophe starke Schäden hinnehmen mußte, die vermutlich zur Zerstörung der Fenster geführt hätte. Im Gespräch war ferner eine mögliche Provenienz aus der Ingelheimer Pfalzkapelle8) oder aus dem Kloster Maria Laach.9) Das Lazarus-Fenster trägt die Aufforderung Christi an die Frauen SEQUITUR VEL UTRAQUE SORORES und REDIT A SPECTANTE COHORTE, ferner die Erweckungsworte Christi LAZARE VENI FORAS. In dem zweiten Fenster wurden offenbar Teile des Schriftbandes neu aneinandergefügt.

Wohl vom Ende des 12. Jahrhunderts stammt ein beschriftetes Teilstück einer aus diversen Resten neu zusammengesetzten Figurenscheibe, die im Diözesanmuseum Limburg aufbewahrt wird.10) Gezeigt ist eine weibliche Heilige mit einem Kirchenmodell, das die Inschrift HVSEN in romanischer Majuskel trägt. Die aufgrund dieses Ortsnamens mehrfach geäußerte Zuschreibung an Kloster Marienhausen11) gründet sich auf die Tatsache, daß die Klostergebäude 1803 von Hans Carl Freiherr von Zwierlein aufgekauft wurden und die Fragmente in seiner Glasgemäldesammlung auftauchten. Unsicher wird die Zuschreibung allerdings angesichts der Farbigkeit des Stückes, was für ein Zisterzienserinnenkloster bei der frühen Zeitstellung des Fragments unwahrscheinlich ist, sind doch nur vereinzelt seit der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts Ausnahmen vom zisterziensischen Farbigkeitsverbot für Glasfenster nachzuweisen. Zudem wurde die Klosterkirche erst 1219 geweiht, was für die stilistische Datierung des Glasgemälderestes zu spät ist.

Ebenfalls unsicherer Provenienz ist die in der 1778-81 erbauten Kath. Pfarrkirche St. Trinitatis zu Fischbach12) befindliche Glasmalerei wohl aus dem ausgehenden 14. Jahrhundert, die den hl. Antonius zeigt und nach Lotz angeblich aus Kloster Eberbach stammen soll.13) Diese Provenienzhypothese läßt sich durch archivalisches Material nicht bestätigen; eher stammt das Glasfenster aus der 1830 abgebrochenen Gimbacher Wallfahrtskapelle.

Von Roth wurde für die Eltviller Pfarrkirche St. Peter u. Paul eine verlorene Alarmglocke mit dem angeblichen Gußjahr 1488/89 überliefert.14) Der Text soll Ich ruf mit meynem klang / arm und reich zusamm / zu feur und zu nöten / schedlich levt zu töten gelautet haben.15) Da der Eltviller Kirchturm infolge der fehlenden Trennung von Kirchen- und Zivilgemeinde beiden gehörte, hatte die Gemeinde das Recht auf eine eigene Glocke im Turm der Pfarrkirche. 1488 gab der Gemeinderat den Guß einer neuen Glocke bei Meister Heinrich aus Mainz in Auftrag. Die Inschrift dieser Alarm- oder sog. „Großen Glocke” ging 1564 unter, als diese zersprang. Sie wurde dann mehrfach umgegossen.16) Das 1515 erwähnte Vierergeläute fiel 1683 einem Brand zum Opfer wie auch das drei Jahre später gefertigte, neue Glockenensemble im Jahre 1782. Das noch im gleichen Jahr durch Wilhelm Heinrich Rincker neu gegossene Geläute hielt sich bis zum Zweiten Weltkrieg. Aufgrund dieser Zerstörungen und fehlender, eindeutiger Belege zur Authentizität des von Roth mitgeteilten Textes ist die Inschrift nicht in den Katalog aufgenommen worden. [Druckseite LXXVII]

In ihrer Fertigungszeit und Herkunft unbekannt bleibt die heute in Eppstein befindliche, angeblich aus dem Rheingau stammende Glocke mit der Inschrift In honorem passionis Dei.17) Unsicher in der Standortzuweisung bleibt ein 1888 beschriebenes, nur mit dem allgemeinen Herkunftsnachweis „aus dem Rheingau” bezeichnetes, taschenförmiges Gefäß aus glasiertem Ton, das die Inschrift A(N)NO 16L getragen haben soll.18)

In der Ev. Kirchengemeinde zu Niedergladbach wird ein Kelch mit der in unauffälliger Kapitalis ausgeführten Inschrift S(ANCTVS) • VICTORIS aufbewahrt, dessen Zeitstellung unbekannt ist.19)

Der Engel der Verkündigungszene des westlichen Portaltympanons an der Kiedricher Valentinskirche hält ein Schriftband mit den Worten Ave Maria gracia plena, die in einer neogotischen Minuskelschrift aufgemalt sind. Diese Beschriftung geht offenbar auf eine verloschene Inschrift zurück, da in einer Beschreibung aus dem Jahre 1763 der Wortlaut des Engelsgrußes erwähnt wird;20) unbekannt ist freilich, ob der Text original und mit der Entstehung des Portals verbunden ist oder erst zu einem unbekannten späteren Zeitpunkt vor 1763 angebracht wurde.

Im Wald nahe bei Kloster Eberbach bezeichnet eine kleine Kapelle der Überlieferung zufolge den Platz, von dem aus der hl. Bernhard anläßlich seines Besuches den Ort erblickt haben soll, auf dem später das Kloster erbaut wurde. Pater Bär zufolge war der Name des Heiligen bzw. die Gemarkungsbezeichnung schon in früherer, allerdings nicht näher bekannter Zeit in eine Gedenkeiche eingeschnitten worden; nachdem diese abgestorben war, ließ der Konvent eine Schrifttafel anfertigen, die über dem Eingang zu der 1701 fertiggestellten Kapelle angebracht wurde.21) Bär bemerkte, daß die Verse dieses Chronostichons von 1701 den alten, in die Gedenkeiche eingeschnittenen Namen, der in einer Grenzbeschreibung von 1497 als „sant bernhartsruge” verzeichnet ist,22) als bekannt voraussetzten. Ob nun der Flurname oder bereits eine literarische Umformung in den alten Baum eingeritzt war, läßt sich nicht entscheiden.

6.2. Herkunft aus Fremdbeständen

Im Bestand befinden sich einige Inschriftenträger, die zwar noch innerhalb der Zeitgrenze entstanden, aber fremder Herkunft sind bzw. deren Herstellung für das Kreisgebiet nicht eindeutig nachgewiesen werden konnte.

Der Rektor der Kölner Universität, Segebodo Berswort (†1455),23) ließ zwischen 1415 und 1455 zwei von ihm gestiftete Kaseln sowie ein Altarantependium mit seinem Namen und seinem Titel legum doctor versehen;24) die Kaseln befinden sich heute in der Kath. Pfarrkirche zu Winkel.25) Das Altarantependium zeigt gleichfalls die Kölner Borte, die identische Namensinschrift und das Stifterwappen. Es wurde 1889 aus dem Frankfurter Kunstmarkt vom Kölner Museum für Kunsthandwerk erworben und einige Jahre später vom Schnütgenmuseum übernommen.26) Daß Berswort die Gewänder und das Antependium für Winkel gestiftet hätte, ist unwahrscheinlich;27) über einen Ankauf der Borten zu einem unbekannten Zeitpunkt ist bislang nichts bekannt geworden. [Druckseite LXXVIII]

Alle heute vorhandenen spätmittelalterlichen Paramente und Kaseln der Kiedricher Valentinuskirche28) mußten ebenso wie der dort auf der Südempore stehende, mit teilweise beschrifteten Bildern versehene Marienaltar von um 148029) von der Katalogaufnahme ausgeschlossen werden, da diese Gegenstände erst in den 1860er Jahren aus Fremdbeständen für die Kirche angekauft wurden.30)

Aufgrund seiner Herkunft aus dem fränkischen Kunstkreis ist der ehemals in der Kunstruine Schwarzenstein bei Johannisberg befindliche, dann in die Kath. Pfarrkirche in Stephanshausen gestiftete, schmiedeeiserne Leuchter mit der Jahreszahl 1580 nicht aufgenommen worden. Die Geisenheimer Leuchterbank mit den Monogrammen Christi und Mariens31) dürfte aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts stammen.32)

Als nicht zweifelsfrei für den Rheingau hergestellt, mußte das erst 1909 unter einer Übermalung von 1559 freigelegte, auf dem Rahmen beschriftete, signierte und die „Maria lactans” darstellende Gemälde von der Hand des Petrus Christus,33) ehemals in den Sammlungen des Grafen Matuschka-Greiffenclau auf Schloß Vollrads, heute im Kunstmuseum Düsseldorf aufbewahrt,34) von der Aufnahme ausgeschlossen werden. Es trägt den Text des Marienhymnus AVE REGINA CELORV(M) MATER REGIS ANGELORV(M) / O MA(RI)A FLOS VIRGINV(M) VELVD ROSA VEL LILIV(M) / FVNDE PRECES AD FILIV(M) PRO SALVTE FIDELIVM / PETRVS XPI ME FECIT A(NN)O D(OMIN)I 1449.

Das in den neogotischen Hochaltar der Kath. Pfarrkirche zu Assmannshausen integrierte Gemälde zeigt die beschriftete Darstellung des Marientodes. Der Marienhymnus am oberen Bildrand, besonders hervorgehoben in goldenen Buchstaben auf rotem Schriftband, lautet in sorgfältig gemalter, frühhumanistischer Kapitalis AVE •. REGINA •. CELORVM •. MATER •. REGIS •. ANGELORVM •. O •. MARIA. Das Gemälde stellt eine Stiftung um die Mitte des 19. Jahrhunderts dar und entstammt fränkischen oder nürnbergischen Kunstkreisen.35)

Zum Neujahrstag 1549 schenkten Hartmut XII. von Kronberg und seine Frau Barbara von Sickingen Hartmuts Mutter Anna einen reich verzierten Tisch mit bemalter Platte. Breite Schriftbänder mit Ermahnungen zierten deren oberes Bilddrittel, Gottvater mit seinem Sohn saß zu Häupten der sieben Einzelfiguren; über ihren Köpfen befanden sich geschwungene Bänder mit den Namen der Dargestellten. Ein Narr und ein Greis im unteren Bildfeld hielten gleichfalls Schriftbänder.36). Die Tischplatte befand sich ursprünglich auf Schloß Kronberg im Taunus und geriet im Erbgang offenbar an Hermann I. von Kronberg (†1626), dessen Tochter Maria Margarethe (†1661) die Gattin des Obristleutnants Peter Johann Christoph von Bettendorf (†1642) war.37) Dieser hatte den Brömserhof in Rüdesheim geerbt;38) ob sich die Tischplatte bereits dort befand oder erst später über Sophia von Hatzfeld, verheiratete von Coudenhoven und Erbin der von Bettendorf,39) nach Rüdesheim gelangte, ist nicht mehr zu entscheiden. Jedenfalls verkauften die von Coudenhoven den Brömserhof an die Stadt Rüdesheim und schenkten den zwischen 1812 und 1814 dort nachgewiesenen Tisch an den Fürsten Metternich. Durch ihn gelangte die Tischplatte ins Schloß Johannisberg. Sie verbrannte bei dem Fliegerangriff auf das Schloß 1942 und ist nur durch ein Foto40) überliefert. [Druckseite LXXIX]

Die aus dem ehem. Benediktinerinnenkloster Rupertsberg bei Bingen stammende und in der Kath. Pfarrkirche zu Eibingen verwahrte Schädelreliquie der hl. Gudula zeigt auf der Stirnpartie den schreibschriftlich aufgetragenen Namen der Heiligen.41) Unter dem im 18. Jahrhundert geschriebenen Namenszug42) kam durch eine röntgenologische Untersuchung der ältere, gleichfalls schreibschriftlich ausgeführte Name Gvdvla zum Vorschein.

Von 1501 stammte ein verlorener Tragaltar mit lateinischer Weiheinschrift, der von den Minderbrüdern des Konvents zu Grünberg43) wohl für ihren eigenen Bedarf gestiftet worden war. Dieser Altar gelangte auf nicht geklärten Wegen nach Eberbach; seine Inschrift wurde von Hensel 1629 überliefert.44)

Wohl kaum auf Geisenheim zu beziehen ist die Abbildung einer Grabplatte45) von 1637 mit dem Allianzwappen Echter von Mespelbrunn/Rodenstein und weiteren Ahnenwappen (Rodenstein, Stein, Oberstein), die der Abzeichnung des unbekannten Gewährsmanns zufolge eine auf dem Rand umlaufende Grabinschrift46) für Anna Katharina Echter von Mespelbrunn, geb. von Rodenstein trug. Für Geisenheim ist in der fraglichen Zeit weder eine Bestattung einer Rodensteinerin belegt noch bestanden engere Beziehungen zwischen dem Adelsgeschlecht im Spessart und Geisenheim. Auch die Familiengenealogie liefert keinen brauchbaren Hinweis: Die einzige überlieferte Anna Katharina, Tochter des Jörg Otto von Rodenstein und der Anna Helena von Oberstein, heiratete 1608 Wolf Philipp Hund von Saulheim;47) eine weitere Eheschließung mit einem Echter von Mespelbrunn ist für sie nicht bekannt. Eine Anna Katharina Echter von Mespelbrunn ist in der fraglichen Zeit hingegen in der Aschaffenburger Stiftskirche beigesetzt worden.

In den evangelischen Pfarreien Panrod, Taunusstein-Neuhof und Oberauroff befinden sich aus Messing gefertigte Schalen, die alt- und neutestamentliche Szenen des Sündenfalles oder der Verkündigung und schmückende, freilich in ihrer Deutung keinen Sinn ergebende Buchstabenfolgen aufweisen.48) Der auf dem Panroder Exemplar erkennbare Wortlaut ALLZEIT GELVCKICH BARTH läßt sich in vergleichbarer Form auch auf anderen solcher Schalen nachweisen.49) Die Aufnahme dieser Inschriftträger unterblieb entgegen den Gewohnheiten anderer Bände des Inschriftenwerkes,50) da es sich offenbar um weitverbreitete, mit Stanzmodeln seriell hergestellte Schalen unbestimmten Zwecks handelt, deren wirkliche Herkunft mit Sicherheit nicht zu klären wie auch das tatsächliche Alter jeden Exemplars aufgrund der immer wieder verwendeten Model nicht zu bestimmen ist.

Die in der Kath. Pfarrkirche zu Hallgarten aufbewahrte Kasel von 1638 mit Spruch- und Namensbeischriften, Kreuztitulus und Initialen sowie Jahreszahlen gelangte aus dem zur Wormser Diözese gehörenden, ehemaligen Zisterzienserinnenkloster Mariamünster nach dessen Aufhebung 1800/02 auf ungeklärten Wegen in den Rheingau.51)

6.3. Texte, deren Ausführung als Inschriften unwahrscheinlich ist; Inschriften außerhalb der Bearbeitungsgrenzen

In einem ungedruckten Verzeichnis über Ausstattungsgegenstände des Stiftes Bleidenstadt52) findet sich unter der Überschrift „Epitaphium tumuli Sancti Ferrutii martyris Christi” ein Text wohl aus [Druckseite LXXX] der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts, in dem Versatzstücke aus den bekannten Versen des Ferrutius-Sarkophags und aus der Vita des Heiligen verwendet werden.53) Eine inschriftliche Ausführung dieses Textes ist ungewiß.

In Eberbach sollen sich auf einer nicht näher bezeichneten „tabula” die Namen aller Zisterzienserklöster befunden haben, zusammen mit einer Anrede der Gottesmutter an ihren Sohn in Form eines Distichons: Quae subiecta pii Bernardi claustra recondit / Tabula me matrem te genitumque colunt.54) Es dürfte sich sich bei dieser Tafel um eine Filiationstafel aus Pergament gehandelt haben.55) Möglicherweise war auch die Darstellung eines Klosterstammbaumes gemeint, wie er beispielsweise in einer späten Version von 1728 aufgrund einer Quelle aus dem ausgehenden 15. Jahrhundert für alle auf das Kloster Kamp zurückgehenden Zisterzen angefertigt wurde.56) Bei dem Kamper Stammbaum wächst aus dem Bild der Abtei ein Baum heraus, der auf Stamm und Ästen Tafeln mit den Namen und Daten aller Töchter- und Enkelgründungen Kamps trägt. Vielleicht geht die fragliche Eberbacher Klosterliste auf den 1631 von dem dortigen Prior Philipp Hoffheim in seine Sammelhandschrift mit dem Titel „Protocollum s. Ordinis Cisterciensis (...)” eingefügten Katalog aller Zisterzienserklöster zurück, der offenbar in Eberbach selbst entstand, später dem Kloster Heisterbach gehörte und heute in der Düsseldorfer Universitätsbibliothek verwahrt wird.57)

Von einer Aufnahme in den Katalog ausgeschlossen blieben die in ihrer Ausführung als Inschriften ungewissen Texte, die Paul Wagner in der Eberbacher Bursenrechnung von 1423 und 1427 fand.58) Einen der Texte bezog der Autor auf eine mutmaßliche Beischrift zu einem Kruzifix: Aspice, mortalis: pro te datur hostia talis! / Inspice, qui transis, cum sis mihi causa doloris: / Vulnere sto plenus pro te nimis / undique Iesus. / Sic homo, sto pro te; cum peccas / desine pro me. / Cum moriar pro te, videas, quid / agas modo pro me. In einem zweiten Text vermutete er zwar keine inschriftliche Ausführung, aber der Inhalt läßt zumindest den Schluß zu, daß hiermit eine Ermahnungsabsicht für den Offizianten beim Altardienst in ähnlicher Form gemeint war, wie sie in der Kiedricher Sakristei inschriftlich (Nr. 318) realisiert ist. Dieser Text lautet in der Wagnerschen Übertragung: Merito se tergit, cum ad altaria pergit, / sacerdos celebrans ad missam sive ministrans; / hoc ceteri vitent, tunc mappe clarius nitent. / Videat sacrista, ut singuli teneant ista, / laudet tenentes, proclamet transgredientes.

In unmittelbarer Nähe zum Hochgrab des Erzbischofs Gerlach von Nassau (Nr. 102) befand sich ein mit eisernem Flechtwerk verschlossener, steinerner Wandschrank, worin die Blasensteine des Erzbischofs in einem Kästchen aufbewahrt wurden; eine „tabula membranacea” erinnerte ausführlich an die Todesursache des Metropolitans. Der Wortlaut des aus typologischen Gründen von einer Katalogaufnahme ausgeschlossenen Tafeltextes wird im Eberbacher Catalogus59) wiedergegeben: Nota, quod sub anno natiuitatis domini MCCCLXXI die XII mensis februarii in castro Aschaffenburg reverendus in Christo pater dominus Gerlacus de Nassau ex regali prosapia ortus archiepiscopus Moguntinus felicis recordationis et devotus Mariae virginis gloriosae capellanus tumbatus60) propter acerbitatem doloris inexpressibilis et passionis intolerabiliter afflictione61) duorum videlicet lapidum oculatim hic positorum in ipsius vesica per anatomiam repertorum causati diem suum clausit extremum. Cuius anima requiescat in pace per saecula infinita. Pro quo omnes et singuli hos lapides62) intuentes humili corde et flexis poplitibus depromant, requiem aeternam dona ei Domine et lux perpetua luceat ei, [Druckseite LXXXI] Amen.63) Die Blasensteine waren um 1600 offenbar bereits verloren, während die Pergamenttafel noch vorhanden gewesen sein soll.64) Warum Helwich sie 1612, dem Jahr seines ersten Besuchs in Eberbach, nicht abschrieb, kann nur vermutet werden. Vielleicht war sie nicht zugänglich oder doch bereits zerstört.

Im Chor der Geisenheimer Pfarrkirche befinden sich Schlußsteine mit den Wappen des Mainzer Domkapitels des Jahres 1510 unter Erzbischof Uriel von Gemmingen (†1514).65) Helwich gab an, in seinem Manuskript die Namen der Domherren geordnet zu haben;66) Roth bemerkte dazu, die Namen seien „angeschrieben” gewesen.67) Die heute noch vorhandenen Wappen, die die Fertigstellung der Bauarbeiten im Chor dokumentieren, sind lediglich als dünne Steinplättchen dem Gewölbe aufgelegt und waren nie beschriftet.

Ein verschollenes Reliquienkästchen mit Reliquien einer der 11000 Jungfrauen, der hl. Konstanze, befand sich im Kloster Marienthal. Helwich berichtete von dieser Holzkapsel („capsula quaedam lignea”) 1614, daß sich an ihr ein beschriftetes Täfelchen („tabella”), vermutlich ein Pergamentzettel, befand, auf dem die Reliquie und deren Fundumstände in dem verwüsteten Kloster geschildert wurden.68)

Sicherlich nicht inschriftlich ausgeführt war das von Helwich in seine „Syntagma” aufgenommene, 1518 (erste Ausgabe 1522) von Albrecht Dürer angefertigte Holzschnittblatt „Triumphzug des Kaisers Maximilian”.69) Der Gewährsmann notierte unter der Überschrift „in Eltuil” als nähere Ortsangabe „in Hospitio quondam Joannis Appelmanni in dormitorio nostro”, wo er den Stich auf einer Tafel70) („in oblonga tabula depictum”) erblickte.71) Möglicherweise war der Holzschnitt auf eine Holztafel aufgezogen worden.

Einige Inschriften wurden aufgrund späterer Zeitstellung nicht in den Katalog aufgenommen, so etwa die reichen, erst ab 1658 erhaltenen Sarginschriften der Idsteiner Grafengruft oder die umfangreichen Ausmalungen des Pavillons (Gartensaal) im untergegangenen Idsteiner Schloßgarten, deren Entwürfe zwar noch vor 1650 entstanden, deren Ausführung jedoch erst nach 1652 vorgenommen wurde.72) Die Garten-Grotte war zwar bereits 1566 von Graf Balthasar von Nassau-Wiesbaden-Idstein erbaut worden, doch wurde darauf erst 1652/56 inschriftlich hingewiesen.73).

Nur an einer Stelle sind die Grisaille-Malereien mit Szenen aus der Passionsgeschichte in der Bad Schwalbacher Martin-Luther-Kirche auf 1651 datiert. Sie waren früher an den Wändes des Chores als Rückenlehnen der Bänke angebracht.74) Heute befinden sie sich unter der Holzempore im Kircheninneren. [Druckseite LXXXII]

Die Grabplatte für die beiden nicht aufeinanderfolgenden Eberbacher Äbte Johannes VII. Rumpel (amtierte 1642-1648, 1648 gestorben in Gottesthal) und seinen dritten Nachfolger75) Balthasar Bund (†1653) weist in der unteren Hälfte der mit doppelter Mitra, zwei Abtsstäben und den persönlichen Wappen verzierten Platte aus rotem Sandstein zwei beschriftete Tafeln auf; der Stein wurde beim Tode des später amtierenden Abtes angefertigt.

Zum Idsteiner Hexenturm wurde von „Schriften” berichtet, die wohl auf Schieferplatten gestanden haben sollen; die von Reuter in diesem Zusammenhang überlieferte Abbildung einer Tafel mit dem Rest einer im Verlies des Turmes vorgefundenen Buchstabenfolge A • TI INV76) konnte keiner bestimmten Zeitstellung zugeordnet werden. Allenfalls das spiegelverkehrte N könnte eine Entstehung im 16./17. Jahrhundert vermuten lassen.

Eine unsichere Entstehungszeit charakterisiert auch die Namensinschrift IOHA(N)N • REINHARD • ALBERTI am Kruzifix am Hochaltar in der Ev. Kirche in Hohenstein-Hennethal. Ein Anhaltspunkt für eine zuverlässige zeitliche Einordnung konnte bisher nicht gewonnen werden. Gleiches gilt auch für das heute vor der ehemaligen Alten Pfarrkirche in Lorchhausen im Boden liegende Grabplattenfragment eines Jakob.

6.4. Nicht mehr edierbare Inschriften

In der Pfarrkirche zu Breithardt befindet sich eine weitestgehend abgetretene Bildnisgrabplatte mit einer verderbten Umschrift in gotischer Minuskel, von der in der Fußleiste nur noch spärliche Hastenreste vorhanden sind. Sie sind nicht mehr zu sinnvollen Worten zusammenzufügen. Die Überlieferung, die diesen Stein dem 1491 verstorbenen Kanzler Adolf von Breithardt zuschrieb,77) ist aufgrund von dessen Grabstätte in Mainz78) nicht zu bestätigen. Nach einer knappen Notiz befand sich an der Ev. Martin-Luther-Kirche zu Bad Schwalbach ein verlorenes Grabmal aus schwarzem Marmor für Anna Köth von Wanscheid. Sowohl der Name als auch das Todesjahr 1607 können nur inschriftlich erschlossen sein.79) Die in den Boden der ehem. Johannisberger Klosterkirche eingelassene Grabplatte mit dem Abbild eines Geistlichen (infulierter Abt?), begleitet von zwei Adelswappen in den oberen Plattenecken wurde zwar beschrieben, eine Inschrift jedoch nicht mitgeteilt.80)

Roth berichtete 1884, daß die Grabplatten in der Eltviller Kirche seit 1820 unter einem Bretterboden verborgen, 1845-46 entfernt und „theils zerbrochen, theils ganz zu Weinbergsmauern in der Pfarrwingerten im Hanach und Sonnenberg verwendet”81) wurden. Einzelne Fragmentstücke lagen 1884 südlich vor der Kirche; auf einer Platte waren noch Reste einer gotischen Minuskelbeschriftung erkennbar, eine weitere Platte aus Schiefer zeigte einen Geistlichen mit Kelch.82)

An der Ruine der Wallufer Johanniskirche befand sich am südlichen Triumphbogenpfeiler ein beschrifteter Mauerquader, dessen in Kapitalis abgefaßte Inschrift durch starke Verwitterungsschäden bereits 1965 nicht mehr lesbar war.83)

Vor der Südfassade der Lorcher Martinskirche liegt eine Rotsandsteinplatte des 15. Jahrhunderts mit der stark abgetretenen Figur einer Frau. Die Umschrift in gotischer Minuskel ist bis auf wenige, nicht mehr lesbare Hastenreste verloschen.

Für die Ev. Kirche zu Niederseelbach84) ist lediglich bekannt, daß 1880 eine alte Glocke „mit noch nicht entzifferter Inschrift”85) vorhanden war.

6.5. Nachrichten zu Begräbnissen und Stiftungen

Verschiedene Begräbnisnachrichten bleiben ohne den konkreten Nachweis einer monumentalen Realisierung, sondern liegen allein in Form von Urkunden- und Aktenbelegen vor.86) Zahlreiche Bestattungsnachweise sind im Eberbacher Seelbuch enthalten, wobei in den entsprechenden Fällen der Vermerk sepultus apud nos die Grablege bestätigt.87) Zu einzelnen Äbtissinnen Tiefenthals und anderer Frauenklöster sind zwar die jeweiligen Amtszeiten und Sterbedaten überliefert, doch keine entsprechenden Grabinschriften.88)

Helwich vermerkte in seinem „Syntagma” mitunter Sterbe- bzw. Bestattungsnachrichten einzelner Personen, wie etwa die Eltviller Sepulturen von Konrad Weis zu Löwenstein und dessen Frau Katharina zum Jahr 1434 und deren beider Sohn Heinrich zum Jahre 144089) oder die Bestattung des 1460 verstorbenen Konrad Brömser von Rüdesheim in der dortigen Pfarrkirche.90) Aus diesen verkürzten Hinweisen, die zwar das tatsächliche Vorhandensein von Grabplatten vermuten lassen, aus denen der Gewährsmann seine Informationen bezog, ist jedoch keine tragfähige Aussage zu einer entsprechenden Grabinschrift zu gewinnen. Im Manuskript des Eberbacher Anonymus von 1704/7 finden sich einzelne verkürzte Grabnachrichten, bei denen der Gewährsmann nach seiner Autopsie die zugehörigen Grabplätze und offensichtlich auch die noch lesbaren Namen wiedergab, jedoch eigene Zusätze beifügte, die wohl nicht inschriftlich realisiert waren. Da es sich eindeutig um Inschriftreste handelt, wurden diese in den Katalog aufgenommen, hingegen blieben die Zusätze ausgeschlossen. So ergänzte der Anonymus im Falle des Otto von Offenbach (Nr. 155a) und eines Johannes von Frankfurt (vgl. Nr. 221) die Inschriftfragmente jeweils mit dem Zusatz „cum coniuge sua”. Ob es sich hierbei um Textreste handelte, die er zusammenfassend hinzufügte oder ob er die Informationen aus der bildlichen Darstellung des Ehepaares gewann, ist nicht zu entscheiden.

Die Grabplatte des Heinrich Bechtermünz (†1467) glaubte Bodmann in der Eltviller Pfarrkirche gefunden zu haben, seine Information zum Todesjahr bezog er allerdings aus dem Nekrolog des Mainzer St. Agnesklosters.91)

Für die Pfarrkirche zu Erbach ist die Namens- oder Stifterinschrift eines Heinz Holzapfel bekannt geworden.92) Allerdings fehlen Indizien für eine mögliche Zeitstellung; so bleibt die Mutmaßung eines verwandtschaftlichen Bezuges zu der 1599 genannten Gemahlin des Johann Georg von Bicken, Agnes Holzapfel von Fetzberg (Nr. 551), hypothetisch.

In anderen Fällen sind nur Bestattungsnachrichten vorhanden, so etwa für die 1609 verstorbene Anna Margarethe von Kronberg, die der Überlieferung nach in Nothgottes bestattet wurde.93) Ähnliches gilt für den 1622 verstorbenen Johann Reichard Brömser von Rüdesheim. Einer Notiz in den Binger Annalen zufolge wurde er „in der Pfarrkirch, da auch der meiste theil seiner Voreltern ligen, begraben”.94) [Druckseite LXXXIV]

Die Nachricht von der angeblichen Bestattung des tatsächlich in St. Peter im Schönbuch nahe bei Tübingen gestorbenen und beigesetzten Mainzer Dompredigers und Rektors des württembergischen Kugelhauses Urach, Gabriel Biel, in Kloster Marienthal und die Überlieferung seines Grabgedichtes95) stammt von Bodmann.96)

Eventuell aus inschriftlichen Belegen gewonnen sind hingegen die Nachrichten über zwei Wandmalereien vielleicht des 15. oder 16. Jahrhunderts, die sich in der sog. „Burg”97) in Mittelheim in einer Kammer befanden. Sie stellten ein junges Paar aus dem Hause derer Zum Jungen dar, das zwischen sich das Familienwappen hielt und von den mit Beischriften versehenen Wappen der Gelthaus zum Jungen Aben(d), Humbracht, Zum Jungen und der Langwerth von Simmern umgeben war. Die andere Wandmalerei soll Wappen von weiblichen Mitgliedern des Hauses Fürstenberg gezeigt haben.98) Die „Burg” diente neben anderen Rheingauer Sitzen (Erbach, Geisenheim, Hattenheim, Oestrich) der aus Mainz ausgewanderten Patrizierfamilie Zum Jungen als Wohnsitz.99)

Vielleicht inschriftlich oder allenfalls aus Urkundenbelegen dürften auch eine Reihe von in der Literatur erfaßten Baudaten überliefert sein, so im Falle eines vor dem Brand der Mittelheimer „Burg” vorhandenen, 1435 entstandenen Wandschrankes100), des Geisenheimer Lettners von 1518101) oder bei der 1556 erbauten Wisperbrücke in Lorch102) oder dem auf 1590 datierten Eltviller Pfarrhaus.103)

6.6. Fälschungen

Als Fälschung Bodmanns ist die angebliche, allein von ihm ohne jeden Quellenbeleg 1819 überlieferte Grabinschrift für den demzufolge am 28. Januar 1223 verstorbenen und an unbekannter Stelle in der Johannisberger Klosterkirche beigesetzten Rheingraf Werner II. anzusehen.104) Die Inschrift lautete: + Anno •. domini • m • cc • xxiii • kalendas • februarii • obiit • dominus • Werinherus comes reni • cuius • anima • requiescat • in • pace. Der „Leichenstein” Werners soll im Jahre 1704 mit anderen auf dem Johannisberg entdeckt worden sein. Bedenklich stimmt, daß in der Klostertradition keinerlei Nachricht zu einer solchen, immerhin bedeutsamen Bestattung vorhanden war und daß die Mönche die Grabstätte des Grafen hätten verkommen lassen. Umfangreichere Baumaßnahmen, bei denen Grabplatten hätten zum Vorschein kommen können, wurden zudem erst während der barocken Umgestaltung im Zuge des Schloßbaues ab 1718 vorgenommen. Struck ließ in seiner gründlichen Aufarbeitung der Johannisberger Geschichte die mutmaßliche Bestattung Werners unerwähnt, zumal die „Entwicklung des Klosters in dieser Zeit [ausgehendes 12. und das 13. Jahrhundert] [...] geradezu von einem Wald von Fälschungen der darin wetteifernden Bodmann und Schott überdeckt”105) ist.106) Bodmann bezog seine Nachrichten über die Rheingrafen aus Georg Friedrich Schotts zum größten Teil erfundener „Geschichte des rheingräflichen Hauses” (um 1800). Bei dem Verstorbenen hätte es sich nach Bodmann um den letzten der altembrichonischen Linie des hattonischen Hauses, um den Sohn Werners d.J. (†vor 1194), gehandelt.107)

6.7. Kopien und Neuanfertigungen

In der Eltviller Pfarrkirche wurde in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts ein Wandfresko an der Nordwand dicht neben dem Triumphbogen entdeckt und später wieder zugestrichen.108) Die dargestellte Golgatha-Szene, dem ehemaligen Marienaltar, der an dieser Stelle stand, offenbar zugehörig, zeigte am Kreuzfuß rechts den knienden Stifter109), links einen Bettler, beide in Adoration. Zu Häupten Christi war der ausgeschriebene Titulus JES(US) NAZ(ARENUS) REX IUDEORUM auf einer querrechteckigen Schrifttafel angebracht. Der entscheidende Unsicherheitsfaktor ist durch die Überlieferung gegeben, da das Wandfresko allein in der kolorierten Zeichnung des in Kiedrich vielfach tätigen Fürther Malers Franz August Martin überliefert wurde.110) So stellt sich in diesem Falle die Frage, ob sich Martin an dem zu seiner Zeit aufgedeckten, möglicherweise beschädigten Original orientierte oder ob der ausgeschriebene Titulus eher seine eigene Zutat ist, zumal die dargebotene Version in einer zur mutmaßlichen Entstehungszeit (2. H. 14. Jh.) nicht gebräuchlichen Kapitalisschrift mit Verwendung von U wiedergegeben wurde.

In den Katalog aufgenommen wurden solche neuzeitlichen Kopien älterer Vorlagen, die als Ersatz für zerstörte oder stark beschädigte originale Inschriftenträger angefertigt wurden. Hingegen blieben Zweifelsfälle ausgeschlossen, wenn Vorlagen nicht zu erkennen oder nur fraglich waren. Dies trifft insbesondere für die Ausstattung der Kiedricher Valentinskirche und der dortigen Michaelskapelle zu. Hier ergeben sich durch die von Baronet John Sutton in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts veranlaßten neugotischen Ausmalungen und Restaurierungen mehrere solcher Zweifelsfälle. So ist trotz neuerer Untersuchungen immer noch nicht sicher zu entscheiden, ob die beschrifteten Flügel der Kiedricher Orgel, die bei der jüngsten Restaurierung des Stückes auftragsgemäß nicht restauriert wurden,111) von dem im Auftrage Suttons tätigen Maler Franz August Martin im Stile flandrischer Orgeln völlig neu entworfen wurden112) oder ob er den sichtbaren Altbestand lediglich auffrischte und Fehlstellen ergänzte. Die entsprechenden Angaben bei Zaun sind widersprüchlich,113) so daß allein durch röntgenografische Feinuntersuchungen Klarheit zu gewinnen wäre. Dagegen sind die auf Pergamentstreifen angebrachten Beschriftungen der alten Registerzüge jüngst der Restaurierung der Orgel im Jahre 1653 zugeschrieben worden.114) Auch die angeblich für das Jahr 1313 gesicherten Orgelpfeifen beruhen auf Fehlinterpretationen. Die bei den Pfeifen der Mixtur und Cymbel festgestellten angeblichen Jahreszahlen stellten sich als einzelne gotische Tonbezeichnungen heraus.115)

Das große, mehrbahnige Kreuzigungsfenster im Chor der Kiedricher Kirche mit den Wortresten flecte [. . .]mo auf einem eingeflickten Schriftbandrest stammt offenbar vollständig aus dem 19. Jahrhundert.116)

An der Südwand von St. Valentin befindet sich ein Andachtsbild (H. 81, B. 64, Bu. 2,8-3 cm) mit der Darstellung des hl. Jakob von Compostella aus dem 16. Jahrhundert.117) In den hölzernen Kasten ist die im 19. Jahrhundert neu farbig gefaßte Sitzfigur des Heiligen mit Schriftrolle, Tintenfaß und Feder in den Händen, den Pilgerhut über der Schulter hängend, vor der gemalten Kulisse einer Stadtansicht eingefügt. Die zu Häupten der Sitzfigur angebrachte Inschrift in Kapitalisbuchstaben lautet: S(ANK)T •. IACOB •. V(ON) •. COMPOSTEL(LA) •. Aufgrund der Tatsache, daß die Haste des L in den nachgemalten (oder übermalten) Nimbus des Heiligen hineinreicht und angesichts der erneuerten Farbfassung erscheint die Originalität der Inschrift zweifelhaft. Auch wäre bei einer Schriftentstehung [Druckseite LXXXVI] im 16. Jahrhundert durchaus noch eine Beschriftung innerhalb des Nimbus zu erwarten. Allenfalls könnte die Beschriftung auf einer älteren, jedoch nicht nachweisbaren Vorlage beruhen.

Als offenkundige Neuschöpfungen Martins sind hingegen die gemalte „Tota pulchra”-Darstellung an der inneren Südwand des Langhauses von St. Valentinus, die offenbar in Zusammenhang mit der erst 1854 vollzogenen Verkündigung des Dogmas von der Unbefleckten Empfängnis Mariens steht,118) ebenso anzusehen wie die große, wandfüllende Kreuzigungsdarstellung mit Beischriften in der Michaelskapelle. Auch die aufgemalten Beschriftungen der Schlußsteine im nördlichen Seitenschiff der Pfarrkirche gehören in diesen Zusammenhang. Die in Kapitalis ausgeführten Beischriften nennen die Evangelistennamen in moderner Schreibweise - so etwa S. LUKAS oder S. MARKUS.

Gleichfalls aus dem 19. Jahrhundert stammt die Farbfassung des Brustpanzers der hölzernen Standfigur des hl. Georg (ohne Drachen),119) die ursprünglich auf dem Hochaltar der Ev. Kirche in Strinz-Trinitatis stand und in den Schausammlungen der SNA im Museum Wiesbaden ausgestellt ist. Mit einiger Sicherheit läßt sich die ungedeutete Buchstabenfolge120) erkennen.121)

Aufgrund ihrer aus dem vorigen Jahrhundert stammenden Fassung wurde die in der Kath. Pfarrkirche St. Michael zu Stephanshausen befindliche Figur der hl. Hildegard von Bingen mit einem Schriftband122) ausgeschlossen.123)

Nicht zu belegen ist bislang eine mögliche Vorgängerin der modernen Inschrift auf der Sonnenuhr am Hof der Grafen von Ingelheim in Geisenheim. In moderner Schreibweise wird der weit verbreitete Spruch HORAS NON NUMERO NISI SERENAS wiedergegeben.124)

Zitationshinweis:

DI 43, Rheingau-Taunus-Kreis, Einleitung (Yvonne Monsees), in: inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di043mz05e0003.

  1. Vgl. Kloos, Einführung 2f. und oben Kap. 1. »
  2. Eduard Schneegans, Historisch-topographische Beschreibung Kreuznachs und seiner Umgebungen (...). Koblenz 1839, 377 Anm. 139; frdl. Hinweis von Dr. Eberhard J. Nikitsch, Mainz. »
  3. Ihr und Sr. Teresa Tromberend OSB, Kloster St. Hildegardis, Eibingen, sei an dieser Stelle herzlich für die Auskunft vom 14. Mai 1991 gedankt. »
  4. Frdl. Hinweis von Sr. Adelgundis Fuhrkötter auf lat. Beleg bei Migne, Patrologia Lat. Tom. 197, col. 112 A. In den Bereich der Legenden um die hl. Hildegard hingegen gehört die literarische Mitteilung einer Buchstabenfolge, die ein sündiger Priester sieben Tage lang auf dem Altartuch in seiner Kirche in Rüdesheim erblickte, sie jedoch nicht zu deuten vermochte. Sechzehn Jahre später bat er schließlich die Heilige um Rat. Sie löste das Rätsel, indem sie die Buchstaben als Wortanfänge des Spruches K(YRIUM) P(RESBYTER) A(SCENDAT) P(OENITENS) H(OMO) deutete, vgl. Ludwig Clarus, Leben und Schriften der hl. Hildegard. Bd. 1, Th. 1. Regensburg 1854, 84-86. Zu vergleichbaren literarischen Belegen vgl. Nikolaus Henkel, Die Stellung der Inschriften des deutschen Sprachraums in der Entwicklung volkssprachlicher Schriftlichkeit. In: Quellenwert 161-187. »
  5. Vgl. eingehend Rita Otto, Zu vier mittelrheinischen Glasfenstern des 12. Jahrhunderts. In: MzZschr. 66 (1971) 1-8. »
  6. So erstmals 1888 in einem Museumsführer erwähnt, vgl. Otto 1. »
  7. Vgl. Brigitte Lymant, Die Glasmalerei bei den Zisterziensern. In: Die Zisterzienser. Ordensleben zwischen Ideal und Wirklichkeit. Katalog (...) Köln 1981, 345-356, hier 350. »
  8. So A. Jungjohann, Zwei mittelrheinische Glasgemälde der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts im Wiesbadener Landesmuseum. In: Nass. Heimatbll. 35 (1934) 25ff. »
  9. Frdl. Hinweis von Dr. Günther Kleineberg, Museum Wiesbaden SNA, auf diese Vermutung seitens Herrn Prof. Rüdiger Becksmann, CVMA Freiburg i.Br. »
  10. Diözesanmuseum Limburg Inv.-Nr. 98, frdl. Hinweis von Dr. Daniel Hess, CVMA Freiburg i.Br. »
  11. Vgl. Die freiherrlich von Zwierlein’schen Sammlungen von gebrannten Glasfenstern, Kunstsachen und Gemälden etc. zu Geisenheim. Auktionskatalog J. M. Heberle, Köln 1887, 11 Nr. 122; Ernst aus’m Weerth, Die von Zwierlein’sche Kunstsammlung in Geisenheim. In: Repertorium f. Kunstwiss. 11 (1888) 263; Eberhard Freiherr Schenk zu Schweinsberg, Führer durch das bischöfliche Diözesan-Museum zu Limburg a.d.Lahn. 2. Aufl. Limburg 1967, 41 Nr. 326. »
  12. Heute Stadt Kelkheim, Main-Taunus-Kr., vgl. Dehio Hessen (1982) 227. »
  13. Lotz (1880) 114, Luthmer, Östl. Taunus (1905) 136 mit Abb. 145 und S. 137. »
  14. Solche Alarm- oder Gemeindeglocken wurden noch bis zum 2. Weltkrieg bei drohenden Gefahren, Gewitter, Brand, Steuererhebungen, Versteigerungen und zum Beginn der Weinlese geläutet, vgl. Kremer, Pfarrei 56. »
  15. Roth, Geschichtsquellen I 266 Nr. 194. »
  16. Kratz, Eltville I 24. Die Inschriften hat Zaun, Landkapitel 38 überliefert, demzufolge die große Glocke im Jahre 1821, die Sebastiansglocke 1819 von Zechbauer/Schott in Mainz neu gegossen wurden. Dem entgegnete Kratz, ebd. und 194 Anm. 39, die große Glocke sei 1564, 1740 und 1819 umgegossen worden. »
  17. Frdl. Hinweis von Herrn Dr. Pickart, Deutsche Bibliothek Frankfurt am Main. »
  18. Vgl. Nass. Ann. 20 (1888) 282 Nr. 64. »
  19. Frdl. Hinweis von Herrn Wolfgang Riedel, Hallgarten; der Kelch könnte sowohl aus dem 17. als auch aus dem 18. Jh. stammen; die Form der Buchstaben läßt keine eindeutige Aussage zu; weiterführende Hinweise auf die Provenienz fehlen. »
  20. Vgl. Zaun, Kiedrich 88: „auf einem blatt diese Wort vor sich hat: ave Gracia plena Dns tecum”. »
  21. Vgl. v. Stramberg, Rheinischer Antiquarius II 10 wie bei Nr. 427; Bär, Eberbach I 41f.; Gerd Hagenow, Die Bernhardskapelle beim Kloster Eberbach. In: Rheing. Heimatbll. 1 (1974) 1f., Wortlaut: Divus Bernardus fessos hic sarcuit artus / iuxta Eberbaci claustra locare celebrans./ hVnC preCIbVs pVrIs CVra CeLebrare VIator, ILLIVs Vt MerItIs sIt tIbI sanCta qVIes. und die modernere Inschrift des 18. Jh.: Allhier es heißt Bernhardiruh’ / Lieb geb der Ruh die Werk hinzu. »
  22. Vgl. Bär, Eberbach I 41f.; auch Roth, Geschichtsquellen I 181 Nr. 1347 zur Anlage einer Eberbacher Wasserleitung „geyn sant Bernardtruge”. »
  23. Vgl. Die Kölner Kartause um 1500. Aufsatzband. Hrsg. v. Werner Schäfke. Köln 1991, 73 Nrr. 48 zum älteren, Nr. 49 zum jüngeren Berswort. »
  24. Kdm. 361 Nr. 2 mit Abb. 747, 753. »
  25. Vgl. zu beiden Monsees, Berswort 67-71. »
  26. Vgl. Heribert Wolf, Schmuckverkleidung des Hochaltares der Pfarrkirche St. Walburga in Winkel im Kölner Schnütgen-Museum. In: St. Walburga Winkel 1684-1984. Fschr. z. Kirchweihjubiläum. Oestrich-Winkel 1984, 37-42, hier 37. »
  27. Vgl. Monsees, Berswort 70. »
  28. Vgl. zu diesen den Katalog bei Stolleis, Paramente passim. »
  29. Vgl. Kdm. Abb 529 u. 530. »
  30. Vgl. oben Kap. 2.1. So muß auch der Abendmalskelch mit der auf Rauten am Nodus angebrachten Aufschrift Ihesvs in gotischer Minuskel und mit dem auf dem Fuß in einem Schriftband befindlichen, neueren Text In usum fundationis choralis in Ecclesia ss: Valentini Dionisii Kiederaci in pseudogotischer Minuskel unberücksichtigt bleiben. »
  31. Vgl. Kdm. 177 u. Abb. 723. »
  32. Frdl. Hinweis von Frau Dr. Anneliese Seeliger-Zeiss, Heidelberg. »
  33. Vgl. zu diesem Burkhard Richter, Untersuchungen zum Werk des Petrus Christus. Phil. Diss. Heidelberg 1974, darin auch 289-291. »
  34. Vgl. Walter Cohen, Ein neuaufgefundenes Werk von Petrus Christus. In: Zschr. f. Christl. Kunst 22 (1909) Nr. 8, 226-230; Erwin Hensler, Kunstwerke in nassauischem Privatbesitz: Die Madonna des Petrus Christus auf Schloß Vollrads. In: Mitt. Verein f. Nass. Altertumskde. u. Gesch.forschg. 14 (1910) Nr. 2/3, 84-87. »
  35. Zaun, Landkapitel 303 mutmaßte als ausführenden Maler Matthias Grünewald; das Gemälde war Bestandteil der Baron von Kleinschen Gemäldesammlung und gelangte im Erbgang an den Gutsbesitzer Anton Brandscheid, der es dann der Pfarrei stiftete; vgl. auch Kdm. 58. »
  36. Vgl. Beschreibung bei Ompteda 379-384; abgebildet bei Ronner, Die von Kronberg 54 Abb. 32. »
  37. Frdl. briefl. Hinweis von Herrn Wolfgang Ronner, Kronberg, vom 17. Mai 1992, auch zum folgenden; vgl. Gensicke, Die von Kronberg 311 Nr. 53d. »
  38. Vgl. Kratz, Rüdesheim 91. »
  39. Vgl. ebd. zum weiteren Erbgang des Brömserhofes. »
  40. Es befindet sich im Nachlaß Dr. Wiederspahn, Kronberg, und wurde Bearb. dankenswerterweise von Herrn Ronner zur Verfügung gestellt. »
  41. Vgl. Peter Riethe, Der Schädel der heiligen Gudula aus der Pfarrkirche von Eibingen. Eine historisch-anthropologische Studie. In: Nass. Ann. 67 (1956) 233-235 mit Abb. 2. »
  42. Wortlaut: S(anctae) Gudulae Virg(inis). »
  43. Vgl. dazu Küther, Das kirchliche Leben passim. »
  44. Vgl. Abdruck bei Roth, Geschichtsquellen III 170. »
  45. LfD Nr. B 3467. »
  46. Wortlaut: Anno 1637 den 29 Marty starb / die hochedle geborne Fraw Fraw Anna Catharina Echterin freÿ (...) geborne von Rodenstein deren / Seelen Gott genade Amen. »
  47. Humbracht Taf. 66. »
  48. Vgl. Kloos 85f. »
  49. Vgl. DI 9 (Lkr. Naumburg) Nrr. 397, 400 und DI 33 (Jena Stadt) Nr. 36. »
  50. Diese zwar als „Taufschalen” bezeichneten und verwendeten, jedoch in ihrer ursprünglichen Funktion bisher noch nicht eindeutig bestimmten Träger finden sich in DI 9 (Lkr. Naumburg) Nrr. 397-400 mit weiteren Beispielen; DI 10 (Niederösterreich) Nr. 234; DI 16 (Lkr. Mannheim/Sinsheim) Nrr. 244, 245; DI 33 (Jena Stadt) Nrr. 35, 36. »
  51. Vgl. DI 29 (Worms) Nr. 698 mit Abb. 165. »
  52. Vgl. Verzeichnisse Bleidenstadt 1v. »
  53. Wortlaut nach ebd.: “Meritis namque suis Ferrutii hic condita ossa militiae cingulum donavit altario Christi armaque deposuit saeculi, Dei ut semper haberet hunc comes ad poenas etiam sanctire volebat, sex namque menses catenis et carcere trusit, trans Rhenoque amni castello relegavit exilio aethereo raptaque anima in pace Christi quiescit condidit hunc titulum pariter et ossa Eugenius presbyter.” »
  54. Nach Roth, Geschichtsquellen III 171; dieser Katalog enthielt alle Klöster des Ordens von 1048 bis einschließlich 1253. »
  55. Wie sie beispielsweise für das Kloster Altenberg als Buchmalerei (A. 16. Jh., Rituale Ordinis Cisterciensium C 38, 1r) erhalten ist, vgl. 800 Jahre Haina 17 Nr. 26 m. Abb. »
  56. Vgl. Zisterzienserkatalog 523f. E 19, auch zum folgenden. »
  57. Vgl. Moßig 72 mit Anm. 5. »
  58. Vgl. Paul Wagner, Aus einer Eberbacher Handschrift. In: Nass. Heimatbll. 18 (1915) Nr. 4, 107f. Es handelt sich bei der Quelle um die Handschrift „Computationes et conductiones familiae Eberbacensis in monasterio et grangiis” von 1423-52 im HHStAW. »
  59. Der Text ist 1605 überliefert von Serarius, Mog. Rer. V 860; Joannis, Rer. Mog. I 680 Nr. X nach Serarius; Catalogus Abbatum fol. 19v-20v, ed. Roth, Geschichtsquellen III 108; IV 144f.; Annales episcoporum, in: Bodmann-Habelsches Archiv Nr. 32, Bd. 2, fol. 519; Bär/Stoff, Eberbach III 138f. Anm. 20; REM II 1, 630 Nr. 2795. Joannis überlieferte den Text in der Anmerkung 2 aus dem Catalogus. »
  60. Aurea Moguntia, in: Bodmann-Habelsches Archiv I Nr. 519, nach REM hic tumulatus. »
  61. Ebd. ex passione et intollerabili afflictione. »
  62. Ebd. hosce lapides. »
  63. Bemerke, daß im Jahre 1371 nach der Geburt des Herrn, am 12. Tag des Monats Februar im Schloß zu Aschaffenburg der ehrwürdige Vater in Christo, Herr Gerlach von Nassau aus königlichem Geblüt entsprossen, Erzbischof von Mainz, der glückliche, fromme und bescheidene Diener der glorreichen Jungfrau Maria, begraben ist, der nach unaussprechlichen und unerträglich heftigen Schmerzen, die ihm zwei bei der anatomischen Obduktion gefundene und hier vor Augen gestellte Blasensteine verursachten, sein Leben beendete. Seine Seele möge für unendliche Zeit in Frieden ruhen. Mögen alle und jeder, die diese Steine erblicken, mit demütigem Herzen und gebeugten Knien sprechen: Die ewige Ruhe gibt ihm, o Herr, und das ewige Licht leuchte ihm. Amen. Frdl. Übersetzung Dr. Sebastian Scholz. »
  64. Bär/Stoff, Eberbach III 139. »
  65. Helwich, Syntagma 280 zur Anbringung der Wappen: „Insignia supra in fornice affixa”; vgl. auch Roth, Geisenheim 110f. »
  66. Helwich: „nomina autem eorum sunt hoc ordine adlocanda”; richtige Anordnung bei Fritz Viktor Arens, Rezension zu Max Herchenröder, Der Rheingaukreis. In: Nass. Ann. 77 (1966) 413-417. »
  67. Roth, Geisenheim 110f. ohne Quelle. »
  68. Helwich, Syntagma 379: Hic pausat et continetur corpus et reliquiae S. Constantiae Virginis et martyris Vna ex societate sanctarum Virginum vndecim millium. Translatum et collectum est corpus illud ex partibus Lutheranorum ex quodam deuastato loco per venerabilem virum D. Adamum de Lauffenselden patrem huius coenobii cum magna diligentia, vigilantia et solicitudine. »
  69. Abb. des Originals in: Albrecht Dürer. Sämtliche Holzschnitte. Vollständiges Verzeichnis des Holzschnittwerkes. Bearb. v. Monika Heffels. Ramerding 1981, Abb. auf S. 82f. »
  70. Vgl. zur Wortbedeutung als Gemälde Grimm. »
  71. Helwich, Syntagma 251-259. »
  72. Vgl. Schmidt, Grüfte; Christel Lentz und Martina Nath-Esser, Der Schloßgarten zu Idstein. In: Die Gartenkunst 2 (1990) H. 2, 165-216. »
  73. Lenz u. Nath-Esser 170f. »
  74. Vgl. Luthmer (1914) 152. »
  75. Die beiden unmittelbaren Amtsnachfolger Johann VIII. Hofmann und Christoph Hahn wurden ihres Amtes enthoben bzw. resignierten, vgl. Nachlaß Rossel, Manuskr. Bär 344-350. Von ihnen sind keine eigenen Grabinschriften überliefert. »
  76. Vgl. Reuter, Hexenturm Abb. 7. »
  77. Lotz (1880) 46, Luthmer (1914) 173; Datierung 1491 immer noch bei Dehio Hessen (1982) 108, obwohl das Datum nicht lesbar ist. »
  78. Vgl. DI 2 (Mainz) Nrr. 943, 966. »
  79. Vgl. Kläre Kluge, Von alten Bauernhöfen, Huben genannt. In: Heimatjb. Rheingau-Taunus-Kr. 29 (1978) 111-115, hier 111. »
  80. Vgl. Beschreibung von Pfarrer Placidus Erthel nach 1765, in Würdtweinsche Epitaphiensmlg. H. 5, Bl. 1r. »
  81. Roth, Geschichtsquellen III 237 in der Anm. »
  82. Roth, Geschichtsquellen IV 160 zu 237. »
  83. Kdm. 282. »
  84. Vgl. Dehio Hessen (1982) 671. »
  85. Lotz (1880) 343. »
  86. So erwählten neben dem im „Oculus memoriae” erwähnten Binger Dekan 1280 der Rüdesheimer Schultheiß Wolf (oben Kap. 4.2.), ebenso die Beginen Bechtradis zum Bornstab 1310 und Hyldemudis aus Limburg 1327 ihre Grabstätten in Eberbach, vgl. zu letzterer Struck, Quellen Klöster I 628 Nr. 1431 zu 1327 Juni 8. »
  87. Daß bei der am häufigsten vertretenen Personengruppe der Konventualen hingegen keine Grabinschriften zu vermuten sind, liegt durch deren vermutlich inschriftlose Bestattungen auf dem Klosterfriedhof auf der Hand. »
  88. Beispielsweise ist von den beiden Vertreterinnen des Vornamens Guda aus dem Hause von Kronberg (Kronenstamm) bekannt, daß die ältere Guda bis 1413 Äbtissin, die jüngere wohl seit 1438 Nonne, später vor 1487 Äbtissin zu Tiefenthal waren, vgl. Gensicke, Kronberg 304 Nr. 29f und 305 Nr. 33f. »
  89. Helwich, Syntagma 249: Nach „sepulti ibidem” folgen nur die Namen und die Jahresangaben; vgl. auch Zaun, Landkapitel 43. »
  90. Helwich, Syntagma 290. »
  91. Bodmann 1, 134 Anm. r; vgl. auch Roth, Geschichtsquellen III 238 in der Anm., der aufgrund der Bodmann-Nachricht von der Existenz der Grabplatte für Heinrich Bechtermünz überzeugt war. Roth führte die Negativmeldung Schunks, der die Grabplatte vergeblich gesucht hatte, darauf zurück, daß in der Pfarrkirche seit 1820 ein Bretterboden verlegt war. »
  92. Überliefert von Richter, Rheingau 175f. »
  93. Gensicke, Kronberg 318 Nr. 82a. »
  94. Nach Oidtman, Die adeligen Geschlechter 287; vgl. auch Kratz, Rüdesheim 139 Anm. 287. »
  95. Wortlaut nach Roth, Geschichtsquellen III 299: Heu Gabriel cecidit cui vix Germania magna / Et cui vix aluit Itala terra parem./ Consilio, scriptis, cathedra, certamine sacra / In sophia, laudem dignus habere fuit. / Abstenius, mitis, castus, dans sepe fideles / Suasus et sanctos, dux Eberharde, tibi / Et quia divinam studiose exercuit artem / Det tibi defuncto praemia digna deus, so auch überliefert von Liedke, Marienthal 16; Schulz, Marienthal 26, die offensichtlich die Korrektur Roths übersahen. »
  96. So in Korrektur seiner eigenen Edition und gegen Bodmann Roth, Geschichtsquellen IV 161 zu 297. »
  97. Anwesen am Rhein von der Kirchstraße zur Backhausgasse, vgl. Kratz, Oestrich 43. »
  98. Kratz ebd. mit Anm. 1. »
  99. Zu den Grabinschriften im Mainzer Epitaphienbuch derer Zum Jungen mit angeblichen Begräbnisnachrichten für Hattenheim vgl. oben Kap. 3. »
  100. Kratz, Oestrich 44. »
  101. Vgl. Richter, Wanderung 177. »
  102. Kdm. 246. »
  103. Ebd. 141. »
  104. Bodmann 2, 596 Anm. a; nach ihm Kraus, Christl. Inschriften II, Nr. 276, der offenbar in Unkenntnis von Bodmanns Fälschertätigkeit die Inschrift in sein Corpus aufnahm. »
  105. Struck, Johannisberg 19. »
  106. Zu den unechten Urkunden für Johannisberg vgl. auch ebd. 13; mit den Fälschungen setzte sich u.a. Zedler, Kritische Untersuchungen, 95f. auseinander. »
  107. Bodmann 2, 572 und 570, Stammtafel I. »
  108. Vgl. Kratz, Eltville I 27 mit Abb. nach S. 40. »
  109. Kremer, Bausteine 40 sah in ihm den erzbischöflichen Steinmetz und Baumeister Merkelin, angezweifelt von Kratz, Eltville I 28. »
  110. Frdl. Hinweis von Herrn Hans Kremer, Eltville. »
  111. Vgl. Jakob, Orgel 72f. »
  112. So Einsingbach, Kiedrich 16. »
  113. Ebd.; Zaun, Kiedrich 114f. zur Orgel, hier 115: „die noch erkennbare alte Malerei wurde beibehalten”. »
  114. Vgl. Jacob, Orgel 76 mit Abb. 27. »
  115. Ebd. 9f. »
  116. Frdl. gewährte Auskunft von Herrn Dr. Daniel Hess, CVMA Freiburg vom 20. Juli 1995, aufgrund von Untersuchungen der Verglasung des Fensters. Köck, Gedanken 84 Abb. 40 datierte es in Teilen ins frühe 16. Jh., allerdings ohne eindeutigen Beweis. »
  117. Als ausführender Künstler der Sitzfigur wurde der im Rheingau und am Mittelrhein an mehreren Orten um/nach 1500 tätige „Meister mit dem Brustlatz” genannt, vgl. Wolfgang Riedel, Der Meister mit dem Brustlatz. In: St. Valentinuskirche (s.d.) 64-82, hier 77. Die von Kdm. 230 und Dehio Hessen (1982) 496 vorgeschlagene Datierung des Stückes auf 1530 wurde von Riedel als zu spät zurückgewiesen, vgl. ebd. 81 Anm. 28. »
  118. Vgl. Gros, Tota pulchra 137. »
  119. Von Lotz (1880) 414 als hl. Viktor bezeichnet. »
  120. Der Befund lautet GOLS + ARW + EN + H + IOAG + VISE + LW. »
  121. Vgl. Religiöse Kunst aus Hessen 63 Nr. 90. »
  122. Text: alma redemptoris. »
  123. Vgl. Georg Roedler, Im Waldgebiet am Westende des Taunus. In: Nass. Heimat 7 (1927) 141 Nr. 18. »
  124. Vgl. Lob des Rheingaus 94 m. Abb. »