Inschriftenkatalog: Stadt Minden

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 46: Stadt Minden (1997)

Nr. 48† Dom 1436

Beschreibung

Grabplatte(?) des Bischofs Wulbrand von Hallermund. Der Bischof war vor dem Hochaltar beigesetzt. Piel erwähnt einen behauenen Stein, unter dem der Bischof begraben war.1) Ob es sich dabei um den Stein handelt, auf dem die Inschrift ausgeführt war, läßt sich nicht klären. Ertmann spricht von einem epitaphium für den Bischof im Mindener Dom (vgl. Kommentar).

Inschrift nach Hermann von Lerbeck (Fortsetzung).

  1. M. C. quater ter X simul aa) Christo datur et sexPraesul Wulbrandus de Hallermont venerandusEst hic portatus dum Stephanus est lapidatus2)Ut leo qui fremit pugnans tria castra redemitVincens armatus multos hic est tumulatusO Deus in coelis nunc gaudeat iste fidelis

Übersetzung:

1436 (Jahre) seit Christus waren vergangen, da wurde der ehrwürdige Bischof Wulbrand von Hallermund hierher gebracht, an dem Tag, an dem Stephanus gesteinigt wurde. Wie ein Löwe, der brüllt, erwarb er kämpfend drei Burgen wieder. Der als Bewaffneter viele besiegt hat, liegt hier begraben. Oh Gott, dieser Gläubige möge sich nun im Himmel freuen.

Versmaß: Hexameter, mit Ausnahme des ersten zweisilbig leoninisch gereimt.

Kommentar

Die Grabschrift legt ebenso wie die Mindener Bischofschroniken3) besonderes Schwergewicht auf die militärischen Unternehmungen des Bischofs Wulbrand von Hallermund, der sein Amt in den Jahren 1406 bis 1436 ausübte (vgl. Nr. 43). Er führte in dieser Zeit zahlreiche Auseinandersetzungen um Besitzungen des Stifts. Nachdem Wulbrand von Hallermund im Jahr 1420 in einen in Minden begangenen Mord an einem Kleriker verwickelt war, mußte er sich vor einem vom Papst bestellten Gericht rechtfertigen und erhielt seinen bereits seit 1409 zum Coadjutor berufenen Neffen Albert von Hoya als Mitregenten.4) Der Jüngeren Bischofschronik zufolge verstarb Wulbrand von Hallermund in der Residenz der Mindener Bischöfe in Petershagen am 24. Dezember 1436.5) Nach Aussage der Inschrift wurde er zwei Tage später, am Tag des heiligen Stephan, nach Minden überführt und dort im Dom beigesetzt. Ertwin Ertmann berichtet in seiner Osnabrücker Chronik, daß sich bei dem im Mindener Dom befindlichen epitaphium des Bischofs auch Gemälde der von Bischof Wulbrand für das Bistum zurückgewonnenen Burgen Rahden, Reineburg und Wedigenstein befunden hätten und gibt im gleichen Zusammenhang deutsche Verse wieder, die möglicherweise inschriftlich ausgeführt waren.6) Bei den drei Burgen handelt es sich um die in der Grabschrift erwähnten tria castra.

Textkritischer Apparat

  1. a] Fehlt in Hs. A des Hermann von Lerbeck.

Anmerkungen

  1. Piel, Chronicon, S. 80.
  2. 26. Dezember.
  3. Hermann von Lerbeck, S. 82; Jüngere Bischofschronik, S. 237–257.
  4. Vgl. Jüngere Bischofschronik, S. 255.
  5. Jüngere Bischofschronik, S. 257.
  6. Die Verse lauten: Hir is gekomen yn dat landt / Van Hallermont bisschop Willebrant /De hefft gebracht over eyn / Roden, Reyneborch unde Wedegensteyn. Ertmann, Cronica, S. 136. Zum Erwerb der Burgen vgl. Jüngere Bischofschronik, S. 248f. (Reineberg) u. S. 251f. (Rahden).

Nachweise

  1. Hermann von Lerbeck (Fortsetzung), S. 82.
  2. Meibom, Chronicon, S. 570.

Zitierhinweis:
DI 46, Stadt Minden, Nr. 48† (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di046d003k0004809.