Inschriftenkatalog: Stadt Osnabrück

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 26: Stadt Osnabrück (1988)

Nr. 19† Dom 1366

Beschreibung

Grabschrift des Bischofs Johann II. Hoet. Es finden sich keine Angaben darüber, wo der Bischof im Dom beigesetzt wurde. Nach einer stark vereinfachten Skizze bei Gelenius1) handelt es sich wahrscheinlich um eine rechteckige Grabplatte, in deren oberen Ecken sich zwei Wappen befanden. Über den Verbleib der Grabplatte ist nichts bekannt.

Inschrift nach Ertmann.

  1. Hac sunt in fossaa) Johannis presulis ossaOsnaburgensis, miserens cui cuncta potensb) sis.Hic nece prostratus vir prudens morigeratus.Anno domini M°CCC LXVIc) in octava beatiLaurencii martirisd)2).

Übersetzung:

In diesem Grab liegen die Gebeine Bischof Johanns von Osnabrück, welchem du, Allmächtiger, gnädig sein mögest. Der hier vom Tod getroffen (ruht), war ein kluger und demütiger Mann. Im Jahr 1366 am Oktavtag des heiligen Märtyrers Laurentius (ist er gestorben).

Versmaß: Drei zweisilbig gereimte leoninische Hexameter.

Wappen:
Osnabrück (Rad)
Hoet (drei Hüte, 2:1)3)

Kommentar

Gelenius hält das Hoetsche Wappen für das Wappen der Familie Wendt, eine naheliegende Verwechslung, da diese ebenfalls drei Hüte im Wappen führte und neben Johann Hoet auch der Domherr Lubbert Wendt zur Wahl zum Osnabrücker Bischof stand. Dieser lehnte die Wahl jedoch ab4). So wurde Johann II. Hoet 1350 zum Bischof von Osnabrück gewählt. Aus einem Lüneburger Patriziergeschlecht stammend, galt er als Gelehrter, der den politischen Anforderungen seines Amtes nicht gewachsen war5). In einer aufgrund von Fehden und Pest ohnehin unruhigen Zeit machte er sich durch ungeschicktes Taktieren Stadt und Domkapitel zu Feinden, so daß er 1360 gezwungen war, die weltlichen Regierungsgeschäfte auf Dietrich von der Mark zu übertragen.

Textkritischer Apparat

  1. fossa] tumba Gelenius.
  2. cuncta potens] cunctipotens Gelenius.
  3. LXVI] LXVI mortuus Gelenius.
  4. martiris] fehlt bei Gelenius. Die Chronik 1 gibt die letzte Zeile in Übersetzung wieder, wohl in der Annahme, sie gehöre zum Ertmannschen Text.

Anmerkungen

  1. Gelenius, S. 45.
  2. 17. August.
  3. Nach Johann Heinrich Büttner, Genealogiae oder Stamm- und Geschlecht-Register der vornehmsten Lüneburgischen Adelichen Patricien-Geschlechter, ..., Lüneburg 1704, Genealogie Hout.
  4. Stüve, Hochstift, Bd. 1, S. 210.
  5. Zur Regierungszeit Johanns II. vgl. Stüve, Hochstift, Bd. 1, S. 210–233.

Nachweise

  1. Ertmann, S. 104.
  2. Chronik 1, S. 99.
  3. Gelenius, S. 45.
  4. Chronik 4, S. 54.

Zitierhinweis:
DI 26, Stadt Osnabrück, Nr. 19† (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di026g003k0001902.