Inschriftenkatalog: Rems-Murr-Kreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 37: Rems-Murr-Kreis (1994)

Nr. 204 Backnang, ev. Stiftskirche St. Pankratius 1589

Beschreibung

Grabdenkmal des Georg von Schaumberg zu Rauenstein und Thundorf. In der Krypta, drei Werkstücke getrennt an der Ost- und an der Nordwand aufgestellt, bis 1929 im Chor. Hoher dreiteiliger Aufbau: als Aufsatz eine querrechteckige Schrifttafel (A) mit Engelskopf-Bekrönung; darunter hochrechteckige Platte mit plastischer Standfigur des Ritters in voller Rüstung und mit Streitkolben in der Rechten, auf einem Hund stehend, der Helm links zu Füßen, in Kopfhöhe zwei Vollwappen; auf dem Sockel ein Bibelspruch (B); alle drei Werkstücke links und rechts von Weinrankenleisten eingerahmt. Grauer Sandstein, Ränder und Oberfläche stellenweise bestoßen, Bekrönung verstümmelt.

Maße: H. (Gesamt) 316, B. 93, Bu. 4,5 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/2]

  1. A

    AVF · DEN · 30 · DECEMbERISa) · STARBb) · DER EDEL · / VND ERN · FEST · IVNKER · GORG · VON · SCH/AMBERG · DER · ZEIT · WIRTENBERGISER · BROF/ISONER1) VND EHSTETISERc2) ERB · KAMERER · / AIN GONERB · ZV RAWEN · STAIN VND · / DVN · DORF · MIT · GOT · VER · SCHAIDEN · ANNO / 15 · 89 · IAR · DEM · GOT · EIN · SELIGEN · AVF/ERSTEVNG · VER · LEIEN · AMEN · K*d)

  2. B

    ICH · WAIS · DAS · MEIN · ER · LESER · / NOCH · LEBT · DER · MICH · MIT · MEINER · / HAVT · VM · GEBEN · WIRT3) · VND · VM · DAS / ZEITLICHe) · EIN · EBIX4) · ICH · FAR · DAHIN · / MIT · FRIDEN · DAN · CHRISTVS · IST · MEIN / [LE]BEN · VND · STERBENf) · MEIN · GEWIN5) // · AMENg) ·

Wappen:
Schaumberg6, Thumb von Neuburg.

Kommentar

Die recht unbeholfen wirkende Schrift zeigt noch starke Anklänge an die frühhumanistische Kapitalis: A mit einseitig nach rechts überstehendem Deckbalken, B und R mit getrennt untereinander an der Haste ansetzenden Bögen und Cauden, links offenes D mit nur halbhoher Haste neben D mit weit nach links über die Haste übergreifenden Bogenenden, L mit hohem, gebogenem Balkensporn, spitzovales O und zweistöckiges Z. Alle diese „Markenzeichen“ begegnen wieder auf den Miner-Grabmälern von der Hand desselben Steinmetzen K* in der Pfarrkirche zu Rietenau (vgl. nrr. 214217)7.

Georg von Schaumberg ist ab 1556 (?), sicher ab 1557 bis zu seinem Tod als württembergischer Diener von Haus aus bezeugt8. 1569 ist er von Württemberg mit der Stiftsbehausung in Backnang belehnt worden9, was seine Bestattung in der Stiftskirche erklärt. Eine sichere Einordnung in die Genealogie des weit verzweigten thüringisch-fränkischen Geschlechts ist nicht gelungen10. Thundorf i. UFr. (LKr. Bad Kissingen), nach dem sich zeitweilig eine Linie der Familie nannte, und Rauenstein (LKr. Sonneberg/Thüringen) waren ab der Mitte des 16. Jahrhunderts Ganerbiat11. Die hofstiftisch eichstättische Erbkämmererwürde hat Bischof Martin von Schaumberg (1560–90) seinen Vettern nach dem Aussterben der bisherigen Amtsinhaber, der Oettinger zu Oettingen, im Jahr 1580 verliehen.

Textkritischer Apparat

  1. Anstelle des C zunächst versehentlich eine Haste eingehauen.
  2. Anstelle des B zunächst ein E, nur unvollständig getilgt.
  3. HSTE auf Rasur.
  4. Stz. nr. 12.
  5. Sic!
  6. Zweites E nachträglich klein zwischen B und N eingefügt.
  7. Wegen Platzmangels auf den unteren Rand geschrieben.

Anmerkungen

  1. Provisioner, d.h. Diener von Haus aus.
  2. Eichstättischer.
  3. Nach Hiob 19, 25–26.
  4. Ewiges.
  5. Phil 1, 21.
  6. Vermehrtes Wappen Schaumberg/von der Deck, vgl. Siebmacher ThüA 70f. Taf. 55.
  7. Der Steinmetz K* ist auch im heutigen Landkreis Ludwigsburg nachzuweisen, seine Werkstatt befand sich vielleicht in Marbach a. N., vgl. DI 25 (Ludwigsburg) XL Anm. 178, nrr. 319, 383, 384, 396.
  8. Vgl. Pfeilsticker § 1570.
  9. Alberti 679.
  10. Stammsitz Schaumburg (heute Ruine) westl. Schalkau (LKr. Sonneberg/Thüringen).
  11. Biedermann, Rhön und Werra, Tab. CLXII.

Nachweise

  1. Hohbaum.
  2. Kdm Rems-Murr 232f. (Abb.).

Zitierhinweis:
DI 37, Rems-Murr-Kreis, Nr. 204 (), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di037h011k0020409.