Inschriftenkatalog: Rems-Murr-Kreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 37: Rems-Murr-Kreis (1994)

Nr. 229 Oppenweiler, ev. Pfarrkirche St. Jakobus 1598, 1599, 1606

Beschreibung

Grabdenkmal für das Ehepaar Burkhard Sturmfeder und Clara Anna geborene von Helmstatt. Innen an der Chorsüdwand; ursprünglich an der Nordwand des Schiffs. Zusammen mit dem Grabdenkmal für Burkhards Bruder Friedrich (nr. 228) als einheitliche Komposition entstanden. Ädikula, als Bekrönung in der Mitte ein großes querovales Reliefmedaillon mit Jüngstem Gericht in Roll- und Beschlagwerkrahmen, darüber ein Putto und zwei liegende Posaunenengel, unter dem Putto aufgemalte Jahreszahl (A), oben auf dem Bildrahmen aufgemalte Beischrift (B); seitlich zwei Vollwappen in hochovalen, ebenfalls von einem Putto (mit Totenschädel bzw. Sanduhr) bekrönten Kartuschen; das Mittelfeld mit zwei Bildnischen durch drei Pilaster mit verkröpftem Kranzgesims gerahmt, auf dem Architrav zwischen Engelsköpfen früher zwei aufgemalte, heute nicht mehr sichtbare Versinschriften (C, D); die Stirnseiten der beiden äußeren Pilaster oben mit je einem Vollwappen und Schriftband belegt, die Beischriften aufgemalt; vor den drei Pilastern auf vorgesetzten mit Menschen- und Löwenmasken verzierten Sockeln die Figuren der Iustitia, Spes und Caritas mit aufgemalten Beischriften (E); in den Rundbogennischen vor seitlichen Hermenkaryatiden die Figuren der Eheleute: links Burkhard in voller Rüstung auf einem Löwen stehend, in der Rechten einen Kommandostab haltend, rechts seine Frau auf einem halbrunden Podest mit davor liegendem Hündchen stehend, in den gefalteten Händen ein Buch haltend. In der Sockelzone auf beiden Seiten je zwei Schrifttafeln nebeneinander (F-I), seitlich und dazwischen auf den Verkröpfungen drei Reliefs: Kreuzigung, Anna Selbdritt, Anbetung der Könige. Hellgrauer Sandstein, Reliefs und Wappen aus Alabaster, Schrifttafeln aus schwarzem Schiefer mit vergoldeter Schrift; die aufgemalten Inschriften, vor allem die Wappenbeischriften, fast völlig verblaßt; die Schrifttafeln an den Rändern beschädigt, die dritte Tafel in drei Teile zerbrochen, die Farbfassung erneuert.

Wortlaut von (C, D) nach „Sturmfederische Grabmeler“.

Maße: H. 480, B. 318, Bu, 3 (B), 1,8 (E), 2,1 cm (F–I).

Schriftart(en): Kapitalis (B, E, G, Wappenbeischriften), Fraktur (F–I).

Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/8]

  1. A

    15 98a)

  2. B

    · DAS · IV̈NGST · GERI[CHT]

  3. C

    Zum Gericht Christi werden wir erstohn,am jüngsten tag zu empfahen den lohn.2. Cor. 11.1)

  4. D

    der glaubig komt nicht ins Gericht,wird den todt ewig schmecken nicht.Joh. 3.2)

  5. E

    · IVSTITIA · // · CHARITAS · // · SPES ·

  6. F

    Anno Domini. 1〈599〉 vff den 〈27〉 / tag 〈ianuari〉 verschied in gott, der / Edel vnd Vest. Burckhardt St=/urmfeder. Seines allters im / 〈52〉 Jahr. Welchem Er der Allme=/chtige nach seiner verhaissung / ein fröliche Aufferstehung aus / gnaden verleyhe Amen ·

  7. G

    Die Gerechten werden Ewiglich / leben, Vnd der Herr ist ihr lohn, vnd / der Höhest sorget für sie · Darumb / werden sie empfahen ein herlichs Reich. Vnnd ein schöne Krone / von der Handt desz Herrn · / · SAPIENTIAE · 5 ·3)

  8. H

    Anno Christi. 1〈606〉 auff den 〈5〉 / tag 〈Junij〉 starb die Edel und Tu=/gentreiche fraw, Clara Anna. St=/urmfederin, geborne von Helm=/statt, sein ehlich gemahel, ires alters /im 〈63〉 Jahr, deren der barmhertz=/ig gott, sampt ihme vnd allen glä/[u]bigen, das ewig leben gebe. Am(en)

  9. I

    Jch bin die Aufferstehung vnd / das leben, Wer an mich glau/bet, Der würdt leben Ob er / gleich stürbt, Vnnd wer /da lebet, Vnnd glaubet / An mich, Der würdt ni=/mmer mehr sterben, spricht / Christus, Johan: 11.4)

Kommentar

 

 

Wappen:

Sturmfeder

Helmstatt5

HIRNHEIM

Massenbachb

Versmaß: Deutsche Reimverse (C, D).

Das Grabmal ist ein Werk des Heilbronner Bildhauers Jakob Müller. Die Sterbedaten sind 1599 und 1606 – wohl von einem ortsansässigen Steinmetzen – nachgetragen worden. Die ungeschickte Ausführung unterscheidet die Nachträge deutlich von der sehr sorgfältigen Fraktur der Werkstatt Müllers.

Burkhard Sturmfeder war der drittälteste Sohn Friedrichs d. Ä. († 1555). Seine Frau Clara Anna (heir. 1562) war die Tochter Georgs von Helmstatt zu Waibstadt und der Anna von Massenbach6. Die Ehe scheint kinderlos geblieben zu sein7.

Textkritischer Apparat

  1. Im Relief des Jüngsten Gerichts winziger Renovierungsvermerk eingegraben: Renovirt / 1879. Laut Kdm Rems-Murr war bis 1898 auch der Name des Bildhauers Jakob Müller aufgemalt. Tatsächlich stand die Signatur aber auf dem Epitaph Friedrich Sturmfeders, vgl. nr. 228 Anm. 1.
  2. Beischrift völlig vergangen.

Anmerkungen

  1. Die angegebene Bibelstelle paßt nicht zu dem Vers.
  2. Nach Joh 3, 18 u. 20.
  3. Weish 5, 16–17.
  4. Joh II, 25–26.
  5. Mit der Hörner-Helmzier.
  6. Vgl. Humbracht, Taf. 84, 225; Möller, Stammtafeln III Taf. 132.
  7. Nach Humbracht, ebd., ging aus der Ehe ein Sohn namens Bernhard hervor, der 1602 als Augsburger Domherr gestorben ist. Humbracht irrt hier offensichtlich: Der Augsburger – und Wormser – Kanoniker war Eberhard Sturmfeder († 1602 VII 22), der jüngste Bruder Burkhards (vgl. Archiv der Freiherren von Sturmfeder 16 U95), der im Wormser Dom begraben liegt: DI 29 (Worms) nr. 598 †; Epitaph in Augsburg: Karl Kosel, Der Augsburger Domkreuzgang und seine Denkmäler. Sigmaringen 1991, 303 nr. 291.

Nachweise

  1. Sturmfederische Grabmeler in der Evang. Pfarrkirche zu Oppenweiler 1400./1700. (StA Ludwigsburg, B 139a Bü. 60).
  2. Beschreibung der in der allhiesigen Kirche befindlichen Hochfreyherrl. Sturmfederischen sehr alten Epitaphien und Grab-Mähler-Inscriptionen. 1763 (StA Ludwigsburg, B 139a Bü. 43).
  3. Kdm Rems-Murr 695 (Abb.).

Zitierhinweis:
DI 37, Rems-Murr-Kreis, Nr. 229 (), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di037h011k0022903.