Inschriftenkatalog: Stadt Pforzheim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 57: Stadt Pforzheim (2003)

Nr. 69 Ev. Schloßkirche (Stiftskirche St. Michael) 1481

Beschreibung

Fragment der Grabplatte des Johannes von Baden. Im Langhaus, im nördlichen Seitenschiff an der Nordwand; vor 1945 in der Kapelle von 1487 im Boden. Oberteil einer hochrechteckigen Platte aus rotem Sandstein mit Umschrift zwischen Linien. Die Inschrift beginnt links mitten in der Längsleiste. Im Feld Kelch in Ritzzeichnung. Schwere Beschädigungen durch zahlreiche Brüche im oberen Drittel, das untere Drittel der Platte fehlt ganz.

Maße: H. 143,5, B. 86,5, Bu. 9 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien.

  1. An(n)o D(omi)ni 1481 · vltima · die · / febrvarij · O(biit) · / D(omi)n(v)s · Joh(ann)es · de baden · vicari(vs) · hui[vs – – – / – – – / – – –]

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1481 am letzten Tag des Februar (28. Februar) starb Herr Johannes von Baden, Vikar dieser (Kirche? …).

Kommentar

Nicht geklärt werden kann, ob es sich um ein – vielleicht illegitimes – Glied des badischen Fürstenhauses oder der in Südbaden und im Elsaß ansässigen Niederadelsfamilie von Baden handelt. Da jeder heraldische Hinweis auf eine vornehme Abkunft fehlt, könnte der Name auch nur die Herkunft aus der Stadt Baden-Baden bezeichnen. Da aber vor 1493 eine Margaretha von Baden in Pforzheim ansässig war, ist die Abkunft von der Adelsfamilie wahrscheinlich1. Der Verstorbene ist 1460 bei Gründung des Stifts als Vikar in Pforzheim nachweisbar2.

Die Gestaltung der großformatigen Schrift besitzt eine Parallele in der Schrift der Grabplatte des Ehepaars Thorlinger von 14793. Die Formgebung des Schriftbeginns ist nahezu übereinstimmend bei dem Anfangs-A mit gebogenen Schäften und einem links aufgespaltenen Deckbalken. Auch das D von D(omi)ni mit dem aufgebrochenen und verdoppelten Bogen kommt dort vor. Die kräftigen Worttrennpunkte sind als Paragraphzeichen gebildet. Die Schriftgestaltung spricht also für eine Entstehung der Platte um 1481 und nicht erst nach Vollendung der 1487 datierten Seitenkapelle der Stiftskirche. Der ursprüngliche Bestattungsort bleibt deshalb unklar.

Anmerkungen

  1. Vgl. ihre Grabplatte nr. 78.
  2. Vgl. Pflüger 1862, 149; Fouquet, St. Michael in Pforzheim 1983, 162.
  3. Vgl. nr. 67.

Nachweise

  1. Trost, Schloßkirche 1962, 23, 70 nr. 52, 76.

Zitierhinweis:
DI 57, Stadt Pforzheim, Nr. 69 (Anneliese Seeliger-Zeiss), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di057h015k0006905.