Inschriftenkatalog: Stadt Osnabrück

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 26: Stadt Osnabrück (1988)

Nr. 118† Vitihof (1566)

Beschreibung

Gedenktafel. Über die Gestaltung und den Verbleib ist nichts bekannt. Stüve gibt in seiner 1875 aus dem Nachlaß herausgegebenen „Geschichte der Bruderschaften“ die Inschrift wieder1), vermerkt jedoch nicht, ob die Tafel zu seiner Zeit noch vorhanden war oder ob hier bereits eine kopiale Überlieferung zugrundeliegt. Zum Zeitpunkt der Aufzeichnung war die Tafel offensichtlich stellenweise verwittert, die zerstörten Stellen sind bei Stüve ergänzt, jedoch nicht deutlich gekennzeichnet. So weisen lediglich Fragezeichen im Text auf unsichere Lesungen hin. Eine Rekonstruktion des originalen Textes ist nicht möglich, die Inschrift bleibt daher fehlerhaft und teilweise unverständlich.

Inschrift nach Stüve.

  1. A

    Im Namen Viti vorhen gewisDit ein Gades hus gewesen is.Nu averst uth milder truwer hantVorkeret unde den armen togewantTo erer notruft unde behoff.Des hebbe Got ewich danck und loff.

  2. B

    Ante ruinosum reparatur rite sacellumViti in quo deceat (?) propria verba manens (?)Illi (?) igitur sumet corpus cum sanguine ChristiTota cohors populi quem tenet ista domusNe pereat (?) frustra bona collator honestusSed maneat rebus usus ubique suus.

Übersetzung:

Die Vitikapelle, die vorher baufällig war, wird in gehöriger Weise wiederhergestellt, ... . Hier also wird die ganze Schar des Volkes, die dieses Haus beherbergt, den Leib und das Blut Christi empfangen, damit nicht ... , sondern den Gütern allerseits ihr Nutzen erhalten bleiben möge. (B)

Versmaß: Distichen (B).

Kommentar

Der Vitihof geht auf die Gründung eines Hospitals im Jahr 1177 zurück, zu dem auch eine Kapelle gehörte2). Die Gründung erfolgte wahrscheinlich auf Betreiben der Corveyer St. Viti-Bruderschaft, die das Patronatsrecht über die Osnabrücker Kapelle besaß. Um die Mitte des 16. Jahrhunderts war, wie die Inschrift erzählt, die Kapelle dermaßen verfallen, daß eine Neuorganisation nötig wurde. 1566 trat eine Bruderschaft aus Katholiken und Protestanten zusammen und legte eine neue Satzung fest, nach der die alte Kapelle in ein Armenhaus umgewandelt wurde, das bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts, zuletzt in städtischer Verwaltung, bestand. Die Tafel wird man 1566 zur Erinnerung an die Neukonstituierung der Bruderschaft angebracht haben. – Statt pereat ist vermutlich perdat zu lesen; der Text deutet darauf hin, daß die Stiftung einmal dem Seelenheil des collator honestus, zum anderen dem Nutzen der Armen dienlich sein sollte.

Anmerkungen

  1. Stüve, Bruderschaften, S. 3.
  2. Zum folgenden Siebern/Fink, S. 177.

Nachweise

  1. Stüve, Bruderschaften, S. 3.
  2. Siebern/Fink, S. 177 (nach Stüve).

Zitierhinweis:
DI 26, Stadt Osnabrück, Nr. 118† (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di026g003k0011803.