Inschriftenkatalog: Stadt Minden

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 46: Stadt Minden (1997)

Nr. 22† Dom 1306

Beschreibung

Glocke. Die Marienglocke hing bis zu ihrer Zerstörung bei einem Bombenangriff am 28. März 1945 im unteren Stockwerk des Westwerks. Um die Schulter verlief eine zweizeilige Inschrift. Die Inschrift ist in einer Durchzeichnung überliefert.

Inschrift nach der Durchzeichnung.

Maße: Dm.: 150 cm; Bu.: 4–4,5 cm.

Schriftart(en): Gotische Majuskel.1)

  1. + ECCE · SUB · HOC · TYTULO · TUA · DICOR · S(AN)C(T)A · MARIA+ ORA · P(RO) · P(O)P(U)LO · DUM · SONO · VIRGO · PIA /+ · A · NATO · CHR(IST)Oa) · FELIX · CREOR · ERE · SUBb) ISTO+ MILLENIS · AN(N)IS · TRECE(N)TIS · SEX · NUMERA(N)DISc)

Übersetzung:

Siehe, in dieser Inschrift werde ich die Deine genannt, heilige Maria. Bete für das Volk, während ich ertöne, gütige Jungfrau. Nach Christi Geburt waren 1306 Jahre zu zählen, als ich Glückliche unter Verwendung dieser Bronze geschaffen wurde.

Versmaß: Ein elegisches Distichon mit zweisilbigem Zäsur- und Endreim und zwei zweisilbig gereimte leoninische Hexameter, der letzte assonierend.

Kommentar

Zur Schriftform vgl. Nr. 23. Die Glocke wurde zusammen mit der Glocke Nr. 23 gegossen, deren Inschrift Bezug auf die Inschrift dieser Glocke nimmt. Als Stifter beider Glocken sieht der Verfasser der Jüngeren Bischofschronik die Brüder Jakob, Wilhelm und Bruno an, die laut Einträgen im Nekrolog Kanoniker am Dom waren. Jakob, der im Jahr 1316 verstarb, hatte für sich und seine Brüder eine Memorienstiftung eingerichtet. Für einen Teil der Summe, sieben Denare, ist als Verwendungszweck allgemein camerario et campanario angegeben, so daß der Betrag nicht unbedingt für den Guß der beiden Glocken verwendet worden sein muß.2) Aus den Einträgen im Nekrolog geht auch nicht hervor, von wann die Stiftung datiert.

Textkritischer Apparat

  1. XPO.
  2. Die Verwendung der Präposition SUB an dieser Stelle ist ungewöhnlich, zu erwarten wäre EX. Vgl. dieselbe Formel in der Glockeninschrift Nr. 18.
  3. NUMERA(N)DIS] numerabis Jüngere Bischofschronik, NUMERATIS Krins. Das N ist spiegelverkehrt. Die Durchzeichnung verzeichnet keine Kürzungszeichen (vgl. die Inschrift auf der Glocke Nr. 23); dies muß jedoch nicht bedeuten, daß diese nicht vorhanden waren, da sie möglicherweise über der Zeile standen und bei der Durchzeichnung nicht berücksichtigt wurden.

Anmerkungen

  1. Angaben nach der Glockenkartei von 1918 und der Durchzeichnung, beides WAfD Münster.
  2. Jüngere Bischofschronik, S. 197; Nekrologeinträge ebd., Anm. 2 u. 6.

Nachweise

  1. Durchzeichnung, WAfD Münster.
  2. Jüngere Bischofschronik, S. 196.
  3. Kratz, Glocken, S. 189 u. Tafel nach S. 192.
  4. Ledebur, Denkmäler, S. 12.
  5. Walter, Glockenkunde, S. 205.
  6. Ludorff, Kunstdenkmäler, S. 80 (Abb.).
  7. Krins, Geläut, S. 2.
  8. Peter, Geläute, S. 110 (Abb.).

Zitierhinweis:
DI 46, Stadt Minden, Nr. 22† (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di046d003k0002205.