Inschriftenkatalog: Stadt Pforzheim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 57: Stadt Pforzheim (2003)

Nr. 47 Ev. Schloßkirche (Stiftskirche St. Michael) 1430

Beschreibung

Grabplatte des Nikolaus Kommerell (Kumerel). Ursprünglich in der 1487 an das nördliche Seitenschiff angebauten Kapelle, nach deren Zerstörung 1945 am Chor außen, neue Aufstellung im Lapidarium unter der sog. Margarethen-Kapelle geplant. Rechteckplatte aus rotem Sandstein mit Umschrift zwischen Linien, im Feld Wappen, darüber Kelch in flachem Relief. Die linke Längszeile ist nur im unteren Drittel beschriftet. In der unteren Hälfte zwei schräglaufende Brüche und Verletzung der Oberfläche im Bereich beider Längsleisten (Buchstabenverlust), Oberfläche beschädigt und abgerieben.

Ergänzung der Inschrift nach KdmBadenIX/6.

Maße: H. 194, B. 76, T. 13, Bu. 7,8 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien.

  1. Anno d(omi)ni · m · / ccccxxx · o(biit) · Nicolvs [kumer]ẹla) · P[(ri)mi]/ssaịḅb) · s(an)c(t)e · / cr[uci]s ·

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1430 starb Nikolaus Kumerel, Frühmesser an Hl. Kreuz.

Wappen:
Kommerell1.

Kommentar

Nikolaus entstammte einer schon 1359 in Pforzheim nachweisbaren und bis heute bestehenden Familie. Urkundlich belegt ist, daß er Frühmesser (lat. primissarius) und Pfründner am Altar des Hl. Kreuzes in der Pfarrkirche St. Michael war und 1425 sein Testament errichtete2. Dies entspricht der Aussage der Inschrift.

Das Anno-Domini-Formular führt Todesjahr, Name und Titel bzw. Berufsbezeichnung auf, aber der Todestag mit Festbezeichnung und die abschließende Fürbitte fehlen, obgleich die weitgehend freie linke Längsleiste noch Platz geboten hätte. Die Schrift entspricht der in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts in Pforzheim üblichen Gotischen Minuskel mit kräftigen, scharfkantig ausgearbeiteten Brechungen.

Textkritischer Apparat

  1. Kommerell Pflüger 1862.
  2. Vermutlich Steinmetzfehler statt P(ri)mi/ssari(us); emend.; p’ (=Idus) iiii /ssaili (?) KdmBadenIX/6.

Anmerkungen

  1. Schräggelegtes Blatt einer Bügelschere der Tuchmacher. Freundliche Auskunft von Prof. Friedrich Karl Azzola, Trebur.
  2. Vgl. Ehmann, Karl, Zur Stamm- und Ahnentafel Kommerell. In: SwdtBll 13 (1971) 308f.; ders., Die Kommerell aus Pforzheim. In: PforzhGbll 4 (1976) 183f.; hier 183. Am Kreuzaltar bestand eine Vikariatspfründe, die die Pforzheimer Familie Weiler zu vergeben hatte; vgl. Fouquet, St. Michael 1983, 119 Anm. 2, 133f.

Nachweise

  1. Pflüger 1862, 164.
  2. KdmBadenIX/6, 145 nr. 9.
  3. Trost, Schloßkirche 1962, 23, 67 nr. 164.

Zitierhinweis:
DI 57, Stadt Pforzheim, Nr. 47 (Anneliese Seeliger-Zeiss), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di057h015k0004702.