Inschriftenkatalog: Stadt Pforzheim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 57: Stadt Pforzheim (2003)

Nr. 239 Ev. Schloßkirche (Stiftskirche St. Michael) 1627

Beschreibung

Grabplatte der Barbara Markgräfin von Baden-Durlach, geborene Herzogin von Württemberg, und ihrer Tochter Christina. Im Chor im Boden. Hochrechteckige Platte aus rotem Sandstein mit schmalem, durch Ritzlinie abgetrenntem Rand; oben Ritzzeichnung einer Blüte mit Blattwerk. Im Feld Grabinschrift, beginnend unter einem Linienspiel. Die Platte wird von zwei schräglaufenden Brüchen durchzogen, unten fehlt ein Streifen mit den letzten Schriftzeilen (jetzt ausgebessert); mehrfach Verletzungen des Steins durch Schlageinwirkung (Buchstabenverlust).

Ergänzung der Inschrift nach Waag, GLA 47/46.

Maße: H. 188 (jetzt 147), B. 86, Bu. 3,6–4,6 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

© Stadtarchiv Pforzheim [1/1]

  1. ANNO (ET CETERA) M · D · LXXXXIII DEN / IV DECEMB(RIS) IST WEIILVNDT DIE / DVRCHLEICHTIG HOCHGEBOR=/NE FIIRSTIN VND FRAW, FRAW / BARBARA, MARGGRAVIN / ZV BADEN VND HACHBE[RG] / GEBOR(N)NE HERTZOGIN Z(V) [WIIR]=/TE(M)BERG (ET CETERA) GEBOREN; DEN VIII / MAII A(NN)Oa) . M . DC · XX . VIIb) . Z(V)Oa) STVO[T=]/GARTENa) IN GOTT VERSC[HIDEN] / VND HERNACH DEN X[XV IVLII] / ALHIE ZV PFORTZHE[IM BENE]/BENS EINEM [IVNGE]N [FREWLIN] / NAMENS CH[RIS]TINA MARG=/GRAVIN Z(V) BADE(N) VND HACH/BERG · WELCHES XLb) · WOCHEN / ALTT GEWESEN IN DISES GRAB / ZVSAME(N) GELEGET WORDE(N) / [VND] IST IH[R]E · F(ÜRSTLICHE) G(NADEN) ALT WORD/[EN X]XXIIIb) · IAHR · X[XII]b) · WOCHE(N) / [III TAG; DERO SEELEN / GOTT GNEDIG SEIE . AMEN .]

Kommentar

Barbara, geboren am 14. Dezember 1593, war die erste Gemahlin des jungen Markgrafen Friedrich V. von Baden-Durlach (1594–1659), der insgesamt fünfmal verheiratet war. Sie war eine Tochter des Herzogs Friedrich von Württemberg und der Sibylla Prinzessin von Anhalt1. Der Tod hatte sie am 8. Mai 1627 in ihrer Heimat Stuttgart ereilt. Ihre Leiche wurde feierlich zunächst in das württembergische Schloß zu Leonberg, dann nach Pforzheim überführt und dort am 15. Juli zusammen mit einem inzwischen auch verstorbenen Töchterchen bestattet. Nach Franz Josef Herr soll der Sarg Barbaras nicht in der von Markgraf Georg Friedrich ausgebauten sog. „Alten Gruft“ beigesetzt, sondern – wie schon die älteren Markgrafen vor 1611 – wieder in einer eigens im Chor ausgemauerten Einzelgruft in die Erde gesenkt worden sein2. In der Tat wird der genaue Bestattungsort bezeichnet durch die Grabinschrift der Grabplatte, deren Text eindeutig von einem Grab spricht, in das Mutter und Kind geleget wurden. Barbara zu Ehren ist eine Leichenpredigt verfaßt und gedruckt worden. Die Partitur der Trauermusik, die der Hoforganist Eusebius Veit aus Anlaß von Barbaras Leichenfeier in Pforzheim komponierte, soll erhalten sein3.

Textkritischer Apparat

  1. Das O klein und hochgestellt.
  2. Durch Überstreichung mit Ausbuchtung nach oben hervorgehoben.

Anmerkungen

  1. Vgl. Europäische Stammtafeln NF I/2, Taf. 270, NF I/1, Taf. 125.
  2. Zur Geschichte der Gruft vgl. Einl. Kap. 3. 3.
  3. Vgl. Rott, Baden-Durlacher Hof 1917, 80, Anm. 1. Ferner Johann Georg Wibel (Vf.?), Serenissimae Principis ac Dominae Barbarae Marchionissae Badensis et Hochbergensis etc. funus. Durlaci 1628.

Nachweise

  1. Karlsruhe, GLA 47/47, Absterben, Fürstliche Grüfte o. J., fol. 4v.
  2. Karlsruhe, GLA 171/1514, Bürcklin, Diözesanbeschreibung 1737, fol. 11.
  3. Schoepflin, Historia Zaringo-Badensis IV, 1766, 276.
  4. Sachs, Marggravschaft IV, 1770, 611f.
  5. Karlsruhe, GLA 47/41, v. Beust 1802, Grab-Inschriften nr. XXI.
  6. Gehres, Pforzheim 1811, 4.
  7. Karlsruhe, GLA HFK 510, Herr, Collectanea Pforzheim 1830, fol. 26r nr. 16.
  8. Karlsruhe, GLA 47/46, Begräbnisse 19. Jh., Waag 1883, nr. XXI.
  9. KdmBadenIX/6, 179 nr. 16.
  10. Trost, Schloßkirche 1962, 49, 71 nr. 66.

Zitierhinweis:
DI 57, Stadt Pforzheim, Nr. 239 (Anneliese Seeliger-Zeiss), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di057h015k0023907.