Inschriftenkatalog: Rems-Murr-Kreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 37: Rems-Murr-Kreis (1994)

Nr. 199 Waiblingen, ev. Stadtkirche St. Michael 1585

Beschreibung

Grabschriften für die Geschwister Ludwig und Apollonia Frischlin. Außen am östlichsten Strebepfeiler der Langhaus-Südseite, in drei Mauerquader auf der Ostseite eingehauen. Inschrift (A) sechszeilig auf zwei Quadern, Inschrift (B) etwas nach unten abgesetzt, auf dem dritten Stein. Sandstein; 1981 von Verputzresten gesäubert und lesbar gemacht.

Maße: H. 31 bzw. 31 bzw. 27, B. 67 bzw. 28 bzw. 67, Bu. 3–5 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/1]

  1. A

    CONDITVR HOC TVMV/LO LVDOVICVS NOMINE / FRISCHLIN /EXPECTATQ(VE) TVVM CH/RISTE LEVAMEN AMEN / 1585 // M(AGISTER) IAC(OBVS) FR(ISCHLIN) / SVO FIL(IO)a)

  2. B

    ET IVXTA FRATREM FRISCHLINA / APOLONIA DORMIT / SVSCITET ETb) HANC ETIAM / CHR(ISTV)S IESVS AMEN

Übersetzung:

In diesem Grab liegt Ludwig Frischlin begraben und harrt der Erlösung durch dich, Christus. Amen. Magister Jakob Frischlin seinem Sohn. – Und neben ihrem Bruder ruht Apollonia Frischlin; möge Jesus Christus auch sie erwecken. Amen.

Versmaß: Zwei elegische Distichen.

Kommentar

Nach Ausweis der Inschrift wurde sie von dem Vater der verstorbenen Kinder selbst verfaßt. Die von einem ungeübten Steinmetz gehauene Schrift ist unregelmäßig, die Buchstabengröße schwankt erheblich, besonders klein ist die Jahreszahl ausgeführt. Inschrift (B) ist möglicherweise erst etwas später entstanden.

Jakob Frischlin (1557–1621) war der jüngere Bruder des Tübinger Professors und Dichters Nikodemus Frischlin, in dessen Schatten er zeitlebens stand. Er war 1580–1594 Präzeptor der Waiblinger Lateinschule und 1599 Gerichts- oder Stadtschreiber zu Urach1.

Textkritischer Apparat

  1. Alle Kürzungen durch Doppelpunkt; danach noch ein E mit nach vorn verlängertem oberen Balken (TE-Ligatur?).
  2. ET überzählig, paßt nicht ins Versmaß.

Anmerkungen

  1. Vgl. Pfeilsticker §§ 2973, 3023; zur Person am ausführlichsten: Zeller 158ff.

Nachweise

  1. Küenzlen 205–209.
  2. Ein halbes Jahrtausend 62f. (Abb.).

Zitierhinweis:
DI 37, Rems-Murr-Kreis, Nr. 199 (), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di037h011k0019907.