Inschriftenkatalog: Stadt Osnabrück

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 26: Stadt Osnabrück (1988)

Nr. 285† Dom 1633

Beschreibung

Grabstein des Dechanten Theodor Morrien.

Inschrift nach Sammlung A.

  1. ViatoriSiste viator iter cinerique precare salutem,Hic Morjanaei stemmatis umbra iacet,Lux cleri radiosa sui fuit ille manetque,Sic etiam radios funeris umbra jacit.

    Annus Mensis Dies Obitus1)Terras DeserUI, notos, bona, CorpUs, honores,Nostra at VIrtUtIs faMa sUperstes oVat.Me pietas ac sancta fides super aethera vexitSumque polo natus cum pia Virgo solo est.

Übersetzung:

Dem Wanderer. Unterbrich deine Reise, Wanderer, und erbitte für die Asche Heil. Hier liegt ein Schatten der Familie Morrien, er war und bleibt ein strahlendes Licht seines Klerus, so schickt auch der Schatten seines Grabes Strahlen aus.

Jahr, Monat, Tag des Todes. Die Erde habe ich verlassen, die Bekannten, die Güter, den Körper, die Ehren, aber der Ruhm unserer Tugend triumphiert über den Tod hinaus. Mich trug die Frömmigkeit und der heilige Glaube in den Himmel hinauf, und ich bin am gleichen Tag dem Himmel geboren, an dem die gütige Jungfrau der Erde geboren wurde.

Versmaß: Distichen. Das dritte Distichon ist als Chronostichon verfaßt und enthält die Jahreszahl 1633.

Kommentar

Theodor Morrien erhielt im April 1582 eine Präbende am Dom2), seine Emanzipation erfolgte 15903). Als 1617 ein neuer Propst gewählt wurde, unterlag Morrien, der lediglich eine Stimme weniger erhielt als Sixtus von Liaukema4), er wurde aber wenige Monate später als Nachfolger des verstorbenen Benedikt Korff (vgl. Nr. 253) einstimmig zum Dechanten gewählt5). Das genaue Todesdatum Morriens läßt sich anhand der Kapitelsprotokolle nicht ermitteln, die vom September 1633 bis Februar 1634 aussetzen. Es geht lediglich aus der Inschrift hervor. Der Verfasser der Sammlung A hielt das V in Virgo für ebenfalls dem Chronogramm zugehörig und kam so auf das Todesdatum 1638. Dies läßt sich jedoch nicht mit den Kapitelsprotokollen in Einklang bringen, die im Juli 1634 Johann Melschede als Dechanten nennen6). Theodor Morrien dürfte also am 8. September (Nativitas Mariae) 1633 gestorben sein.

Anmerkungen

  1. Da das folgende Chronostichon nur die Jahreszahl enthält, ist unklar, ob die Sammlung A hier die Angabe von Jahr, Monat und Tag ausgelassen hat oder ob sich die Zeile als Überschrift auch auf die Datumsangabe (8. September) des letzten Pentameters bezieht.
  2. StAO Rep. 560 III, Nr. 3, fol. 74v.
  3. Ebd., Nr. 4, fol. 19v.
  4. Ebd., Nr. 7, fol. 419r/v.
  5. Ebd., fol. 419v.
  6. Ebd., Nr. 11, fol. 319v.

Nachweise

  1. Sammlung A, fol. 7v.

Zitierhinweis:
DI 26, Stadt Osnabrück, Nr. 285† (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di026g003k0028509.