Inschriftenkatalog: Rems-Murr-Kreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 37: Rems-Murr-Kreis (1994)

Nr. 260 Bittenfeld (Stadt Waiblingen), ev. Pfarrkirche St. Ulrich 1606–1610

Beschreibung

Epitaph des Matthias Herwart von und zu Bittenfeld. Innen an der Nordwand über der Empore. Ädikula; als Bekrönung querrechteckige Tafel mit zwei Vollwappen unter gesprengtem Dreieckgiebel, im Giebel und beiderseits der Tafel die Figuren von Caritas, Spes und Fides; im Hauptgeschoß zwischen mit je vier Ahnenwappen belegten Säulen Hochrelief in profiliertem Rahmen: Kruzifixus mit Titulus (A), darunter links der Vater mit sechs Söhnen, rechts die Mutter mit drei Töchtern kniend, im Hintergrund Landschaft mit Stadt und Burg, über den Personen leere Schriftbänder; in der Sockelzone große Schrifttafel (B) zwischen mit Löwenmasken geschmückten Volutenkonsolen; Untersatz mit Roll- und Beschlagwerkornament, Engelskopf und Fruchtgehängen. Grüner Sandstein, Titulus schwarz nachgezogen, Inschrift (B) mit weißen Farbresten; die ursprünglich wohl aufgemalten Namenbeischriften in den Schriftbändern spurlos verschwunden.

Maße: H. ca. 320, B. 210, Bu. 3, überhöhte Anfangsbu. 4 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/5]

  1. A

    I · N · R · I

  2. B

    ANNO 1606 · DEN 24 · OCTOBERIS · STARB / DER EDEL, VND VEST, MATHIAS HERWARTH / VON VND ZV BITHENFELDT, SEINES ALTFRSa) / 45 · IAHR, WELCHEM GOTT DER HERR, / AN SEINEM GROSEN TAG, EIN FRÖHLIHE / AVFFERSTEHVNG VERLEIHE AMEN ·

Wappen:
Herwart, Hauer von Hauenburg1;
HerwartHauer von Hauenburg
Langenmantelunbekannt2
Ehinger von Balzheim3Sternenfels
Talheim?4Sachsenhausen.

Kommentar

Die Schrift zeichnet sich durch ungewöhnlich sorgfältige Stilisierung aus. Auffällig lang sind die oberen und unteren Balken von E, F, L und T, die Mittelbalken sind dagegen sehr kurz. Z mit durchgebogenen Balken und gelegentlich A am Wortanfang mit leicht eingebogenen Hasten – die linke weit unter der Grundlinie ausholend – lockern das Schriftbild auf. Von derselben Hand stammen die Inschriften auf der Grabplatte für Albrecht und Amalia Buhl von 1607 in Enzweihingen5. Die ausführende Werkstatt kann derzeit noch nicht namhaft gemacht werden. Sie befand sich nach archivalischer Überlieferung in Stuttgart, wo das Epitaph von der Witwe und den Erben Herwarts in Auftrag gegeben und offenbar erst 1610 ausgeliefert wurde6, das genaue Herstellungsjahr ist freilich unsicher.

Matthias Herwart entstammt einer Ausgburger Patrizierfamilie, die auch in Esslingen und Ulm ansässig war. 1574 wurde er mit dem Schloß Bittenfeld belehnt, nach dem sich die Familie zeitweilig benannte und das ihr ab 1584/85 als Wohnsitz diente. Es blieb bis 1633 im Besitz der Familie7. Herwarts Frau war die Tochter des Calwer Obervogts Balthasar Friedrich Hauer von Hauenburg und der Ottilia von Sternenfels8.

Textkritischer Apparat

  1. Sic!

Anmerkungen

  1. Gebessertes Wappen von 1539, vgl. Siebmacher WüA 163 Taf. 88.
  2. Auf einer Wiese nach links laufender bärtiger Mann mit gestulptem Hut, in der Linken eine Hirschstange haltend, die Rechte in die Hüfte gestützt.
  3. Quadriertes Wappen, vgl. Alberti 154.
  4. Gespalten, darin eine Spitze in verwechselten Farben.
  5. DI 25 (Ludwigsburg) nr. 524.
  6. Kdm Rems-Murr 1230; die dort vorgeschlagene Zuweisung an den Bildhauer Georg Müller ist sowohl nach dem Schriftbefund als auch nach dem Stilvergleich mit sicher zugeschriebenen Werken abwegig.
  7. Vgl. Alberti 310; LdBW III 560; Peterke 179f. Mathias Herwart ließ das Bittenfelder Schloß 1593–98 neu errichten. Am ehem. Bandhaus (Schloßgasse 10) sind am Torbogen-Scheitelstein des Kellerabgangs die Initialen Herwarts eingehauen: · M(atthias) H(erwart) 15 · 98 Z(u) B(ittenfeld) · ; vgl. Kdm Rems-Murr 1236; Peterke 190.
  8. Pfeilsticker § 2274.

Nachweise

  1. Heilemann 17.
  2. Kdm Rems-Murr 1230f. (Abb.).
  3. Peterke 191f.

Zitierhinweis:
DI 37, Rems-Murr-Kreis, Nr. 260 (), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di037h011k0026007.