Inschriftenkatalog: Stadt Osnabrück

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 26: Stadt Osnabrück (1988)

Nr. 206† St. Marienkirche 1610/1638

Beschreibung

Grabstein des Bürgermeisters Gerhard Slaph und seiner Ehefrau Susanna Gehrenberg. Da die Sammlung A nur die Inschrift (B) als Inschrift des Grabsteins wiedergibt, läßt sich nicht sicher feststellen, ob die Inschriften (A) und (B) in den Zusammenhang eines Monuments gehört haben, oder ob die Sammlung B die Inschriften zweier Grabdenkmäler zusammen wiedergibt. Auch über den Zeitpunkt der Errichtung läßt sich keine Aussage treffen, da ungewiß ist, ob der Grabstein nach dem Tod des Ehemanns oder nach dem Tod der Ehefrau angefertigt wurde.

Inschrift nach Sammlung B.

  1. A

    Anno 1610. den 26. Martii ist in Gott entschlafen der ernvest [.....] und wolweiser Herr Gerhardt Slaph Iuris et Philosophiae Licentiatus Bürgermeister, Land- und Kirchrath alhier. Darnach Anno 1638. 30. Ian(uarii) die ehr und tugendreiche Susanna Gerenberges seine liebe Ehehaußfrau gottselig gefolget.

  2. B

    Christe Deus crucifixea), mei miserere, remitteQuae tibi confiteor crimina cuncta mihi.Peccavi, fateor, peccavi, proh dolor, iramPromerui, poenam, deprecor, esto mihiPropitius peccatori, pie Christe remitteCulpam et me totum vulnere claude tuo.Cede tamen, me cede, sed hem ne occide [....]Iram et virgam inter gratia Christe tua.Est mihi dulce tuum nomen dulcissime Iesu.Nempe tuo hoc vivo nomine et immorior.Esto igitur meus Immanuel dulcissime ChristeEt meus o Iesu sis quoque Iesus. Amen.

Übersetzung:

Christus, gekreuzigter Gott, erbarme dich meiner, vergib mir alle Sünden, die ich dir gestehe, ich habe gesündigt, ich gestehe, ich habe gesündigt, oh Schmerz, ich habe deinen Zorn und die Strafe verdient, ich bitte dich, sei mir Sünder gnädig, gütiger Christus, vergib die Schuld und schließ mich ganz in deine Wunden ein. Schlage mich, schlage mich trotzdem, doch töte mich nicht, zwischen Zorn und Rute (wirke) deine Gnade, Christus. Dein Name ist mir süß, süßester Jesus. Wahrlich, ich lebe und sterbe in deinem Namen. Sei also mein Immanuel, süßester Christus, und du sei auch mein Jesus (Retter), oh Jesu, Amen. (B)

Versmaß: Distichen (B).

Kommentar

Die gesteigerte Frömmigkeit, die aus der Inschrift (B) spricht, ist für die Osnabrücker Grabinschriften außerordentlich ungewöhnlich. Da dieser Text innerhalb der Osnabrücker Inschriften ein Einzelfall bleibt, ist wohl der Schluß erlaubt, daß es sich bei Gerhard und Susanna Slaph um besonders strenggläubige Protestanten handelte. Belegen läßt sich dies indessen nicht. Gerhard Slaph stammte wie seine Ehefrau aus einer Osnabrücker Ratsfamilie. Im Mai 1569 immatrikulierte er sich an der Universität Rostock1), wo er im September 1574 den Titel eines Magister Artium erwarb2). Seit 1593 erscheint er als zweiter Bürgermeister aus der Markt- und Haseleischaft auf der Ratsherrenliste3). Er übte dieses Amt zunächst bis 1596 aus, später noch einmal von 1600 bis 1606. 1608 wurde er zum ersten Bürgermeister gewählt und blieb in dieser Funktion bis zu seinem Tod 16104).

Textkritischer Apparat

  1. crucifixe] crucifixo Sammlung B.

Anmerkungen

  1. Matrikel Rostock, Bd. 2, S. 167b.
  2. Ebd., S. 183b.
  3. Spechter, Ratsherrenliste, S. 142f.
  4. Ebd.

Nachweise

  1. Sammlung B, S. 156, Nr. 9.
  2. Sammlung A, fol. 6v/7r (nur B).

Zitierhinweis:
DI 26, Stadt Osnabrück, Nr. 206† (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di026g003k0020608.