Inschriftenkatalog: Stadt Pforzheim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 57: Stadt Pforzheim (2003)

Nr. 98 Ev. Schloßkirche (Stiftskirche St. Michael) 1500–1509

Beschreibung

Grabplatte des Ehepaars Eucharius Rot (Reut, Rott) genannt Veyhinger und Katherina geborene Engelhart. Im Langhaus, im südlichen Seitenschiff, im zweiten Joch an der Südwand; ehemals in der Kapelle von 1487 im Boden; nach deren Zerstörung 1945 am heutigen Standort. Hochrechteckige Platte aus rotem Sandstein mit Umschrift zwischen Linien, im Feld in Flachrelief ein Vollwappen in eingetieftem Grund. Abgesehen von einem in der Mitte schräglaufenden Bruch und geringen Stoßschäden an den Kanten hervorragend erhalten.

Maße: H. 218, B. 91, Bu. 6–6,5 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien.

  1. Anno d(omi)ni 15〈. .〉 / Sta(r)b Der Ersam Eucharius Rott Genant Veÿhinger · / An(n)o D(omi)ni 15〈. .〉 Starb / Die Erber Frow Katherina Engelhartin Syn Husfrow

Wappen:
Rot genannt Veyhinger.

Kommentar

Die Grabplatte ist erst nach dem Kriege aufgefunden worden und bis heute unveröffentlicht geblieben. Die Rot genannt Veyhinger gehörten seit dem 13. Jahrhundert zur Pforzheimer Oberschicht und hatten ihre Grablege in der Michaelskirche1. Die Engelhart erlangten eine ähnliche Stellung offenbar erst Ende des 15. Jahrhunderts2. Eine Katherina Engelhart ist 1508 als Mutter des Stiftsherrn Johannes Engelhart nachweisbar; sie ist vermutlich eine nahe Verwandte der hier angesprochenen Katherina Engelhart verheiratete Rot3. Aristoteles Engelhart, Richter und Ratsverwandter, ist 1509 und 1517 als Hausbesitzer am Marktplatz belegt4. Einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangte Claus Engelhart († 1588), weil er der erste war, der auf dem 1587 gegründeten Altstädter Friedhof, dem späteren Oststadtpark, begraben worden ist5.

Das Ehepaar hat die Grabplatte zu Lebzeiten anfertigen lassen; die Todesdaten fehlen, jedoch dürfte der Auftrag noch im ersten Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts ausgeführt worden sein. Die Gestaltung des Denkmals bestätigt diese Ansetzung nach 1500, aber vor 1510. Dem Wappen der Rot sind hier als Helmzier die paarweise angeordneten Fische auf einem Turnierhelm beigegeben. Die Inschrift ist meisterhaft ausgeführt. Jedes Wort beginnt mit einem Versal. Diese Versalien entstammen verschiedenen Zieralphabeten, so D und G der Gotischen Majuskel. Bei den meisten Versalien wird ein Bogen verdoppelt und läuft in Schlingen aus; andere besitzen eine zierliche Zähnung – wie D, R und K – oder eine mehrfache Brechung. Von derselben Hand dürfte die Stiftungstafel des Nikolaus Weiler von 1510 geschaffen sein, deren Versalien dieselben Merkmale aufweisen6.

Anmerkungen

  1. Vgl. nr. 39 u. ö.
  2. Ein Gabriel Engelhart war eine der zwölf Gerichtspersonen im Jahre 1486; vgl. Pflüger 1862, 189.
  3. Johannes Engelhart wurde 1493 auf die Stiftsherrnpfründe des Jakobsaltars präsentiert. Vor seinem Tod 1520 errichtete er eine Jahrzeitstiftung; vgl. Fouquet, St. Michael in Pforzheim 1983, 150 nr. 7.
  4. Ehmann, Einwohnerverzeichnis 1501–1527, 410.
  5. Vgl. nr. 202.
  6. Vgl. nr. 99.

Nachweise

  1. Trost, Schloßkirche 1962, 21 nr. 14, 76.

Zitierhinweis:
DI 57, Stadt Pforzheim, Nr. 98 (Anneliese Seeliger-Zeiss), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di057h015k0009800.