Inschriftenkatalog: Stadt Pforzheim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 57: Stadt Pforzheim (2003)

Nr. 76 Pforzheim-Dillweißenstein 1491

Beschreibung

Bildstock mit Stifterinschrift. Im Nagoldtal, am Fußweg auf dem nördlichen Ufer, in der Nähe der Brücke, auf einem großen Felsblock. Über quadratischem Sockel wächst ein achteckiger Schaft aus rotem Sandstein auf und trägt eine vierseitige, an der Unterseite gekehlte Konsole mit einem spätgotischen Tabernakel, das von einem leicht geschweiften Satteldach bekrönt wird. In der stichbogigen Bildnische dreifigurige Kreuzigung mit Maria und Johannes in Relief. An der vorderen Kehle der Konsole zweizeilige Inschrift. Darunter am Schaft ein Wappen in Relief. Inschrift durch Bemalung verfälscht und rechts außen durch Schlageinwirkung beschädigt.

Maße: H. 235, B. 63,5, Bu. 4 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versal.

© Stadtarchiv Pforzheim [1/2]

  1. donivsa) nislib) von pfortzen / M cccc l xxxxic)

Wappen:
unbekannt1.

Kommentar

Als Bildstock-Inschrift ist zunächst ein mit der Passion in Verbindung stehender Bibelvers in Erwägung zu ziehen, ferner ein Fürbittgebet oder eine Anrufung Jesu. All dies scheidet aus wegen des einwandfrei lesbaren Zeilenendes von Pforzheim. Diese Herkunftsbezeichnung verlangt nach einem Personennamen, nach dem Namen des Stifters des Bildstocks. Das unbekannte Wappen ist auf diesen Stifter zu beziehen. Der Vorname lautet donivs, die volkstümliche Form von Antonius. Für das zweite Wort, den Familiennamen, lautet der Befund: ni am Anfang und auch das i am Ende des Wortes sind eindeutig; der dritte Buchstabe kann als langes s oder c gelesen werden; der vorletzte Buchstabe ist verfälscht, kann aber als l aufgefaßt werden, wobei das umgebrochene untere Schaftende übermäßig kräftig geraten ist. Die Lesung nisli, anklingend an „Nüßli“ oder „Nüßlein“ wird gestützt durch das Wappen, das als (Hasel‑)Nußstrauch interpretiert werden kann2.

Der Bildstock selbst gehört zu den wenigen – in der Umgebung von Pforzheim in situ erhaltenen – Flurdenkmälern aus spätgotischer Zeit, die nach der Reformation nicht zerstört wurden.

Textkritischer Apparat

  1. So für antonivs.
  2. nicli KdmBadenIX/6. – Abwegig ist die Lesung domius victi nob pecatorib, aufgelöst als dominus victima nobis peccatorib, angeboten zuerst von Webel, 1927, 17, zuletzt von Schrade, 1981, 74. Ebenfalls ohne Grundlage ist die Lesung von Specht, 1899: dominus mei miserere.
  3. Rosette mit Ranke als Zeilenfüller.

Anmerkungen

  1. Baum mit Wurzeln und Blättern.
  2. Vorschlag von Harald Drös, Heidelberg.

Nachweise

  1. Specht, Josef, Altes und Neues aus der Orts- und Kirchengeschichte der Gemeinde Dill-Weißenstein 1899, 5.
  2. Webel, Otto, Chronik von Dillweißenstein. Pforzheim 1927, 17.
  3. KdmBadenIX/6, 419 mit. Abb. 332.
  4. Pforzheim, Stadtarchiv, Slg. Arthur Steinle, Zeichnung PF/1/18, signiert 1. 11. 45.
  5. Schrade, Richard, Die Geschichte Dillweißensteins. Pforzheim 1981, 74 mit Abb.
  6. Diruf/Timm 1991, 105 und Abb. 55.

Zitierhinweis:
DI 57, Stadt Pforzheim, Nr. 76 (Anneliese Seeliger-Zeiss), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di057h015k0007603.