Inschriftenkatalog: Die Inschriften des Rhein-Hunsrück-Kreises II

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 79: Rhein-Hunsrück-Kreis II (2010)

Nr. 4 Mannebach, Katholische Kirche St. Martin (aus Beltheim) 3. Viertel 13. Jh.

Beschreibung

Glocke. Glockenstuhl, südliche Glocke. Kleine, gut erhaltene Glocke mit sehr flacher Haube und einzeiliger Schulterumschrift zwischen Kordelstegen. Der Schlagrand ist leicht beschädigt. Die Glocke befand sich noch 1936/37 in der katholischen Pfarrkirche St. Goar in Beltheim und wurde später an die zugehörige Filialkirche in Mannebach abgegeben1).

Maße: H. ca. 63, Dm. 71, Bu. 2 cm.

Schriftart(en): Gotische Majuskel.

Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Thomas G. Tempel) [1/2]

  1. + MATEVSa) ◦ + LVCAS ◦ + MARCVS ◦ + IOHANNES ◦

Kommentar

Die aufgrund ihrer uneinheitlichen Größe und Ausführung wohl von Hand mittels Wachsfäden2) hergestellten Buchstaben zeigen einige auffällige Varianten: So steht flachgedecktes trapezförmiges A mit geknicktem Mittelbalken neben pseudounzialem, kapitales M neben symmetrisch unzialem und spiegelverkehrtes kapitales N neben rundem. Als Worttrenner dienen eine Kombination aus gleicharmigen Tatzenkreuzen und halbkugeligen Punkten. Da sämtliche Buchstaben – bis auf das unziale E – noch ohne Abschlussstriche ausgeführt sind, bietet sich eine Datierung in das 3. Viertel des 13. Jahrhunderts an.

Die bislang als „romanisch“3) bezeichnete Glocke stammt aus dem noch erhaltenen mittelalterlichen Kirchturm der 1740/41 neu errichteten Pfarrkirche St. Goar in Beltheim4) und stellt damit deren ältestes noch erhaltenes Ausstattungsstück dar. Sie befindet sich heute zusammen mit einer zweiten, etwa im gleichen Zeitraum gegossenen Glocke5) im Glockenstuhl des im Kern erhaltenen romanischen Chorturms der spätestens um 1200 nachweisbaren, um 1770 umgebauten Pfarrkirche in Mannebach, das 1807 der Pfarrei Beltheim zugeschlagen wurde6).

Die hier als Inschrift verwendeten Evangelistennamen sollten zur Abwehr von Unwettern dienen7).

Textkritischer Apparat

  1. Der Textbeginn ist durch kein besonderes Zeichen gekennzeichnet; die kanonische Reihenfolge wäre Matthäus, Markus, Lukas, Johannes.

Anmerkungen

  1. Vgl. Busley und Kdm. 161.
  2. Vgl. dazu Kloos, Epigraphik 81f.
  3. Kdm. 161 und 642.
  4. Vgl. dazu Mötsch, Beltheim 38 und Meyer, Beltheim 128f.
  5. Vgl. Nr. 7.
  6. Vgl. Schug, Dekanate 145 und Kdm. 632.
  7. Vgl. Walter, Glockenkunde 220f.

Nachweise

  1. BAT Abt. 122 Nr. 12 fol. 4r (erw.).
  2. Lehfeldt, Bau- und Kunstdenkmäler 651.
  3. Busley, Kunstdenkmäler Simmern 20.
  4. Kdm. Rhein-Hunsrück 1, 642 mit Abb. 583 (Nachzeichnung).
  5. Pies, Geschichte 300.

Zitierhinweis:
DI 79, Rhein-Hunsrück-Kreis II, Nr. 4 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di079mz12k0000409.