Inschriftenkatalog: Stadt Minden

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 46: Stadt Minden (1997)

Nr. 24† Dom 1324

Beschreibung

Grabplatte des Bischofs Gottfried von Waldeck. Der Bischof war im Chor hinter dem Hauptaltar beigesetzt;1) im 19. Jahrhundert befand sich die Grabplatte im Mittelschiff,2) zu Beginn dieses Jahrhunderts im Kreuzgang.3) Über den Verbleib ist nichts bekannt; vermutlich wurde die Grabplatte zusammen mit anderen nach dem Zweiten Weltkrieg aus dem Kreuzgang entfernt. Im Innenfeld der Platte war der Bischof im Relief dargestellt, um den Stein verlief eine Inschrift.

Inschrift nach Ledebur.

  1. Anno Domini MCCCXXIVa) obiit Gotefridus de Waltegcib) electus episcopus ecclesie Mindensis

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1324 starb Gottfried von Waldeck, erwählter Bischof der Mindener Kirche.

Kommentar

Gottfried von Waldeck war der Sohn des Grafen Heinrich von Waldeck und der Mechthild von Arnsberg. Vor seiner Wahl zum Mindener Bischof ist er als Domthesaurar in Münster nachzuweisen.4) Er amtierte von 1304 bis zu seinem Tod 1324 als Bischof von Minden. Problematisch erscheint das Epitheton electus in der Grabschrift des Bischofs. Angesichts der 20jährigen Amtszeit Gottfrieds von Waldeck ist es unwahrscheinlich, daß dieser zwar vom Domkapitel zum Mindener Bischof gewählt, aber nicht vom Kölner Erzbischof geweiht worden ist. Da die Bischöfe erst durch den Weiheakt die volle Amtsgewalt erhielten, kennzeichnet das Epitheton electus in der Regel denjenigen Bischof, der die Weihe noch nicht empfangen hat.5) So bezeichnet sich der Nachfolger Gottfrieds, Bischof Ludwig, in einer kurz nach seiner Wahl im Jahr 1324 ausgestellten Urkunde als electus in episcopum Mindensis ecclesiae.6) Die von Gottfried ausgestellten Urkunden weisen ausnahmslos den Titel Mindensis ecclesiae episcopus auf.7) Da electus in episcopum die in Urkunden gebräuchliche Formel zur Bezeichnung eines gewählten, aber noch nicht konsekrierten Bischofs ist, die sich deutlich von dem in der Grabschrift verwendeten Titel electus episcopus abhebt, könnte es sein, daß man in der Inschrift nicht auf die fehlende Weihe, sondern darauf hinweisen wollte, daß der Bischof vom Domkapitel gewählt und nicht vom Papst providiert worden war. In diesem Sinn wird Wulbrand von Hallermund als episcopus a Mindensibus electus bezeichnet (vgl. Nr. 43). Die Bezeichnung electus erscheint auch in der Grabschrift des Bischofs Otto von dem Berge (Nr. 38), hier vermutlich in derselben Bedeutung und aus Vers- und Reimgründen verwendet.

Textkritischer Apparat

  1. MCCCXXIV] MCCCXXIX von der Horst.
  2. Waltegci] Waltegei von der Horst.

Anmerkungen

  1. Vgl. Jüngere Bischofschronik, S. 199: sepultus ad sinistrum Conradi primi retro altare beati Petri.
  2. Ledebur, Denkmäler, S. 6.
  3. Von der Horst, Denkmäler, S. 59.
  4. Vgl. Scriverius, Regierung, S. 99.
  5. Vgl. Robert E. Benson, The Bishop-Elect. Princeton, New Jersey 1968, bes. S. 374–382.
  6. WUB 10, Nr. 930.
  7. Ebd., ab Nr. 113 (Oktober 1304).

Nachweise

  1. Ledebur, Denkmäler, S. 6.
  2. Von der Horst, Denkmäler, S. 59.
  3. Löffler, Bischofschroniken, S. 199, Anm. 11.

Zitierhinweis:
DI 46, Stadt Minden, Nr. 24† (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di046d003k0002409.