Inschriftenkatalog: Stadt Osnabrück

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 26: Stadt Osnabrück (1988)

Nr. 170† Dom 1597

Beschreibung

Epitaph des Dechanten Herbord Bar d. J. (dessen Grabplatte Nr. 171). 1840 noch vorhanden, wurde es offenbar bei der Restaurierung des Doms um die Mitte des 19. Jahrhunderts entfernt1). Laut Gelenius2) waren an dem Epitaph vier Wappen und eine Darstellung der Auferstehung Christi angebracht. Zur Überlieferungssituation vgl. Nr. 108.

Inschrift nach Gelenius.

  1. A

    Obyt venerab(ilis) ac nobilis D(omi)nus Herbordus de Baer Osnabr(ugensis) Decanus ac Monasterien(sis) Canon(icus) A(nn)o 1597 7. Sept(embris) aetat(is) 65

  2. B

    Non dubito clausis quin surgent nostra sepulchriscorpora surrexit ceu, tua Christe caroCum nova terribili resonabit buccina cantu,ut veniant omnes Judicis ante pedes,Justus homo tunc stabit ovans sub Judice, contraImpius aeterna morte peribit homo.Ergo cum fueris Judex reprobisque probisque,me sistas dextris te rogo Christe tuis.

Übersetzung:

Der ehrwürdige und edle Herr Herbord Bar, Dechant zu Osnabrück und Kanoniker zu Münster, starb am 7. September 1597 im Alter von 65 Jahren. (A)

Ich zweifle nicht, daß unsere Körper aus den verschlossenen Gräbern wiederauferstehen werden, wie dein Fleisch, Christus, auferstanden ist; wenn die Posaune des Jüngsten Gerichts mit schrecklichem Klang erschallen wird, damit alle zu den Füßen des Richters erscheinen, dann wird der gerechte Mensch, frohlockend unter dem Richter stehen, hingegen wird der gottlose Mensch im ewigen Tod untergehen. Also, da du Richter sein wirst über die Schlechten und Guten, bitte ich dich, Christus, stelle mich zu denen auf deiner Rechten. (B)

Versmaß: Distichen (B).

Wappen (mit Beischriften?):
BarLutten
KnehemElmendorp

Kommentar

Herbord Bar d. J. wurde 1533 als Sohn des Brand Bar und der Adelheid von Lutten geboren3). Er war der Neffe Herbord Bars d. Ä. (vgl. Nr. 108) und wurde wie dieser Mitglied des Osnabrücker Domkapitels. Die 1573 einsetzenden Kapitelsprotokolle verzeichnen ihn als Domherren4). Seit 1560 war er Mitglied des Müsterschen Domkapitels5). 1582 wurde er zum Osnabrücker Domdechanten gewählt in der Nachfolge des kurz nach seiner Wahl zum Bischof verstorbenen ehemaligen Domdechanten Schenking (vgl. Nr. 151)6).

Anmerkungen

  1. Der Verfasser der Stammtafeln erwähnt ein zu seiner Zeit noch erhaltenes Grabdenkmal für Herbord Bar d. J. Da er den Grabstein Herbord Bars d. J. irrtümlich Herbord Bar d. Ä. zuschreibt (vgl. Nr. 171, Anm. 1) kann es sich nur um ein Epitaph handeln. Stammtafeln Bar, S. 40.
  2. Gelenius, S. 56.
  3. Stammtafeln Bar II.
  4. StAO Rep. 560 III, Nr. 2, fol. 2v.
  5. Kohl, S. 616.
  6. StAO Rep. 560, Nr. 4, fol. 7r.

Nachweise

  1. Gelenius, S. 56.
  2. Sammlung A, fol. 9v (nur B).
  3. StAO Rep. 2, Nr. 196 (nur B).

Zitierhinweis:
DI 26, Stadt Osnabrück, Nr. 170† (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di026g003k0017003.