Inschriftenkatalog: Rems-Murr-Kreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 37: Rems-Murr-Kreis (1994)

Nr. 296 Beinstein (Stadt Waiblingen), ev. Pfarrkirche St. Stephanus 1635 (?)

Beschreibung

Grabplatte des Simon Dochtermann. Innen an der Südwand der Turmhalle. Oben ein von zwei Putten gehaltener Lorbeerkranz, darin ein Vollwappen, darüber ein Engelskopf; auf der Rahmenleiste darunter Bibelspruch (A); im unteren Teil der Platte hochrechteckige Schrifttafel (B) in breitem Roll- und Knorpelwerkrahmen, über der Schrifttafel drei Engelsköpfe. Grauer Sandstein mit erheblichen Verwitterungsschäden, Oberfläche am oberen Rand weggebrochen und im unteren Drittel großflächig abgeplatzt (Schriftverlust).

Maße: H. 161, B. 79, Bu. 1,7–2,0 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/1]

  1. A

    IOB. XIX. CAP(ITEL). / ICH WEIS DAS MEIN ERLÖSER LEBET VND ER WV̈RD MICH / HERNACH AVS DER ERDEN AVFWECKEN1).

  2. B

    ANNO CHRISTI, 1635 DEN. 22. / SEPT(EMBRIS)a) IST DER EHRNHAFTE / WOHLACHTBAHRE, SIMON / DOCHTERMANN GEWESNER / VIHLLIÄHRIGER FV̈R(STLICH) WIRT(EM)P(ERGISCHER) / MAYER ZVE MINSTER VND BVRGER / ZVE CANTSTAT, ALLS ER SEINEN / LIEBEN SOHN WINDEL / TOCHTERMAN SCHVLTHEISEN / ZVE BEINSTEIN IN SEINER / DAMALHLIGENb) GRAHSIERENDE(N) / KRANCHEIT HEIMB GESVECH[T] / IM. 59. IAHR SEINES ALTERS I[. . / . . . . . . . . . . . .] SEL E[I]N[G]ES[CHL/AFFEN . . . / . . . /. . . /. . . .] ẒVẸ [. G̣]ERECH[TE]M / EHRENGEDACHTNV[S] / ALHERO GESEZT WORDEN / DE[M]E GOTT EINE / [FR]ÖLICHE VFFERSTEHVNG / VERLEYHEN WOLLE / AMEN.

Wappen:
Dochtermann2.

Kommentar

Die insgesamt nicht sehr sorgfältig ausgeführte Schrift ist in sehr breiten Proportionen (annähernd 1:1, sogar bei E und L) angelegt. Einzelne Anfangsbuchstaben sind überhöht, Worttrennung ist im allgemeinen beobachtet. Bemerkenswert sind das G mit langer, sichelförmig nach links unter die Zeile zurückschwingender Cauda und das R mit sehr kleinem Bogen und weit nach rechts ausgreifender gewellter Cauda.

Simon Dochtermann war Verwalter des herzoglichen Hofes im heutigen Stuttgarter Stadtbezirk Münster. Ob er ein Opfer der Pestepidemie 1634/35 wurde, geht aus den Resten der Inschrift nicht mehr eindeutig hervor. Möglicherweise wurde der Grabstein erst etwas später von Simons Sohn Wendel, dem Beinsteiner Schultheißen3, in Auftrag gegeben.

Textkritischer Apparat

  1. Kürzung durch Doppelpunkt.
  2. Sic!

Anmerkungen

  1. Hiob 19, 25.
  2. Hausmarke; Helmzier: gestürzter Grabscheit.
  3. Gestorben 1657; Grabmal von 1684 ebenfalls in der Beinsteiner Kirche.

Zitierhinweis:
DI 37, Rems-Murr-Kreis, Nr. 296 (), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di037h011k0029606.