Inschriftenkatalog: Stadt Minden

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 46: Stadt Minden (1997)

Nr. 168 Dom 1628

Beschreibung

Epitaph des Herbord von Langen. Sandstein. Das mehrteilige Epitaph, das im Zweiten Weltkrieg beschädigt wurde, hängt an der Westwand des nördlichen Querschiffs. Das Relief im Mittelteil stellt die Geißelung Christi dar. Seitlich davon zwei frei auf einem Gesims stehende Säulen, die das obere Gesims tragen. Hinter den Säulen links und rechts heute je eine leere Nische; ganz außen steht links die Figur Johannes des Täufers mit dem Lamm, rechts die Figur Davids mit der Leier. Am Gesims über und unter dem Mittelteil seitlich je ein Wappenschild. In der Zone darüber ein Relief der Dornenkrönung; links davon zwei männliche Figuren, rechts nur noch eine Figur, die Figur links außen mit Buch, den beiden anderen fehlt ein Attribut, da sie beschädigt sind. Vor dem Gesims dieser Zone zwei Wappenschilde, in der Bekrönung darüber ein weiterer Wappenschild. Darüber steht eine Salvatorfigur, links davon die Figur des Moses mit den Gesetzestafeln, rechts die Figur eines bärtigen Mannes mit einer großen Kette, vermutlich Petrus. Im unteren Teil des Epitaphs eine querrechteckige Tafel mit der Inschrift A. Den unteren Abschluß bildet eine von zwei geflügelten Figuren eingerahmte Kartusche mit der Inschrift B, darüber ein Engelskopf, darunter ein Totenkopf. Die Inschriften sind erhaben gehauen und farbig gefaßt. Die u sind durch Häkchen bezeichnet. Von den ursprünglich am Epitaph befindlichen neun Wappenschilden sind heute nur noch sieben vorhanden, die nicht alle in der ursprünglichen Reihenfolge angeordnet sind.1)

Maße: H.: ca. 500 cm; B.: 366 cm; Bu.: 3,2 cm.

Schriftart(en): Humanistische Minuskel mit Kapitalisversalien.

Sabine Wehking [1/1]

  1. A

    Quicquid ex me mihi deest, usurpo mihi ex viscerib(us) / D(OMI)NI mei quonia(m) misericordiae Affluu(n)t, nec desu(n)t foramina per / quae Afflua(n)t, per foramina corporis pate(n)t mihi Arcana cordis patet / magnu(m) pietatis sacrame(n)tu(m) pate(n)t viscera misericordiae Dei nostri in / quib(us) visitavit nos oriens ex alto. S · Augusti(nus) cap · 21 Manual.2)

  2. B

    R(e)uere(n)do admodu(m) et Praenobili D(omi)no, D(omi)no / Herbordo A Langen, hui(us) Basilice Decano, et ad di=/va(m) Vi(r)gine(m) Praeposito, viro eximio optimeq(ue) merito, ex hac / aerumnosa vita A(nn)o 1628 die ii Me(n)sis (Octo)bris in caeleste(m) Patriam / pie emigrato; Cuius anima aeterna fruitur beatitudine / et hic Resurrectionem expectat; Amici maes=/tissimi hoc monumentum posuerunt.

Übersetzung:

Was auch immer mir aus mir selbst fehlt, nehme ich mir aus dem Herzblut meines Herrn, da ja seine Barmherzigkeiten reichlich fließen und die Öffnungen nicht fehlen, durch die sie fließen können. Durch die Öffnungen des Körpers erschließen sich mir die Geheimnisse des Herzens, erschließt sich das große Geheimnis der Frömmigkeit, erschließt sich das Innerste der Barmherzigkeit unseres Gottes, in dem er uns besucht hat und von der Höhe herab erschien. (A)

Dem hochehrwürdigen und überaus edlen Herrn, Herrn Herbord von Langen, Dechant dieses Domes und Propst an St. Marien, einem ausgezeichneten und hochverdienten Mann, der aus diesem mühseligen Leben im Jahr 1628 am 2. Tag des Monats Oktober fromm in das himmlische Vaterland übergegangen ist. Seine Seele genießt die ewige Glückseligkeit und wartet hier auf die Auferstehung. Die tiefbetrübten Freunde haben dieses Denkmal gesetzt. (B)

Wappen:
Langen3)
Langen3)Kappel4)
Schele5)Knehem6)
Harmen7)?8)

Kommentar

Die Inschriften des Epitaphs sind in derselben humanistischen Minuskel ausgeführt, wie sie auch auf dem Epitaph Nagel aus dem Jahr 1622 im Dom (Nr. 161) zu finden ist (vgl. dazu ausführlicher die Einleitung, S. XXVI). Dies und die gleichartige Einfassung der Kartuschen auf beiden Stücken durch ein charakteristisches Volutenelement deutet auf die Herkunft beider Epitaphien aus derselben Werkstatt.

Herbord von Langen war der Sohn des Lambert von Langen und der Judith von Schele.9) Er ist seit dem Jahr 1601 als Mitglied des Mindener Domkapitels nachzuweisen.10) In den Jahren 1617 bis 1628 amtierte er als Dechant.11) In den Jahren 1601 bis 1612 fungierte er auch als Rector an St. Marien.12)

Anmerkungen

  1. Nach von der Horst, Denkmäler, S. 60, befanden sich an dem Epitaph früher auf der linken Seite die Wappen Langen, Kappel, Harke, Harmen, auf der rechten Seite die Wappen Schele, Welfeldt, Knehem, Rutenberg.
  2. Augustin, Manuale, Kap. 21. Vgl. Migne, Patrologia Latina, Bd. 40, Sp. 960.
  3. Wappen Langen (schräge Reihe von anstoßenden Würfeln). Vgl. Spießen, Wappenbuch, Bd. 1, S. 79; Bd. 2, Tafel 190. Die Anordnung der Wappen nach von der Horst, Denkmäler, S. 60.
  4. Wappen Kappel (zwei ins Andreaskreuz gestellte Streitkolben). Heute neben dem Wappen Langen angeordnet. Vgl. Spießen, Wappenbuch, Bd. 1, S. 27 u. Tafel 69.
  5. Wappen Schele (geviert, 1 u. 4 Fallgatter, 2 u. 3 drei Wolfsangeln 2:1). Vgl. ebd., Bd. 1, S. 111; Bd. 2, Tafel 276.
  6. Wappen Knehem (fünfmal gespalten, einmal quergeteilt, abwechselnd gegengestreift). Vgl. ebd., Bd. 1, S. 32; Bd. 2, Tafel 81.
  7. Wappen Harmen (drei schrägspringende Wiesel 2:1). Vgl. ebd., Bd. 1, S. 65; Bd. 2, Tafel 157.
  8. Wappen ? (Schild mit Seeblättern? besät).
  9. Culemann, Dompröpste, S. 100.
  10. StA Münster, Minden, St. Marien, Urkunden, Nr. 204.
  11. Hengst, Klosterbuch, S. 604.
  12. StA Münster, Findbuch A 214, Namensregister (Minden, St. Marien).

Nachweise

  1. Von der Horst, Denkmäler, S. 60 (B).

Zitierhinweis:
DI 46, Stadt Minden, Nr. 168 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di046d003k0016806.