Inschriftenkatalog: Stadt Osnabrück

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 26: Stadt Osnabrück (1988)

Nr. 137 St. Johanniskirche nach 1580

Beschreibung

Epitaph der Brüder Johann und Engelbert Monnick (die Grabschrift des Johann Monnick vgl. Nr. 114). Sandstein. Der Form nach ein Epitaph, dem Inhalt nach eine Stiftungsinschrift, befand es sich noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts an dem Armenhaus Kommenderiestr. 4–5, das eine Stiftung der Brüder Monnick war und im 2. Weltkrieg zerstört wurde. Heute ist das Epitaph an der nördlichen Kreuzgangswand innen angebracht. Das Relief im Mittelfeld zeigt eine Kreuzigungsszene vor der Stadt Jerusalem im Hintergrund, im Vordergrund kniet eine Stifterfigur. Eingerahmt wird das Relief von ornamental gegliederten Pilastern, die das Gesims tragen. Unter dem Relief eine rechteckige Inschrifttafel, darüber eine Kartusche mit einem Medaillon, darin zwei Wappenschilde. Die Buchstaben der Schrifttafel sind besonders an den Rändern durch Verwitterung stark zerstört, die Inschrift kann jedoch mit Hilfe der Überlieferung bei Siebern/Fink ergänzt werden.

Maße: H.: 197 cm; B.: 105 cm; Bu.: 1,7 cm.

Schriftart(en): Humanistische Minuskel.

  1. D(eo) O(ptimo) M(aximo) S(acrum) A(nno) M. D. LXXVII / Cum Ven(erabilis) et Nobilis Vir D(ominus) Engelbertus Monnick / celebris collegii ad D(omum) Io(hannin)em in hac vrbe senior et Thes[aur(arius)] / Bis Mille ac · CC · Thaleros Pauperibus Testamento pie L[egas/set] consilio Executorum ipsius Hae IX Contiguae Dom[us] / [In usus] Pauperum inde emptae ac primitus Dotatae [sunt.] / [Accessit iis] p[ost]ea aliquid e Legato Ven(erabilis) et Nob(ilis) Viri / [D(omini)] Ioa(n)n(is) Monnichs Engelberti Fratris in eodem Coll(egio) / [Sch]olast(ici) ac Praepositi in Levern, quorum Memo/[riam] par est vt Grate conservet posteritas.

Übersetzung:

Dem allerhöchsten Gott geweiht. Nachdem im Jahr 1577 der verehrungswürdige und edle Mann, Herr Engelbert Monnick, Senior und Thesaurar des ehrwürdigen Kollegiums der Kirche St. Johann in dieser Stadt, 2200 Taler den Armen durch Testament gottesfürchtig hinterlassen hat, sind auf Beschluß seiner Testamentsvollstrecker diese neun benachbarten Häuser zum Nutzen der Armen gekauft und erstmalig ausgestattet worden. Dazu kam später etwas aus dem Vermächtnis des verehrungswürdigen und edlen Mannes Herrn Johann Monnick, der Bruder Engelberts, an demselben Kolleg Scholaster und Propst in Levern. Es schickt sich, daß die Nachwelt ihr Andenken dankbar bewahrt.

Wappen:
Monnick (pfahlweise gestellte, geschlossene Schafschere, Helmzier: zwei nach außen geneigte Schafscheren)1)
Westrup (ausgerissener Eichbaum, Helmzier: gespickelter Schild)2)

Kommentar

Die Brüder Johann und Engelbert Monnick werden erstmals 1533 in einer Urkunde des Johannisstifts genannt, Johann in der Funktion des Scholasters3). 1563 starb Johann Monnick, sein Bruder wird seit diesem Jahr als Thesaurar von St. Johann bezeichnet4). Während über dessen Stellung zur Reformation keine Nachrichten vorliegen, weist Hamelmann Johann Monnick als entschiedenen Gegner der Reformation aus5). Als Propst des ehemaligen Zisterzienserinnenklosters Levern, das eine Umwandlung zum freiweltlichen Damenstift erfahren hatte6), war er jedoch nach dem Augsburger Interim dazu angehalten, die freie Religionsausübung zumindest zu tolerieren. Das Todesdatum Engelbert Monnicks ist an keiner Stelle explizit genannt, die in der Inschrift enthaltene Jahreszahl 1577 und die überlieferte Gründungsurkunde der Monnickschen Armenstiftung von 15807) können jedoch Aufschluß darüber geben. Da erst die Urkunde von 1580, die beide Brüder als verstorben erwähnt, alle wesentlichen Voraussetzungen für die Stiftung schafft, kann sich das in der Inschrift des Epitaphs genannte Datum 1577 lediglich auf den Tod des Engelbert Monnick beziehen8). Dies bedeutet gleichzeitig, daß die an die Stiftung erinnernde Gedenktafel in Form eines Epitaphs nicht vor 1580 errichtet wurde. Den weitaus größten Anteil an der Stiftung trug Engelbert Monnick, wie nicht nur aus der Gründungsurkunde, sondern auch aus der Gestaltung des Epitaphs ersichtlich ist. Die Urkunde bestimmt, daß in neun Häusern der Kommenderiestraße Wohnungen für Arme eingerichtet werden sollten, sowohl für Geistliche als auch für Bürger, für Frauen und Männer. Verantwortlich für die Verwaltung der Stiftung waren Bürgermeister und Rat der Neustadt sowie das Kapitel von St. Johann. Die Monnickschen Armenhäuser bestanden bis zum 2. Weltkrieg in ihrer alten Funktion.

Anmerkungen

  1. Nach Spießen, Bd. 1, S. 90.
  2. Nach Spießen, Bd. 1, S. 131. Die Helmzier entspricht jedoch nicht den Angaben bei Spießen.
  3. Gedr. bei Berlage, St. Johann, S. 331.
  4. StAO Rep. 5, Nr. 1316.
  5. Hamelmann, S. 1137.
  6. Olpp, S. 8.
  7. StAO Rep. 3, Nr. 1698.
  8. Flaskamp, S. 74, Nr. 79, kennt das Todesdatum Johann Monnicks nicht und will den Tod beider Brüder in die Zeit zwischen 1577 und 1580 legen.

Nachweise

  1. Siebern/Fink, S. 213.
  2. Flaskamp, S. 74, Nr. 79.

Zitierhinweis:
DI 26, Stadt Osnabrück, Nr. 137 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di026g003k0013708.