Inschriftenkatalog: Die Inschriften des Rhein-Hunsrück-Kreises II

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 79: Rhein-Hunsrück-Kreis II (2010)

Nr. 104 Simmern, Evangelische Stephanskirche (1577) 1581

Beschreibung

Epitaph für Ursula von Stockheim, an der Südwand des Chors befestigt. Zweiteilige Tafel aus Tuffstein mit profiliertem Rahmen, unten Schiefertafel mit siebenzeiliger Inschrift (A), darüber zwei in stark unterschnittenem Relief ausgeführte Vollwappen mit Jahreszahl (B). Das schmucklose Epitaph dürfte 1897 zusammen mit anderen Grabdenkmälern von dem Stuttgarter Bildhauer Karl Wüst restauriert worden sein1).

Maße: H. 72, B. 55, Bu. 1 (A), 4 (B) cm.

Schriftart(en): Fraktur mit humanistischer Minuskel.

Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Thomas G. Tempel) [1/2]

  1. A

    An(n)o d(omi)nia) . 1577 . den . 26 . Februa(rii)b) starb der Edlen, / Ernueste(n), vnd tugentsame(n), Johan von Stockheim / dero zeit Amptma(nn) zu Siemern, vnd Feliciten / von Bettendorff, eheliches döchterlein Vrsula, / Jhres alters . 44 . tag, dero vnd vns allen, der almechtig Gott ein froliche vfferste=/hung, verleihen wolle, Amen.

  2. B

    1 // ◦ // 5 ◦ 8 // 1c)

Wappen:
Stockheim2)Bettendorf.

Kommentar

Die Fraktur weist alle bekannten Merkmale der in der Werkstatt Johann von Trarbachs verwendeten Schrift3) auf.

Der 15474) als Sohn des damaligen Rheingauer Viztums Friedrich von Stockheim geborene Johannes amtierte 1575 bis 1577 und 1595 als pfalzgräflicher Amtmann zu Simmern, fungierte in den Jahren 1581 und 1583 als Oberamtmann der Wild- und Rheingrafschaft mit Sitz auf der Kyrburg bei Kirn5) und verstarb 1604 als nassauischer Oberamtmann zu Idstein. Aus seiner ersten Ehe mit der 1585 verstorbenen Felicitas von Bettendorf gingen neun Kinder hervor, darunter als viertes die in Simmern verstorbene Ursula.

Das bescheidene Epitaph entspricht in seiner schlichten Gestaltung der Funktion als Grabdenkmal eines Kleinkindes und zeigt dennoch – etwa in der kunstvollen Ausführung der Helmdecken – die Handschrift der Werkstatt Johanns von Trarbach6).

Textkritischer Apparat

  1. Beide Wörter sind in humanistischer Minuskel geschrieben.
  2. Das Wort ist in humanistischer Minuskel geschrieben.
  3. Beide Einsen sind als römische Zahlzeichen ausgeführt.

Anmerkungen

  1. Vgl. Clemen, Wiederherstellung 64.
  2. Unter Schildhaupt gerautet.
  3. Vgl. dazu Einleitung Kap. 4.5.
  4. Vgl. zum Folgenden Rodewald 33 und Möller, Stammtafeln AF 2 Taf. LXXXI sowie zur Familie DI 43 (Rheingau-Taunus-Kreis) Nr. 410 mit weiteren Hinweisen.
  5. Freundliche Auskunft von Peter Schößler, Schreiben vom 19. März 2009 mit Hinweis auf LHAK Best. 53 C 46 Nr. 144 und Best. 33 Nr. 20254.
  6. So Strübing, Trarbach 91.

Nachweise

  1. Wickenburg, Thesaurus Palatinus I fol. 311v.
  2. Rodewald, Grüfte und Inschriften 33f.
  3. Wagner, Simmern 155.
  4. Schellack/Wagner, Kirchen und Kapellen 50.
  5. Kdm. Rhein-Hunsrück 1, 994.
  6. Wagner/Schellack, Stephanskirche.
  7. Kern, Simmern 7.

Zitierhinweis:
DI 79, Rhein-Hunsrück-Kreis II, Nr. 104 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di079mz12k0010406.