Inschriftenkatalog: Stadt Osnabrück

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 26: Stadt Osnabrück (1988)

Nr. 3 Diözesanmuseum 11. Jh./Ende 13. Jh./14. Jh.

Beschreibung

Kapitelkreuz. Holzkern, Gold und vergoldetes Silberblech. Der Vertikalbalken des Kreuzes ist nur geringfügig länger als der Horizontalbalken, die Balken enden in Rechtecken. In der Kreuzmitte ein Quadrat. Die Vorderseite des Kapitelkreuzes, die aus dem 11. Jahrhundert stammt1), ist mit zahlreichen Edelsteinen, Gemmen, Kameen und Perlen geschmückt. Am oberen Balkenende ist ein kleines goldenes Kruzifix befestigt. Es stammt vermutlich ebenfalls aus dem 11. Jahrhundert und steht dem Kölner Gerokreuz des späten 10. Jahrhunderts nahe2), das als Vorbild für zahlreiche Kruzifixe der Folgezeit diente3). Der Corpus Christi ist gegossen, er ist leicht geschwungen, die Knie nach rechts angewinkelt, die Füße stehen auf dem Suppedaneum. Der Kopf ist von einem großen Nimbus umgeben. Auf dem Kreuzbalken in ungewöhnlicher Verteilung eingegrabene Buchstaben in Niellotechnik, die den Titulus ergeben (A). Das Kreuz ist hohl und enthält eine in Seide eingewickelte Kreuzreliquie4). Auf der spätgotischen Rückseite sind Rankenornamente eingraviert. In den rechteckigen Balkenenden Medaillons mit den Darstellungen dreier Engel und eines Bischofs. Im Quadrat der Kreuzmitte ein emailliertes Medaillon mit einem – byzantinisch beeinflußten – Agnus Dei aus dem 11. Jahrhundert (B). Dem Quadrat der Vorderseite sind an kurzen Ketten zwei Votivringe aufgeheftet, die beide eindeutig später zu datieren sind als das Kreuz und wohl aus dem 13. Jahrhundert stammen. Der linke der beiden Ringe trägt in den Hohlräumen zwischen der Fassung des Steins und dem Relief zwei kleine, filigrane Initialen (C).

Maße: H.: 68 cm; B.: 60 cm; T.: 6 cm. Kleines Kreuz: H.: 5 cm; B.: 4 cm.Bu.: 0,3 cm (A); 0,6 cm (B); 0,15 cm (C).

Schriftart(en): Kapitalis (A), gotische Majuskel (C).

Sabine Wehking [1/1]

  1. A

    IHSa) / NAZA/REN(VS) / REX IV/D/E/O/R(VM) / Aωb)5)

  2. B

    A ω

  3. C

    L E

Kommentar

Die Initialen auf dem Votivring sind vielleicht als Ludovicus Episcopus aufzulösen. Das unziale E, das völlig abgeschlossen ist, gibt einen Anhaltspunkt für die Datierung des Rings. Bischof Ludwig von Ravensberg leitete von 1297 bis 1308 die Osnabrücker Diözese. Er wurde in der Schlacht auf dem Halerfeld tödlich verwundet und starb einige Tage später (vgl. seine Grabinschrift Nr. 15). Es wäre möglich, daß der schwerverwundete Bischof im November 1308 den Ring als Votivgabe an dem Kapitelkreuz befestigen ließ, das nach der Tradition den Sterbenden gebracht wurde6).

Textkritischer Apparat

  1. IESVS. IHS] IES. Schriever.
  2. IVDEOR(VM)] IVD. Berlage, Mithoff. Zu lesen als IESVS NAZARENVS REX IVDEORVM sowie am Querbalken zur Mitte hin .

Anmerkungen

  1. Zur Datierung vgl.: Witte, Domschatz, S. 19; Borchers, Domschatz, S. 36 u. 40f.
  2. Borchers, Domschatz, S. 38.
  3. Dehio, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler 5/1 (Rheinland), Berlin/München 1967, S. 315.
  4. Borchers, Domschatz, S. 37.
  5. Io. 19,19.
  6. Rothert, Geschichte, Bd. 1, S. 178.

Nachweise

  1. Berlage, Kirchliche Alterthümer, S. 327 (nur A und C).
  2. Mithoff, S. 113.
  3. Siebern/Fink, S. 63, Abb. Fig. 68 (nur A und C).
  4. Lübke, S. 413 (nur A).
  5. Schriever, S. 75 (nur A), Abb. S. 74.
  6. Witte, Domschatz, S. 18f., Abb. Taf. 3.
  7. Borchers, Domschatz, S. 38f., Abb. 9, 12, 19.

Zitierhinweis:
DI 26, Stadt Osnabrück, Nr. 3 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di026g003k0000307.