Inschriftenkatalog: Stadt Pforzheim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 57: Stadt Pforzheim (2003)

Nr. 45 Ev. Schloßkirche (Stiftskirche St. Michael) 1420–1429

Beschreibung

Grabplatte des Johannes Rot (von Pforzheim). Im Langhaus, im südlichen Seitenschiff, nach 1945 im zweiten Joch an der Südwand. Hochrechteckige Platte aus rotem Sandstein mit Umschrift zwischen Linien, im Feld die Figur eines Priesters mit Kelch, unter dem Kopf ein Kissen, ausgeführt in Ritzzeichnung. Zu Füßen der Figur ein Wappen. Die Inschrift füllt nur die Kopfleiste und die rechte Längsleiste. Mehrere schräglaufende Brüche; unterhalb der Mitte ist die Platte quer durchgesägt und in der Mitte rechteckig eingetieft; die linke obere Ecke ist ergänzt, links in der Mitte eine tiefe Verletzung. Die Oberfläche ist so gut erhalten, daß die Worttrenner in Form von Paragraphzeichen durchgängig erkennbar sind.

Maße: H. 224, B. 91, Bu. 8 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versal.

  1. [an]no · d(omi)ni · M · cccc · / xx〈. . . .〉 obijt · iohannes · rot · prespiter · 〈. . . / – – –〉

Wappen:
Rot (von Pforzheim)1.

Kommentar

Die Platte ist zu Lebzeiten des Verstorbenen, und zwar frühestens im Jahr 1420, in Auftrag gegeben worden; die Jahre nach 1420 und der Todestag sind nicht eingetragen. Es könnte sich um den „Pfaffen Hans Röt“ handeln, der 1414 als Stifter einer Pfründe am Allerheiligen-Altar der Pfarrkirche St. Michael zu Pforzheim hervorgetreten ist2. In der Stiftungsurkunde wird er als Sohn des damals bereits verstorbenen Contz Rot von Pforzheim bezeichnet. Als Zeugen und Mitsiegler sind der „Pfaff“ Rüdiger Rot, also ein Verwandter des Stifters, aber auch ein Hans Rot genannt Vaihinger aufgeführt. Die Rot oder Reut genannt Vaihinger (meist „Veyhinger“ geschrieben) sind von den Rot von Pforzheim zu unterscheiden, denn sie führten ein anderes Wappen: zwei Fische im gespaltenen Feld3. Dieses Wappen führte auch die Familie Rappenherr.

Die Grabplatte gehört zu einer Gruppe von Pforzheimer Grabplatten mit der figürlichen Darstellung eines Priesters4. Typisch für diese Gruppe sind das knappe Anno-domini-Formular ohne Fürbittformel und die Art der Schrift. Der Text ist knapp in der Aussage, so daß meist am Ende der Inschrift Raum freibleibt. Die Standesbezeichnung presbiter war schon 1414 auf der Grabplatte des Johannes Ruhmus5 gewählt worden.

Anmerkungen

  1. Drei anstoßende Rauten pfahlweise.
  2. Karlsruhe, GLA 38/133. 19; Carl; Regesten Pforzheim 114f. nrr. 241, 242.
  3. Vgl. nrr. 40, 51; zu den Rappenherr vgl. nrr. 18, 22 u. ö.
  4. Vgl. nrr. 15, 33, 34.
  5. Vgl. nr. 33.

Nachweise

  1. KdmBadenIX/6, 151 nr. 24.
  2. Trost, Schloßkirche 1962, 21, 69 nr. 33.

Zitierhinweis:
DI 57, Stadt Pforzheim, Nr. 45 (Anneliese Seeliger-Zeiss), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di057h015k0004508.