Inschriftenkatalog: Stadt Pforzheim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 57: Stadt Pforzheim (2003)

Nr. 32 Ev. Schloßkirche (Stiftskirche St. Michael) 1413?

Beschreibung

Grabplatte der Katherina Mesner, Ehefrau des Friedrich Tufel (Tyfel, Teufel). Im Westbau des Langhauses, im westlichen Nebenraum der Südseite, an der Südwand; vor 1945 dort im Boden. Hochrechteckige Platte aus rotem Sandstein mit Umschrift zwischen Linien; im Feld sind zwei gleichgroße Wappen übereinander eingetieft, die Wappenbilder sind erhaben ausgeführt. Die Kopfleiste ist verstümmelt; oben ist ein schmaler Streifen von etwa 6 cm Höhe und ca. 70 cm Breite so aus der Platte herausgesägt, daß die Ecke links oben, die ohne Schriftbefund ist, noch stehen blieb. Die Kopfzeile der Inschrift verläuft unterhalb dieser Vertiefung und beginnt wie üblich links außen. Sie ist weitgehend abgetreten und beschädigt1.

Maße: H. 230, B. 88, Bu. 7–8 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

  1. + ạnṇo [·] d(omi)ṇị [·] m · c[c]c̣c x/iii · in crastino b(ea)ti dyonisii ·a) o(biit) · katherina d(i)c(t)a / mesnerin · vxor / fridrici · d(i)c(t)i · tvfel · cvi(vs) · a(n)i(m)a · reqviescat · in pace ·

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1413 am Tag nach (dem Fest) des seligen Dionysius (10. Oktober) starb Katherina genannt Mesnerin, Ehefrau des Friedrich genannt Tufel, deren Seele in Frieden ruhen möge.

Wappen:
Tufel2, Mesner (?)3.

Kommentar

Ein Friedrich Tufel ist am 9. April 1399 als Schreiber unter den Testamentsvollstreckern des Markgrafen Bernhard I. genannt und ist noch 1408 Rat und Schreiber des Markgrafen4. Friedrich Tyfel ist 1421 als Grundbesitzer in Pforzheim nachweisbar5. Noch 1458 wurde ein Grundstück in der Nähe des Dominikanerinnenklosters als „Friedrich Tyfels Wyer Garten“ bezeichnet6. Die Bezeichnung Mesnerin für die Verstorbene ist hier mit Sicherheit keine Berufsbezeichnung, sondern ein Eigenname. Denn die Mesener oder Mesner waren eine seit der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts in Pforzheim ansässige Familie7. Offenbar führte sie dasselbe Wappen wie die Flad, die ebenfalls im 14. Jahrhundert in Pforzheim zahlreich belegbar sind8. Gegen die Verbindung des Flad-Wappens mit der Familie Mesner scheint zu sprechen, daß eine 1971 aufgefundene Grabplatte eines Bernhard Meszner († 1493) ein anderes Wappen zeigt9. Offensichtlich war gegen Ende des 15. Jahrhunderts die Führung bestimmter Wappen innerhalb der Bürgerschaft noch nicht fest verankert.

Die bei der Gestaltung der Wappen angewandte Technik erinnert an die Grabplatte des Hanmann Hunger von Ettlingen († 1442)10. Auch hier wurde der Grund des Schildes vertieft, so daß sich das Wappenbild in Relief darin abhebt. Der epigraphische Befund entspricht einer Entstehung in den ersten Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts. Die Schrift verwendet weder Versalien noch Buchstabenverbindungen und kaum Kürzungen.

Textkritischer Apparat

  1. Hier als Worttrenner drei Punkte.

Anmerkungen

  1. Lesevorschlag für die stark zerstörte Kopfzeile von Harald Drös, Heidelberg.
  2. Kopf mit Ohren und Rüssel. Vermutlich redendes Wappen für Teufel.
  3. Runde Scheibe mit erhaben gebildetem Rand, der mit kleinen Rundbogen belegt ist. Dasselbe Wappen führten die Flad; vgl. nr. 44, 60.
  4. RMB I nrr. 1863, 2503.
  5. Vgl. Carl, Regesten Pforzheim 1998, 120f. nr. 258.
  6. Vgl. Pflüger 1862, 152 Anm. 1.
  7. Ein Contz Mesener ist 1365 zusammen mit einem Hans Flad genannt; derselbe war 1381 und 1384 Mitglied des Gerichts und Rats; vgl. Carl, Regesten Pforzheim 1998, 81 nr. 156, 92 nr. 183, 96 nr. 193.
  8. Die Flad gehörten schon 1315 und 1328 zur Pforzheimer Oberschicht; vgl. Becht, Pforzheim im Mittelalter 1983, 46, 48 u. ö.; Carl, Regesten Pforzheim 1998, 45 nr. 66, 54 nrr. 87–89.
  9. Vgl. nr. 79.
  10. Vgl. nr. 55.

Nachweise

  1. Pflüger 1862, 164.
  2. KdmBadenIX/6, 155 nr. 16.
  3. Trost, Schloßkirche 1962, 69 nr. 44.

Zitierhinweis:
DI 57, Stadt Pforzheim, Nr. 32 (Anneliese Seeliger-Zeiss), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di057h015k0003201.