Inschriftenkatalog: Stadt Pforzheim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 57: Stadt Pforzheim (2003)

Nr. 28 Ev. Schloßkirche (Stiftskirche St. Michael) um 1400?

Beschreibung

Grabplatte des Markward Blus (Plus) und seiner Frau Anna geborene Wels. Im Westbau des Langhauses, im nördlichen Teil an der Westwand. Hochrechteckige Platte aus rotem Sandstein mit Umschrift zwischen Linien; im Feld übereinander zwei Wappenschilde von gleicher Größe in Ritzzeichnung, Schildbild in flachem Relief. Im unteren Drittel zerstörte Oberfläche (Buchstabenverlust) durch Kriegseinwirkung von 1945; die rechte obere Ecke war schon 1939 zerschlagen.

Ergänzung nach KdmBadenIX/6 (Photo).

Maße: H. 176, B. 73, Bu. 6,5 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien.

© Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/3]

  1. Anno d(omi)ni Mccc[c]a) / 〈– – –〉 o(biit) / Marqvardus / [plvs · vxor s]va · anna Welsin 〈. . . . . .〉

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 14(. .) starb Markward Blus, seine Frau Anna Wels (…).

Wappen:
Blus1, Wels2.

Kommentar

Die Blus gehörten ebenso wie die Wels schon Ende des 14. Jahrhunderts zur Pforzheimer Oberschicht. Das Wappenbild der Blus deutet auf eine Familie aus dem Kreis der Flößer und Schiffer3.

Die rechte Längsleiste ist freigelassen für einen später vorgesehenen Eintrag des Todestages, auch links endet die Umschrift im oberen Drittel. Daraus folgt, daß das Denkmal zu Lebzeiten der genannten Personen errichtet sein wird, die Todesdaten aber nicht nachgetragen worden sind. Die Entstehungszeit ist nicht klar ersichtlich, da die Jahreszahl rechts außen zerstört ist. Jedenfalls paßt eine Entstehung um 1400 gut zum Befund. Die breit proportionierte Minuskelschrift ohne Ober- und Unterlängen und der sparsame Gebrauch von Versalien und Kürzungen sowie der Verzicht auf Ligaturen entsprechen dem Schriftstil der Pforzheimer Werkstatt im ersten Drittel des 15. Jahrhunderts. Der „stachlige“ Charakter des Schriftbildes wird unterstrichen durch ausgeprägte Brechung der Hasten und durch zahnartige Verzierungen, hier am Schaft des langen s in Welsin.

Textkritischer Apparat

  1. Pflüger und nach ihm Trost geben an: 1400. Vielleicht war noch Mcccc zu erkennen.

Anmerkungen

  1. Boot mit zwei Rudern.
  2. Bekrönter Buchstabe W.
  3. Aberlin Wels, Bürger zu Pforzheim, ist am 24. Juli 1376 Inhaber einer Hofreite in der Brötzinger Gasse; Carl, Regesten Pforzheim 1998, 90 nr. 176.

Nachweise

  1. Pflüger 1862, 86.
  2. KdmBadenIX/6, 144 nr. 3, Abb. 123.
  3. Trost, Schloßkirche 1962, 19 nr. 49, 70.

Zitierhinweis:
DI 57, Stadt Pforzheim, Nr. 28 (Anneliese Seeliger-Zeiss), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di057h015k0002807.