Inschriftenkatalog: Rhein-Hunsrück Kreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 60: Rhein-Hunsrück-Kreis I (2004)

Nr. 179 Oberwesel, Kath. Pfarrkirche Unserer Lieben Frau 1.V.16.Jh.

Beschreibung

Wandmalerei mit Fürbittinschrift an den hl. Jakobus am zweiten östlichen Pfeiler des südlichen Seitenschiffs. Überlebensgroße Darstellung des hl. Jakobus in einem Rankenrahmen, bekleidet mit langem Gewand und Pilgerhut, in der Rechten Pilgerstab und Pilgertasche, in der Linken ein Buch und eine Jakobsmuschel, am Gürtel ein Rosenkranz. Rechts von ihm knien zusammengedrängt fünf verkleinert dargestellte Pilger mit ihren typischen Attributen, über ihnen in einem schwarzen querrechteckigen Feld die weiß gemalte, dreizeilige Inschrift. Als Hintergrund dient eine Landschaft mit Stadt, Meer und Gebirge1). Temperamalerei auf Kreidegrund, zuletzt 1901 von W. Terway2) überarbeitet.

Maße: H. 196, B. 136, Bu. 3 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien.

Bild zur Katalognummer 179: Wandmalerei mit Fürbittinschrift an den hl. Jakobus

Thomas G. Tempel (ADW) [1/2]

Bild zur Katalognummer 179: Nahaufname der Fürbittinschrift aus der Wandmalerei des hl. Jakobus
  1. O heilliger Sant Iacop / byt gott vor vns / areme pilgeruma)

Kommentar

Der obere Bogenabschnitt des c ist als schräg nach oben weisender, dünner Strich ausgeführt, die Unterlänge des g ist durch einen Abschlußstrich geschlossen; zudem weist die insgesamt sorgfältig gemalte Minuskel durchgängig Bogen-r auf. Worttrenner fehlen.

Die Pilger aus ganz Europa anziehende Wallfahrt3) nach Santiago de Compostela im nordspanischen Galicien zum (vermeintlichen) Grabesort des Apostels Jakobus stand im Mittelalter fast gleichbedeutend neben der nach Jerusalem oder nach Rom. Einen letzten großen Höhepunkt erlebte sie im 15. Jahrhundert. Aufgrund der persönlich gehaltenen Fürbitte4) erscheint es nicht ausgeschlossen, in dem großformatigen Wandgemälde eine Stiftung Oberweseler Bürger zu sehen, die eine Pilgerfahrt nach Compostela unternommen hatten. Ob zudem ein Zusammenhang mit dem unbekannten Standort des erstmals kurz nach 1550 erwähnten Jakobus-Altar5) zu sehen ist, bleibt offen. Ebenso ist eine Jakobus-Bruderschaft in Oberwesel nicht nachweisbar. Die Datierung orientiert sich an der kunsthistorischen Einordnung.

Textkritischer Apparat

  1. Hinter vns bzw. pilgerum jeweils eine kleine formatfüllende Ranke.

Anmerkungen

  1. Die Stadt im Hintergrund dürfte Santiago de Compostela darstellen, zudem könnte durch das Meer und die Berge im Hintergrund das 'finis terrae' in Galicien angesprochen sein; freundlicher Hinweis von Herrn Prof. Dr. Klaus Herbers, Erlangen, Brief vom 7. Januar 2000.
  2. Signatur und Datum in der rechten unteren Ecke. - Vgl. zu ihm Kern.
  3. Vgl. zum Folgenden Kimpel, Jakobus 23ff. und Herbers, Pilgerfahrt 1372f.
  4. Eine ähnliche Aufforderung zum Gebet Bidt got vur den pylgrum befindet sich auf der Grabplatte des 1505 verstorbenen niederrheinischen Ritters Arnold von Harff in Lövenich (Lkrs. Erkelenz), der 1498 eine Pilgerfahrt nach Santiago unternommen hatte; vgl. dazu Herbers/Plötz, Santiago 214.
  5. Vgl. Pauly, Stifte 324.

Nachweise

  1. Campignier, Rundgang 40.
  2. Kdm. Rhein-Hunsrück 2.2, 186 mit Abb. 90.
  3. Kongreßprogramm "V Congreso Internacional de Estudios Xacobeos". Santiago de Compostela 16.-19. September 1999, Abb.
  4. Schwarz, Kirche, Abb. S. 12.
  5. Kern, Wandmalerei (Ms.).

Zitierhinweis:
DI 60, Rhein-Hunsrück-Kreis I, Nr. 179 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di060mz08k0017906.