Die Inschriften des ehemaligen Landkreises Mergentheim

Vorwort

Die Erarbeitung des vorliegenden Bandes hat – von der ersten Materialerfassung im Sommer 1997 und den ersten Aufnahmefahrten im März 1998 bis zur Fertigstellung des Buches – rund viereinhalb Jahre in Anspruch genommen. In dieser Zeit habe ich vielfältige Unterstützung erfahren, für die ich mich an dieser Stelle bedanken möchte.

Bei den Aufnahmearbeiten vor Ort gewährten die Pfarrer, Mesner und Mesnerinnen der katholischen und der evangelischen Kirchen stets bereitwillig und freundlich Hilfestellung, ebenso, wenn genaue Ortskenntnis gefragt war, die Ortsvorsteher einiger Teilgemeinden. Der H. H. Hochmeister der Brüder vom Deutschen Haus Sankt Mariens in Jerusalem P. Dr. Arnold Wieland OT erlaubte mir dankenswerterweise die Aufnahme der Inschriften in der Schatzkammer des Deutschen Ordens in Wien, bei den Arbeiten half mir Dr. Wolfgang Krones Fam OT. In Museen verwahrte Inschriftenträger wurden mir weiters zugänglich gemacht im Deutschordensmuseum Bad Mergentheim, wobei mein Dank vor allem Dr. Christoph Bittel für vielfache Unterstützung gilt, und im Tauberländer Dorfmuseum Weikersheim. Die Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg gestattete die zeitaufwendigen Aufnahmearbeiten in Schloß Weikersheim. Die Erlaubnis zur Erfassung von Inschriften in Privatbesitz erhielt ich von Dr. Gerhard Hoffmann-Becking (Weikersheim-Laudenbach/Erfurt), Heinz Mack (Creglingen-Reinsbronn), Hon.-Generalkonsul Dr. Ing. Hanns Maier (Bad Mergentheim-Wachbach/München), Sigurd Frhr. v. Ow-Wachendorf und Burkhard Frhr. v. Ow-Wachendorf (beide Starzach-Wachendorf) sowie Dr. Eckart Wäldele (Bad Mergentheim). Ihnen allen sei hier nochmals herzlich gedankt. Die Aufnahme von nach Friesach/Kärnten verbrachten Mergentheimer Inschriftenträgern übernahm für mich freundlicherweise Kollege Dr. Friedrich W. Leitner (Klagenfurt), der Bearbeiter der Kärntner Inschriften.

Bei Archiv- und Bibliotheksrecherchen durfte ich kompetente Hilfe und Beratung in Anspruch nehmen im Staatsarchiv Ludwigsburg, im Hohenlohe-Zentralarchiv Neuenstein (Wilfried Beutter), im Hauptstaatsarchiv und im Landeskirchlichen Archiv Stuttgart, im Kath. Pfarrarchiv Bad Mergentheim (Johannes Spellbrink), im Stadtarchiv Creglingen, in der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart sowie im Landesdenkmalamt Stuttgart. Weit über das übliche Maß hinaus haben sich Georg Schmitt (Bad Mergentheim-Markelsheim) und Claudia Heuwinkel (Creglingen) durch ihr Interesse an der epigraphischen Arbeit und ihr Engagement um den Fortgang meiner Forschungen verdient gemacht. Georg Schmitt steuerte wichtige Hinweise auf und Informationen über Inschriften in Markelsheim bei und Claudia Heuwinkel war jederzeit bereit, zur Klärung genealogisch-prosopographischer und stadttopographischer Fragen der bislang weitgehend unbearbeiteten Creglinger Geschichte durch eingehende Archivrecherchen beizutragen. Bei Einzelproblemen durfte ich den fachkundigen Rat von Prof. Dr. Friedrich Karl Azzola (Trebur), von Restaurator Norbert Eckert (Bad Mergentheim) sowie von Konservator Dipl.-Ing. Gerhard Hartl (Deutsches Museum München) in Anspruch nehmen.

Die Diskussion fachspezifischer Fragen mit den befreundeten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Schwester-Arbeitsstellen der übrigen am Inschriftenunternehmen beteiligten Akademien der Wissenschaften im Rahmen der regelmäßig stattfindenden Mitarbeitertreffen kam dem vorliegenden Band sehr zugute. Darüber hinaus waren vor allem Dr. Sabine Wehking, Dr. Christine Wulf (beide Göttingen) und Clemens Bayer M. A. (Bonn) stets ansprechbare geduldige Zuhörer und Ratgeber in schwierigen Einzelfällen. Die Mainzer Kollegen Dr. Rüdiger Fuchs, Dr. Eberhard J. Nikitsch und Dr. Sebastian Scholz haben in bewährter Weise das Manuskript des gesamten Inschriftenkatalogs Korrektur gelesen und dabei wichtige Hinweise und Verbesserungen geliefert, die ich dankbar übernommen habe.

In der Heidelberger Forschungsstelle habe ich vor allem meinen Kollegen Dr. Anneliese Seeliger-Zeiss für manch fruchtbare Diskussion und Ilas Bartusch für eine gründliche Durchsicht und Korrektur des gesamten Manuskripts herzlich zu danken. Einen Teil der Fotoaufnahmen sowie die gewohnt qualitätvollen Laborarbeiten besorgten die Fotografen Axel Schmider und Elke Schneider. Bei den Registerkorrekturen durfte ich die Hilfe meines Vaters Jürgen Drös (Heidelberg) in Anspruch nehmen.

[Druckseite VIII]

Für die stets wohlwollende Betreuung und Förderung der Arbeit unserer Forschungsstelle „Deutsche Inschriften“ sei abschließend dem Vorsitzenden der Heidelberger Inschriftenkommission, Prof. Dr. Dieter Mertens, sowie seinem Vorgänger, Prof. Dr. Dr. h. c. mult Géza Alföldy, ganz herzlich gedankt.

Heidelberg, im Oktober 2001

Harald Drös

1. Vorbemerkungen und Benutzungshinweise

Der vorliegende Band enthält die mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Inschriften aus dem Gebiet des ehemaligen Landkreises Mergentheim bis zum Jahre 1650. Dieser Landkreis ging im Zuge der baden-württembergischen Gebietsreform in dem 1973 neu gebildeten Tauberkreis auf, der 1974 in Main-Tauber-Kreis umbenannt wurde. Sitz des Landratsamts ist Tauberbischofsheim. Die badischen Gebiete, die dem neuen Kreis zugeschlagen wurden (ehemaliger Landkreis Tauberbischofsheim und fünf Gemeinden des ehemaligen Landkreises Buchen), sind im Rahmen des Deutschen Inschriftenwerks bereits erfaßt: Die „Inschriften des badischen Main- und Taubergrundes (Wertheim–Tauberbischofsheim)“ erschienen 1942 als Band 1 der Gesamtreihe (563 Inschriften), die Inschriften der Gemeinden Buch am Ahorn (2) und Eubigheim (5) fanden Aufnahme in dem 1964 erschienenen Band „Die Inschriften der Landkreise Mosbach, Buchen und Miltenberg“ (DI 8). Mit der hier vorgelegten Edition wird somit die Dokumentation des Inschriftenbestandes des Main-Tauber-Kreises komplettiert. Auf Nachträge zu den Bänden DI 1 und DI 8 – so wünschenswert diese auch wären – mußte aus arbeitsökonomischen Gründen verzichtet werden. Sie hätten eine Neubereisung des gesamten Kreisgebiets erfordert, was wegen des damit verbundenen Zeitaufwands angesichts der noch gar nicht bearbeiteten Regionen des Landes nicht vertretbar erschien.

Die (1964) 51 Gemeinden des in diesem Band erfaßten Gebiets wurden durch die 1975 abgeschlossene Gemeindereform zu den vier Städten Bad Mergentheim, Weikersheim, Creglingen und Niederstetten und zu der Gemeinde Igersheim zusammengeschlossen. Die frühere württembergische Exklave Deubach erfuhr eine Eingemeindung in die (badische) Stadt Lauda-Königshofen. Die Inschriften auf Deubacher Gemarkung wurden wegen ihrer ehemaligen Zugehörigkeit zum Altkreis Mergentheim hier erneut aufgenommen, obwohl eine der beiden bereits (versehentlich?) in DI 1 ediert worden ist.

Neben den noch heute im alten Kreisgebiet vorhandenen Inschriften wurden auch nach außerhalb verbrachte, vor 1650 angefertigte Objekte aufgenommen, deren Provenienz aus dem Bearbeitungsgebiet nachgewiesen oder wahrscheinlich gemacht werden kann1). Neben den original erhaltenen Inschriften sind auch die nur mehr in ungedruckten oder gedruckten Quellen bzw. in Fotos oder Abzeichnungen überlieferten epigraphischen Texte berücksichtigt. Vollständigkeit der Erfassung wurde angestrebt, ist gleichwohl bei der unübersichtlichen Streuung der nichtoriginalen Überlieferung kaum zu erreichen.

Entsprechend den Bearbeitungsrichtlinien, die für das Inschriftenunternehmen der deutschen Akademien und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften gelten2), blieben konsequent die Inschriften auf Siegeln, Münzen, Medaillen und Bucheinbänden ausgeklammert, da diese Gegenstand eigener Fachdisziplinen (Sphragistik, Numismatik, Einbandkunde) sind. Abweichend von der bisherigen Praxis innerhalb der Bände der Heidelberger Reihe wurden im Interesse der Vereinheitlichung der Gesamtreihe auch bloße Jahreszahlen aufgenommen, jedoch in der Regel nur, sofern eine Autopsie und somit eine Überprüfung der Lesung möglich war. Dagegen wurde weiterhin auf die Aufnahme von nicht zuweisbaren Initialen und Monogrammen sowie von Hausmarken, Steinmetzzeichen und Meistermarken verzichtet, sofern sie nicht im Verbund mit weiteren Inschriften stehen3).

[Druckseite X]

Die Inschriften sind im Katalogteil chronologisch und nach einem einheitlichen Schema angeordnet:

Die Kopfzeile enthält links die laufende Nummer der Inschrift. Gelegentlich sind gleichartige Inschriftenträger, die sich am selben Standort befinden, zweckmäßigerweise in einer Sammelnummer zusammengefaßt. Ein lateinisches Kreuz hinter der laufenden Nummer signalisiert, daß die Inschrift im Original verloren ist. Steht das Kreuz zwischen runden Klammern, bedeutet dies entweder, daß der Inschriftenträger zwar erhalten, die gesamte Inschrift aber im Original verloren und nur mehr kopial überliefert ist, oder bei Sammelnummern, daß ein Teil der dort zusammengefaßten Inschriftenträger verloren ist.

In der Mitte der Kopfzeile steht die Angabe des derzeitigen oder des letzten erschließbaren Standorts. Die Ansetzung erfolgt unter dem alten, vor der 1975 abgeschlossenen Gemeindereform gültigen historischen Ortsnamen, die jetzige Gemeindezugehörigkeit ist in Klammern beigefügt4). Kirchen sind im Normalfall unter ihrer heutigen Bezeichnung angesetzt. Bei Inschriften, die bereits vor einer etwaigen Umwidmung des Gebäudes verlorengegangen sind, erscheint dagegen die ehemalige Bezeichnung der Kirche (z. B. „Klosterkirche“, „Hofkirche“).

Die Datierung am rechten Rand der Kopfzeile ist in der Regel der Inschrift entnommen5), falls nicht eindeutige Hinweise auf frühere oder spätere Entstehung vorliegen. Die Entstehungszeit undatierter Inschriften ist so eng wie möglich eingegrenzt anhand historischer Belege, paläographischer und philologischer Befunde oder stilistischer Merkmale der Inschriftenträger. Diese Inschriften sind jeweils am Ende des so erschlossenen Zeitraums nach den sicher datierten und datierbaren eingereiht. Unsichere Zeitansätze sind mit Fragezeichen versehen, aus anderen Quellen – d. h. nicht aus der Inschrift selbst – erhobene genaue Datierungen stehen in runden Klammern. Sind auf einem Inschriftenträger Inschriften aus verschiedenen Entstehungsjahren angebracht, werden entsprechend mehrere Datierungen – durch Komma getrennt – in die Kopfzeile gesetzt; die früheste Inschrift bestimmt dabei die Einordnung in den Katalog. Auch bei Sammelnummern erfolgt die Einreihung in den Katalog unter dem Datum der jeweils ältesten Inschrift.

Im ersten Absatz des Artikels finden sich die Benennung des Inschriftenträgers6), die (wichtigsten) in der Inschrift genannten Personen, eine präzisierte Standortangabe, gegebenenfalls auch Hinweise zu früheren Standorten und zu Verlustumständen sowie eine Kurzbeschreibung des Inschriftenträgers mit Bemerkungen zu Material, zu Anbringung und Herstellungstechnik der Inschrift(en) und zum Erhaltungszustand7). Die Beschreibung erfolgt vom Betrachter aus, nur für Wappenbeschreibungen ist nach den Regeln der Heraldik umgekehrt verfahren. Mehrere Inschriften auf einem Träger werden mit A, B, C usw. bezeichnet. In Sammelnummern sind die einzelnen Inschriftenträger mit römischen Zahlen, bei der umfangreichen Katalognummer 40 der Zweckmäßigkeit halber mit arabischen Zahlen durchnumeriert. Bei nur kopial überlieferten Inschriften ist die für die Textedition maßgebliche Vorlage angegeben.

Es folgen Maßangaben (in cm) von Inschriftenträger, Buchstaben und gegebenenfalls Ziffern sowie die Bestimmung der Schriftart. Die Schrifthöhe orientiert sich am Normalwert des Buchstabens N/n, erhebliche Schwankungen werden durch Angabe der Extremwerte vermerkt.
Eine Abbildungsnummer am Rand außerhalb des Satzspiegels weist auf die Abbildung der betreffenden Inschrift im Tafelteil hin.

Zur Wiedergabe des Inschriftentextes:
Die Texte sind eingerückt. Sie werden fortlaufend wiedergegeben, nur Inschriften in gebundener Sprache sind versweise abgesetzt.
Ein Schrägstrich kennzeichnet das Zeilenende auf dem Inschriftenträger oder – bei Schriftbändern – einen Knick im Band.
Ein doppelter Schrägstrich gibt den Übergang auf eine andere Beschriftungsfläche an; innerhalb einer Zeile markiert er die Unterbrechung der Schrift durch eine Darstellung.

[Druckseite XI]

Worttrennstriche an Zeilenenden und -anfängen originaler Inschriften sind durch Doppelstrich (=) wiedergegeben.

Bögen unter der Zeile bezeichnen Nexus litterarum, Bogenverschmelzungen oder Ligaturen. Die Verschmelzung zweier i bzw. I (mit Lautwert ii) zur Y-Form wird nicht als Y, sondern – je nach Erscheinungsbild – als ij-, II- oder IJ-Nexus dargestellt. Andere Formen von Buchstabenverbindungen (Enklaven, Verschränkungen) werden nicht am Text kenntlich gemacht, sondern in Anmerkungen erläutert.

Abkürzungen werden unter Wegfall der Kürzungszeichen zwischen runden Klammern aufgelöst. Der häufig vorkommende Kreuztitulus I(esus) N(azarenus) R(ex) I(udeorum)8) wird als feststehendes ikonographisch verwendetes Zeichen unaufgelöst wiedergegeben. Das Fehlen von Kürzungszeichen im Inschriftentext wird vermerkt.

Eckige Klammern schließen Ergänzungen ein. Textverlust, der nicht ergänzt werden kann, ist durch leere eckige Klammern angedeutet. Die Größe der Lücke wird durch eine den fehlenden Buchstaben schätzungsweise entsprechende Zahl von Punkten angegeben. Ist die Länge einer Fehlstelle ungewiß, so werden drei Gedankenstriche in die Klammern gesetzt: [– – –].

Erhaltene Buchstaben, deren Lesung unsicher ist, sind durch daruntergesetzte Punkte markiert.

Ursprünglich freigelassene Stellen – wie z. B. ausgesparte Sterbedaten – wie auch deren nachträgliche Ausfüllung werden zwischen spitze Klammern eingeschlossen.

Lateinische, hebräische und französische Inschriften werden übersetzt. Gegebenenfalls werden Versmaß oder Reimform vermerkt. Datierungen nach den römischen Fixdaten der Kalenden, Nonen und Iden und nach dem Festkalender werden aufgelöst. Nach der Gregorianischen Kalenderreform waren von 1582 an im Bearbeitungsgebiet zwei unterschiedliche Kalender in Kraft: Die evangelischen Gebiete (Hohenlohe, Brandenburg-Ansbach, Brandenburg-Bayreuth, Rothenburg, die meisten Ritterschaftsorte) behielten den Julianischen Kalender alten Stils bei (bis 18. Februar 1700), während das katholische deutschordische und würzburgische Gebiet zum Kalender neuen Stils überging. Die Differenz zwischen beiden Kalendern betrug zehn Tage. Der Einreihung der einzelnen Inschriften in den Katalog liegt der Kalender neuen Stils zugrunde. Alle „evangelischen“ Daten alten Stils werden daher in der Datumzeile in Daten nach dem Gregorianischen Kalender (n. St.) umgerechnet.

Alle auf dem Inschriftenträger vorkommenden Wappen oder Hausmarken werden nachgewiesen. Unbekannte Wappen und Marken werden blasoniert, ebenso solche Wappen, die bislang nicht oder nur an abgelegener Stelle publiziert sind oder die von der üblichen Darstellung abweichen. Bei Ahnenproben gibt das Druckbild die Anordnung der Wappen wieder.

Der anschließende Kommentar enthält Bemerkungen zum paläographischen Befund, zu Sprache und Formular, zum historischen Umfeld der Inschrift, zu Problemen der Datierung sowie gegebenenfalls Überlegungen zur kunsthistorischen Einordnung des Inschriftenträgers. Für die inschriftenpaläographischen Bemerkungen wird das in der „Terminologie zur Schriftbeschreibung“9) bereitgestellte Vokabular verwendet.

Der Apparat gliedert sich in Buchstaben- und Ziffernanmerkungen. Die Buchstabenanmerkungen sind textkritischen Fragen gewidmet (Textvarianten, problematische Lesungen, orthographische und paläographische Besonderheiten oder Fehler im Text), die Ziffernanmerkungen weisen Zitate und Literatur nach und geben zusätzliche Erläuterungen zu Beschreibung und Kommentar.

Das abschließende Literaturverzeichnis listet in chronologischer Folge die wichtigsten kopialen – ungedruckten und gedruckten – Überlieferungen und Abbildungen der Inschrift auf. Dabei ist auch Literatur nachgewiesen, die den Inschriftentext nur teilweise wiedergibt.

Das Register schlüsselt das Inschriftenmaterial nach den verschiedensten Gesichtspunkten auf. Die Inschriften sind nach ihrer laufenden Nummer zitiert. Bei der umfangreichen Sammelnummer 40 sind die Unternummern (in Petitsatz) zur besseren Erschließung einzeln ins Register aufgenommen. Zur Anlage der einzelnen Register sind die dort gegebenen kurzen Vorbemerkungen zu vergleichen.

Den Abbildungen liegt kein einheitlicher Maßstab zugrunde. Die fotografischen Vorlagen wurden zum Teil bereits im Rahmen einer vorläufigen Fotoinventarisierungsaktion 1992 angefertigt. Der weitaus größte Teil wurde in den Jahren 1997–2001 am Standort neu aufgenommen. Die Reihenfolge [Druckseite XII] der Abbildungen weicht gelegentlich von der der Inschriften im Katalog ab, wenn sachliche Gründe (Zuordnung gleichartiger Inschriftenträger) das zweckmäßig erscheinen ließen. Die auf den behandelten Inschriftenträgern registrierten Steinmetzzeichen sind auf einer Tafel zusammengestellt.

2. Historischer Überblick

Das im Norden und Osten von bayerischem Territorium umschlossene Kreisgebiet gehört naturräumlich fast vollständig zum Taubergrund (Tauberland) und ist somit Teil des Südwestdeutschen Schichtstufenlandes10). In die Gäuflächen der Tauberplatten, die von Süden nach Norden leicht aber stetig abfallen, ist die Tauber eingesenkt, die die Nordhälfte des Kreises von Osten nach Westen auf einer Strecke von etwa 40 km durchfließt, wobei sie in ihrem Nordbogen zwischen Creglingen und Schäftersheim vorübergehend baden-württembergisches Gebiet verläßt. Die Muschelkalkhochflächen sind – vor allem im Westen – stark zergliedert in schmale Riedel, lediglich im Südosten, am Übergang in die von Lettenkeuper bedeckten Hochflächen der Hohenloher Ebene, sind größere geschlossene Flächen zu beobachten. Auch die linken Nebenbäche der Tauber haben sich tief in die Hochflächen eingeschnitten, die bedeutendsten – der Vorbach und der Wachbach – verlaufen annähernd parallel zueinander in südnördlicher Richtung. Die Hochflächen rechts der Tauber sind ähnlich zergliedert, sie weisen eine Lettenkeuperdecke auf. Das Kreisgebiet, dessen südlicher Grenzverlauf in seinem westlichen Abschnitt im wesentlichen der Tauber-Jagst-Wasserscheide (480 m) entspricht, ist verhältnismäßig waldarm, so ist etwa das Vorbachtal fast unbewaldet11).

Die kalkreichen Böden boten sich schon früh zur Ackerbaunutzung an. Die Talhänge der Tauber und ihrer Zuflüsse wurden früher wesentlich stärker als heute für den Weinbau genutzt. Das gesamte Kreisgebiet ist Altsiedelland, bevorzugt war zunächst das Taubertal12). Hier wie auch in den Nebentälern bildeten sich Siedlungen in Form von Haufendörfern vorwiegend auf hochwassergeschützten Schuttkegeln oder Terrassen. Die wenigen Weiler und Kleindörfer, die auf den Hochflächen entstanden, wurden fast ausschließlich in flachen Quellmulden angelegt. Den Ortsnamen zufolge entstand der überwiegende Teil der Siedlungen im frühen Landesausbau der fränkischen Zeit. Die hochmittelalterlichen Burgen (Lichtel, Seldeneck, Brauneck) wurden nicht zum Ausgangspunkt größerer Siedlungen.

Einziger größerer Zentralort ist Mergentheim, dessen Stadtwerdungsprozeß wohl in der 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts einsetzte und mit der kaiserlichen Stadtrechtsverleihung 1344 seinen Abschluß fand. Die späteren Stadtgründungen („stadterhobene Burgflecken“13)) Weikersheim (2. Hälfte des 13. Jahrhunderts), Creglingen und Niederstetten (14. Jahrhundert) konnten sich nicht zu überregionalen Zentren entwickeln. Sowohl Mergentheim als auch Weikersheim und Creglingen liegen im siedlungsgünstigen Mündungsgebiet von Tauber-Seitenbächen. Markelsheim blieb Marktfleck mit gewissen Zentralfunktionen, erlangte aber nicht den Status einer Stadt; ebenso blieb die Stadtgründung von Lichtel 1353 in den Anfängen stecken.

Kirchlich gehörte das gesamte, im 7. Jahrhundert von der christlichen Mission erfaßte Kreisgebiet zum 742 gegründeten Bistum Würzburg. Den weitaus größten Teil nahm das Dekanat Mergentheim ein, das im Westen über die Kreisgrenzen ausgriff14). Im Norden gehörten Simmringen und Bernsfelden zum Dekanat Ochsenfurt, im Osten Waldmannshofen, Frauental, Freudenbach und Archshofen zum Dekanat Iphofen, Finsterlohr und Blumweiler als Filialen von Leuzenbronn zum Landkapitel Crailsheim. Schließlich waren im Süden die Hollenbacher Filialen Adolzhausen, Herbsthausen [Druckseite XIII] und Rot Teil des Dekanats Ingelfingen. Die ursprünglich umfangreichen Pfarrsprengel wurden im Spätmittelalter durch neue Pfarreigründungen aufgeteilt. Mutterkirchen waren wohl Igersheim (St. Martin), Weikersheim, Oberstetten (St. Bonifatius) und Creglingen sowie – außerhalb des Kreisgebiets gelegen – Hollenbach und Leuzenbronn.

Auf ehemals toggenburgischem Besitz stiftete der Staufer Herzog Friedrich IV. vor 1167 das der Aufsicht des Abts von Oberzell (bei Würzburg) unterstehende Prämonstratenserinnenkloster St. Marien zu Schäftersheim. Zunächst unter kaiserlichem Klosterschutz, mit dem der Vogt in Rothenburg betraut war, ging die Schirmherrschaft 1229 an die Herren von Hohenlohe über. Das Kloster diente vorwiegend der standesgemäßen Versorgung der Töchter des Hauses Hohenlohe, seiner Verwandtschaft und seiner niederadligen Vasallen. Von der hohenlohischen Grablege in Schäftersheim (vgl. nr. 20 †) ist kein einziges Grabmal erhalten. 1232 gründeten die Brüder Gottfried und Konrad von Hohenlohe das Zisterzienserinnenkloster Frauental, das der Aufsicht des Abts von Bronnbach unterstellt wurde. Es diente den Herren von Hohenlohe-Brauneck, die die Schirmherrschaft ausübten, zeitweilig als Grablege und fiel mit der Herrschaft Brauneck 1448 an Brandenburg-Ansbach. Die Frauenklausen in Wachbach, Markelsheim und Neunkirchen blieben ohne Bedeutung und fanden keinen nachweisbaren inschriftlichen Niederschlag. Auf Initiative des Deutschen Ordens wurde im späten 13. Jahrhundert eine Dominikanerniederlassung in Mergentheim gegründet, die wiederum besonders von den Herren von Hohenlohe gefördert wurde (vgl. nr. 68). Als letzte Klostergründung kam erst in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges das Mergentheimer Kapuzinerkloster hinzu (vgl. unten). Einziges auswärtiges Kloster mit nennenswertem Besitz im Bearbeitungsgebiet war das Kloster Fulda (Vorbachtal, Neubronn).

Auf die Herrschaftsentwicklung in Früh- und Hochmittelalter braucht hier nicht näher eingegangen zu werden, da sie für die erst im 13. Jahrhundert einsetzende inschriftliche Überlieferung nicht von Belang ist. Fast das gesamte Kreisgebiet gehörte zum Taubergau15), lediglich Freudenbach, Waldmannshofen und Archshofen im Osten waren Teil des Gollachgaus, Rengershausen im Süden zählte zum Jagstgau. Ob und wieweit diese Gaugliederung auch mit der Grafschaftseinteilung korrespondierte, ist unklar; Vorort des Taubergaus war um die Mitte des 11. Jahrhunderts jedenfalls Mergentheim („Grafschaft Mergentheim“). Nach Auflösung der Gaugrafschaften entstanden wahrscheinlich Untergrafschaften, deren Inhaber dann wohl als die Edelfreien des Hochmittelalters faßbar werden. Die für unseren Raum mit Abstand bedeutendsten sind die Herren von Hohenlohe16), die sich ab der Mitte des 12. Jahrhunderts nach Weikersheim und nach der Burg Hohenloch (Gde. Hohlach, Lkr. Ansbach) zubenennen, und die mit einiger Wahrscheinlichkeit von den Herren von Pfitzingen abstammen, die zumindest teilweise Rechtsnachfolger der letzten Taubergaugrafen waren17). Die Hohenlohe stiegen in staufischen Diensten im 12. und 13. Jahrhundert auf; die ihnen übertragenen königlichen Rechte (königliche Lehen, Geleit, hohe Gerichtsbarkeit, Zollregale) wurden wichtige Ausgangspunkte der Herrschaftsbildung. Der umfangreiche Eigenbesitz befähigte sie zu zahlreichen kirchlichen Stiftungen. Zunächst förderten sie den Johanniterorden (1207 Übertragung des Patronats der Mergentheimer Pfarrkirche), nach dem Eintritt Andreas’ von Hohenlohe und danach zweier seiner Brüder in den Deutschen Orden im Jahr 1219 wandten sie ihre Gunst aber vor allem diesem Orden zu und schufen mit der Schenkung von Allod und zahlreichen Rechten in und um Mergentheim die wirtschaftliche Fundierung für die Errichtung der Deutschordenskommende Mergentheim im Jahr 122018). Heinrich, einer der Brüder, erlangte 1232 die Würde des Deutschmeisters und 1244 die des Hochmeisters des Ordens. Die weltlich gebliebenen Brüder behielten die Burgen und Lehnsrechte und erhielten von den Staufern als Gegenleistung für den Besitzverlust die Vogtei über das Stift Öhringen, was im 14. Jahrhundert zu einer Verlagerung des Herrschaftszentrums der Hohenlohe nach Süden in den heutigen Hohenlohekreis führte. 1229 konnten sich die Hohenlohe die Vogtei über Kloster Schäftersheim sichern.

[Druckseite XIV]

Nach dem Aussterben der Staufer konnte sich das Geschlecht in der Konkurrenz mit dem Bischof von Würzburg (als Herzog von Franken) um die Nachfolge in den ehedem königlichen Hoheitsrechten weitgehend behaupten. Ein großer Teil der im Bearbeitungsgebiet ansässigen Königsministerialen ging in die Vasallität der Hohenlohe über. Wiederholte Spaltungen des Hauses in zahlreiche Linien und Zweige zogen freilich immer wieder Teilungen des Besitzes nach sich und schwächten die Gesamtposition erheblich. Wiederholte Verpfändungen des Besitzes im 14. und 15. Jahrhundert waren die Folge. Bereits in der 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts entstanden die beiden Linien Hohenlohe(-Weikersheim) und (Hohenlohe-)Brauneck. Letztere – wiederum mehrfach verzweigt – hatte ihre Herrschaftsschwerpunkte um Creglingen (1349 Stadtrecht), Niederstetten (bis 1340) und Königshofen sowie um ihre Burgen Brauneck und Neuhaus. Der Versuch einer Stadtgründung in Lichtel 1353 blieb, wie bereits erwähnt, in den Ansätzen stecken.

Erbin der Brauneckschen Herrschaft war nach dem Tod des letzten Brauneckers 1390 dessen Witwe Anna von Hohenlohe(-Weikersheim), die zudem noch pfandweise das hohenlohische Weikersheim besaß. Ihr zweiter Ehemann, der Reichserbkämmerer Konrad von Weinsberg, versuchte als Verwalter der Herrschaft, auf dieser sowie auf seinem Stammbesitz aufbauend, ein eigenes größeres Territorium zu errichten und ersah Weikersheim zu seiner Residenz aus19). Der Verlust seines Vermögens im Reichsdienst vereitelte freilich diesen Plan; die Braunecksche Herrschaft zerfiel in der Folgezeit durch Teilung und Verpfändung. Der Erbteil Margarethes, der Tochter der Anna von Hohenlohe aus erster Ehe (Brauneck, Creglingen, die Schirmherrschaft über Kloster Frauental sowie Schirmbach, Freudenbach, Erdbach, Craintal, Standorf, Finsterlohr, Ebertsbronn, Rimbach, Streichental und Steinach) wurde 1448 an die Markgrafschaft Brandenburg-Ansbach verkauft. Die Markgrafen bildeten aus dem neuen Besitz das Amt Creglingen, in dem sie durch Ablösung fremder Lehnsrechte die volle Landeshoheit erlangten. Creglingen wurde als Amtsstadt Sitz eines adeligen Oberamtmanns und eines Kastners, der die Finanzverwaltung besorgte.

Weikersheim war kurzfristig bis 1468 erneut verpfändet. Der Pfandherr Wilhelm von Rechberg ist in der Weikersheimer Stadtkirche begraben (nr. 57). Bei den Herren, seit 1450 Grafen von Hohenlohe, verblieb in der Folge innerhalb des Kreises nur ein nordsüdlich von Nassau bis Adolzhausen verlaufender schmaler Gebietsstreifen mit Weikersheim als Mittelpunkt. Bei der Landesteilung von 1551 erhielt die Linie Hohenlohe-Neuenstein diesen gesamten Komplex; Graf Wolfgang II. stiftete eine eigene Linie zu Weikersheim und verlegte 1586 seine Residenz dorthin. Mit Wolfgangs Sohn Georg Friedrich, der während des Dreißigjährigen Krieges sein Land wiederholt wegen seines militärischen Engagements auf protestantischer Seite verlor, erlosch der Weikersheimer Zweig des Hauses 1645 bereits wieder, die Herrschaft fiel an einen Neffen aus der Neuensteiner Linie, der wiederum einen neuen, bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts blühenden Weikersheimer Zweig stiftete.

Durch die reichen hohenlohischen Schenkungen von Grundbesitz und Einkünften in und um Mergentheim 1219 wurde der Deutsche Orden schlagartig einer der wichtigsten Grundherren im westlichen Teil des Kreisgebiets. Weitere Schenkungen kamen hinzu, so daß 1220 in Mergentheim eine eigene Kommende errichtet werden konnte, deren Besitz in der Folgezeit durch gezielte Erwerbungspolitik abgerundet wurde. Wichtige Station war der Kauf der Festung Neuhaus 1411 und 1431 der Verzicht des Hochstifts Würzburg auf die Lehnshoheit über die Burg. Besondere Förderung erfuhr der Orden im 14. Jahrhundert durch Kaiser Ludwig den Bayern, der u. a. das Stadtrechtsprivileg für Mergentheim erließ (vgl. nr. 143) und der den Deutschmeister Wolfram von Nellenburg zu seinen Vertrauten zählte. Innerhalb Mergentheims konnte der schon vorher dort begüterte Johanniterorden relativ rasch – wenn auch nach etlichen Auseinandersetzungen – verdrängt werden, der letzte Besitz der Johanniter – so auch das Patronat über die Mergentheimer Pfarrkirche – wurde um die Mitte des 16. Jahrhunderts abgelöst.

Seinen Aufstieg zur Residenz des Deutschen Ordens verdankte Mergentheim aber den politischen Entwicklungen im fernen Deutschordensland: 1523 trat der Hochmeister des Ordens Markgraf Albrecht von Brandenburg zur protestantischen Konfession über, legte die Hochmeisterwürde nieder und nahm als Herzog von Preußen – mithin als weltlicher Landesfürst – das Deutschordensland vom König von Polen zu Lehen. In dieser Krisensituation des Ordens wurde der Ordenssitz zunächst provisorisch auf Burg Horneck am Neckar (Gundelsheim, Neckar-Odenwald-Kreis) eingerichtet, die aber im Bauernkrieg 1525 zerstört wurde. Deutschmeister Walter von Kronberg verlegte daraufhin seine Residenz [Druckseite XV] vorläufig nach Mergentheim, das sich aufgrund seines relativ geschlossenen Territoriums hierfür anbot. Dieses Provisorium sollte Bestand haben. Kronberg bekam 1527 vom Kaiser das Hochmeisteramt übertragen, und seither blieben Deutschmeister- und Hochmeisterwürde fest verbunden. Mergentheim blieb Regierungs- und Verwaltungssitz des Ordens und – zumindest nominell – Residenz des „Administrators des Hochmeistertums in Preußen und Deutschmeisters in deutschen und welschen Landen“ bzw. später kurz des „Hoch- und Deutschmeisters“. Freilich verhinderte schon allein die enge Verflechtung des Deutschen Ordens mit der Reichspolitik, besonders seitdem ab 1590 wiederholt Angehörige des Hauses Österreich zu dieser Würde gelangten, daß die Hochmeister über längere Zeit in Mergentheim residierten. Immerhin wurde hier (bzw. zeitweise auf Burg Neuhaus) der Ordensschatz aufbewahrt. Der Kommendenbesitz war organisiert im sogenannten „Tauberoberamt“ mit Sitz in Mergentheim und unterteilt in Ämter (im Kreisgebiet: Neuhaus, Wachbach und Balbach).

Im Südosten des Kreises konnte die Reichsstadt Rothenburg durch zielstrebige Territorialpolitik im Spätmittelalter ein geschlossenes Herrschaftsgebiet erwerben. Dieses rein bäuerlich strukturierte – und daher auch äußerst inschriftenarme – Gebiet war in die Rothenburger Landwehr einbezogen: Die Landhege, eine in der 1. Häfte des 15. Jahrhunderts vollendete, aus Gräben und Hecken bestehende Einfriedung, begann im Kreisgebiet rechts der Tauber zwischen Freudenbach und Tauberzell, wo sie streckenweise mit früheren Waldgrenzen (nr. 389) und mit der heutigen Landesgrenze parallel läuft, und setzte sich auf der gegenüberliegenden Tauberseite bei der Holdermühle fort, verlief von dort – Finsterlohr und Lichtel einbeziehend – südwestwärts bis nach Wildentierbach, das mit seinem Wehrkirchhof den Eckpunkt bildete, von dem ab die Hege in südöstlicher Richtung verlief. Westlich von Lichtel und Heimberg verstärkten zwei Landtürme die Verteidigungsanlage (vgl. nr. 334). Außerhalb der Landwehr verblieb das erst 1525 an Rothenburg gelangte Oberstetten.

Die Herren von Rosenberg, benannt nach ihrem Stammsitz im Bauland (Neckar-Odenwald-Kreis), ca. 22 km westlich von Mergentheim, vermochten als einziges Niederadelsgeschlecht innerhalb des Bearbeitungsgebiets eine größere Herrschaft zu errichten. Ausgangspunkt war der Kauf der ehemals brauneckischen Burg Haltenbergstetten 1415. Aus dem brauneckischen Erbe wurden 1443 die Orte Rinderfeld, Streichental, Wermutshausen, Neubronn und Oberndorf hinzugekauft. Seit 1421 besaßen die Rosenberger ferner einen Teil von Ort und Burg Waldmannshofen, in dessen alleinigen Besitz sie nach dem Aussterben der Truchsessen von Baldersheim 1603 kamen. Die vereinigte, dem Ritterkanton Odenwald inkorporierte Herrschaft Haltenbergstetten und Waldmannshofen verblieb in Händen der Rosenberger bis zu deren Aussterben 1632.

Vom einheimischen, d. h. aus dem Kreisgebiet stammenden Adel sind in Inschriften nur mehr die von Finsterlohr (in Laudenbach und Archshofen) faßbar sowie von den staufischen, in Mergentheim gesessenen und nach der Stadt benannten Ministerialengeschlechtern die Reich von Mergentheim, die u. a. Besitz in Wachbach hatten. Von außerhalb stammende, durch Kauf oder Erbschaft zu Besitz gelangte Rittergeschlechter waren – um nur die inschriftlich dokumentierten zu nennen – die von Adelsheim (Wachbach, Edelfingen), die Truchsessen von Baldersheim (Waldmannshofen), die Geyer von Giebelstadt (u. a. in Reinsbronn und Neunkirchen), die von Leuzenbronn (Finsterlohr, vgl. nr. 160) und die mit den Rosenbergern stamm- und wappengleichen von Uissigheim (vgl. nrr. 44, 136).

Die Reformation griff in den einzelnen Herrschaftsgebieten des Kreises zu unterschiedlicher Zeit Raum20). Besonders früh, noch vor dem Ausbruch des Bauernkriegs, wurde sie 1524 von den Herren von Finsterlohr in Laudenbach und Vorbachzimmern eingeführt21). Es folgte die obrigkeitliche Einführung durch Brandenburg-Ansbach 1528 (Kirchenordnung 1533): Kloster Frauental, das bereits im Bauernkrieg stark zerstört worden war, wurde aufgehoben und in ein Klosteramt mit Sitz eines herrschaftlichen Verwalters umgewandelt. Das Klosteramt war Bestandteil der Markgrafschaft Brandenburg-Bayreuth, während die Hochgerichtsbarkeit in der Zuständigkeit des brandenburg-ansbachischen Amts Creglingen lag. 1544 führte die Reichsstadt Rothenburg die Reformation offiziell durch (Kirchenordnung 1559), die Pfarreien Wildentierbach und Oberstetten wurden evangelisch, 1546 auch Schmerbach; die übrigen Pfarreien folgten erst später22). Die Grafen von Hohenlohe nahmen [Druckseite XVI] zunächst eine vorsichtig abwartende Haltung ein23), nicht zuletzt aus ihrer Treue zu Kaiser und Reich und wegen der abschreckenden Erfahrungen im Bauernkrieg. Erst nach dem Augsburger Religionsfrieden entschlossen sie sich 1556 zur offiziellen Durchführung der Reformation, deren schon früheres Eindringen sich freilich in vereinzelten Berufungen evangelischer Pfarrer dokumentierte. Kloster Schäftersheim war nach den Zerstörungen des Bauernkriegs bereits ganz der gräflichen Aufsicht unterstellt und schließlich nach dem Tod der letzten Klosterfrauen 1553 eingezogen worden. 1578 wurde auf Initiative Graf Wolfgangs II. zu Weikersheim in den hohenlohischen Territorien eine eigene Kirchenordnung erlassen24), Weikersheim wurde 1579 Sitz eines Superintendenten, der für die hohenlohischen Pfarreien innerhalb des Bearbeitungsgebiets zuständig war. Calvinistische Einflüsse bei der Kirchenausstattung lassen sich in der Regierungszeit des Grafen Wolfgang II. (1575–1610) feststellen, der mit der Schwester Wilhelms von Oranien-Nassau verheiratet war (vgl. nr. 281).

Auch die Rosenberger traten zum evangelischen Glauben über. Der Zeitpunkt der offiziellen Einführung der Reformation in den einzelnen Orten der Herrschaft Haltenbergstetten und Waldmannshofen ist nicht immer klar zu bestimmen, erste Ansätze reichen in die 20er Jahre des 16. Jahrhunderts zurück; Niederstetten wurde beispielsweise erst 1551, Waldmannshofen endgültig 1554 evangelisch25). Die Rosenberger richteten für ihr Herrschaftsgebiet eine eigene Superintendentur ohne festen Sitz ein.

Das deutschordische Gebiet verblieb beim alten Glauben. Allerdings gab es in Mergentheim schon früh eine starke evangelische Bewegung, die erst 1585 endgültig unterdrückt werden konnte. Problematisch war die Situation in der Folgezeit in den Orten, in denen der Deutsche Orden die Ortsherrschaft und/oder das Kirchenpatronat mit anderen teilen mußte: So wurden Altshausen und Neunkirchen um 1550/56 von den Geyer von Giebelstadt reformiert, Edelfingen 1556 von den Herren von Rosenfeld, Wachbach 1542 von den Herren von Adelsheim. Als Gegenreaktion errichtete der Orden in der Wachbacher Filiale Stuppach 1607 eine eigene katholische Pfarrkirche (vgl. nrr. 384, 385). Forciert wurde die Gegenreformation im deutschordischen Gebiet durch den Statthalter des Hochmeisters Marquard Freiherr von Eck und Hungersbach, der neben dem Neubau der Stuppacher Kirche auch die sog. Ecksche Kapelle in der Mergentheimer Pfarrkirche (nr. 382) und die Mergentheimer Friedhofskapelle (nr. 394) erbauen ließ. Zur Stärkung des katholischen Glaubens wurde ferner durch Hochmeister Erzherzog Maximilian 1606 ein Priesterseminar in Mergentheim gegründet, und Hochmeister Caspar von Stadion holte während des Dreißigjährigen Krieges Kapuziner in die Residenzstadt. Rigorose Gegenreformationsmaßnahmen gab es im bischöflich würzburgischen Gebiet – das freilich heute fast gänzlich zu Bayern gehört – unter der langen Regierungszeit des Bischofs Julius Echter von Mespelbrunn (1573–1617). Es gelang innerhalb des Kreisgebiets immerhin, nach dem Aussterben der von Finsterlohr 1568 Laudenbach als heimgefallenes Lehen einzuziehen und zu rekatholisieren, was auch Ausdruck in Kirchenrenovierungs- und baumaßnahmen fand (nrr. 255, 370, 407)26). Nach Aussterben der Herren von Rosenberg 1632 wurde auch die Herrschaft Haltenbergstetten mit Waldmannshofen von Würzburg eingezogen und 1641 zusammen mit Laudenbach an die katholischen Grafen, später Fürsten von Hatzfeldt als Lehen ausgegeben. Die Reformation war in der rosenfeldischen Herrschaft aber nicht mehr rückgängig zu machen, wenngleich die Hatzfeldt in Niederstetten an ihrer Schloßkapelle (vgl. nr. 21) im 18. Jahrhundert eine katholische Pfarrei errichten konnten.

Der Dreißigjährige Krieg bescherte in seiner zweiten Hälfte dem Kreisgebiet ständige Truppendurchzüge. Einschneidende politische Veränderungen brachten die Jahre 1631 und 1634. Der Deutschordensschatz war schon zu Beginn des Kriegs über Heidelberg auf die Insel Mainau und von dort weiter nach Tirol und Wien geflüchtet worden. Mergentheim wurde nach dem erfolgreichen schwedischen Feldzug 1631 erobert und dem schwedischen General Horn verliehen, die Festung Neuhaus erhielt der schwedische Oberst Sperreuter. Nach dem Sieg der katholischen Liga in der Schlacht von Nördlingen 1634 bekam der Deutsche Orden nicht nur seine Gebiete zurück, sondern darüber hinaus auch das Territorium des geächteten Grafen Georg Friedrich von Hohenlohe. Die Restitution erfolgte erst nach Kriegsende. Territoriale Veränderungen brachte dann erst das ausgehende 18. Jahrhundert: [Druckseite XVII] 1794 fiel die rosenberg-hatzfeldtsche Herrschaft nach Aussterben der dort residierenden Linie der Fürsten von Hatzfeldt erneut an das Hochstift Würzburg heim und wurde nun einbehalten; und 1791 fielen die markgräflich brandenburgischen Lande an Preußen.

Im Zuge der Napoleonischen Kriege wurde dann das gesamte Kreisgebiet neu geordnet: Nachdem die Linien Hohenlohe-Neuenstein-Öhringen und Hohenlohe-Bartenstein mit Neunkirchen bzw. mit dem würzburgischen Haltenbergstetten und Laudenbach 1803 zunächst noch Gebietsgewinne verbuchen konnten, wurden 1806 sämtliche hohenlohischen Herrschaften mediatisiert und fielen an das Königreich Württemberg. Das reichsstädtisch rothenburgische Gebiet und das preußische Amt Creglingen wurden 1803 bzw. 1806 bayerisch; die Teile, die später zum Kreis Mergentheim gehörten, wurden 1810 an Württemberg abgetreten.

Hochmeister Erzherzog Karl Ludwig (1801–04) konnte zwar zunächst noch die Säkularisation des Deutschen Ordens verhindern, unter seinem Nachfolger Erzherzog Anton Viktor (1804–35) wurde dann allerdings das Ordensvermögen dem österreichischen Kaiserhaus übertragen, womit der Orden seine Selbständigkeit faktisch verlor. Logische Folge war die Aufhebung des Ordens in den Rheinbundstaaten 1809 und der Anfall des gesamten deutschordischen Besitzes im Kreisgebiet einschließlich der Exklave Deubach an Württemberg. Der Sitz des Hochmeisters wurde nach Wien verlegt, wohin auch der Deutschordensschatz transferiert wurde. Als mediatisierte Standesherrschaften bestanden die Besitzungen der Fürsten von Hohenlohe-Langenburg in Weikersheim, der Fürsten von Hohenlohe-Bartenstein in Haltenbergstetten sowie das Rittergut Wachbach der Freiherren von Adelsheim fort.

1809 bildete Württemberg als neue Verwaltungseinheit das Oberamt Mergentheim, dem bereits fast alle Gemeinden des späteren Kreisgebiets angehörten. Niederstetten, Oberstetten und Wildentierbach gehörten ab 1810 zum Oberamt Gerabronn. Beide Oberämter waren 1817 bis 1924 Teil des Jagstkreises. 1938 wurde schließlich der Landkreis Mergentheim in seinem bis 1973 gültigen Umfang geschaffen.

2. 1. Beschreibung und Geschichte der wichtigsten Standorte

Der Bestand nachweisbarer mittelalterlicher Inschriften setzt im Bearbeitungsgebiet erst in der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts ein. Von da ab bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts ließen sich insgesamt 513 Inschriften ermitteln; dazu kommt eine Vielzahl von Kritzelinschriften verschiedener Zeitstellung, die in vier Sammelnummern sehr unterschiedlichen Umfangs (nrr. 40, 167, 230, 310) zusammengefaßt wurden. Bei der mit 138 Einträgen besonders umfangreichen Sammelnummer der Laudenbacher Graffiti (nr. 40) wurden ausnahmsweise Inschriften bis zum Ende des 18. Jahrhunderts berücksichtigt; 107 der Einträge stammen wohl aus der Zeit vor 1650. Außerdem wurden drei Inschriftenträger auswärtiger Provenienz im Anhang aufgenommen (A1–3).

Der Band bietet mit über 50% einen sehr hohen Anteil an Erstveröffentlichungen: Von den insgesamt 80 Inschriften, die nur aus Jahreszahlen bestehen, ist genau die Hälfte bislang unediert. Bei den übrigen Inschriften ist die Quote der Ersteditionen noch etwas höher. 204 bereits edierten Inschriften stehen 207 erstmals publizierte gegenüber – nicht gerechnet die ausnahmslos noch nicht edierten Graffiti. Hinzu kommen 22 Inschriftenträger, deren Inschriften bislang nur teilweise dokumentiert waren. Grund für diesen Befund sind nur in geringerem Umfang Neufunde in ungedruckten Kopialüberlieferungen, sondern vielmehr die bislang völlig unzureichende Dokumentation der noch erhaltenen Inschriftendenkmäler des Bearbeitungsgebiets. Dies gilt vor allem für den reichen Bestand der Grabmäler in der Creglinger Herrgottskapelle. Aber auch in vielen anderen Ortschaften ermöglichte das bisherige Fehlen eines Kunstdenkmälerinventars zahlreiche Neufunde.

Die bedeutendsten Inschriftenstandorte sind erwartungsgemäß die Städte Mergentheim, Weikersheim und Creglingen. Von den insgesamt 114 Mergentheimer Inschriften (ohne eingemeindete Vororte) – einschließlich der Teile des Deutschordensschatzes, die sich vor 1650 als zum Schatz gehörig nachweisen lassen – sind 72 erhalten. Der relativ hohe Anteil an nur mehr abschriftlich bezeugten Inschriften rührt daher, daß für Mergentheim als einzigem Ort des Bearbeitungsgebiets eine nennenswerte, wenngleich sehr disparate, Kopialüberlieferung existiert27). Ganz anders stellt sich die Lage in Creglingen dar, wo 106 erhaltenen nur zwei verlorene Inschriften gegenüberstehen. Dies ist einerseits auf die außergewöhnlich hohe Erhaltungsrate der Grabmäler in der Stadtkirche und vor allem [Druckseite XVIII] in der Herrgottskapelle zurückzuführen, andererseits aber natürlich auch auf das Fehlen jeglicher Kopialüberlieferung. Von den insgesamt 50 Inschriften in Weikersheim, die ganz vorwiegend aus dem späten 16. und frühen 17. Jahrhundert stammen, sind 42 erhalten.

Weitere Schwerpunkte der Inschriftenüberlieferung bilden das Kloster Frauental mit 22 Inschriften, die Ritterschaftsorte Wachbach (26 Inschriften), Niederstetten (23), Laudenbach (22) sowie – mit deutlichem Abstand – Reinsbronn und Waldmannshofen (je 12), ferner das deutschordische Markelsheim mit 18 und Elpersheim mit elf Inschriften (letztere fast ausschließlich Bauzahlen). Aus dem rothenburgischen Gebiet kann lediglich Oberstetten mit sieben Inschriften aufwarten. Alle übrigen Standorte im Kreisgebiet, darunter auch das an sich „inschriftenträchtige“ Kloster Schäftersheim, haben weniger als fünf überlieferte Inschriften aufzuweisen.

Im Folgenden werden die wichtigsten Inschriftenstandorte kurz vorgestellt. Damit soll eine erste Orientierung geboten werden und sollen die Inschriften im Zusammenhang in ihren lokalen Kontext eingeordnet werden. Die wichtigsten geschichtlichen Daten der hier nicht berücksichtigten Standorte finden sich in der Regel im Kommentar des Inschriftenkatalogs.

Bad Mergentheim, Deutschordensschloß und kath. Münster St. Johannes d. Täufer

Mergentheim28) wird 1058 erstmals urkundlich erwähnt. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts war der größte Teil der Herrschaftsrechte in Händen der Herren von Hohenlohe. Diese beschenkten den mit einer eigenen Kommende in Mergentheim ansässigen Johanniterorden mit den Patronatsrechten über die Pfarrkirche und mit Grundbesitz; ihre Burg und den größten Teil des Besitzes schenkten sie aber 1219 dem Deutschen Orden, nachdem drei Brüder aus dem Geschlecht in diesen Orden eingetreten waren. Auf der Grundlage dieser reichen Schenkung gründete der Deutsche Orden eine Kommende, und in der Folgezeit gelang es ihm, seinen Besitz zu mehren und den konkurrierenden Johanniterorden nach und nach aus Mergentheim zu verdrängen. 1341 wurde der Stadtwerdungsprozeß des Ortes durch kaiserliche Stadtrechtsverleihung abgeschlossen. Im Spätmittelalter hielten sich die Deutschmeister häufig in der Burg der florierenden Kommende auf. Von der mittelalterlichen Wasserburg sind keine Inschriften überliefert.

Entscheidenden Aufschwung nahm Mergentheim nach dem Bauernkrieg nach der zunächst nur provisorischen, dann aber dauerhaften Verlegung der Deutschmeisterresidenz von Burg Hornberg hierher (seit 1572 de facto endgültig). Nach der Vereinigung von Hoch- und Deutschmeisterwürde 1527/29 war Mergentheim fortan Sitz des Ordensoberhaupts und der Zentralbehörden, Aufbewahrungsort des Ordensarchivs und des Ordensschatzes. Eine heute in Altshausen aufbewahrte Wappenscheibe des Deutschmeisters Dietrich von Cleen (1515–26: nr. 129) stammt möglicherweise aus der Burg. Umfangreiche Baumaßnahmen, die die Burg in ein repräsentatives Schloß umgestalteten, setzten erst im letzten Drittel des 16. Jahrhunderts ein29). In mehreren Bauphasen wurden zwischen 1568 und 1607 die bestehenden Bauglieder des inneren Burgbereichs zu einem geschlossenen Ring zusammengefaßt. In den beiden Westecken des Innenhofs wurden 1574 (nr. 220) und 1586 zwei Wendeltreppentürme errichtet. Von der dekorativen Innenausmalung haben sich nur Fragmente im 1. Obergeschoß (nr. 332) und die Wappenfriese von 1606 (?) im ehemaligen Kapitelsaal (nr. 378) erhalten. Von den Bauten des äußeren Schloßbereichs (Archivbau, Verwaltungs- und Wirtschaftsgebäude) sind keine Inschriften aus dem Berichtszeitraum überliefert. Der in den Westflügel integrierte, ursprünglich als Torturm dienende und wiederholt aufgestockte Bläserturm erhielt 1619 und 1620 drei Glocken und zwei Uhrtafeln (nrr. 430, 432, 433).

Gesonderte Betrachtung verdient die um die Mitte des 13. Jahrhunderts anstelle eines kleineren Vorgängerbaus errichtete und 1580/82 renovierte Burgkapelle, die 1730 abgerissen wurde, um der barocken Schloßkirche (seit 1817 ev. Pfarrkirche) Platz zu machen. Aus ihr wurde eine Glocke von 1515 (nr. 112) in den Neubau übernommen. Die Kapelle diente als Grablege für etliche Deutschordensritter, darunter die Hochmeister Kronberg (nr. 139), Schutzbar gen. Milchling (nr. 185), Hund von Wenkheim (nr. 214) und Westernach (nr. 451). Deren Grabmäler wurden nach 1730 in die Gruft unter der neuen Kirche versetzt. Die Metallsärge der Hochmeister wurden um 1810 von württembergischen Truppen aufgebrochen, geplündert und anschließend eingeschmolzen30). Etwaige Sarginschriften [Druckseite XIX] scheinen nicht aufgezeichnet worden zu sein. Drei aus der Kapelle stammende Aufschwörschilde (nrr. 149a, 379, 441) sind erhalten und befinden sich heute in Wachendorf (Lkr. Tübingen) und in Friesach/Kärnten.

Als östlichen Abschluß des Südtrakts des Mergentheimer Schlosses ließ sich Hochmeister Erzherzog Maximilian III. 1599 im 2. Obergeschoß eine weitere kleine Hofkapelle mit vorgelagertem Altan errichten, die allerdings 1736 barocken Umbauten weichen mußte. Für die drei Altäre dieser Kapelle wurden zahlreiche Reliquien angeschafft und in neu gefertigten Reliquiaren aufbewahrt (nrr. 372, 373); aus Inventaren sind ferner einige inschriftlich bezeichnete Geräte und Paramente bekannt (nrr. 63, 500, 501).

Die Reste des im Schloß aufbewahrten, zwischenzeitlich freilich auch auf Burg Neuhaus untergebrachten oder in Kriegszeiten in andere süddeutsche und österreichische Ordensniederlassungen geflüchteten Deutschordensschatzes befinden sich seit dem Ende des Alten Reiches in Wien31). Die barocken Umgestaltungen und Neubauten des Schlosses ab 1724 brauchen in unserem Zusammenhang nicht weiter betrachtet zu werden. Mit dem Ende der Ordensherrschaft 1809 und der Verlegung des Hochmeistersitzes nach Wien endete auch die Funktion des Schlosses als Residenz. Heute ist im inneren Schloßbereich das Deutschordensmuseum untergebracht.

Die Mergentheimer Pfarrkirche ist seit dem frühen 13. Jahrhundert bezeugt. 1208 übertrug Albrecht von Hohenlohe das Patronat dem Johanniterorden32), der hier eine Kommende unterhielt. Der heutige Bau der Johanneskirche geht im Kern auf eine im 3. Viertel des 13. Jahrhunderts erbaute frühgotische Pfeilerbasilika zurück, die um 1288 erweitert wurde33). Aus dieser frühen Zeit stammten zwei – heute verlorene – Glocken des Gießers Konrad (nrr. 4, 5). Ein Wandmalereifragment mit Titulus an einem der südlichen Langhauspfeiler (nr. 9) ist wie weitere – inschriftlose – Malereien an der Westwand der Zwischenempore in das späte 13. oder frühe 14. Jahrhundert zu datieren. An das südliche Seitenschiff wurde 1498 die Annakapelle angebaut. Aus dieser Zeit rühren auch ihre Ausmalungen (nr. 83) her. Eine weitere, nicht erhaltene Glocke wurde im 15. Jahrhundert angeschafft (nr. 89). Mit der Abtretung des Patronatsrechts von den Johannitern an den Deutschen Orden 1554 übernahm dieser auch die Bau- und Unterhaltspflicht. In den letzten zwei Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts erfolgte ein durchgreifender Umbau der Kirche, in dessen Zuge das Langhaus eingewölbt und bemalt wurde. Die Ausmalung durch den Nürnberger Maler Hans Dürr „mit allerhand figürlichen Dekorationen und Schriften“34) wurde 1953 freigelegt und 1983 „aufgefrischt“35); Inschriften sind allerdings keine (mehr?) sichtbar und offenbar auch nicht abschriftlich überliefert. Im Zusammenhang mit der Aufstockung des Glockenturms 1593 (Wappen des Hochmeisters Erzherzog Maximilian III.) steht der Guß einer neuen Glocke 1594 (nr. 300). Noch bevor um 1630 der Chor umgebaut wurde, erfolgte 1606/07 die Aufstockung der nördlich an den Chor anschließenden Sakristei unter Statthalter von Eck und Hungersbach: im Obergeschoß wurde eine zum Chorraum und zum nördlichen Seitenschiff hin geöffnete Kapelle (sog. Ecksche Kapelle) als Hochmeister-Oratorium eingerichtet und mit einem marianischen Bilderzyklus ausgemalt (nr. 382). Die Pfarrkirche selbst und auch der sie umgebende Kirchhof diente als Begräbnisstätte. Die früheste überlieferte Grabinschrift datiert von 1349 (nr. 10). In der Kirche fanden offenbar vorwiegend Deutschordensritter, Ordensbeamte und Priester ihre Ruhestätte. Die noch heute erhaltenen Grabplatten und Epitaphien sind durchweg erst nach 1650 entstanden, frühere Grabinschriften sind nur mehr kopial überliefert. Einige Grabmäler des späten 16. und frühen 17. Jahrhunderts für Bürgerliche, die sich zuletzt (und schon ursprünglich?) außen an der Nordseite der Kirche befanden (nrr. 211, 286, 306, 408, 450), wurden beseitigt und lagern derzeit provisorisch im Kreuzgang der Marienkirche.

Von inschriftlich bezeichneten Geräten des Bearbeitungszeitraums haben sich im Kirchenschatz ein Prozessionskreuz, eine Monstranz und ein Kelch erhalten (nrr. 64, 105, 324), die Inschriften etlicher Paramente aus der 1. Hälfte des 17. Jahrhunderts sind dagegen nur mehr durch Inventare abschriftlich bezeugt (nrr. 470, 483, 484, 497, 505, 506). 1983 wurde die Johanneskirche zum Münster erhoben.

[Druckseite XX]

Creglingen, ev. Stadtkirche und Herrgottskapelle

Nach dem Aussterben der Herren von Hohenlohe-Brauneck 1403 fiel die Ortsherrschaft über Creglingen (Stadtrecht 1349)36) zunächst an die Grafen von Schwarzburg, dann an die Grafen von Hardegg und schließlich 1448 an die Markgrafen von Brandenburg-Ansbach, die gleichzeitig das Patronat über die 1257 erstmals erwähnte Pfarrkirche erhielten37). Die brandenburgische Herrschaft führte 1528/29 die Reformation ein. Der heutige Kirchenbau geht im Kern wohl auf das 13. Jahrhundert zurück. Der ursprünglich dreischiffige romanische Bau wurde erstmals 1508 (Bauzahl am Strebepfeiler: nr. 102) und erneut 1725 durchgreifend umgestaltet und präsentiert sich jetzt als Saalkirche; der Chor hat seine ursprüngliche Form mit Kreuzrippengewölben bewahrt. Im Chorturm hängen noch eine Glocke aus der Erbauungszeit (nr. 2) und eine aus der Zeit um 1500 (nr. 82); eine weitere, 1588 gegossene, ist heute bei der Herrgottskapelle aufgestellt (nr. 274). Auch 1628 fanden Baumaßnahmen statt, wie man einer Jahreszahl an einem Fenstergewände der Langhausnordwand (nr. 458) entnehmen kann. Außen neben dem Südportal wurden 1485 und 1560 zwei Brotstiftungsinschriften (nrr. 67, 183) angebracht. Von der Kirchenausstattung des 16. Jahrhunderts ist ein Holzkruzifixus (nr. 166) erhalten, der wohl gegen Ende des Jahrhunderts und erneut 1654 renoviert worden ist; ferner Reste eines spätgotischen, 1627 renovierten Altarretabels (nr. 452) sowie – bereits aus nachreformatorischer Zeit – die hölzerne Kanzel von 1580 (nr. 247). 1603 wurde der Taufstein aufgestellt (nr. 354). Ein Abendmahlskelch wurde 1639 (?) angeschafft (nr. 486). Die Stadtkirche diente nach Ausweis der erhaltenen Grabmäler spätestens seit Beginn des 16. Jahrhunderts als Grabstätte für brandenburgische Amtmänner und ihre Familien. Insgesamt sind ab 1502 vier Grabplatten und vier Epitaphien für diesen Personenkreis erhalten, hinzu kommen zwei Priestergrabplatten, von denen eine noch aus dem 15. Jahrhundert stammt (nrr. 59, 120), ein nicht identifizierbares Grabplattenfragment von 1629 (nr. 459) und ein Epitaph für einen in Creglingen ermordeten Rothenburger Bürgermeister, der jedoch in seiner Heimatstadt bestattet wurde (nr. 475). Eine Beisetzung von 1503 ist außerdem unter dem ehemals vor der Südseite der Kirche errichteten Ölberg nachweisbar38). Die einfachen Bürger wurden vermutlich zunächst auf dem Kirchhof begraben, ab dem 16. Jahrhundert dann auf dem Friedhof um die Herrgottskapelle, die wohlhabenderen Bürger im Innern der Kapelle.

Etwa 1 km südlich von Creglingen ließen an der Stelle, an der ein Bauer 1384 angeblich beim Pflügen eine unversehrte Hostie gefunden hatte, die Brüder Konrad und Gottfried von Hohenlohe-Brauneck eine Salvatorkapelle errichten, die zum Ziel einer Wallfahrt wurde39). 1396 war der Chor als letzter Bauteil vollendet. Der einschiffige Bau mit hölzernem Tonnengewölbe und polygonalem, rippengewölbtem Chor hat sein ursprüngliches Aussehen weitgehend bewahrt. Aus der Erbauungszeit stammen noch die Glasmalereien in Langhaus und Chor (nr. 30). 1401 wurde eine Glocke gegossen (nr. 37); eine zweite, nicht näher datierbare, aber jedenfalls jüngere Glocke (nr. 512) ist nicht erhalten. Drei noch im ausgehenden 14. Jahrhundert entstandene – inschriftlose – Totenschilde und Reste von drei Funeralhelmen erinnern noch an die 1396 ausgestorbenen Herren von Brauneck40), sind aber wohl kaum als Hinweis auf eine Grablege des Geschlechts zu deuten, sondern eher als reine Memorialdenkmäler am zentralen Ort des Braunecker Totengedächtnisses. Denn den vornehmsten Platz vor dem Hochaltar im Chor, der den Stiftern gebührt hätte, nimmt die Grabplatte des ersten Kaplans der Herrgottskapelle ein (nr. 45). Auch in brandenburgischer Zeit blieb den Kaplänen die Verpflichtung, für das Seelenheil der Herrschaft zu beten41). Erhaltene inschriftlich bezeichnete vorreformatorische Ausstattungsstücke sind der berühmte inmitten des Langhauses errichtete Marienaltar aus der Werkstatt Riemenschneiders (nr. 75), die beiden 1496 von Jakob Mülholzer neu geschaffenen bzw. mit einer neuen Predella versehenen Seitenaltäre (nrr. 77, 78) und eine datierte Marienfigur (nr. 115). Außerdem trug die Konsole einer Nikolausstatue früher eine inschriftlich ausgeführte Anrufung (nr. 123). An dem angeblich mit der Jahreszahl 1488 bezeichneten Chorgestühl42) und an der 1886 weitgehend neu übermalten spätgotischen Wandmalerei an der südlichen Chorwand (hl. Christophorus) konnten keine Inschriften mehr festgestellt werden.

[Druckseite XXI]

Bis zur Reformation scheint die Kapelle zunächst fast ausschließlich den Kaplänen als Grabstätte vorbehalten gewesen zu sein, wie insgesamt vier erhaltene Priestergrabplatten aus dieser Zeit nahelegen (nrr. 45, 58, 70, 96). Doch dürfte auch eine inschriftlose Wappengrabplatte für einen in Creglingen ansässigen Rothenburger Patrizier noch aus dem 15. Jahrhundert stammen43). Spätestens nach Einführung der Reformation, mit der die Wallfahrt zum Erliegen kam, wurde die Kapelle dann endgültig zur Friedhofskirche umfunktioniert. Die Durchzugbalken des Tonnengewölbes im Langhaus wurden in der 1. Hälfte des 17. Jahrhunderts (?) mit Bibelsprüchen bemalt, die auf die nunmehrige Funktion des Baus Bezug nehmen (nr. 508). 1594 wurde eine hölzerne Kanzel für Leichenpredigten errichtet (nr. 299). Weit über 70 Grabplatten haben sich erhalten. Im Innern der Kapelle fanden die Pfarrer, Schultheißen und wohlhabenderen Bürger – darunter auffällig viele Müller – mit ihren Familien ihr Begräbnis, während die einfache Bevölkerung auf dem Friedhof um die Kapelle begraben wurde. Den vornehmeren Platz im Chor nahmen vorwiegend aufwendigere Figurengrabplatten ein44), im Langhaus liegen Wappengrabplatten und – häufig schlicht und primitiv ausgeführte – reine Inschriftengrabplatten. Außen an der Kapelle und in geringer Zahl auch im Innern wurden außerdem einfachere Epitaphien mit figürlicher Darstellung der Verstorbenen errichtet (insgesamt fünf vor 1650). Die Gesamtzahl der aus dem Berichtszeitraum erhaltenen inschriftlich bezeichneten Grabplatten beläuft sich auf 51, davon wurden etliche wiederverwendet. Drei der Nachbestattungsinschriften wurden noch vor 1650 ausgeführt. Da einige Platten beschnitten sind, andere jetzt in Nord-Süd-Richtung verlegt sind, muß man wohl davon ausgehen, daß viele der Grabplatten nicht mehr an ihrem ursprünglichen Ort im Boden liegen. Dennoch bietet die Herrgottskapelle insgesamt ein beeindruckendes, weitgehend unversehrt erhalten gebliebenes „bürgerliches“ Grabmälerensemble. An den Außenwänden des Chores haben sich etliche mit Rötelkreide ausgeführte Kritzelinschriften des 16. bis 19. Jahrhunderts – zumeist fragmentarisch – erhalten (nr. 167), deren älteste noch von Wallfahrern angebracht wurden.

Weikersheim, ev. Stadtkirche und Schloß

Die älteste Weikersheimer Pfarrkirche (St. Georg) stand auf dem Gelände des noch heute genutzten Friedhofs nördlich vor der Stadt45). Als die jetzige Pfarrkirche im frühen 15. Jahrhundert errichtet wurde, wurden Spolien der romanischen Georgskirche wiederverwendet46). Eine Grabplatte von 1385 (nr. 28) deutet ferner darauf hin, daß damals auch Grabmäler aus der alten in die neue Kirche überführt worden sind. Treibende Kraft bei der Verlegung und dem Neubau der Pfarrkirche war der damalige Ortsherr Konrad von Weinsberg47). Eine Bauinschrift an der Westfassade (nr. 42) dokumentiert den Baubeginn 1419; in dem – heute im Innern der Kirche geborgenen – Tympanon des Hauptportals sind Konrad von Weinsberg und seine Frau Anna von Hohenlohe mit Tochter und Schwiegersohn als Kirchenstifter dargestellt. Zusätzlich zur Übertragung des Georgspatroziniums wurde die Pfarrkirche dem Hl. Blut geweiht. Von dem um 1440 abgeschlossenen Kirchenbau ist das dreischiffige Langhaus erhalten. Reflex der wechselnden Herrschaftsverhältnisse in Weikersheim um die Mitte des 15. Jahrhunderts sind die Epitaphien eines sächsischen Prinzen, Enkel Konrads von Weinsberg, (nr. 48) und des zeitweiligen Pfandherrn von Weikersheim Wilhelm von Rechberg (nr. 57). Ab dem Beginn des 16. Jahrhunderts diente die Kirche dann der älteren, 1545 ausgestorbenen Weikersheimer Linie der Grafen von Hohenlohe als Grablege (nrr. 104, 114, 117). Neue Impulse erhielt der Kirchenbau nach 1586, als Graf Wolfgang II. von Hohenlohe-Langenburg seine Residenz nach Weikersheim verlegte und so zum Begründer der jüngeren Weikersheimer Linie des Grafenhauses wurde. Die Kirche, mittlerweile nach Einführung der Reformation Sitz eines Superintendenten, wurde im Zuge des Schloßausbaus erweitert und für den lutherischen Gottesdienst eingerichtet: In den Seitenschiffen wurden Emporen eingezogen, die östlichen, für die Herrschaft bestimmten, erhielten 1590 eine Ausmalung mit Szenen des Alten und Neuen Testaments (nr. 285). Aus derselben Zeit stammt die Kanzel. Hochaltar und Seitenaltäre mußten einem schlichten Tischaltar weichen (nr. 281), die Kirchenwände wurden weiß getüncht. 1592 wurden die Schlußsteine der Mittelschiffgewölbe mit den Ahnenwappen des Grafen Wolfgang und seiner Frau Magdalena Gräfin von Nassau-Dillenburg geschmückt. Außerdem [Druckseite XXII] erhielt die Kirche statt des bisherigen Dachreiters erstmals einen Turm, der über dem westlichen Mittelschiffjoch errichtet wurde. Drei Glocken, die bereits 1403 (für die alte Georgskirche?) und 1478 gegossen worden waren, wurden dort aufgehängt. Sie sind 1722 umgegossen worden48). Ab 1588 wurde die Kirche vom gräflichen Haus wieder als Grablege genutzt (nr. 270); 1605 ließ Graf Wolfgang II. dann unter dem östlichen Mittelschiffjoch des Langhauses eine Gruft anlegen, in die die Gebeine einiger Mitglieder des Grafenhauses überführt wurden (vgl. nr. 376). In ihr fanden seither die Mitglieder des Geschlechts ihre Ruhestätte in Sargkammern oder in frei aufgestellten Särgen (nrr. 367, 368, 397, 468). Bereits 1603 gab Wolfgang II. eine monumentale Tumba für sich und seine Gemahlin in Auftrag, die erst nach seinem Tod 1610 vollendet und inmitten des Langhauses aufgestellt wurde (nr. 396). Graf Wolfgangs Sohn und Nachfolger Georg Friedrich ließ schließlich den gotischen Chor abbrechen und durch einen zweijochigen, von zwei Türmen flankierten Polygonalchor in neugotischen Formen mit Sternrippengewölbe ersetzen, dem vermutlich die Funktion eines prunkvollen Grabchors für den Erbauer zugedacht war49). Eine geschnitzte Schlußsteinverzierung trägt die Eheallianzwappen des Grafen und seiner Frau Eva von Waldstein und zeigt mit der Jahreszahl 1617 den Bauabschluß an (nr. 417). Zur Ausstattung des Chors gehören das monumentale, auf der hierher versetzten Altarmensa von 1589 errichtete Altarretabel von 1618 (nr. 420), der im selben Jahr am Kranzgesims des Gewölbes umlaufend aufgemalte lange Lebenslauf des Grafen sowie geschnitzte, Tugenden verkörpernde Engelsfiguren mit Beischriften (nr. 421). Der Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges verhinderte wohl die geplante Ausstattung des Chors mit einem aufwendigen Grabdenkmal Georg Friedrichs. Lediglich die Tumba seines Vaters wurde noch 1617 hierher vor den Altar versetzt. Für Georg Friedrich ist dagegen nur eine Funeralfahne überliefert (nr. 496), die sich heute im Weikersheimer Schloß befindet. Außer der Herrschaft selbst und der Geistlichkeit (nr. 427) wurden auch gräfliche Beamte und ihre Angehörigen in der Stadtkirche begraben (nrr. 222, 317). Das 18. Jahrhundert brachte einige bauliche Veränderungen, auf die hier nicht eingegangen werden muß. Bei einer Kirchenrestaurierung 1927 wurden die Grabplatten aus dem Boden des Langhauses gehoben; bedauerlicherweise wurden damals mindestens fünf davon beseitigt. Die Tumba des Grafen Wolfgang II., die 1714 im südlichen Seitenschiff abgestellt worden war, befindet sich seit 1934 im Weikersheimer Schloß.

Das Weikersheimer Schloß wird im 12. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt50). Sein um den Schloßhof gruppierter Kernbau präsentiert sich heute als unregelmäßige fünfeckige Anlage. Von der staufischen Wasserburg der Herren von Hohenlohe (12. Jahrhundert) ist nur der runde Bergfried erhalten, der um 1600 aufgestockt wurde. Die erhaltenen Inschriften im Schloß stammen ausnahmslos aus der Zeit des Schloßneubaus im ausgehenden 16. und frühen 17. Jahrhundert. Als Graf Wolfgang II. von Hohenlohe 1586 seine Residenz von Langenburg nach Weikersheim verlegte, begann er sofort mit dem Ausbau der Wasserburg. Unter Beibehaltung älterer spätmittelalterlicher Bauteile wurde zunächst 1586–88 der nördlich an den Bergfried anschließende Flügel als provisorische Wohnung und als Beamtenbau hergerichtet; 1588 wurde am Eingang der ehemaligen Schloßkapelle eine Inschrift angebracht (nr. 278). Der Plan eines kompletten Neubaus auf dem Grundriß eines gleichseitigen Dreiecks (Baubeginn 1595) kam nur teilweise zur Ausführung. Den Entwurf lieferte der niederländische Baumeister Georg Robin, das Modell der württembergische Hofschreiner Stegle. Wolf Beringer führte anfangs die Bauaufsicht. Vollständig ausgeführt wurde nur der 1603 vollendete Saaltrakt im Süden mit Rittersaal, Tafelzimmer, Schloßkapelle und Altan an der Hofseite51). Der Rittersaal erhielt eine reiche Ausstattung: Die Kassettendecke wurde 1601/02 mit einer Gemäldeserie mit Jagdszenen von Balthasar Katzenberger (nr. 353) ausgeschmückt, die Nord- und Südwand mit lebensgroßen Tierskulpturen in Kalkschneidearbeit von Gerhard Schmidt und Christoph Limmerich (nr. 375), die westliche Stirnwand mit einem prunkvollen Kamin52), der von stuckierten Ahnentafeln des Grafen Wolfgang und seiner Gemahlin (nr. 377) flankiert ist, die östliche Stirnwand schließlich mit einem 1603 als Triumphbogen in Kalkschneidearbeit von Gerhard Schmidt gefertigten Portalgewände (nr. 360). Das östlich an den Saal anschließende Tafelzimmer erhielt um 1604 als Deckenschmuck eine [Druckseite XXIII] Serie von zwölf Gemälden mit Szenen aus dem Langen Türkenkrieg (nr. 366). Im westlichen Teil des Saaltrakts liegt die Kapelle, deren mit Ahnenwappen des Grafen Wolfgang und seiner Frau in den Schlußsteinen versehenes Kreuzrippengewölbe inschriftlich auf 1600 datiert ist (nr. 326). Um dieselbe Zeit sind auch die Brüstungsreliefs der Emporen von Gerhard Schmidt geschaffen worden (nr. 328). Der Treppenturm im südwestlichen Winkel des Schloßhofs war nach Ausweis der datierten Deckenstuckierung (nr. 314) 1598 fertiggestellt. Vom westlichen sogenannten Küchenflügel wurde nur der südliche Teil ausgeführt. Zwei Zimmer im 1. Obergeschoß erhielten 1598 Stuckdecken mit antiken Szenen und Versbeischriften (nr. 313), wiederum von der Hand Schmidts. Der östliche Flügel des Schlosses (sog. Langenburger Bau) wurde abweichend vom ursprünglichen Plan fast rechtwinklig an den Saaltrakt angebaut. Er wurde im letzten Viertel des 17. Jahrhunderts ausgebaut und birgt keine Inschriften des Berichtszeitraums. Auch aus dem zweigeschossigen, heute nicht mehr erhaltenen Laboratoriumsanbau (1602) des für seine alchemistischen Studien bekannten Grafen Wolfgang und aus der Schloßapotheke sind keine Inschriften überliefert53). Unter Wolfgangs Sohn Graf Georg Friedrich stagnierte der Schloßbau zugunsten des Ausbaus der Stadtkirche; der Dreißigjährige Krieg verhinderte eine Baufortführung. Die barocken Baumaßnahmen des späten 17. Jahrhunderts und die Innenausstattung des 18. Jahrhunderts, die dem Schloß sein heutiges Gepräge gaben, müssen hier nicht verfolgt werden. Auch die Anlage des Barockgartens liegt bereits außerhalb des Berichtszeitraums (1708)54). Ununterbrochen in hohenlohischem Besitz, wurde das Schloß 1967 an das Land Baden-Württemberg verkauft.

Niederstetten, ev. Pfarrkirche (St. Jakob)

Niederstetten55) gehörte in karolingischer Zeit dem Kloster Fulda. Grabungsbefunde in der Jakobskirche weisen bis ins frühe Hochmittelalter zurück56). Die Ortsherrschaft war im 13. Jahrhundert hohenlohisch, wurde 1340 an Markgraf Stefan von Brandenburg verkauft (Stadtprivileg), wechselte dann ab 1347 mehrfach (Würzburg, Hohenlohe, Schenken von Limpurg, Castell), bis sie 1415 an die Herren von Rosenberg kam. Da diese Niederstetten dem Bischof von Würzburg zum Lehen auftrugen, konnte dieser 1632 nach dem Aussterben der Rosenberger den Ort als heimgefallenes Lehen einziehen. Es wurde 1641 neu vergeben an die Grafen von Hatzfeldt. Die Jakobskirche war ursprünglich Filial von Oberstetten, das Patronat lag seit dem 13. Jahrhundert bei dem Würzburger Stift Neumünster. Das einschiffige Langhaus des Kirchenbaus ist in seinem Kern noch spätromanisch (um 1230/40). Der heutige Chor wurde 1788 anstelle des spätromanischen Chorturms errichtet. Dabei wurde in einem der Fenstergewände das Fragment einer Grabplatte (?) des 15. Jahrhunderts (nr. 53) in Zweitverwendung verbaut. Der wohl im 13. Jahrhundert errichtete frei stehende Glockenturm, südwestlich von der Kirche abgesetzt, diente ursprünglich sicherlich als Eingangstor zum Wehrkirchhof57). Die älteste erhaltene Glocke stammt von 1429 (nr. 46). Sie wurde vermutlich aus dem Chorturm der Kirche in den durch Aufsetzen eines fünften Geschosses mit Glockenstube zum Glockenturm umfunktionierten Bau übertragen. Dieser Funktionswandel des Turms scheint bereits lang vor dem Abbruch des Chorturms erfolgt zu sein, da die Aufstockung wohl in die 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts zu datieren ist58). Von der vorreformatorischen Kirchenausstattung existieren noch der spätgotische Flügelaltar, der freilich keine Inschriften trägt, und zahlreiche Schnitzfiguren. Die Reformation wurde um 1550 von den Herren von Rosenberg eingeführt, die die Pfarrkirche im 16. und 17. Jahrhundert als Grablege nutzten. Von 1529 ab ist eine stattliche Reihe von zwölf (z. T. fragmentarischen) Epitaphien erhalten. Drei noch im 19. Jahrhundert vorhandene Totenschilde von 1499, 1509 und 151259) sind dagegen verschollen, ohne daß ihre Inschriften überliefert sind.

[Druckseite XXIV]

An den Bau des ev. Pfarrhauses erinnert eine Bauinschrift von 1586 (nr. 268). Die rosenbergische Ortsherrschaft hat in Niederstetten außer in den Grabdenkmälern auch in einer Wappentafel von 1572 an Schloß Haltenbergstetten (nr. 216) sowie in einer Bauinschrift mit Wappen von 1550 am Amtshaus (nr. 164) inschriftlichen Niederschlag gefunden.

Frauental, ehemaliges Kloster

Das Zisterzienserinnenkloster Frauental60) wurde 1232 durch die Brüder Konrad und Gottfried von Hohenlohe-Brauneck und ihre Gemahlinnen gegründet. Mit dem Bau der Klosterkirche wurde bald darauf begonnen. An den kreuzrippengewölbten Polygonalchor schloß sich das flachgedeckte Langhaus an, in das hinter dem Laienraum über einer dreischiffigen gewölbten Unterkirche eine Nonnenempore eingebaut wurde. Das Langhaus wurde im späten 13. Jahrhundert nach Westen auf die heutigen Maße verlängert. Von den Konventsgebäuden wurde als erstes der Ostflügel errichtet, Nord- und Westflügel und der Kreuzgang folgten im 14. Jahrhundert. An der Altarwand der Unterkirche haben sich Reste von Wandmalereien aus der 1. Hälfte des 14. Jahrhunderts erhalten (nr. 13). Die kryptaartige Unterkirche diente als Bestattungsraum für Nonnen und Förderer des Klosters. So hatten die Herren von Hohenlohe-Brauneck eine ihrer Grablegen in Frauental. Einzig eine „Grabschrift“ für den 1368 verstorbenen Gottfried von Brauneck (nr. 22) ist kopial überliefert. Weitere vier Braunecker-Bestattungen des 14. Jahrhunderts sind bezeugt61), freilich ohne daß etwaige Grabinschriften bekannt wären. Auch sollen etliche Angehörige des Rittergeschlechts von Ehenheim dort bestattet gewesen sein, „als dann die schilt, helm und leuchtstein (=Leichensteine) anzaigen und vor augen ist“62), von denen ebenfalls keine Inschriften auf uns gekommen sind. Von Grabplatten des Mittelalters ist lediglich das Fragment eines inschriftlosen Steins mit Lilienstabmotiv erhalten (14. Jahrhundert?).

Das Kloster wurde im Bauernkrieg weitgehend zerstört und geplündert. Nur die Kirche und der Ostflügel der Klausur blieben stehen und wurden wieder notdürftig hergerichtet, wie eine Bauzahl am Ostflügel (nr. 126) belegt. Der Niedergang des Klosters ließ sich nicht mehr aufhalten, 1547 wurde es nach vorheriger Einführung der Reformation durch die brandenburg-ansbachische Herrschaft (1526) aufgehoben. Aus der Zeit vor der Klosteraufhebung sind nur die Reste der Grabplatte der letzten Äbtissin (nr. 135) sowie eine Priestergrabplatte (nr. 144) erhalten. Ob der spätgotische Kelch (nr. 85) ursprüngliches Klosterzubehör war, ist unsicher. Die Umwandlung des Klosters in ein markgräfliches Kastenamt dokumentiert sich in etlichen Bauinschriften der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts mit herrschaftlichem Wappen (nrr. 169, 219, 224, 263) an der Kirche und am sogenannten Ansbachischen Neubau, dem neuen Sitz des Amtmanns (Verwalters). Chor und Oberkirche des Langhauses wurden fortan als Getreidespeicher genutzt, die Unterkirche wurde für den evangelischen Gottesdienst hergerichtet. Sie diente weiterhin als Grablege, jetzt für die ansbachischen Beamten und ihre Familien. Aus dem Berichtszeitraum sind drei Grabplatten (nrr. 287, 296, 342) und ein Epitaph (nr. 297) erhalten63); das Altarbild in der Unterkirche (nr. 201) ist vielleicht das Fragment eines weiteren Epitaphs. Die Verwalter nennen sich mit ihren Initialen auch in Bauinschriften (nrr. 219, 263) sowie in einer Rötelinschrift an einem Kirchenpfeiler (nr. 254). 1614 wurde die Kanzel angefertigt (nr. 409); der Taufstein aus der Zeit um 1600 (nr. 327) ist erst 1697 in die Kirche gestiftet worden, sein ursprünglicher Standort ist unbekannt.

Der zum Klosteramt gehörende Klosterwald wurde um 1608 versteint (nr. 391). Die Güter des unrentablen Domänenamtes wurden ab 1670 verkauft, Frauental entwickelte sich zum Dorf (selbständige Gemeinde 1791). 1962 wurde die Unterkirche, 1982–85 die Oberkirche renoviert. In ihr wurde 1990 das Museum „Vom Kloster zum Dorf“ eingerichtet.

Wachbach, ev. Pfarrkirche

Die Wachbacher Kirche64), deren Patrozinium unbekannt ist, wird 1045 erstmals erwähnt. Sie gehörte damals dem Herzog von Bayern. Vom jetzigen Bau stammen das untere Geschoß des Chorturms und [Druckseite XXV] das Südportal, vielleicht auch die Umfassungsmauern des Langhauses, aus romanischer Zeit (frühes 13. Jahrhundert), Kreuzrippengewölbe und Südfenster des Chors sind Teil einer gotischen Umbauphase. Einer Erhöhung des Langhauses im 3. Viertel des 16. Jahrhunderts folgte eine Aufstockung des Turms 1607/08. Die erhaltenen Glocken aus dem 3. Viertel des 14. Jahrhunderts (nr. 25) und von 1510 (nr. 108) lassen sich keiner bestimmten Bauphase zuordnen. Der älteste Kelch stammt aus der Mitte des 14. Jahrhunderts (nr. 18), zwei weitere (nrr. 87, 402) – darunter eine umfunktionierte Bechersonnenuhr – scheinen nicht ursprünglich für die Wachbacher Kirche bestimmt gewesen zu sein.

Die Ortsherrschaft über Wachbach gelangte 1327 durch Kauf von Hohenlohe-Brauneck an die Reich von Mergentheim. Einige Angehörige des Geschlechts wurden in der Pfarrkirche beigesetzt (nrr. 23, 26). Lehenshoheit und Ortsherrschaft (Ganerbiat) wechselten in der Folgezeit mehrfach; ab etwa 1430 erscheinen die von Adelsheim als Teilhaber an der Ortsherrschaft. Im Laufe des 16. Jahrhunderts gelang es ihnen, über die Hälfte der Herrschaft sowie den Kirchensatz an sich zu bringen, der Deutsche Orden als einziger Mitbesitzer hielt zwei Fünftel der Herrschaftsrechte sowie die Centgerichtsbarkeit. Ab dem 16. Jahrhundert war Wachbach Sitz eines eigenen Deutschordensamtes. Gegen den Widerstand des Ordens führten die von Adelsheim um 1542 die Reformation ein. Die Linie zu Wachbach nutzte die Pfarrkirche seither als ihre – offenbar exklusive – Grablege. Aus dem Zeitraum von 1542 bis 1632 sind insgesamt elf Grabmäler für Angehörige oder Verwandte des Geschlechts erhalten, ein weiteres (nr. 392) ist bezeugt. Die übrigen Mitglieder der (evangelischen) Gemeinde wurden auf dem Kirchhof bestattet. Der von dort stammende Steinkruzifixus von 1588 (nr. 277) und ein Pfarrergrabmal von 1633 (nr. 473) wurden nach der Auflassung des Kirchhofs im frühen 18. Jahrhundert auf den damals angelegten neuen, von dort wiederum 1813 auf den jetzigen Friedhof übertragen.

Die heftigen Auseinandersetzungen zwischen denen von Adelsheim und dem Deutschen Orden führten zu Beginn des 17. Jahrhunderts zur Stiftung einer neuen (katholischen) Pfarrei in Stuppach (vgl. nr. 385), der die katholisch gebliebenen Deutschordensuntertanen in Wachbach fortan angehörten.

Laudenbach, kath. Pfarrkirche St. Margareta und Bergkirche U. L. Frau

Laudenbach65) wird erstmals im 8. Jahrhundert erwähnt, damals im Besitz des Klosters Fulda. Zu unbekanntem Zeitpunkt ging die Ortsherrschaft an die Herren von Hohenlohe über, 1382/88 an die von Finsterlohr. Letztere, die schon seit der Mitte des 14. Jahrhunderts im Ort ansässig gewesen waren und an Vogtei und Gerichtsbarkeit teilhatten, trugen Laudenbach dem Hochstift Würzburg zu Lehen auf. Dies hatte zur Folge, daß der Ort nach dem Aussterben des Geschlechts 1568 an Würzburg heimfiel. Die schon früh von den von Finsterlohr eingeführte Reformation wurde unter Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn wieder rückgängig gemacht. Erst nach über 70 Jahren direkter Herrschaft wurde 1641 das Lehen an die katholischen Grafen von Hatzfeldt neu ausgegeben. Nach Erlöschen der Linie Hatzfeldt-Trachenberg fiel Laudenbach 1794 abermals an das Hochstift heim.

Die Laudenbacher Kirche war bis 1309 Filial von Niederstetten. Die heutige Pfarrkirche ist ein Neubau von 1896. Lediglich der romanische Chorturm mit gotischem Netzgewölbe blieb erhalten. Die Kirche diente den Herren von Finsterlohr als Grablege. Ein Epitaph des ausgehenden 14. Jahrhunderts (nr. 29) und zwei aus nachreformatorischer Zeit (nrr. 162, 199) wurden nach dem Abbruch der alten Kirche im Untergeschoß des Turms aufgestellt, eine weitere bezeugte Grabplatte (nr. 176) ist heute verloren. Auf Kirchenrenovierungsmaßnahmen im Zuge der würzburgischen Gegenreformation deutet die Bauzahl 1580 im Turmobergeschoß (nr. 249) hin sowie eine vom Westportal der alten Kirche stammende Bau- und Gedenkinschrift auf das 40jährige Regierungsjubiläum des Bischofs Julius Echter von 1613 (nr. 407). Eine Glocke aus vorreformatorischer Zeit (nr. 128) und eine aus würzburgischer Zeit von 1605 (nr. 369) gingen zu unbekanntem Zeitpunkt – vermutlich beim Neubau der Kirche – verloren.

Im Bergwald auf der linken Vorbachseite, westlich des Dorfs, wurde im frühen 15. Jahrhundert eine Marienkapelle errichtet66). Mit dem Bau der „Bergkirche“ (nach Vorbild der Würzbuger Marienkapelle) wurde laut Bauinschrift am Chor (nr. 38) 1412 begonnen. Die Kapelle wurde sechs Jahre später der Laudenbacher Pfarrkirche inkorporiert. Der Polygonalchor ist sternrippengewölbt und zeigt zwischen reich verzierten Strebepfeilern hohe Maßwerkfenster. Vom ursprünglichen Langhaus sind West- und Südportal mit hervorragendem Figurenschmuck erhalten (vgl. nr. 65); das Tympanon [Druckseite XXVI] des 1748 abgebrochenen Nordportals mit Verkündigungsrelief (nr. 54) ist heute im Innern der Kapelle aufgestellt. Unter Hatzfeldtscher Herrschaft wurde die Bergkirche umfassend renoviert: die Außenmauern des Langhauses wurden mit Stützpfeilern versehen, auf die Westfassade wurde ein Barockgiebel aufgesetzt, der Turm wurde aufgestockt und mit einem Helm und bekrönendem Marienbild versehen, und das Innere des Langhauses wurde barock umgestaltet. 1659 – also bereits außerhalb des Bearbeitungszeitraums – wurde im Chor eine kunstvolle Tumba als Herzgrab des Generalfeldmarschalls Melchior Graf von Hatzfeldt († 1658) errichtet, die 1748 in eine eigens dafür angebaute Grabkapelle im Norden des Langhauses überführt wurde.

Die Bergkirche birgt ein Gnadenbild der Schmerzensmutter aus dem frühen 15. Jahrhundert. Von der Wallfahrt zeugen etliche von Pilgern angebrachte Kritzelinschriften an der Südseite von Chor und Langhaus, von denen die früheste erhaltene vielleicht noch von 1415 stammt und die bis ins 19. Jahrhundert reichen (nr. 40). Ebenso haben sich dort Handwerker verewigt, die am Bau der Kirche und an Renovierungsarbeiten beteiligt waren. Ausschließlich um Handwerkerinschriften dürfte es sich bei den Kritzeleien im Innern des Treppenturms sowie bei den 1642 im Dachstuhl aufgemalten Nameninschriften (nr. 494) handeln. Die Bemühungen um eine Wiederbelebung der Wallfahrt im Zuge der Gegenreformation dokumentieren sich u. a. in der inschriftlich auf einem Bildstock bezeugten Ausbesserung des Kreuzwegs zur Kapelle 1609 (nr. 393) und in der Renovierung des Kirchnerhauses bei der Kapelle 1605 (nr. 370).

Das kürzlich vorbildlich restaurierte Laudenbacher Schloß, über das keine wissenschaftliche Bauuntersuchung existiert67), birgt noch mittelalterliche Teile, darunter ein Spitzbogenportal mit inschriftlich ausgeführter Marienanrufung (nr. 84). Von Umbaumaßnahmen unter würzburgischer Herrschaft zeugen ein datiertes Portalgewände von 1576 (nr. 228) und eine (nicht erhaltene) Bauinschrift des Bischofs Julius Echter von 1582 am ehemaligen Speichergebäude (nr. 255). Von der Ortsbefestigung existiert noch ein Turm mit Bauinschrift der finsterlohrschen Ortsherrschaft von 1476 (nr. 62).

3. Die nicht-originale Überlieferung der Inschriften

Von den im vorliegenden Band erfaßten Inschriften sind 421 erhalten, 115 nur mehr kopial überliefert68). Somit beträgt der Anteil der nicht erhaltenen Inschriften nur 21%69). Dies hat seinen Grund zum einen in der ungewöhnlich hohen Zahl der im Original auf uns gekommenen Inschriften der Creglinger Herrgottskapelle, zum anderen aber – und vor allem – im Fehlen früher Inschriftensammlungen für unser Bearbeitungsgebiet. Weder für die vor ihrer Aufhebung mit Sicherheit inschriftenreichen Klöster Schäftersheim und Frauental noch für die Hohenlohe-Residenz Weikersheim, die Deutschordensstadt Mergentheim oder die Ritterschaftsorte mit ihren vom Adel als Grablegen genutzten Kirchen existieren Aufzeichnungen, die den Inschriften Aufmerksamkeit geschenkt oder diese überliefert hätten. Die Quellen der Kopialüberlieferung sind somit sehr disparat und bereichern den Inschriftenbestand meist nur unwesentlich.

Im Zusammenhang mit genealogischen Aufzeichnungen zum südwestdeutschen Adel70) gibt der württembergische Leibarzt und Hofhistoriograph Oswald Gabelkover (1539–1616) die Ahnenproben und den – offenbar verkürzten – Wortlaut der Inschriften71) von zwei Grabmälern der Horneck von Hornberg wieder (nrr. 140, 177). Die Wappenwiedergabe spricht für Autopsie. Das betreffende Blatt ist mit „Mergentheim“ überschrieben, so daß die anderweitig nicht nachgewiesenen Inschriften wohl nach Mergentheim gehören; ihr Standort ist unbekannt.

Ebenfalls eher beiläufig teilt der württembergische Mathematiker und Archivar am herzoglichen Archiv Friedrich Rüttel (1579–1634) in seinen um 1630 entstandenen historischen und genealogischen [Druckseite XXVII] Kollektaneen72) unter den Notizen zu den Herren von Weinsberg eine Grabinschrift aus Kloster Schäftersheim mit (nr. 8), für die er die einzige Quelle ist. An der Zuverlässigkeit der Textwiedergabe sind freilich Zweifel angebracht.

Den vollständigen Text der Sterbeinschrift für den hohenlohischen Hofprediger Assum (nr. 427 A) kennen wir nur durch die 1709 im Druck erschienene „Memoria Theologorum wirtembergensium“ des Spezialsuperintendenten zu Heidenheim Ludwig Melchior Fischlin (1672–1729). Eine etwas verkürzte Fassung derselben Inschrift überliefert der hohenlohische Hofprediger zu Langenburg und Historiker Johann Christian Wibel (1711–72) in seiner ausführlichen vierbändigen, 1752–55 erschienenen Hohenlohischen Kyrchen- und Reformations-Historie73). Wibel ist darüber hinaus der einzige Gewährsmann für zwei frühe Sterbeinschriften für Herren von Hohenlohe in Mergentheim und Schäftersheim (nrr. 1, 20). Ob ihre Kenntnis auf Autopsie beruht, ist unklar, an der korrekten Textwiedergabe sind zumindest Zweifel angebracht. In einer Abhandlung über Kloster Frauental74) gibt Wibel ferner die „in einem Manuscripto gefundene“ Grabschrift Gottfrieds von Brauneck (nr. 22) wieder. Die Textüberlieferung scheint verderbt, so daß Wibel bei der erneuten Wiedergabe in seiner Kyrchen- und Reformations-Historie – allerdings wenig glücklich – in den Text eingreift. Auch sonst beschränkt sich das epigraphische Interesse des Autors im wesentlichen auf die Grabschriften für Angehörige des Hauses Hohenlohe, die er vereinzelt mitteilt. So verdanken wir ihm die Kenntnis der Inschriften von drei Weikersheimer Grabplatten (nrr. 114, 117, 155), die 130 Jahre später zur Zeit der Abfassung der Oberamtsbeschreibung75) nicht mehr oder nur noch zum Teil lesbar waren. Immerhin legt der Vergleich mit den auch später noch erkennbaren Textpassagen die Vermutung nahe, daß Wibel offenbar mitunter den Wortlaut verkürzte bzw. in der Schreibweise einzelner Wörter vom Original abwich76).

Das am Ende des Alten Reichs nahezu unversehrte, äußerst umfangreiche Deutschordenshauptarchiv in Mergentheim wurde im Zuge der politischen Neuordnung des frühen 19. Jahrhunderts schrittweise dezimiert, seine Bestände wurden auseinandergerissen und gelangten in zahlreiche Archive der territorial-staatlichen Rechtsnachfolger des Deutschen Ordens77). Nach der Verlegung des Hochmeistersitzes nach Wien wurden nach und nach die Archivalien dorthin abgegeben, die den Orden im Allgemeinen, die innere Ordensverfassung, Geheime Kanzlei- und Kabinettsangelegenheiten und weiterexistierenden Ordensbesitz betrafen, sowie unter anderem Stammbäume und Ahnenproben und weitere die Ordensmitglieder berührende Akten. Sie wurden zum Grundstock des 1852 unter der Regie des Benediktiners Beda Dudík eingerichteten Deutschordenszentralarchivs. In Mergentheim verblieben im wesentlichen nur die territorial-staatlichen Dokumente des Ordens, sofern sie auf Württemberg Bezug hatten oder unteilbar waren. Nachdem 1809 der letzte Archivar des Deutschen Ordens in französische Dienste gewechselt war, blieb das Mergentheimer Archiv – nunmehr königlich-württembergisches Archivdepot (Nebenarchiv) – jahrelang ohne Aufsicht, bis 1813 dem vormaligen deutschordischen Hofratssekretär Paul Anton Breitenbach (1754–1834) als Pensionär des Deutschen Ordens die Betreuung des Archivs übertragen wurde. Breitenbach war schon früher mit dem Ordnen des Archivs betraut gewesen und somit mit dessen Beständen bestens vertraut. Aus historischem Interesse legte er eine umfangreiche Sammlung zur Geschichte des Deutschmeistertums, des Mergentheimer Meisterstaates und der deutschen Balleien sowie zur Stadt Mergentheim und ihrer Umgebung an. Diese Sammlung bestand aus zahllosen Abschriften von Urkunden und Akten, deren Originale zu einem großen Teil das Mergentheimer Archiv verließen und von denen etliche heute nicht mehr existieren oder jedenfalls nicht mehr nachweisbar sind; teilweise reihte Breitenbach auch Originale in die Sammlung ein. Diese Sammlung wurde von Anton Breitenbach (1799–1868), einem Neffen des Archivars, ergänzt und fortgeführt. Er war seit 1824 Assistent seines Onkels und rückte nach dessen Tod 1834 auf die Stelle des Archivars nach78). Teile der Breitenbachschen [Druckseite XXVIII] Urkunden- und Aktensammlung wurden von Dudík für das Wiener Archiv angekauft79), das meiste blieb aber in Mergentheim und gelangte nach dem Tod des jüngeren Breitenbach bei der Überführung des gesamten Mergentheimer Archivs 1868 in das württembergische Staats-Filial-Archiv (seit 1938 Staatsarchiv) Ludwigsburg (Bestände B 236 und JL 425). Angesichts der geschilderten Zersplitterung der einstigen Bestände des Deutschordenshauptarchivs Mergentheim war eine systematische Sichtung der Archivalien auf kopiale Inschriftenüberlieferung hin unmöglich. Da das für Mergentheim und Umgebung historisch Belangvolle von den beiden Breitenbach offenbar weitgehend in ihren historischen Sammlungen abgeschrieben wurde, beschränkte sich meine Auswertung der Deutschordensarchivalien auf eine eingehende Sichtung dieser Bestände. Das Auffinden der Vorlagen wäre äußerst zeitaufwendig, vermutlich oft unmöglich und somit im Rahmen der vorliegenden Arbeit kaum vertretbar gewesen. Schwerer wiegt der aus arbeitsökonomischen Gründen selbst auferlegte Verzicht auf die Konsultation des Deutschordenszentralarchivs in Wien. Es sei daher ausdrücklich darauf hingewiesen, daß eine systematische Beständesichtung dort durchaus noch die eine oder andere Inschrift aus dem Bearbeitungsgebiet zutage fördern dürfte. Doch stand auch hier der Aufwand in keinem Verhältnis zu dem zu erwartenden Ergebnis.

Die Breitenbachschen Sammlungen stellen schon ihrer Entstehung nach ein sehr uneinheitliches Konglomerat unterschiedlichsten Inhalts dar. Inschriften wurden nur aufgenommen, um historische Sachverhalte zu dokumentieren; eine systematische Sammlung und Wiedergabe von Inschriften war in der Regel nicht beabsichtigt. Immerhin enthält das zusammengetragene Material neben der Wiedergabe zahlreicher noch erhaltener Inschriften – meist im Rahmen der Beschreibung einzelner Gebäude in Mergentheim – die Texte von einigen nicht anderweitig aufgezeichneten Inschriftenträgern, deren Kenntnis offenbar teils auf Autopsie, teils auf Archivalien beruht. Bei drei Grabschriften aus der Mergentheimer Schloßkapelle (nrr. 24, 132, 498) und drei Grabschriften für Deutschordensritter in der Johanneskirche (nrr. 438, 481, 482), die der jüngere Breitenbach unter einem eigenen Titel „Grabsteininschriften“ zusammenstellte80), ist nicht durchweg mit Sicherheit zu entscheiden, ob es sich tatsächlich um inschriftlich ausgeführte oder aber aus Archivalien anderweitig gewonnene Texte handelte. Dagegen beruht die Kenntnis einer Stifterinschrift auf einem Kruzifixus (nr. 509) eindeutig auf Autopsie: Anton Breitenbach ließ die Inschrift sogar von dem mit der Versetzung des Kreuzes betrauten Schreinerlehrling genau abzeichnen. Zwei weitere Grabschriften aus der Mergentheimer Johanneskirche, die in der Aufzählung der „Grabsteininschriften“ fehlen (nrr. 180, 279), finden sich in einem „Verzeichnuß der Canzler des Deutschen Ordens und der Hoch- und Deutschmeister“, das der ältere Breitenbach „nach archivalischen Notizen“ um 1820/30 zusammenstellte81). Beide Grabmäler dürften demnach im 1. Drittel des 19. Jahrhunderts nicht mehr existiert haben. Die Quelle der Textüberlieferung gibt Breitenbach nicht näher an.

Von den Ludwigsburger Beständen des ehemaligen Mergentheimer Archivs wurden über die Breitenbachschen Sammlungen hinaus vor allem die Schloß- und Schatzinventare des Mergentheimer Schlosses, der Burg Neuhaus und der Mergentheimer Kirchen systematisch ausgewertet. Auf eine zusätzliche Überprüfung der weitgehend textgleichen Inventare, die sich heute im Deutschordenszentralarchiv befinden, wurde verzichtet, zumal diese in Beda Dudíks 1865 erschienenem Prachtwerk über die „Kleinodien des Deutschen Ritterordens“82) vollständig ausgewertet wurden unter Zitierung der für die Inschriftenüberlieferung maßgeblichen Passagen. Die Ludwigsburger Inventare83) und Dudíks Werk zusammengenommen liefern Inschriften sehr unterschiedlichen Umfangs von insgesamt 18 verlorenen Schatzkammerstücken aus dem Deutschordensschatz und aus den Schätzen der Mergentheimer Kirchen (Schloß- und Hofkapelle, Johanneskirche, Mariahilf-Kapelle)84). Weitere acht Inschriften auf Paramenten und Geräten steuern Kircheninventare bei, die heute im Stadtarchiv und im Kath. Pfarrarchiv Bad Mergentheim aufbewahrt werden, vermutlich aber ebenfalls aus dem Deutschordenshauptarchiv stammen (nrr. 470, 483, 484, 497, 505, 506). Die Inventare, die vor allem wegen der wiederholt notwendigen Flüchtung des Deutschordensschatzes in dichter zeitlicher Folge neu angelegt wurden, erlauben in der Regel eine recht genaue Aussage über den Zeitpunkt, zu dem einzelne Stücke in den Schatz aufgenommen wurden oder verloren gingen. Der durch Abschreiben der Vorgängerinventare meist gleichbleibende Wortlaut bringt aber mit sich, daß sich die Verzeichnisse in ihrem Informationsgehalt über das Aussehen und damit auch über etwaige Inschriften der einzelnen [Druckseite XXIX] Objekte kaum unterscheiden. Oft werden die Stücke detailliert beschrieben, auch Inschriften erwähnt, deren Wortlaut aber nicht mitgeteilt, so daß sie im vorliegenden Band keine Aufnahme finden konnten (s. Kap. 6).

Die vollständig gesichteten Schloßinventare von Weikersheim und der Rosenfeld-Hatzfeldtschen Herrschaften und die Inventare der Laudenbacher Bergkirche im Hohenlohe-Zentralarchiv Neuenstein85) förderten nur wenige Inschriften auf Trägern (Trinkgläser, Waffen) ungewisser Provenienz zutage (nrr. 390, 401, 489, 513, 514, 515).

Mehrfach überliefert – sowohl in Archivalien aus dem Mergentheimer Archiv als auch in Chroniken des Kapuzinerordens – sind die Inschriften der Silberplatten, die in die Grundsteine der Kapuzinerklosterkirche in Mergentheim eingelassen waren (nrr. 456, 479). Eine vergleichbare Inschrift aus der dortigen Mariahilf-Kapelle (nr. 490) fand Aufnahme in den Breitenbachschen Sammlungen.

Die Kenntnis der Grabschrift eines Ritters von Bartenstein in der Mergentheimer Johanneskirche (nr. 10) verdanken wir den offenbar auf Autopsie beruhenden Aufzeichnungen des Mergentheimer Oberamtsarztes Christian Friedrich Bauer (1776–1838)86), dessen historischen Interessen u. a. eine Abhandlung über die Ritterburgen in Franken und Schwaben (WLB, Cod. hist. F 687)87) und eine bis etwa 1836 geführte Chronik von Mergentheim (WLB, Cod. hist. F 692) entsprangen. Vor allem die Chronik, von der verschiedene Fassungen und Abschriften existieren, u. a. im Kath. Pfarrarchiv Bad Mergentheim, überschneidet sich in weiten Passagen mit historischen Abhandlungen über Mergentheim in der Breitenbach-Sammlung, so daß es einer eingehenden kritischen Untersuchung bedürfte, die gegenseitigen Abhängigkeiten zu klären. In der Chronik teilt Bauer vorwiegend noch erhaltene Inschriften mit. Die Textwiedergabe ist – wie der Vergleich mit erhaltenen Inschriften zeigt – nicht immer zuverlässig und beruht nicht durchweg auf Augenschein. Die Ungenauigkeiten betreffen mehr die Schreibweise einzelner Wörter und die Vollständigkeit der Textwiedergabe als den Wortlaut der Inschriften.

Zahlreiche Aufsätze und kleinere Monographien historisch-topographischen und genealogischen Inhalts mit unmittelbarem Bezug zu Mergentheim, Creglingen und der näheren Umgebung, in denen Inschriften stets als historische Quellen berücksichtigt und zitiert werden, verfaßte der Pfarrer und Volksschriftsteller Ottmar Friedrich Heinrich Schönhuth (1806–64)88), der nach dem Besuch des Tübinger Stifts 1829 zunächst Vikar in Pliezhausen (Lkr. Reutlingen), dann 1830 Pfarramtsverweser auf dem Hohentwiel und 1837 Pfarrer in Dörzbach (Hohenlohekreis) war, bevor er 1842 auf die Pfarrei Wachbach und 1854 schließlich auf die Pfarrei Edelfingen wechselte89). Schönhuth, Mitbegründer des Historischen Vereins für Württembergisch Franken, kannte viele Inschriften aus eigener Anschauung, übernahm aber gelegentlich auch Lesungen aus anderen Quellen, meist ohne diese zu nennen, so aus Wibels Kyrchen- und Reformations-Historie und aus Bauers Chronik von Mergentheim; auch die Breitenbachschen Aufzeichnungen scheinen ihm nicht unbekannt geblieben zu sein, worauf etliche mit diesen übereinstimmende, aber vom Textbefund der erhaltenen Inschriften abweichende Lesungen hindeuten. Insgesamt ist Schönhuth ein verhältnismäßig zuverlässiges Urteil bei der zeitlichen Einordnung der Schriftarten und somit der Inschriften zu bescheinigen, soweit dies überprüft werden kann, dagegen hat er sich weniger gründlich um eine genaue Textwiedergabe bemüht. Bisweilen überliefert er in seinen verschiedenen Schriften sogar unterschiedliche Textfassungen (vgl. z. B. nr. 419). Einziger Gewährsmann ist Schönhuth für eine Wachbacher Grabplatte des 14. Jahrhunderts (nr. 26), von der er sogar eine Abbildung publizierte, ferner für einen Frauentaler Wappenstein mit Bauinschrift (nr. 169) und ein Reinsbronner Altarbild (nr. 301). Auch der Wortlaut der heute [Druckseite XXX] durch ein Gestühl verdeckten Sterbeinschriften eines Wachbacher Epitaphs (nr. 196) ist nur durch Schönhuth bekannt.

Die weitaus ergiebigste Quelle der kopialen Inschriftenüberlieferung ist die 1880 erschienene, vom königlichen statistisch-topographischen Bureau erarbeitete Beschreibung des Oberamts Mergentheim90), die neben zahlreichen erhaltenen auch eine ganze Reihe heute verlorener und nicht anderweitig bezeugter Inschriften enthält. Neben einigen wenigen Grabplatten (nrr. 36, 339, 392), einem Glasfenster (nr. 499) und einem Steinkreuz (nr. 416) und weiteren, eher unbedeutenden Inschriften sind vor allem 16 Glocken mit ihren Inschriften erfaßt, die vor oder im Ersten Weltkrieg eingeschmolzen wurden und weder in den Glockenbeschlagnahmeakten noch in den Pfarrbeschreibungen verzeichnet sind. 14 dieser Glockeninschriften werden zwar auch in glockenkundlichen Abhandlungen von Eugen Frh. Löffelholz von Kolberg und Theodor Schön sowie in Paul Kepplers „Württembergischen kirchlichen Kunstalterthümern“91) ganz oder teilweise wiedergegeben, doch stützen sich diese Arbeiten auf die Oberamtsbeschreibung, nicht auf Autopsie. Die Wiedergabe der Inschriften in der Oberamtsbeschreibung ist im Allgemeinen texttreu, jedoch mit orthographischen Abweichungen. Gelegentlich, vor allem bei längeren Inschriften, wird nur ein verkürzter Wortlaut geboten. Mitunter werden autopsierte, nur mehr schwer lesbare Inschriften nach älterer Überlieferung (Wibel, Schönhuth) ergänzt, zum Teil wohl auch konjiziert. Die Beurteilung dieser Inschriften ist heute besonders schwierig, da sie teilweise mittlerweile restauriert wurden, und dabei scheint nicht selten der Text der Oberamtsbeschreibung zur Wiederherstellung des Inschriftentextes herangezogen und mehr oder weniger genau übernommen worden zu sein (vgl. z. B. nr. 460).

Die Akten des statistisch-topographischen Bureaus, die als Vorarbeiten für die gedruckte Oberamtsbeschreibung dienten (StAL, E 258 VI Bü 2513–2616) wurden ergänzend herangezogen und gesichtet, sie erbrachten aber keine zusätzlichen Inschriftenfunde92).

Aus den Glockenbeschlagnahmeakten im Landeskirchlichen Archiv in Stuttgart (LKA, A 26 1482,5 und 1483,3) ließ sich nur eine zusätzliche, nicht in der Oberamtsbeschreibung verzeichnete Creglinger Glockeninschrift ermitteln (nr. 512). Die Qualität der Textwiedergabe und die Ausführlichkeit der Beschreibung der Glockenzier sind in diesen Glockenerfassungsbögen genau so unterschiedlich wie in den ausgewerteten Pfarrbeschreibungen der evangelischen Pfarreien (LKA, A 29) und im Kath. Pfarrarchiv Bad Mergentheim. Vielfach beruhen die Angaben auf der Oberamtsbeschreibung, nicht auf Augenschein. Die Pfarrbeschreibung von Wildentierbach aus dem Jahr 1827 liefert als einzige Quelle den vollständigen Wortlaut einer 1831 umgegossenen Glocke (nr. 100), ansonsten ergaben die Pfarrbeschreibungen keine Neufunde.

Für das Bearbeitungsgebiet existiert kein Kunstdenkmälerinventar. Lediglich die Ortschaften um Niederstetten, die bis 1938 zum Oberamt Gerabronn gehörten, sind in dem 1907 erschienenen 1. Halbband der „Kunst- und Altertums-Denkmale“ des Jagstkreises berücksichtigt93), der allerdings fast keine Inschriften dokumentiert. Für heute verlorene Inschriften ist das Werk nur in einem einzigen Fall Überlieferungsträger, diese Glockeninschrift ist freilich auch anderweitig bezeugt (nr. 41).

Unergiebig im Hinblick auf die Überlieferung von Inschriften aus dem Bearbeitungsgebiet sind die mit genealogischem und topographischem Schwerpunkt angelegten Sammlungen und Ausarbeitungen im Hohenlohe-Zentralarchiv Neuenstein: Die gegen Ende des 18. Jahrhunderts von dem hohenlohischen Hofrat und Archivar Johann Justus Herwig (1742–1801) verfaßte „Biographische Genealogie des nunmehrigen Fürstlichen Hauses Hohenlohe von seinem Ursprunge an biß zur Haupt Landestheilung im Jahre 1555“94) enthält zwar etliche Grabinschriften, doch keine aus dem ehemaligen Kreis Mergentheim. Auch Herwigs „Topographische Beschreibung von Hohenlohe“ liefert kein epigraphisches Material95); ebensowenig – soweit geprüft – die Nachlässe der hohenlohischen Archivare und Historiker Christian Ernst Hansselmann (1699–1776) und Joseph Albrecht (1803–71).

Dem Sammeleifer des langjährigen Verwalters und Schloßführers des Weikersheimer Schlosses Friedrich Leopold Erhardt († 1966 I 30)96) ist eine umfangreiche Sammlung zur Geschichte des Hauses Hohenlohe und zu Stadt und Schloß Weikersheim zu verdanken, die sich heute zum größten Teil im Neuensteiner Archiv befindet97). Die wenig systematisch angelegten Kollektaneen des historischen [Druckseite XXXI] Laien bestehen aus Fotos, Zeitungsausschnitten, Druckwerken und zum größten Teil aus – häufig fehlerhaften – maschinenschriftlichen Abschriften von Archivalien und Druckwerken. Die Vorlagen dieser Abschriften gibt Erhardt bedauerlicherweise in der Regel nicht an, so daß eine Überprüfung der Textüberlieferung nicht möglich ist. Erhardt teilt als Einziger die Inschriften in der derzeit unzugänglichen Gruft der Weikersheimer Stadtkirche mit (nrr. 367, 368, 397, 468), ferner die bei Restaurierungen des 20. Jahrhunderts mittlerweile entfernten Inschriften an den Emporen (nach einem gedruckten, mir nicht zugänglichen Aufsatz des Weikersheimer Pfarrers Lang) und an den Engelsfiguren in derselben Kirche (nrr. 285, 421) sowie – nach einer „Abschrift eines maschinenschriftlichen Schreibens“ in Privatbesitz – eine Bauinschrift am Weikersheimer Pfarrhaus (nr. 95). Die ansonsten von Erhardt dokumentierten Inschriften sind durchweg noch erhalten.

Im Ev. Pfarrarchiv Niederstetten wird eine nach 1963 entstandene maschinenschriftliche Abhandlung von Heinz Rapaschinski über die „Inschriften der St. Jakobs-Pfarrkirche“ aufbewahrt, die den Inschriftenbestand vollständig und relativ zuverlässig erfaßt, auch die Wappen auf den Grabdenkmälern in Abzeichnung wiedergibt. Diese einzige systematische Inschriftensammlung des Bearbeitungsgebiets enthält allerdings durchweg noch erhaltene Inschriften.

Nur mehr fotografisch überliefert ist ein Igersheimer Epitaph (nr. 330), dessen Inschrift freilich nur noch fragmentarisch erhalten war. Ebenfalls nur aus Fotografien bekannt sind die mittlerweile wieder zugeputzten bzw. durch Restaurierung verfälschten Namenbeischriften zu den Wappenfriesen der Hoch- und Deutschmeister im Mergentheimer Schloß (nr. 378) sowie der Zustand einiger weiterer Inschriften vor ihrer Restaurierung bzw. fortschreitenden Verwitterung (nrr. 27, 307, 343, 415). Auch das genaue Aussehen der derzeit nicht zugänglichen Epitaph-Inschrift des Hochmeisters Stadion in der Gruft der Mergentheimer Kapuzinerkirche (nr. 493) läßt sich anhand eines Fotos belegen, während der Wortlaut der Inschrift auch anderweitig bezeugt ist.

Als Kuriosum der kopialen Inschriftenüberlieferung sei zuletzt die – vergrößerte – Übertragung einer Wandmalerei mit Inschrift von der Gruft der Weikersheimer Stadtkirche in den sogenannten „Tumbaraum“ des Weikersheimer Schlosses (nr. 376) durch den Kunstmaler Prinz Constantin zu Hohenlohe-Langenburg erwähnt. Die Kopie wurde vermutlich nach einer Fotografie angefertigt.

4. Die Inschriftenträger

4.1. Inschriften des Totengedenkens

Wie in den meisten bislang publizierten Inschriftenbeständen stellen auch im ehemaligen Landkreis Mergentheim die Inschriften des Totengedenkens mit etwas mehr als einem Drittel (36 %) den weitaus größten Anteil. Die Gesamtzahl der Sterbeinschriften und Grabbezeugungen beträgt 187. Im Folgenden soll sowohl die äußere Gestaltung der Grab- und Totengedächtnismäler betrachtet werden als auch das Formular ihrer Inschriften.

4.1.1. Die äußere Gestaltung der Grabmäler

Die frühesten erhaltenen oder jedenfalls in ihrem Aussehen zuverlässig bezeugten Grabmäler des Bearbeitungsgebiets stammen erst aus dem fortgeschrittenen 14. Jahrhundert98). Über die Gestaltung der „Grabschrift“ des 1269 verstorbenen Andreas von Hohenlohe in Mergentheim (nr. 1) ist dagegen ebenso wenig bekannt wie über zwei Grabmäler aus der 1. Hälfte des 14. Jahrhunderts in Schäftersheim und Mergentheim (nrr. 8, 10), ein Schäftersheimer „Epitaphium“ von 1357 (nr. 20) sowie ein Grabmal mit langer Versinschrift für Gottfried von Brauneck von 1368 in Frauental (nr. 22). Letzteres scheint dem Wortlaut der Inschrift zufolge mit einer gemalten (?) Darstellung des Verstorbenen (pictus) versehen gewesen zu sein.

Zunächst soll das Aussehen der Grabplatten in den Blick genommen werden, die als aus einem Werkstück gefertigte Steinplatten der Grababdeckung im Fußboden von Kirchen, Kapellen und Klausurgebäuden von Klöstern und Stiften dienten, also unmittelbar über der Bestattung waagerecht [Druckseite XXXII] in den Boden eingelassen waren99). Auch für das späte 14. und für das frühe 15. Jahrhundert ist freilich die Überlieferungsdichte zu gering, als daß eine Entwicklung der Grabplattengestaltung nachgezeichnet werden könnte. Die Inschrift war jedenfalls – soweit nachweisbar – bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts auf allen Grabplatten des Bearbeitungsgebiets als Umschrift angebracht, die meist zwischen einem aus zwei Ritzlinien gebildeten Rahmen verlief. Bei Angehörigen des Adels nahm überwiegend eine Wappendarstellung das Mittelfeld ein: Schild oder Vollwappen für Männer – einmal auch mit Beiwappen der Ehefrau (nr. 23) – und zwei Eheallianzwappen für verheiratete Frauen (nr. 114). Daneben gibt es Grabplatten mit figürlicher Darstellung der Verstorbenen: ein Ehepaar mit zwei Wappenschilden in Ritzzeichnung auf einer Grabplatte des 14. Jahrhunderts (nr. 26) sowie eine Mutter mit Kind, umgeben von einer Ahnenprobe zu vier Wappen, auf einer Waldmannshofener Grabplatte des frühen 15. Jahrhunderts (nr. 39). Die Figuren auf dieser Platte sind in sehr hohem Relief gearbeitet und als stehende Gestalten konzipiert. Sie stehen allerdings auf einem kauernden Hund, dessen Lage senkrecht (und nicht parallel) zur Plattenebene als Indiz dafür gewertet werden kann, daß es sich bei dem Grabmal um eine liegende Grabplatte und nicht um ein schon ursprünglich an der Wand aufgerichtetes Epitaph handelte. Neben Grabplatten des Adels haben sich aus der Zeit vor 1550 nur solche des Klerus erhalten. Diese sind meist schlicht gestaltet und zeigen im Mittelfeld in Relief oder Ritzzeichnung ein lateinisches Kreuz (im frühesten Beispiel von 1385 auf einem Stufensockel: nr. 28) oder einen Kelch (nrr. 96, 120, 144)100). Die Grabplatte des ersten Kaplans der Creglinger Herrgottskapelle (nr. 45) nimmt eine gewisse Sonderstellung ein, insofern als die Umschrift nur im Winkel an Kopfleiste und rechter Längsleiste verläuft und dann in einer zweiten Zeile auf der rechten Seite fortgesetzt ist, und als im Feld ein eingeritztes Kreuz mit einem aus Messing gegossenen aufgedübelten Kelch und einem reliefierten Wappenschild kombiniert ist. Reliefierte figürliche Grabplatten erhielten ein 1488 verstorbener Creglinger Kaplan (nr. 70) und die letzte Äbtissin des Zisterzienserinnenklosters Frauental (nr. 135). Ersterer ist im Meßornat mit Birett dargestellt, mit Segensgestus und mit dem Kelch in der Linken; die Äbtissin trug als geistliches Insigne offenbar den Krummstab, als Adelige war ihr eine Ahnenprobe zu vier Wappen beigegeben, soweit man dies aus dem fragmentarischen Zustand des Grabmals noch erschließen kann.

Die früheste erhaltene Grabplatte eines Bürgerlichen datiert von 1551 (nr. 168), seit dem letzten Drittel des 16. Jahrhunderts sind dann Grabplatten für Bürgerliche in großer Zahl überliefert und übertreffen die des Adels zahlenmäßig bei weitem. Es fällt auf, daß der Adel weiterhin Wappen- und Figurengrabplatten mit Umschrift bevorzugte101), während die Bürgerlichen von Beginn an eher zu Platten mit zeilenweise eingehauener Inschrift tendierten: Häufig wurde zwar der aus zwei Ritzlinien gebildete Rahmen beibehalten – er ist auf den Creglinger Grabplatten der Jahrhundertmitte zunächst breit und wird gegen Ende des 16. Jahrhunderts deutlich schmaler –, die Inschrift wurde aber nicht zwischen die Rahmenlinien, sondern zeilenweise ins Mittelfeld gesetzt. Mitunter wurde auch die Inschrift in der Kopfleiste begonnen, dann aber nicht als Umschrift, sondern darunter im Feld fortgesetzt. Neben diesen gerahmten Platten, deren Inschriften frei ins Feld gesetzt sind und dort mit reliefierten oder eingeritzten Wappenschilden kombiniert sein können, sind ab 1572 auch Grabplatten nachweisbar, die (meist in der Mitte) quergeteilt sind und in der einen Hälfte ein Wappenrelief, in der anderen eine gesondert gerahmte Schrifttafel aufweisen; als Wappenhalter figurieren gelegentlich Engel (nrr. 212, 218). Wie erwähnt, bleiben bei Bürgerlichen die Grabplatten mit Umschrift zunächst deutlich in der Beliebtheit zurück hinter denen mit zeilenweiser Schriftanordnung. Lediglich vier Wappengrabplatten (nrr. 240, 241, 246, 350) sind zu nennen sowie zwei figürliche Grabplatten für lokale Amtsträger (Kastner, Bürgermeister) von 1600 und 1627 (nrr. 323, 450).

Allerdings kommen daneben ab 1580 bereits Grabplatten vor, auf denen sowohl Umschriften als auch blockweise im Feld angebrachte Inschriften kombiniert werden. Dies hat seinen Grund zum einen in der zunehmenden Ausführlichkeit und Länge des Formulars der Sterbeinschriften102), was besonders deutlich wird bei einer Frauentaler Kindergrabplatte von 1591 (nr. 287), auf der die Inschrift umlaufend beginnt, dann aber in drei Zeilen im ansonsten leeren Mittelfeld zu Ende geführt ist, und bei der Grabplatte eines Adeligen von 1608 (nr. 386), bei der die Umschrift sogar in 16 Zeilen im Feld fortgesetzt ist und dieses – unter einem Eheallianzwappen – völlig ausfüllt103). Zum anderen und vor allem wird die Kombination von Um- und Aufschrift aber dadurch erfordert, daß zunehmend [Druckseite XXXIII] außer der Sterbeinschrift noch weitere Texte auf den Grabplatten inschriftlich ausgeführt wurden: vorwiegend Bibelzitate, aber auch Grabgedichte, Devisen und Sprüche. Sowohl bei den Grabplatten des Adels als auch bei denen der Bürgerlichen wurde in der Regel die Sterbeinschrift umlaufend eingehauen, die zusätzlichen Sprüche und Versinschriften wurden dagegen frei oder – noch häufiger – auf rechteckigen Schrifttafeln oder querovalen Kartuschen ins Mittelfeld gesetzt. Während beim Adel auch hier die Wappengrabplatte mit zentralem Vollwappen oder Eheallianzwappen und mit in den Ecken angebrachter Vierahnenprobe dominieren, finden sich bei den Bürgerlichen auffällig viele figürliche Grabplatten, vor allem für Frauen und Mädchen. Die Schrifttafeln sind dabei durchweg etwa in Kniehöhe aufgelegt und nehmen meist die gesamte Breite des Mittelfelds ein, so daß bei längeren Inschriften gelegentlich fast die Hälfte der frontal abgebildeten stehenden Figur verdeckt wird. Ein oder zwei Wappen können hinzukommen. Unorthodox ist die Schriftverteilung auf der figürlichen Grabplatte eines Creglinger Müllers von 1612 (nr. 403), auf der das Bibelzitat nicht auf einer eigenen Schrifttafel Platz fand, sondern beiderseits und zwischen den Beinen der Figur in zehn Zeilen verteilt eingehauen wurde. Eine Besonderheit unter den figürlichen Grabplatten stellt die für zwei früh verstorbene Zwillinge dar, auf der zwei Wickelkinder unter einer Doppelarkade abgebildet sind (nr. 346), die obere Hälfte des Mittelfeldes nimmt ein als Akrostichon gestaltetes Grabgedicht ein.

Die reinen Schrift- und Wappengrabplatten der evangelischen Pfarrer unterscheiden sich bezüglich der Inschriftenanordnung und -verteilung nicht von denen der Laien. Als geistliches Attribut ist der Grabplatte eines Creglinger Pfarrers von 1630 ein Kelchsymbol (neben dem Wappen) beigegeben (nr. 463). Die einzige – freilich stark fragmentierte – figürliche Grabplatte eines evangelischen Geistlichen in Wachbach (nr. 473) zeigt diesen im langen, gefältelten Gewand und mit der Bibel in Händen, zu Häupten zwei Putti mit geöffnetem Buch und Kelch als den typischen Standesabzeichen des Pfarrers.

Unter den Wappengrabplatten des Niederadels seien als Besonderheiten innerhalb des Bearbeitungsgebiets drei Exemplare hervorgehoben: die Grabplatte des Georg Sigmund von Adelsheim von 1600 (nr. 322) mit Vierahnenprobe und den Vollwappen der vier Ehefrauen des Verstorbenen, sodann die Grabplatte des 1632 als Letzter seines Geschlechts verstorbenen Albrecht Christoph von Rosenberg (nr. 471), auf der das zentrale, von zwei Beiwappen der Ehefrauen begleitete Vollwappen gestürzt dargestellt ist, um dadurch das Erlöschen des Stammes und Wappens zu veranschaulichen, und schließlich die Wachbacher Grabplatte des Johann Christoph von Adelsheim von 1632 (nr. 472) mit zentralen Eheallianzwappen und am Rand umlaufender 16-Ahnenprobe mit Wappenbeischriften; ober- und unterhalb der Allianzwappen sind in zwei ungerahmten Schriftblöcken die Sterbeinschrift und ein Bibelzitat plaziert.

An Grabplatten mit Messingauflagen, bei denen letztere als Inschriftenträger fungieren, haben sich im Bearbeitungsgebiet nur fünf erhalten. Es handelt sich jeweils um Kombinationen von Sterbeinschriften und Wappen. Die beiden ältesten Stücke von 1471 (nr. 61) und 1502 (nr. 94) sind Angehörigen des Niederadels gewidmet. Es handelt sich zum einen um zwei Eheallianzwappen unter einem Helm im Dreipaß mit Umschrift und zum anderen um drei 2:1 gestellte Wappenschilde unter einem Schriftblatt mit zeilenweiser Inschrift. Die Kombination aus Schriftblatt bzw. -tafel mit zeilenweiser Schriftanordnung und Wappen wurde ab der Mitte des 16. Jahrhunderts auch von Bürgerlichen übernommen (nrr. 156, 157, 168).

Abschließend sei noch auf die Wiederverwendung von Grabplatten hingewiesen, die besonders in dem reichen Bestand der Creglinger Herrgottskapelle mehrfach zu beobachten ist. Nachbestattungsinschriften wurden auf frei gebliebene Flächen älterer Grabplatten eingetragen oder aber auf Schriftflächen, die erst durch die Tilgung älterer Inschriften oder bildlicher Darstellungen gewonnen wurden. In einem Fall wurde sogar ein Teil einer älteren Inschrift leicht abgeändert und dadurch in die Nachbestattungsinschrift einbezogen (nr. 404).

Anders als Grabplatten sind Epitaphien Denkmäler des Totengedenkens, die auch ohne direkte räumliche Verbindung mit der Grabstelle errichtet werden können. In der Regel handelt es sich um senkrecht an der Wand angebrachte stehende oder hängende Denkmäler. Da das Epitaph nicht der Abdeckung der Grabstelle dient, kann es auch aus anderen Materialien als Stein gefertigt sein und unterliegt keinen Vorgaben hinsichtlich der Größe und Form. Epitaphien können daher die unterschiedlichste Gestaltung und Größe aufweisen. Die frühesten bezeugten Epitaphien im Bearbeitungsgebiet orientieren sich freilich noch weitgehend an der Gestaltung der Grabplatten. Ob es sich bei dem im ausgehenden 14. Jahrhundert angefertigten Grabmal der Katharina von Finsterlohr in Laudenbach (nr. 29) um ein Epitaph oder um eine Grabplatte handelte, läßt sich nicht mehr mit letzter Sicherheit entscheiden. Die Inschrift ist wie bei den zeitgenössischen Grabplatten vierseitig umlaufend eingehauen, und im wannenartig eingetieften Mittelfeld ist die betende Verstorbene in hohem Relief frontal dargestellt. Ihre Haltung ist mehr stehend als liegend aufgefaßt, unterstrichen durch eine [Druckseite XXXIV] polygonale Standkonsole; zu Häupten sind zwei Wappen angebracht. Die stehende Haltung der Figur ist indes in dieser Zeit kein eindeutiges Indiz für eine ursprüngliche senkrechte Aufstellung des Grabmals. Allerdings weist der Stein keinerlei Abtretungsspuren auf, die auf eine ehemalige Lage im Boden hinweisen könnten, und außerdem sind ähnlich gestaltete Grabmäler aus derselben Werkstatt bekannt, die eindeutig als Epitaphien fungierten104). Eindeutig um Epitaphien handelt es sich bei zwei – ebenfalls hochrechteckigen – Rittergrabmälern des 15. Jahrhunderts aus Schäftersheim (nr. 44) und Weikersheim (nr. 57), da hier die in voller Rüstung dargestellten Figuren jeweils auf einem weit vorspringenden Standsockel stehen, der im einen Fall als Rasenboden, im anderen als Löwe mit zwei Körpern gestaltet ist. Die Umschrift läuft beide Male nur oben und an den Längsseiten der Platte um, eine kopfständige Beschriftung der Fußleiste ist also bewußt vermieden. Der heraldische Schmuck beschränkt sich bei dem Epitaph von 1425 noch auf den auffällig kleinen Schild und den in voller Größe über der linken Schulter des Ritters abgebildeten Kübelhelm mit Helmzier, die ursprünglich deutlich über den oberen Plattenrand hinausragte. Vielleicht hatte die Platte demnach einst einen spitz- oder kielbogigen Aufsatz, wie er sich etwa bei dem Epitaph des Engelhard von Weinsberg von 1417 in der Wimpfener Dominikanerkirche105) erhalten hat. Das Weikersheimer Epitaph von 1452 ist mit einer Vierahnenprobe ausgestattet.

Aus dem 2. Viertel des 16. Jahrhunderts ist dann eine ganze Reihe von Standfigurenepitaphien des Niederadels in Wachbach und Niederstetten erhalten. Die Ritter stehen stets auf einem vorkragenden Standsockel und/oder auf einem kauernden Löwen; die Umschrift läuft meist nur dreiseitig um, in zwei Fällen ist auch die Fußleiste beschriftet, sie verläuft aber jeweils oberhalb des Standsockels hinter den Beinen der Standfigur (nrr. 146, 148). Bei drei Frauenepitaphien sind die Figuren nur in flachem Relief skulptiert, so daß man auf einen Standsockel verzichten konnte. Die Inschriften laufen bei zwei dieser Grabmäler, wie bei den Grabplatten, vierseitig um, in einem Fall (nr. 147) blieb die Fußleiste freilich leer. Sämtliche Adelsepitaphien weisen einheitlich die Vierahnenprobe auf. Die Schriftanordnung variiert nur bei einem Ritterepitaph von 1544 (nr. 149): Hier ist der breite Rahmen nur in der Kopfzeile zweizeilig beschriftet, die Längsseiten und die Fußleiste sind dagegen mit Renaissance-Ornamenten geschmückt. Auch das einzige erhaltene mittelalterliche Epitaph eines Deutschordensritters, das des Mergentheimer Komturs von Henneberg (nr. 101), zeigt den Verstorbenen als Standfigur. Die Inschrift läuft vierseitig um; die Figur steht auf einer Konsole und wird von einem Astwerkbaldachin gerahmt, über dem das Vollwappen des Ritters mit reich gezaddelter, das obere Drittel des Mittelfeldes ausfüllender Helmdecke angebracht ist. Der Ritter ist nicht gerüstet, sondern barhäuptig und in Ordenstracht, mit einem Rosenkranz in Händen, ins Bild gesetzt. Die Form des Standfiguren-Epitaphs wurde auch für die frühesten Grabmäler für Kinder gewählt: Das des 1437 verstorbenen sächsischen Jungherzogs Heinrich in Weikersheim (nr. 48) ist aus Ton gefertigt, die vollplastische Figur des in ein Hemdchen gekleideten Kleinkinds steht betend auf einem abgebrochenen Baumstumpf, vor dem ein Schriftblatt ausgebreitet ist, das die mehrzeilig aufgemalte Sterbeinschrift trägt. Die Figur ist von einer breiten Architekturrahmung umgeben, in die vier ungewöhnlich große Ahnenwappen eingefügt sind. Zwei 1560 entstandene Kinderepitaphien (nrr. 181, 182) haben annähernd quadratisches Format, die Kleinkinder sind auch hier in Hemdchen gekleidet und stehend, allerdings in flachem Relief, dargestellt, umgeben von einem schlichten Architekturrahmen aus Simsen und seitlichen Pilastern mit aufgelegter Vierahnenprobe. Die Inschriften sind jeweils über den Figuren zeilenweise eingehauen.

Im letzten Viertel des 16. und in der 1. Hälfte des 17. Jahrhunderts wurde die Form des Standfiguren-Epitaphs dann variiert. Statt des rechteckigen Umrisses wurde bei dem Grabmal für ein Mädchen 1576 die Form der Arkade gewählt (nr. 225), wobei die Umschrift links unten beginnt und nur an den Längsseiten und im Bogen umläuft, die Fußleiste also frei läßt. Schließlich fügte man die Standfigur in eine Ädikula ein: Die Pilaster tragen die Ahnenprobe, der Sockel wird zum Träger der Sterbeinschrift (nrr. 303, 305). Eine interessante Übergangsform stellt das Creglinger Epitaph der Susanna von Seckendorff von 1575 (nr. 223) dar. Hier wurde die herkömmliche hochrechteckige Platte mit Standfigur und umlaufender Sterbeinschrift in eine Ädikula mit Achtahnenprobe eingefügt, die im Giebel als zusätzliches ikonographisches Element ein Gnadenstuhlrelief und im Sockel als zusätzliche Inschrift einen Trostspruch aufweist. Die Konsequenz aus der Wahl der Ädikula, nämlich der Verzicht auf die Umschrift zugunsten einer zeilenweise angeordneten Inschrift in Gebälk oder Sockel, ist hier also noch nicht gezogen.

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Reduzierte Ädikulaformen wurden für einige Creglinger Grabmäler für nichtadelige Frauen gewählt (nrr. 428, 431): Die hochrechteckigen Platten mit den flach reliefierten Figuren, die ebenso gut – versehen mit einer Umschrift – als Grabplatten denkbar wären, wurden mit einer giebelartigen Bekrönung und einem Sockel versehen, auf eine seitliche Stützenrahmung wurde jedoch verzichtet, wodurch diese Epitaphien unproportioniert schmal und hoch wirken. Die Sterbeinschrift steht jeweils im Sockel.

Das Standfiguren-Epitaph wurde, auch wenn es, wie gezeigt, weiterhin vereinzelt vorkommt, ab der Mitte des 16. Jahrhunderts zunehmend von einem Grabmaltyp verdrängt, der im Bearbeitungsgebiet erstmals mit dem ersten Hochmeister-Epitaph in Mergentheim, dem Walters von Kronberg (nr. 139), aufscheint. Es ist dies das Motiv der Ewigen Anbetung, bei dem der Verstorbene vor dem Objekt der Verehrung – meist dem Kruzifixus – andächtig im Gebet kniet. Das Kronberg-Epitaph, Produkt der Nürnberger Vischer-Werkstatt, ist aus Messing gegossen. Als Ädikula gestaltet, zeigt es im Hauptfeld den Hochmeister in Anbetung des Gekreuzigten, als Giebelbekrönung das hochmeisterliche Vollwappen, auf der seitlichen Architekturrahmung die von Putti gehaltenen Ahnenwappen und im Sockel die Sterbeinschrift. Der Hochmeister ist in eine Schaube gekleidet und ohne Zeichen der hochmeisterlichen Würde abgebildet. Diese Gestaltung wurde bei allen folgenden – zum Teil nur mehr fragmentarisch erhaltenen – Mergentheimer Hochmeister-Epitaphien grundsätzlich beibehalten, die freilich durchweg aus Stein gearbeitet sind. Der Verstorbene wurde jetzt aber stets in voller Rüstung und auf einem Löwen kniend dargestellt. Das Vollwappen konnte auch ins Hauptfeld rücken (nr. 451). Auf dem Grabmal des Hochmeisters von Westernach (nr. 451) ist die Ahnenprobe auf acht Wappen erweitert; außerdem tritt hier erstmals die Muttergottes im Strahlenkranz und auf der Mondsichel an die Stelle des Kruzifixus als Gegenstand der Verehrung, Zeichen der gesteigerten Marienverehrung im Deutschen Orden im Zuge der Gegenreformation. Das Motiv ist auf dem mit zusätzlichem für die Barockzeit typischen ikonographischen Schmuck versehenen Epitaph des für seine besondere Marienfrömmigkeit bekannten Hochmeisters von Stadion (nr. 492) übernommen.

Der Typus des Andachts-Epitaphs wurde ab der Mitte des 16. Jahrhunderts im Bearbeitungsgebiet zunächst vom ritterschaftlichen Adel adaptiert. Meist wurde die Form der Ädikula gewählt, anfangs jedoch nicht selten in reduzierten Formen. So fehlt etwa bei dem Wachbacher Grabmal des 1556 verstorbenen Stefan von Adelsheim (nr. 173), bei dem die Ädikula lediglich einer hochrechteckigen Steinplatte vorgeblendet ist, der Sockel; die Inschrift findet in der hohen Gebälkzone Platz. Auch die Pilaster können fehlen (nr. 199). Das Motiv der Ewigen Anbetung bot sich auch für Grabmäler von Ehepaaren an. Mann und Frau wurden rechts und links unter dem Kreuz, unter dem Relief der Hl. Dreifaltigkeit oder des auferstandenen Heilands kniend und gegeneinandergekehrt dargestellt (bereits 1549: nr. 162). Weiterhin bot sich die Möglichkeit, auch die Kinder mit abzubilden, bei mehrmals Verheirateten auch alle Ehefrauen. Diese Entwicklung gipfelt im Bearbeitungsgebiet in den monumentalen Epitaphien für Philipp Geyer von Giebelstadt von 1607 in Reinsbronn (nr. 380) mit Darstellung der neunzehnköpfigen Familie, mit drei Achtahnenproben auf Gebälk und Pilastern und mit langer Versinschrift im Sockel sowie in dem Hängeepitaph für den Creglinger Amtmann von Eyb, seine Frau und seinen Sohn von 1628 (nr. 457) mit fünf fast vollplastischen Figuren unter dem Relief der Hl. Dreifaltigkeit, mit doppelter Achtahnenprobe, drei Sterbeinschriften im Unterhang und weiterem barocken Zierat.

Unter den Nichtadeligen ist die Übernahme des Andachts-Epitaphs im Bearbeitungsgebiet zuerst bei den Geistlichen festzustellen. 1584 erhielt der evangelische Pfarrer von Elpersheim ein Epitaph in Ädikulaform (nr. 258), das im hohen Gebälk und im Sockel mehrere lange Prosa- und Versinschriften und im Hauptfeld den Pfarrer in geistlichem Gewand vor dem Kruzifixus kniend zeigt, begleitet von einem Bibelspruch. Ebenfalls aus dem späten 16. Jahrhundert stammte das zuletzt nur noch fragmentarisch erhaltene Epitaph eines Frühmessers im katholischen Igersheim. Hier kniete der Verstorbene vor dem Gekreuzigten, vor Maria und Johannes, die Inschrift befand sich wiederum im Sockel. Das Bürgertum adaptierte diese Epitaphform dann im 17. Jahrhundert, indes nur selten mit komplettem Ädikulaaufbau (nrr. 399, 411, 469). Gegenüber den Grabmälern des Adels sind sie weniger monumental, und die Figuren sind meist in sehr kleinem Maßstab abgebildet. Bei zwei Epitaphien für Frauen von 1613 und 1616 (nrr. 408, 412) lassen sich – wie schon bei den Standfiguren-Epitaphien gesehen – noch deutliche Ähnlichkeiten mit den zeitgenössischen Grabplatten erkennen. In beiden Fällen handelt es sich um hochrechteckige Steine im Grabplattenformat mit Darstellung der unter dem Kreuz knienden Verstorbenen im eingetieften Mittelfeld, und die Sterbeinschrift ist als vierseitig umlaufende Umschrift angelegt. Als Bekrönung erhielten beide Platten einen aus einem gesonderten Werkstück hergestellten Giebel. Schlichter Wappenschmuck kommt auch auf den „bürgerlichen“ Epitaphien vor, ein Eheallianzwappen und zusätzlich die vier elterlichen Wappen der Verstorbenen und ihres Ehemanns bleiben aber die Ausnahme (nr. 412).

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Eine besondere, von den übrigen Grabmälern des Bearbeitungsgebiets abweichende Gestaltung weist das Epitaph des Sebastian Geyer von Giebelstadt von 1563 in Neunkirchen auf (nr. 186): Der Stein hat Format und Größe einer Grabplatte, und die Sterbeinschrift ist umlaufend angeordnet; im eingetieften Mittelfeld ist, umgeben von den vier Ahnenwappen des Verstorbenen, der Kruzifixus in hohem Relief dargestellt, und hinter dem Kreuzstamm flattert ein Schriftband mit einer Anrufung. Auf die Abbildung des Verstorbenen selbst ist also verzichtet. Allerdings könnte die leichte Schrägansicht des Gekreuzigten – er wendet sich in Haltung und Blick nach rechts unten – darauf hindeuten, daß ursprünglich noch eine rechts neben oder vor der Platte aufgestellte (freiplastische?) Figur des in Anbetung knienden Ritters zu dem Epitaph gehörte.

An Messingepitaphien haben sich außer dem monumentalen Grabmal des Hochmeisters von Kronberg (vgl. oben) im Kreisgebiet nur zwei weitere erhalten, beide ohne figürliche Darstellung. Sie entsprechen in ihrer Gestaltung ganz den bereits erwähnten Metallauflagen auf Grabplatten, d. h. sie bestehen aus einer Wappendarstellung im runden oder ovalen Medaillon und einer oder zwei Schrifttafeln mit zeilenweise angeordneter Inschrift (nrr. 270, 475).

Epitaphien aus Holz sind im Vergleich mit anderen Bearbeitungsgebieten im Kreis Mergentheim selten106). In seiner monumentalen Ausformung mit vollrund geschnitzten, fast lebensgroßen Figuren in aufwendiger Ädikularahmung entspricht das Holzepitaph der Anna Maria von Rosenberg von 1621 (nr. 436) völlig den Steinepitaphien der Zeit, wobei der Giebel des Denkmals und der ursprünglich sicherlich vorhandene Wappenschmuck heute fehlen. Die Holzepitaphien der Bürgerlichen sind dagegen wesentlich einfacher gestaltet. Sie bestehen aus einem großformatigen Gemälde mit Darstellung einer biblischen Szene im zentralen Bildfeld und aus einer wenig plastischen Ädikularahmung mit ausgeschweiften Seitenteilen und mit gemalter Sterbeinschrift im Sockel bzw. Unterhang (nrr. 297, 414). In die biblische Szene integriert oder darunter in einem eigenen Bildstreifen abgesetzt ist die betende Familie der Verstorbenen unter dem Kruzifixus abgebildet.

Reine Schriftepitaphien ohne jede Darstellung kommen im Bearbeitungsgebiet, abgesehen von dem „Gruft-Epitaph“ des Hochmeisters von Stadion von 1642 (nr. 493), nicht vor. Hierbei handelt es sich um eine zeilenweise in eine schlichte querrechteckige Tafel eingehauene Grabbezeugungsinschrift in der Gruft der Mergentheimer Kapuzinerkirche, die dort zusätzlich zu dem prächtigen, im Langhaus der Kirche aufgehängten Epitaph (nr. 492) angebracht wurde. In Gestaltung und Funktion vergleichbar sind die marmornen Grufttafeln an den Stirnseiten der Sargkammern in der Hohenlohe-Gruft unter der Weikersheimer Stadtkirche (nrr. 367, 368, 397).

Das Prunkgrabmal, das Graf Wolfgang II. von Hohenlohe zu Lebzeiten anfertigen ließ für sich, „dero angehörigen vnd Posteritet“, das somit also gleichzeitig als Denkmal der gesamten Dynastie gedacht war und das seinen Platz dementsprechend ursprünglich mitten im Langhaus der Weikersheimer Stadtkirche hatte (nr. 396), erhielt die Form einer Tumba. Der hohe Aufbau und die Deckplatte wurden aus schwarzem Marmor, der figürliche Schmuck und die Schrifttafel aus Alabaster gefertigt. Außen am Rand der Deckplatte läuft eine Stiftungsinschrift um, oben sind zwei vollplastisch skulptierte, auf einem Kissen ruhende Eheallianzwappen und eine quadratische Schrifttafel aufgelegt, die außer einem Bibelzitat zwei lange Grabgedichte für den Grafen und seine Frau aufnehmen sollte, von denen nur ersteres ausgeführt wurde. Die Seitenwände der Tumba sind in Felder gegliedert, die freilich weder Bildschmuck noch Inschriften aufweisen, und die als Stützen vor die Wände gestellten Alabastersäulen tragen emblematischen Schmuck, militärische Symbole und Trophäen. Die Tumba als Grabmaltyp blieb im Berichtszeitraum einmalig. Die prunkvolle Tumba für den kaiserlichen Generalfeldmarschall Melchior Graf von Hatzfeldt († 1658) in der Laudenbacher Bergkirche mit Liegefigur des Verstorbenen, kunstvollen Bildreliefs von Schlachtenszenen und langen lateinischen Inschriften107) entstand 1659 und ist daher nicht mehr Gegenstand des vorliegenden Bandes.

An Grabsteinen ist aus der Zeit vor 1650 nur ein einziger von 1636 auf dem Elpersheimer Friedhof auf uns gekommen (nr. 478). Unter „Grabstein“ wird hier die – in der Regel – monolithe Platte oder Stele verstanden, die auf dem Friedhof unmittelbar am Grab steht und dieses bezeichnet. Der Grabstein kann frei stehen oder an der Friedhofsmauer oder Kirchenwand aufgerichtet sein. Der Elpersheimer Grabstein ist in die Friedhofsumfriedung eingemauert. Er ist hochrechteckig und zeigt [Druckseite XXXVII] ein reliefiertes kleeblattendiges Hochkreuz. Die zeilenweise Beschriftung des Steins geht über Kreuzbalken und -stamm hinweg. In der Funktion mit einem Grabstein vergleichbar ist schließlich die unmittelbar in einen Eckquader der Kirche eingehauene Sterbeinschrift für zwei Pfarrerskinder in Lichtel von 1571 (nr. 210).

Mit Sterbeinschriften versehene Totenschilde sind aus dem Bearbeitungsgebiet nicht erhalten, nicht einmal ihre Inschriften sind überliefert. Immerhin ist bezeugt, daß in der Niederstettener Jakobskirche früher drei Totenschilde für Christoph († 1499), Georg († 1509) und Friedrich von Rosenberg († 1512) hingen, die aber 1907 bereits verschollen waren108). Eine ähnliche Funktion wie Totenschilde hatten Funeral- oder Totenfahnen, die bei der Begräbniszeremonie mitgeführt und dann an der Grabstelle oder in der Nähe aufgehängt wurden. Die Totenfahne des Grafen Georg Friedrich von Hohenlohe (nr. 496) ist beidseitig bemalt: auf der Vorderseite mit dem Reiterbild des Grafen, auf der Rückseite mit einer emblematischen Darstellung; in den Bildumschriften werden der Name des Verstorbenen, das Todesjahr und eine Devise genannt.

Der im 16. Jahrhundert beim hohen und später auch beim niederen Adel aufkommende Brauch der Gruftbestattung in freistehenden Särgen führte dazu, daß auch die Metallsärge zu Trägern von Inschriften und bildlichen und heraldischen Darstellungen wurden109). Von den Särgen in der Weikersheimer Hohenlohe-Gruft stammt einzig der Zinnsarg für Eva von Waldstein von 1631 (nr. 468) noch aus der Zeit vor 1650. Über das genaue Aussehen und den Anbringungsort der Inschriften geben die Gruftöffnungsberichte von 1950 leider nur unzureichend Auskunft.

4.1.2. Form und Inhalt der Sterbeinschriften

Im Folgenden soll ein erster Überblick über die Entwicklung des Grabschriftenformulars gegeben werden. Die Sprache der Inschriften ist bis zum Ende des 14. Jahrhunderts ausschließlich das Lateinische. Allerdings ist bereits an eine ins 2. bis 3. Viertel des 14. Jahrhunderts zu datierende lateinische Sterbeinschrift für eine Angehörige des Niederadels (nr. 26) die deutsche Fürbitte hilf got angefügt. Ebenfalls für eine Adelige bestimmt ist dann die erste vollständig deutsch abgefaßte Sterbeinschrift von 1412 (nr. 39). In einer im übrigen lateinischen Inschrift von 1425 (nr. 44) ist das deutschsprachige Adelsprädikat von eingefügt. Im weiteren Verlauf des 15. Jahrhunderts verdrängt dann die Volkssprache in den Sterbeinschriften des hohen und niederen Adels das Lateinische völlig (nrr. 45, 48, 57, 61, 71), während die Grabmäler für Geistliche noch durchweg lateinische Inschriften aufweisen (nrr. 58, 59, 70), ebenso auch noch das Epitaph eines Deutschordenskomturs von 1508 (nr. 101). Im 16. Jahrhundert dringt schließlich das Deutsche auch in die Domäne der Grabschriften für Geistliche ein. Bereits die Sterbeinschrift der letzten Äbtissin von Frauental von 1529/30 (nr. 135) verwendet die Volkssprache, die auch die Sprache der Inschriften aller Mergentheimer Hochmeister-Epitaphien ab 1539 (nr. 139) wird, und auch die Sterbeinschrift eines evangelischen Pfarrers und seiner Tochter von 1580 (nr. 245) ist deutsch. Von insgesamt 95 Grabschriften des 16. Jahrhunderts sind nur mehr fünf ausschließlich in lateinischer Sprache ausgeführt, und es handelt sich dabei fast ausnahmslos um Grabmäler für katholische Priester (nr. 120) und evangelische Pfarrer und Kapläne (nrr. 203, 260, 262). Hinzu kommt die Stiftergrabplatte für Andreas von Hohenlohe in Mergentheim (nr. 337), bei der die teilweise Wiederaufnahme eines älteren Formulars die Wahl der Sprache bedingt haben dürfte. Auf zwei weiteren Grabmälern für evangelische Pfarrer sind deutschsprachige Sterbeinschriften in Prosa bzw. in Versen mit lateinischen Grabgedichten in elegischen Distichen kombiniert (nrr. 245, 258). Weitaus auffälliger als bei dem evangelischen Pfarrerstand ist die offensichtliche Demonstration humanistischer Bildung auf dem Epitaph des Ortsherrn von Niederstetten Friedrich Zeisolf von Rosenberg und seiner Frau Anna von 1576 (nr. 226): Der in deutsche Reimverse gefaßten (und in Fraktur ausgeführten) Sterbeinschrift der Frau steht ein lateinisches Grabgedicht in elegischen Distichen (und in humanistischer Minuskel), verbunden mit einem lateinischen Sterbevermerk mit Datierung nach dem römischen Kalender, für den Mann gegenüber. Schließlich sei noch die Anfügung einer lateinischen Fürbittformel an die im übrigen deutschsprachige Sterbeinschrift eines Kindes (nr. 286) erwähnt. An dem skizzierten Befund ändert sich auch in der 1. Hälfte des 17. Jahrhunderts nichts. Die Inschriften sind sowohl für Adelige als auch für Bürgerliche fast ausschließlich deutsch, und das Lateinische bleibt [Druckseite XXXVIII] fast durchweg den Grabmälern für evangelische Pfarrer und ihre Angehörigen vorbehalten (nrr. 349, 427, 463, 487)110). Beredtes Zeugnis für diese unterschiedliche Sprachverwendung ist das Doppelepitaph für zwei Schwägerinnen von 1620 an der Creglinger Herrgottskapelle (nr. 431). Die eine, Frau des Creglinger Pfarrers, erhielt eine lateinische Sterbeinschrift und als Trostspruch ein lateinisches Bibelzitat, während für die andere, deren Mann von Beruf Eisenkrämer war, eine deutschsprachige Sterbeinschrift gewählt wurde, die in allen Einzelheiten des Formulars der lateinischen entspricht; und sogar das Bibelzitat ist dasselbe, freilich in deutscher Übersetzung. Ausnahmen von der Regel sind ein mit lateinischer Inschrift versehenes Epitaph für eine Mergentheimer Bürgerin von 1613 (?) mit ungewöhnlichem Formular (nr. 408) sowie das Gruftepitaph des Hochmeisters Caspar von Stadion in der Mergentheimer Kapuzinerkirche (nr. 493), dessen lateinischer Wortlaut weitgehend dem in deutscher Sprache abgefaßten des im Langhaus der Kirche angebrachten Prunkepitaphs des Fürsten entspricht.

Die wesentlichen Elemente der Inschriften des Totengedenkens sind – unabhängig von der Art des Inschriftenträgers – der Name des Verstorbenen, die Sterbenachricht mit Angabe des Todestages und die Grabbezeugung. Die Grabbezeugung, seltener die Sterbenachricht, können fehlen. Die älteste, nur mehr kopial überlieferte Grabschrift des Bearbeitungsgebiets, die des 1269 verstorbenen Deutschordensritters Andreas von Hohenlohe (nr. 1), setzt sich aus zwei Bestandteilen zusammen: Die Grabbezeugung ist, wie in vielen früh- und hochmittelalterlichen Grabschriften, in metrischer Form abgefaßt; die zwei leoninischen Hexameter enthalten neben dem Namen des Verstorbenen und der Grabbezeugungsformel (hic tumulatus) ein kurzes Totenlob in Form von auszeichnenden Appositionen. Das nur mit Mühe metrisch zu fassende Sterbedatum ist dagegen in ungebundener Sprache vorangestellt. Einen späten Nachzügler dieser mittelalterlichen metrischen Grabschriften stellt die nicht mehr erhaltene, ursprünglich wohl 20 Verse umfassende Sterbeinschrift für den 1368 verstorbenen Gottfried von Brauneck in Frauental dar (nr. 22). Der Verfasser bemühte sich, durch die äußere Form (zweisilbig reine leoninische Hexameter, von denen jeweils fünf als unisoni untereinander reimen), durch gekünstelte Wortwahl, komplizierten Satzbau und Verwendung poetischer Paraphrasen einen kunstvollen und anspruchsvollen Text zu schaffen, war seiner Aufgabe aber sichtlich nicht gewachsen. Inhaltlich sind Sterbenachricht (mit komplizierter und dadurch kaum verständlicher Angabe des Todestages), Grabbezeugung und ausgiebiges Totenlob miteinander verquickt. Metrische Inschriften kommen dann erst wieder unter dem Einfluß des Humanismus vereinzelt im letzten Viertel des 16. Jahrhunderts auf (nrr. 226, 245, 258, 349) und beinhalten dann zumeist eine Grabbezeugung. In drei Fällen sind sie kombiniert mit zusätzlichen deutschsprachigen Sterbeinschriften in Prosa.

Sieht man von diesen wenigen Inschriften in gebundener Sprache ab, folgen die Sterbeinschriften des Bearbeitungsgebiets freilich fast ausschließlich dem im 13. Jahrhundert in ganz Mitteleuropa aufkommenden stereotypen Anno domini … obiit-Formular, das aus einleitender Angabe des Sterbedatums, Sterbevermerk und Name des Verstorbenen besteht. Dieses Schema wurde auch in den deutschsprachigen Inschriften übernommen und veränderte sich in der Folgezeit lediglich in der Art der Datumsangabe sowie durch zunehmende Ausführlichkeit, indem die vorhandenen Bestandteile erweitert und um zusätzliche Elemente bereichert wurden.

Die Jahresangabe erfolgt durchweg nach der christlichen Inkarnationsära und wird in den lateinischen Inschriften fast ausschließlich mit der Formel anno domini eingeleitet111). Im Gegensatz zu anderen Regionen tat man sich im Bearbeitungsgebiet offenbar zunächst schwer mit der unveränderten Übernahme dieser lateinischen Formel in die deutschsprachigen Sterbeinschriften. Die älteste deutsche Inschrift von 1412 (nr. 39) beginnt zwar mit anno domini, fügt nach der Jahreszahl allerdings noch das überflüssige deutsche iar an; eine Inschrift von 1437 (nr. 84) verzichtet ganz auf die lateinische Formel zugunsten des deutschen do man czalt 1437 iar, und 1452 findet sich eine – jetzt korrekte – lateinisch-deutsche Kombination: anno domini M°cccc vnd jn dem lii iare (nr. 57). Diese Trennung in die mit anno domini eingeleiteten Jahrhunderte und die mit dem deutschen jar verbundene Minderzahl ist in weiteren Inschriften von 1488 und 1502 (nrr. 71, 94) zu beobachten. Im späten 15. und frühen 16. Jahrhundert sind daneben reduzierte Formeln gebräuchlich: Entweder wird der Jahreszahl nur anno (ohne domini) vorangestellt (nrr. 104, 117)112) oder nur das deutsche Jahr nachgestellt (nr. 114), oder es wird ganz auf eine Beifügung zur bloßen Jahreszahl verzichtet (nr. 61). Erst ab 1529 (nrr. 132, 133, [Druckseite XXXIX] 134) findet die anno domini-Formel ohne Erweiterung oder Reduzierung Eingang in die deutschsprachigen Inschriften und dominiert auffallend im letzten Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts. Die anderen oben erwähnten Arten der Jahresangabe halten sich aber weiterhin daneben, vor allem die anno domini … jar-Formel (bis 1584) und das einfache anno. Weitere Möglichkeiten der Jahresangabe sind – in der zeitlichen Folge ihres Auftretens –: in dem Jahr des Herrn (1572), im Jahr nach Christi Geburt und nach Christi Geburt an dem … Jahr (1610), anno Christi (1616)113) sowie im Jahr Christi (1619). Die Reduzierung der Jahreszahl auf die Angabe der Minderzahl in einer lateinischen Sterbeinschrift von 1371 (nr. 23) bleibt im Bearbeitungsgebiet einmalig.

Der Todestag wird in fast allen Sterbeinschriften angegeben, abgesehen von den wenigen, deren „Formular“ sich auf die bloße Nennung von Name und Todesjahr reduziert (nrr. 144, 200, 240 B, 273)114). Der dem Grabgedicht für Andreas von Hohenlohe von 1269 (nr. 1) als Sterbevermerk vorangestellte Todestag ist noch nach dem römischen Kalender angegeben. In den übrigen mittelalterlichen Sterbeinschriften erfolgt die Tagesdatierung dann ausnahmslos nach dem christlichen Festkalender. Die heute übliche fortlaufende Zählung nach Monatstagen kommt erstmals 1508 vor (nr. 101)115), kombiniert mit der für diese Art der Datierung eigentlich entbehrlichen Nennung des Wochentags116). Bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts bleibt die Zählung nach Monatstagen selten, doch ab der 2. Jahrhunderthälfte verdrängt sie schlagartig – auch im katholischen Gebiet – die Festkalenderdatierung, die in der Folgezeit bis 1600 nur mehr sporadisch verwendet wird (nrr. 182, 187, 211, 260, 261, 298, 168B). Daß in der Sterbeinschrift auf dem Epitaph des Hochmeisters von Stadion in der Mergentheimer Kapuzinerkirche 1642 (nr. 492) das Todesdatum wieder nach dem Festkalender wiedergegeben ist, ist sicherlich auch als politisch-konfessionelles Programm zu werten: Denn der Todestag fiel auf ein Marienfest, dessen Nennung (und zusätzliche Hervorhebung in Kapitalis in der ansonsten in Fraktur ausgeführten Inschrift) sich in das Gesamtprogramm des Epitaphs fügt, das den Hochmeister in Anbetung der Muttergottes zeigt. Das Grabmal wird so zu einem Denkmal der Gegenreformation117). Eine Wiederaufnahme der Datierung nach dem römischen Kalender ist nur ganz vereinzelt zu konstatieren: Bei der im 16. Jahrhundert entstandenen Neuanfertigung der Stiftergrabplatte für Andreas von Hohenlohe (nr. 337) orientierte man sich mit Sicherheit am Formular der hochmittelalterlichen Grabschrift (nr. 1), und auf dem Epitaph des Friedrich Zeisolf von Rosenberg von 1576 (nr. 226) gab die auch anderweitig sichtbare Bemühung um Demonstration humanistischer Bildung für die Wahl dieser Tagesbezeichnung den Ausschlag.

Das Tagesdatum steht meist unmittelbar hinter der Jahreszahl. In vier nach dem Festkalender datierten Inschriften von 1425, 1437, 1545 und 1594 rückt es dagegen hinter das Satzprädikat und den Namen des Verstorbenen. Auch bei nach Monatstagen datierten Sterbeinschriften ist diese Umstellung ganz vereinzelt zu beobachten118). Erst ab 1619 wird schließlich das Tagesdatum gelegentlich der Jahreszahl – unserem heutigen Brauch entsprechend – vorangestellt119), doch bleibt auch dies die Ausnahme. Nach Einführung des Gregorianischen Kalenders im katholischen Herrschaftsbereich 1582 wurde unterschieden zwischen der Datumsangabe Alten Stils in den protestantischen und Neuen Stils in den katholischen Gebieten. In den Sterbeinschriften des Bearbeitungsgebiets wird diese Unterscheidung nur ein einziges Mal 1608 in der Formulierung den XIIII martij alten Calenders faßbar (nr. 386).

Eine Ausweitung des Sterbedatums auf die Angabe der Todesstunde ist 1574 erstmals festzustellen (nr. 218), sie wird aber erst in den letzten Jahren des 16. Jahrhunderts häufiger. In der 1. Hälfte des 17. Jahrhunderts wird die Todesstunde dann in etwa der Hälfte aller Sterbeinschriften mitgeteilt. Die Form des Chronogramms zur Verschlüsselung des Todesjahres wurde im Berichtszeitraum nur einmal 1584 auf dem Epitaph eines evangelischen Pfarrers gewählt (nr. 258).

Als Satzprädikat der lateinischen Sterbeinschriften des Mittelalters wird im Bearbeitungsgebiet ausnahmslos obiit verwendet. Dem entspricht das schlichte starb bzw. ist gestorben120) in den deutschsprachigen Inschriften. Erst ab dem 2. Drittel des 16. Jahrhunderts kommt die nunmehr gleich häufig verwendete [Druckseite XL] Formel verschied auf121), die schon früh erweitert wurde zu ist von dieser Welt in Gott verschieden (1539) oder ist in Gott (christlich) verschieden (Erstbeleg 1546). Die Vorstellung des Todes als Schlaf kommt in der Formel entschlief bzw. ist entschlafen zum Ausdruck, die erstmals 1571 in einer Sterbeinschrift für zwei Kinder (nr. 210), häufiger aber erst ab etwa 1590 belegt ist und die im Laufe des 17. Jahrhunderts immer beliebter wird. Von Beginn an wird die Formel meist erweitert zu ist im Herrn Christo/in Gott entschlafen, zu ist selig(lich)/gottselig entschlafen oder zu Kombinationen dieser Bestandteile. Dem entsprechen die Formeln in Christo salvatore nostro obdormivit (1584) bzw. (in Christo) placide obdormivit (1620, 1630) in den wenigen lateinischen Sterbeinschriften der Zeit. Bisweilen wird entschlafen auch durch eingeschlafen ersetzt (nrr. 168B, 404, 167). Neben diesen stereotypen Formulierungen werden nur selten originellere – gleichwohl auch formelhafte – Wendungen gebraucht: ist aus diesem Jammertal abgefordert worden (nr. 270); hat Gott der Allmächtige … zu sich gnädig abgefordert (nr. 168 B); hat die Schuld der Natur bezahlt (nr. 399).

Die Todesursache wird in den Inschriften der Grabmäler nur einmal genannt: ist … an der Schwindsucht gar sanft und still in Gott eingeschlafen (nr. 467). Dagegen wird sie naturgemäß in den Sterbeinschriften auf Gedenkkreuzen und Bildstöcken erwähnt, die zur Erinnerung an einen gewaltsamen Tod gesetzt wurden: alda hat Schaden genommen (1488); ist … da jämmerlich um sein Leben kommen (1618). Die näheren Begleitumstände des Sterbens erfährt man in der schon erwähnten Sterbeinschrift des Hochmeisters von Stadion (nr. 492): Der Hinweis, Stadion sei nach gehörten zwei Messen und empfangener Communion seliglich in Gott entschlafen, dient wiederum der Betonung der Rechtgläubigkeit des Fürsten122).

Nicht-metrische Grabbezeugungsinschriften nach dem Formular hic iacet/hic est sepultus N. N. bzw. hie liegt (begraben) N. N., wie sie anderweitig neben den dem anno domini … obiit-Formular folgenden Sterbeinschriften zum Teil häufig, in einigen Regionen sogar überwiegend vorkommen123), lassen sich im Bearbeitungsgebiet nur zweimal in lateinischen Inschriften nachweisen (1428?, 1642). Vergleichbar sind allerdings die Inschriften der Weikersheimer Grufttafeln von 1605 (nrr. 367, 368), die, mit anno domini eingeleitet, zunächst den Begräbnistag nennen (ist hierin begraben worden N. N.) und die Sterbenotiz in einem Relativsatz anfügen. Nur ganz vereinzelt (Erstbeleg 1532) wird umgekehrt das anno domini … obiit-Formular um eine zusätzliche, hinter dem Namen des Verstorbenen eingefügte Grabbezeugungsformel erweitert nach dem Muster: der/die allhier begraben liegt124).

Als zusätzliches Element wird den Sterbeinschriften seit dem frühen 14. Jahrhundert gelegentlich eine formelhafte Fürbitte angefügt. Bereits die älteste überlieferte und dem anno domini … obiit-Formular folgende Sterbeinschrift des Bearbeitungsgebiets (1303) weist eine, wenngleich noch etwas unbeholfen formulierte, Fürbitte auf: cuius anima hic requiescat. Die meisten Inschriften des 14. Jahrhunderts blieben allerdings noch ohne Fürbitte. Ungewöhnlich ist die einer lateinischen Sterbeinschrift angefügte deutsche Formel hilf got (nr. 24). Durchsetzen sollte sich im Laufe des 15. Jahrhunderts dann die 1357 im vorliegenden Material erstmals belegte Formel cuius anima requiescat in pace. Sie findet in den deutschsprachigen Sterbeinschriften keine wörtliche Entsprechung. Die dort ab der Mitte des 15. Jahrhunderts gebräuchlichen Wendungen lauten zumeist der/dem Gott gnad bzw. der/dem Gott gnädig sei, früh schon auch daneben dessen Seele Gott barmherzig sei (1437). Neben diesen schlichten, bis zum Ende des Berichtszeitraums üblichen Fürbitten kommen ab 1530 allmählich durch Kombination der bisherigen Elemente erweiterte Formulare auf: deren Seelen Gott gnädig und barmherzig sein wölle (nr. 136); dessen Seele der Allmächtige gnädig und barmherzig sein wölle (nr. 185) o. ä. Die Auferstehungserwartung tritt erstmals 1574 (nr. 218) an die Stelle der Bitte um göttliche Gnade. Die Formel welcher Gott eine fröhliche Auferstehung/Urständ verleihen wölle wird jedoch erst ab dem Ende des 16. Jahrhunderts häufiger verwendet, bisweilen auch in Kombination mit der „Gnaden-Formel“ (nr. 270: welchen Gott gnädig sein und … eine fröhliche Urständ verleihen wölle) oder erweitert zu: denen Gott eine fröhliche Auferstehung zum ewigen Leben bzw. durch Christum verleihen wölle. Eine weitere Aufblähung des Fürbittformulars ist schließlich bei einigen Inschriften des 17. Jahrhunderts zu beobachten125). Die anderweitig häufig belegte Miteinbeziehung aller Christgläubigen in die Fürbitte bleibt im Bearbeitungsgebiet einmalig (1627). Humanistisch beeinflußte lateinische Fürbittformeln sind cuius anima deo [Druckseite XLI] vivat (nr. 337) und cuius memoria aeternum sit benedicta (nr. 495)126), letztere übrigens angeschlossen an eine deutschsprachige Sterbeinschrift.

Das bekräftigende amen als Abschluß der Fürbitte ist zunächst nur ganz vereinzelt 1508 in einer lateinischen Inschrift festzustellen, kommt dann ganz allmählich um die Mitte des 16. Jahrhunderts häufiger vor, um dann schlagartig ab 1560 zum festen Bestandteil fast aller Sterbeinschriften zu werden. Eine auffällige Häufung von Inschriften ohne das abschließende amen ist lediglich um 1630 zu konstatieren, ohne daß es dafür eine plausible Erklärung gäbe, danach wird amen wieder durchweg gesetzt.

Der Name des Verstorbenen kann durch Standesbezeichnungen, Titel, Prädikate oder standesspezifische Epitheta erweitert werden. Eine lineare Entwicklung ist dabei im Bearbeitungsgebiet nicht festzustellen. Immerhin ist festzuhalten, daß die Geistlichen im 15. Jahrhundert durchweg mit der dominus-Anrede, ab 1488 vermehrt um das Epitheton honorabilis, bezeichnet werden. Die Amtsbezeichnung (capellanus) kann hinzutreten. Die Anrede dominus bzw. herr ist auch für die Angehörigen des Hochadels üblich (nrr. 20, 48, 101 u. ö.), bei Fürsten und Grafen außerdem die Standesbezeichnung (herczog, comes); die Frauen des Hochadels erhalten entsprechend die Anrede frau (fräulein) und die Standesbezeichnung herzogin, gräfin, landgräfin. Standestypische Epitheta, die ab dem 2. Drittel des 15. Jahrhunderts nachweisbar sind, sind hochgeboren und wohlgeboren bzw. generosus (nr. 101). Beim Niederadel sind Standesbezeichnungen in den Sterbeinschriften des Bearbeitungsgebiets dagegen selten. Nur ein einziges Mal wird ein Verstorbener als ritter bezeichnet (1452), und in einer verlorenen Inschrift von 1349 wird der Verstorbene in ungewöhnlicher Formulierung – wohl zur Unterscheidung von Ordensrittern des Johanniterordens oder des Deutschen Ordens – miles secularis genannt (nr. 10). Den weiblichen Angehörigen des Niederadels kommt ebenso wie den Hochadeligen die Anrede frau zu, während die Anrede herr bis ins 17. Jahrhundert dem Hochadel vorbehalten blieb.

Zur ständischen Differenzierung gegenüber den Nichtadeligen bediente sich der Niederadel – nachweisbar ab 1471 – zunächst der offenbar für den fränkischen Niederadel charakteristischen Epitheta ehrbar bzw. ehrbar und vest. Ein Wandel ist ab dem 2. Viertel des 16. Jahrhunderts zu konstatieren. Nach Übergangsformen (ehrbar und edel; gestreng und ehrenvest) wird ehrbar völlig durch das Epitheton edel verdrängt, die übliche Kombination lautet nunmehr edel und (ehren)vest für Männer bzw. edel und tugendhaft/tugendsam für Frauen. Grund für diesen Wandel war sicherlich, daß sich seit dem 16. Jahrhundert auch die führenden Angehörigen der Bürgerschaft der Städte als ehrbar (seltener ehrsam) bezeichneten127), eine neue Abgrenzung des Niederadels mithin nötig wurde. Epitheta-Häufungen wie ehrsam/ehrbar und achtbar oder (für Frauen) ehrbar und tugendsam sind bei Inschriften für Bürgerliche ab 1574 nachweisbar und seither häufig. An der korrekten Überlieferung der Epitheta hochwohlgeboren und wohlgelehrt für einen 1560 verstorbenen bürgerlichen Deutschordenskanzler (nr. 180) sind angesichts des bislang festgestellten Befunds Zweifel angebracht. Auch die bürgerlichen Frauen werden – wie die adeligen – mit frau bzw. jungfrau angeredet. Die Standesbezeichnung bürger/burger erscheint 1572 erstmals, bleibt aber in der Folgezeit selten. Meist wird dann der Ort hinzugefügt, in dem der Betreffende das Bürgerrecht besaß. Die Anreden und Prädikate werden sowohl beim Adel als auch bei Bürgerlichen im späten 16. und im 17. Jahrhundert immer umfangreicher. Die übliche ausführliche Titulatur der Hochmeister des Deutschen Ordens lautete seit Walter von Kronberg: der hochwürdigste Fürst und Herr Herr N. Administrator des Hochmeistertums in Preußen und Meister Teutsch Ordens in Teutschen und Welschen Landen, unter Hochmeister von Schutzbar gen. Milchling vorübergehend noch erweitert um den Titel des Propst und Herrn zu Ellwangen und seit dem frühen 17. Jahrhundert bleibend erweitert um die Titel Herr zu Freudenthal und Eulenburg. Die ausführliche Titulatur der Grafen von Hohenlohe war im frühen 17. Jahrhundert: der hoch- und wohlgeborene Herr Herr N. Graf von Hohenlohe und Herr zu Langenburg etc. Epithetahäufungen sind im 17. Jahrhundert beim Niederadel (die wohledle viel ehrentugendreiche Frau) wie beim Bürgertum (der ehrenveste und hochgelehrt weise Herr) zu beobachten, die Anrede Herr begegnet jetzt auch vereinzelt bei Angehörigen des Niederadels (der wohledel gestrenge Herr für den Inhaber der Herrschaft Rosenberg), bei Patriziern (1634) und bei Bürgerlichen (1616 für einen Ratsverwandten, 1625 für einen Schultheißen). Die Titulaturen der evangelischen Pfarrer und der katholischen Geistlichen unterscheiden sich nicht. Sie werden als venerandus (vir) dominus oder entsprechend in deutschsprachigen Inschriften als ehrwürdiger Herr, in erweiterter Form ab dem Anfang des 17. Jahrhunderts auch als ehrwürdiger und hochgelehrter/wohlgelehrter Herr bzw. als reverendus et doctissimus vir dominus bezeichnet.

[Druckseite XLII]

Nähere Angaben zu Verwandtschaftsverhältnissen begegnen zuerst bei Sterbeinschriften für Frauen des Niederadels. So wird in den Inschriften des 14. und 15. Jahrhunderts durchweg im Anschluß an den Geburtsnamen der Frau der Name des Ehemanns genannt nach der Formel uxor N. N. bzw. des N. N. seligen verlassne Witwe. In den Sterbeinschriften des 16. Jahrhunderts ist die adelige Frau dagegen in der Regel mit ihrem erheirateten Namen genannt, während ihr Geburtsname nach der noch heute üblichen Formel (eine) geborene von angehängt wird. Der Name des Ehemanns wird auch weiterhin noch häufig angegeben (des N. N. eheliche Hausfrau/eheliche Gemahl o. ä.). In den Sterbeinschriften verheirateter Bürgerinnen finden die Ehemänner ebenfalls oft Erwähnung, eine Benennung der Frauen nach ihrem Geburtsnamen ist freilich – anders als bei den Adeligen – ebenso oft zu beobachten wie die nach dem Geschlechtsnamen des Ehemanns, so daß hier keinerlei Regel erkennbar ist. Bei Kindern wird ab etwa 1580 fast stets der Name des Vaters (des N. N. ehelicher Sohn/eheliche Tochter), selten auch die Namen beider Eltern, aufgeführt. Während die Bezeichnung unverheirateter Mädchen und Frauen als Jungfrau üblich und häufig ist, stellt die Bezeichnung der erbar Junge Gesell für einen zwanzigjährig Verstorbenen eine Ausnahme dar (nr. 467).

Im Laufe des 16. Jahrhunderts nehmen Art und Umfang der genealogischen und biographischen Informationen in den Inschriften zu. Der Herkunftsort wird nur gelegentlich bezeichnet (nrr. 262, 404), dagegen findet sich ab 1588 – vorwiegend auf Kindergrabmälern – nicht selten die Angabe des Geburtstags oder -jahres, einmal sogar der Geburtsstunde (nr. 342). Das Sterbealter wird 1560 im Bearbeitungsgebiet zum ersten Mal angegeben (nr. 180), wird ab 1580 häufiger genannt und fehlt ab 1595 nur noch selten. Besonders bei Kindern wird die Lebensdauer mitunter auf Wochen und Tage genau berechnet. Die Zahl der Ehejahre findet in Sterbeinschriften erst ab 1610 Erwähnung, kommt dann aber recht häufig ausschließlich auf Grabmälern für Frauen vor. Auf der Grabplatte der Sibylla von Rosenberg von 1635 sind im Rahmen eines Grabgedichts neben dem Sterbealter auch das Alter bei Eheschließung, die Ehedauer und die Dauer des Witwenstands angegeben, was freilich ohne Nachfolge blieb (nr. 476)128). Die näheren Todesumstände gehen aus den Sterbeinschriften nur selten hervor. Die schon oben erwähnte Sterbeinschrift des Hochmeisters von Stadion, die als Sterbeort das kaiserliche Feldlager bei Mühlhausen und den Eintritt des Todes nach gehörten zwei Messen und empfangener Communion beschreibt (nr. 492), stellt eine ungewöhnliche Ausnahme dar. Der Sterbeort wird immerhin in sechs weiteren Inschriften mitgeteilt (Erstbeleg 1607)129).

Schließlich werden in Sterbeinschriften Ämter, Würden und Berufe genannt. Die frühesten Amtsbezeichnungen finden sich in Inschriften des 14. und 15. Jahrhunderts für Geistliche, bei denen die Angaben zugleich als Standesbezeichnungen fungieren (generalis praeceptor Alemanniae, capellanus). Im frühen 16. Jahrhundert begegnen erstmals weltliche Ämter (Amtmann) und Erbhofämter (Erbmarschall des Stifts Eichstätt) sowie – sicherlich durch die ungünstige Überlieferungslage bedingt erst jetzt – Deutschordensämter (Commendator in Mergentheim). Als militärischer Dienstgrad wird 1544 ein Hauptmann genannt (nr. 194), als bürgerlicher Amtsträger 1546 erstmals ein Schultheiß (nr. 157). Die häufigsten Amtsnennungen betreffen nach den Pfarrern die Amtmänner (Verwalter), Schultheißen und Kastner (Keller, Rentmeister), ab dem Anfang des 17. Jahrhunderts außerdem Mitglieder des städtischen Rats. Die Dauer der Amtsführung sowie bei den Hochmeistern des Deutschen Ordens die Regierungsdauer wird ab etwa 1560 zunächst vereinzelt, ab 1580 dann fast regelmäßig mitgeteilt. Ausführliche Schilderungen vollständiger Ämterlaufbahnen, wie sie in anderen Beständen zu beobachten sind, kommen in Sterbeinschriften des Kreises Mergentheim nicht vor. Bürgerliche Berufe werden im Bearbeitungsgebiet ab 1580 gelegentlich genannt, darunter Wirte, Metzger, Schuhmacher, Müller, Schmiede und Eisenkrämer.

Bibelzitate kommen als zusätzliche Inschriften neben Sterbe- und Grabinschriften auf Grabmälern des Bearbeitungsgebiets erst ab 1572 auf (nr. 214), vermehrt ab etwa 1590 und sehr häufig ab dem Anfang des 17. Jahrhunderts. Die Bibelzitate sind ganz überwiegend deutschsprachig und folgen in der Regel dem Text der Lutherbibel. Bevorzugt werden Textstellen, in denen die Gewißheit der Erlösung durch Christi Opfertod und die Zuversicht in die Auferstehung und das ewige Leben zum Ausdruck kommen: Hiob 19, 25–26 (Ich weiß, daß mein Erlöser lebt …), Philipper 1, 21 (Christus ist mein Leben, Sterben ist mein Gewinn), Johannes 3, 16 (Also hat Gott die Welt geliebt …), 1. Korinther 15, 22 (Wie sie in Adam alle sterben, so werden sie in Christo alle lebendig gemacht werden), Psalm 4, 9 (Ich liege und schlafe ganz in Frieden, denn allein du, Herr, hilfst mir, daß ich sicher wohne). Speziell auf die Verstorbenen passende Bibelzitate finden sich beispielsweise auf Grabmälern für ein Kind (Markus 10, 14: Lasset die Kindlein [Druckseite XLIII] zu mir kommen …) und für einen Pfarrer (Daniel 12, 3: Die Lehrer aber werden leuchten wie des Himmels Glanz). Paraphrasierende Übernahme von Bibelzitaten in deutsche Reimverse bleibt im Bearbeitungsgebiet die Ausnahme (nr. 349). Die Auferstehungsgewißheit drückt sich außer in Bibelsprüchen auch in kurzen Devisen (mors ianua vitae, vivo in salvatore pace Christi, vicisti in salvatore o anima mea) und in deutschsprachigen oder lateinischen Versinschriften aus. Neben Trostsprüchen begegnen ganz vereinzelt (Erstbeleg 1573) Mahnungen an die Vergänglichkeit des irdischen Lebens nach der bekannten Formel jetzund mir morgen dir bzw. hodie mihi cras tibi (nrr. 217, 412) oder wiederum als Bibelzitat (Psalm 103, 15–17: Ein Mensch ist in seinem Leben wie Gras …).

Die ausführliche lateinische Stifter- und Widmungsinschrift schließlich auf dem Bachschen Epitaph von 1610 in Markelsheim (nr. 399), in der Abt Thomas Bach von Banz als Auftraggeber des Grabmals genannt wird, bleibt im Bearbeitungsgebiet ein Einzelfall. Eine allenfalls vergleichbare deutschsprachige Stifterinschrift auf einem Igersheimer Grabmal des ausgehenden 16. Jahrhunderts (nr. 330) ist nur mehr unvollständig überliefert.

4.2. Glocken

Nach den Denkmälern des Totengedenkens bilden die Glocken130) die zweitgrößte Gruppe der Inschriftenträger im ehemaligen Landkreis Mergentheim. Insgesamt ließen sich 60 vor 1650 gegossene inschriftlich bezeichnete Glocken nachweisen, von denen immerhin noch 36 erhalten sind. Die Umstände und der genaue Zeitpunkt des Verlusts ließen sich bei den meisten Glocken nicht ermitteln. Viele wurden im Zuge von Kirchenneubauten und -renovierungen im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert eingeschmolzen, weitere dürften der Glockenablieferung im Ersten Weltkrieg zum Opfer gefallen sein131), wohingegen die Verlustrate im Zweiten Weltkrieg offenbar gering war.

Die frühesten Glocken wurden im 13. Jahrhundert gegossen, über die Herkunft ihrer Gießer ist nichts bekannt. In die zweite Jahrhunderthälfte gehören die beiden erhaltenen Glocken in Creglingen und Neunkirchen (nrr. 2, 3), deren Inschriften in romanischer Majuskel aus den bloßen Namen der vier Evangelisten bestehen, denen man Unheil bannende Abwehrkräfte zuschrieb. Auf der Neunkirchener Glocke ist den Evangelistennamen noch der Name Mariae als Anrufung angefügt. Ebenfalls in die 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts dürften zwei verlorene Mergentheimer Glocken zu datieren sein, die als erste signiert sind (nrr. 4, 5). Beide trugen den in Form der Glockenrede abgefaßten Gießervermerk Conradus me fecit und wurden vielleicht von demselben Meister gegossen, der eine der Schrift nach um die Mitte des 13. Jahrhunderts entstandene Glocke im Eichstätter Dom signierte132). Eine der Mergentheimer Glocken weist dieselbe, im 13. Jahrhundert als Glockeninschrift geläufige Marienanrufung wie die Eichstätter Glocke auf: me resonante pia populi memor esto maria133), die zweite Glocke ist mit einer liturgischen Formel versehen, die Bestandteil der Herrscherlaudes war: christus vincit christus regnat christus imperat. Dieselbe Formel trug – in verkürzter Form – eine verlorene Glocke in Münster (nr. 7), die wohl noch ebenso aus dem 13. Jahrhundert stammte wie eine Nassauer Glocke (nr. 8), deren Inschrift in Form eines leoninischen Hexameters die Gläubigen zum Gebet in die Kirche ruft.

Die Glockeninschriften des 14. Jahrhunderts, die durchweg in gotischer Majuskel ausgeführt sind, bestehen zumeist aus den Evangelistennamen, als Zusätze können der Kreuztitulus, ein Glockenname (osanna) oder Marienanrufungen hinzukommen, zwei Glocken sind außerdem signiert: Während die Signatur auf der Glocke des Magister Albuertus134) aus der zweiten Jahrhunderthälfte (nr. 34) lediglich aus dem Gießernamen besteht, war die verlorene Glocke in Finsterlohr (nr. 12) mit der deutschsprachigen Meisterinschrift Zitwar gos mich versehen. Von diesem Gießer135) sind auch andernorts Glocken mit deutschsprachigem Gießervermerk bekannt, die anhand der Schriftformen noch in die 1. Hälfte des 14. Jahrhunderts weisen. Im selben Zeitraum ist auch die Elpersheimer Evangelistenglocke (nr. 11) mit der deutschsprachigen Marienanrufung maria hilf mir entstanden. Diese beiden Glockeninschriften [Druckseite XLIV] sind somit die frühesten volkssprachig ausgeführten Inschriften des Bearbeitungsgebiets. Die erwähnte Glocke des Meisters Albuertus erhielt zusätzlich zu der Schulterinschrift am Schlag eine weitere, aus den Namen der Hl. Drei Könige bestehende Inschrift. Auch von diesen Namen versprach man sich eine apotropäische Wirkung. Dasselbe gilt für die lediglich aus der Buchstabenreihe des Alphabets bestehende Inschrift eines fränkischen Gießers in Lichtel (nr. 15). Weitere Glockenformulare des 14. Jahrhunderts sind der Beginn des Ave maria (nrr. 25, 35) sowie ein für Glocken ungewöhnliches Bibelzitat nach Lucas 14, 16–17, das auf die Stunde des Abendmahls Bezug nimmt und somit wohl auf die ursprüngliche Funktion des Abendläutens anspielt (nr. 33). Für zwei der Glocken können erstmals durch Schriftvergleich Gießer namhaft gemacht werden, deren Gießhütten näher zu lokalisieren sind: Konrad von Würzburg und Hermann Kessler (II.) von Nürnberg136). Ein Meister in der Nachfolge Kesslers hat die letzte nachweisbare Majuskelglocke des Kreisgebiets gegossen, die zugleich die erste datierte Glocke ist. Diese Creglinger Glocke von 1401 (nr. 37) trägt als Inschrift die Jahreszahl, eingeleitet mit anno domini, sowie eine deutschsprachige Marienanrufung.

Die ältesten erhaltenen Glocken mit Inschriften in gotischer Minuskel137) befinden sich in Oberstetten (nrr. 31, 32). Sie wurden beide um 1400 von einem unbekannten Meister gegossen. Ihr Formular besteht aus dem Ave-Maria-Beginn bzw. aus den Evangelistennamen – jetzt jeweils mit der Bezeichnung s(anctus) – und dem Namen des Kirchenpatrons. Die gotische Minuskel bleibt in der Folgezeit die Schrift der Glockeninschriften bis ins 2. Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts. Die Glocken des 15. Jahrhunderts sind ab 1417 (nr. 41) fast alle datiert, und sie wurden ganz überwiegend von Nürnberger Gießern hergestellt. Im 1. Drittel des 15. Jahrhunderts lassen sich nur Zuweisungen anhand von Stilvergleichen der Schrift und sonstigen Glockenzier treffen. Demnach dürften eine (verlorene) Glocke aus Oberstetten (nr. 41) von Meister Sifridus, zwei Glocken in Niederstetten und Freudenbach (nrr. 46, 47) von Meister Ulrich und wohl einem seiner Schüler gegossen worden sein. Die Oberstettener Glocke trug einen Gußvermerk in Passivkonstruktion (ista campana fusa est) mit angefügter Weihformel (in onore sancte marie virginis), während die Glocke des Meisters Ulrich den Gießernamen in Form der Glockenrede bietet: ulricus magister me fecit. Diese Form des an die Jahreszahl angefügten Gießervermerks findet sich dann auch auf drei der insgesamt fünf nachweisbaren Glocken des Nürnberger Gießers Konrad Gnoczhamer138), der die Glockenproduktion im Bearbeitungsgebiet im 2. Drittel des 15. Jahrhunderts beherrscht zu haben scheint. An die Nennung des Gußjahrs und des Gießers können der Beginn des Ave Maria, die auf Glocken häufig zu findende Christusanrufung o rex glorie veni (cum pace) (nr. 46) oder eine Weihformel angefügt sein. Die Wahl eines nicht recht zur Funktion einer Glocke passenden Bibelzitats aus dem Hohelied auf einer Freudenbacher Glocke von 1433 (nr. 47) dürfte wohl einmalig sein. Während Gnoczhamers Inschriften lateinisch sind, war die Meisterinschrift des Hermann Wust von Wertheim auf einer Mergentheimer Glocke deutschsprachig abgefaßt (nr. 89). Da Wusts Glocken auch sonst nicht datiert sind139), läßt sich das verlorene Mergentheimer Exemplar innerhalb des 15. Jahrhunderts nicht näher zeitlich einordnen. Einige undatierte und unsignierte Glocken fränkischer Gießer aus der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts sind wiederum mit dem Ave Maria (nrr. 86, 103) oder mit einer gereimten deutschsprachigen Gottesanrufung (nr. 88) bezeichnet.

Am Ende des 15. Jahrhunderts übernimmt die Heilbronner Gießhütte des Bernhart Lachaman140) die führende Rolle in der Glockenproduktion des Bearbeitungsgebiets. Zwischen 1496 und 1515 sind insgesamt fünf Lachaman-Glocken nachweisbar. Nach dem Tod des Gießers führte sein gleichnamiger Sohn die Werkstatt fort. Von diesem wurde 1520 eine Glocke in Rinderfeld gegossen. Die Sprache der Heilbronner Glocken ist durchweg deutsch. Zwei dieser Glocken (nr. 79, 106) trugen neben dem datierten Gießervermerk ein Gebet (hilf got und maria) bzw. den ausgeschriebenen Kreuztitulus. Die vier übrigen folgen dann dem stereotypen Formular osanna heiß ich, in gottes bzw. in unser frauen ehr leut ich, bernhart lachaman goß mich mit abschließender Jahreszahl.

Zwei Elpersheimer Glocken des frühen 16. Jahrhunderts (nrr. 98, 99) wurden von ein- und demselben (Schweinfurter?) Gießer hergestellt. Beide weisen Glockenreden in Form leoninischer Hexameter auf, die die unterschiedlichen Funktionen der Glocke benennen: Totenklage, Aufruf zum Gebet und Unwetterabwehr. Als Glockenzier sind auf den Flanken Reliefs von Heiligen angebracht, [Druckseite XLV] die mit Beischriften versehen sind. Weitere unsignierte, wohl ebenfalls unterfränkischen Gießern zuzuschreibende Glocken (nrr. 82, 112) sind wiederum mit dem Ave Maria und einer Datierung bezeichnet. Die letzten erhaltenen vor der Reformation gegossenen Glocken sind die beiden Markelsheimer von 1522, Werke des Nürnberger Meisters Sebald Beheim d. Ä., jeweils mit lateinischer Kreuzes- bzw. Marienanrufung und mit reicher Glockenzier (Weinlaubfries, Heiligenreliefs).

Auffällig ist das völlige Fehlen von Glocken aus dem 2. und 3. Viertel des 16. Jahrhunderts. Erst von 1588 ist wieder der Guß einer Glocke in Creglingen faßbar (nr. 274). Sie trägt die für den Nürnberger Gießer Pankraz Bemer141) typische Reiminschrift pangratius bemer von nvrnberg gvs mich, gottes wort bleibt ewig, glavbts (!) dv das mit der that wirst dv selig. Außerdem werden die Creglinger kirchlichen und weltlichen Amtsträger aufgezählt. Diese Amtsträgernennung, die in anderen Regionen auf Glocken der Zeit häufig zu beobachten ist, bleibt im Kreis Mergentheim ein Einzelfall. Eine 1594 gegossene Mergentheimer Glocke des sonst offenbar als Glockengießer nicht in Erscheinung getretenen Johann Arnold aus Fulda (nr. 300) kombiniert ein um eine Anrufung erweitertes lateinisches Bibelzitat mit einer deutschsprachigen Inschrift, die sich aus dem Glockennamen (sanct johannes bin ich genannt) und einem Gießervermerk zusammensetzt. Letzterer folgt dem auch von anderen Gießern häufig verwendeten Formular durch das feuer bin ich geflossen, N. N. hat mich gegossen.

Die Formeln zu gottes lob ehr und dienst/preis gehör ich, N. N. goß mich bzw. aus dem feuer ich flus, N. N. mich gus sind dann stereotyper Inschriftenbestandteil der zahlreichen Glocken, die von Christoph Rosenhart gen. Glockengießer in Nürnberg im 3. Drittel des 16. Jahrhunderts und von Christoph Glockengießer d. J.142) zwischen 1599 und 1618 für Kirchen des Kreisgebiets gegossen wurden. Die Inschrift der jüngsten dieser Glocken (nr. 419) ist um acht Verse erweitert, die des Kirchenausbaus und der Glockenstifter gedenken. In einem Fall (nr. 405) verwendete Christoph Glockengießer d. J. dasselbe Formular wie Pankraz Bemer auf der Creglinger Glocke von 1588, vermehrt um ein lateinisches Psalmenzitat. Auch in Schriftform und Dekor ähneln sich die Glocken beider Gießer. Als Gießer einer Laudenbacher Glocke von 1605 (nr. 369) signiert ein anderweitig bislang nicht nachweisbarer Konrad Sidler aus Würzburg, vermutlich ein Nachfahre der bekannten Esslinger Gießerfamilie.

Die drei jüngsten Glocken von 1619, 1620 und 1626 schließlich tragen Inschriften in Kapitalis und sind Erzeugnisse des Dinkelsbühler Meisters Adam Iligan und der beiden lothringischen Wandergießer Caspar Delson und Pierre Bulleville.

4.3. Kirchliche Ausstattungsgegenstände und Geräte

Hier wie andernorts ist im Bereich der Kirchenausstattung mit einem besonders hohen Verlust an Inschriftenträgern zu rechnen. Nicht nur der Bildersturm der Reformation in protestantischen Herrschaftsgebieten, sondern vor allem Kirchenneubauten, -renovierungen und -modernisierungen führten immer wieder zu einer Dezimierung der Kirchenausstattung, liturgische Geräte wurden eingeschmolzen oder verkauft oder gingen auf anderem Wege verloren, und im Bereich der Paramente ist der Hauptgrund für die großen Verluste sicherlich in der geringen Haltbarkeit der textilen Materialien zu sehen.

An inschriftlich bezeichneten kirchlichen Ausstattungsstücken, die noch aus vorreformatorischer Zeit stammen, ist im Kreis Mergentheim nur wenig erhalten. In erster Linie ist der spätgotischen Altarretabeln in der Creglinger Herrgottskapelle zu gedenken. Der Marienaltar aus der Werkstatt Tilman Riemenschneiders (nr. 75) hat nur eine einzige geschnitzte Gewandsauminschrift aufzuweisen. Auf den Rückseiten der Bildreliefs sind allerdings außerdem mit Rötelkreide in Kursivschrift Werkstattanweisungen angebracht, die jeweils den Bildinhalt der Vorderseite benennen und die möglicherweise von Riemenschneider selbst stammen. Die Fassung zweier weiterer Creglinger Altarretabeln von 1496 wurde ganz oder teilweise von dem Windsheimer Maler Jakob Mülholzer besorgt (nrr. 77, 78). Beide Werke sind von ihm inschriftlich signiert; die Bilder des einen Altars weisen zudem eine Reihe von in frühhumanistischer Kapitalis gemalten Inschriften in Schriftbändern, auf Gewandsäumen und Nimben auf. Das Fragment eines Schnitzaltars in Mergentheim, das angeblich aus Laudenbach stammt (nr. 119), zeigt ein Marientodrelief und ist inschriftlich auf 1519 datiert. Ebenfalls nur mit einer Jahreszahl (1517) ist die geschnitzte Marienfigur aus einer Kreuzigungsgruppe (nr. 115) in Creglingen bezeichnet, die Konsole einer Nikolausfigur ebenda trug früher eine deutschsprachige Heiligenanrufung und die Jahreszahl 1521 (nr. 123). Ein hölzerner Kruzifixus mit Titulus in der Creglinger [Druckseite XLVI] Stadtkirche (nr. 166) stammt noch aus der 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts, er wurde wiederholt restauriert und aus diesem Anlaß – zuletzt 1654 – mit Renovierungsinschriften versehen.

Die inschriftlichen Zeugnisse der Kirchenausstattung aus nachreformatorischer Zeit sind etwas zahlreicher. Ein gemaltes Altarbild aus der Mitte des 16. Jahrhunderts in Frauental (nr. 201) zeigt neben Bibelszenen und Bibelzitaten den Stifter mit seiner Familie. Möglicherweise handelt es sich um das Fragment eines Epitaphs. Ein weiteres Altarbild mit biblischen Szenen und zahlreichen lateinischen Bibelzitaten, das 1594 geschaffen wurde (nr. 301), befand sich in Reinsbronn. Wahrscheinlich 1589 wurde die Altarmensa für die Weikersheimer Stadtkirche errichtet (nr. 281). Die Beischriften zu den als Eckstützen fungierenden Evangelistensymbolen bilden den einzigen inschriftlichen Schmuck. Fast 30 Jahre später erhielt der schlichte Altar dann ein monumentales hölzernes Retabel mit Auferstehungs- und Abendmahlsgemälde, Schnitzfiguren und reichem architektonischen Zierat. Neben Bibelzitaten sind ein kurzes gereimtes Gebet und eine lange belehrende Reiminschrift aufgemalt (nr. 420), die sich gegen die Bilderverehrung wendet, gleichzeitig aber die belehrende Funktion der Bilder zur Vermittlung und Veranschaulichung des Heilsgeschehens hervorhebt. Ein spätgotisches Altarretabel in der Creglinger Stadtkirche, dessen Schreinfiguren zum Teil noch erhalten sind, wurde 1627 renoviert. Dabei wurden die Flügel neu mit Szenen aus der Kindheit Jesu bemalt und mit einer Stifter- und Künstlerinschrift versehen (nr. 452). Aus den Kirchen des katholischen Herrschaftsgebiets ist einzig aus der Mergentheimer Friedhofskapelle ein inschriftlich bezeichneter Hochaltar von 1609 bekannt, der eine deutschsprachige Stifterinschrift trug (nr. 394). An Gestühlen mit Inschriften ist lediglich ein schlichter Zweisitz von 1569 mit eingeschnitzter Jahreszahl und Signatur in der Standorfer Ulrichskapelle erhalten (nr. 205).

Die Kanzel als Ort der Verkündigung von Gottes Wort war in den evangelischen Kirchen neben dem Altar das wichtigste Ausstattungsstück. Sie wurde bevorzugt mit lateinischen oder deutschen Bibelzitaten und Sprüchen geschmückt, die auf die zentrale Bedeutung des Wortgottesdienstes und auf die Kraft des Wortes hinweisen (nrr. 247, 266). Insgesamt sind aus dem späten 16. und frühen 17. Jahrhundert fünf hölzerne Kanzeln mit Inschriften erhalten. Die speziell für die Leichenpredigten in der Creglinger Herrgottskapelle neu angeschaffte Kanzel von 1594 (nr. 299) ist mit lateinischen Bibelzitaten und mit elegischen Distichen geschmückt, die sich auf die Auferstehung der Toten und die Erlösung durch Christus beziehen. Die Distichen wurden von dem Creglinger Pfarrer verfaßt. Die meisten der Kanzeln sind mit Wappen, Namen oder Nameninitialen von Stiftern und/oder örtlichen Amtsträgern versehen.

Die Emporenbrüstungen der Weikersheimer Stadtkirche wurden 1590 mit sich paarweise typologisch entsprechenden alt- und neutestamentlichen Szenen bemalt, denen erklärende deutsche Versinschriften beigegeben waren (nr. 285). Ein fast identisches Bildprogramm wurde um 1600 auch in Stuckreliefs in der Weikersheimer Schloßkapelle ausgeführt. Auf die für das Kirchenvolk bestimmten belehrenden Beischriften konnte hier verzichtet werden, die Inschriften sind reduziert auf Kreuztitulus und Beschriftung der Gesetzestafeln als Teile des ikonographischen Programms in zwei Bildreliefs (nr. 328). Zwei hölzerne Emporen in Niederstetten und Finsterlohr von 1600 und 1610 tragen außer dem Herstellungsjahr (und Initialen) keine weiteren Inschriften.

Recht zahlreich sind die Inschriften auf Taufsteinen evangelischer Kirchen. Sie sind alle in dem kurzen Zeitraum zwischen 1578 und 1603 entstanden. Einheitlich tragen sie einen oben am Rand des Beckens umlaufenden deutschsprachigen Bibelspruch, der auf die Taufe Bezug nimmt; nur der Taufstein in Oberstetten (nr. 239) weist an dieser Stelle den Text eines lateinischen Hymnus auf, der ebenfalls die Taufe zum Thema hat. Am Schaft des Taufsteins sind meist die Namen und/oder Wappen der Stifter oder Amtsträger verewigt. Keine Bibelzitate trägt der 1583 gefertigte Taufstein im katholischen Markelsheim, einzige Inschrift ist hier die Jahreszahl (nr. 257).

Zur spezifischen Ausstattung der Deutschordenskirchen gehörten die Aufschwörschilde, welche die neu in den Orden aufgenommenen Ritter zu stiften hatten143). In ihrer äußeren Gestalt ähneln diese Schilde den Totenschilden. Die drei aus Mergentheim stammenden, heute in Wachendorf (Lkr. Tübingen) und in Friesach/Kärnten aufbewahrten Aufschwörschilde von 1544, 1607 und 1624 zeigen jeweils das Vollwappen des Probanden sowie eine umlaufende Inschrift, in der der Name des Ritters und das Datum seines Ordenseintritts genannt werden (nrr. 149a, 379, 441).

Äußerst dürftig ist der Bestand an inschriftlich bezeichneten liturgischen Geräten. Noch aus dem 14. Jahrhundert stammt ein Wachbacher Kelch mit Kreuztitulus in gotischer Majuskel auf einem Kruzifix-Medaillon (nr. 18). Die spätgotischen Kelche in Wachbach und Frauental (nrr. 85, 87) tragen [Druckseite XLVII] Gottes- und Marienanrufungen auf dem Schaft bzw. auf dem Nodus (ihesvs, ave maria, hilf got). Ein 1639 (?) vom damaligen Creglinger Pfarrer in die Stadtkirche gestifteter Kelch ist mit den vermutlich eigenhändig ausgeführten Nameninitialen des Stifters und der Jahreszahl versehen (nr. 486). Zwei gotische Kelche sowie ein 1600 entstandener mit ausführlicheren lateinischen Stifterinschriften stammen nicht ursprünglich aus dem Bearbeitungsgebiet (nrr. 63, 324, A3). Ein 1482 entstandenes Prozessionskreuz in Mergentheim zeigt die vier Evangelistensymbole mit gravierten Beischriften in Schriftbändern (nr. 64). Lediglich mit Jahreszahlen beschriftet wurden eine Monstranz von 1509 (nr. 105) sowie eine Garnitur von zwei Büsten- und vier Armreliquiaren, die Hochmeister Erzherzog Maximilian III. 1605 in die Mergentheimer Hofkapelle stiftete (nrr. 372, 373). Ein im 14. Jahrhundert entstandenes Reliquiar mit kurzen Inschriften in gotischer Majuskel an Nodus und bekrönendem Kruzifixus (nr. 21) wurde 1588 mit einem Dorn von der Dornenkrone Christi versehen und erhielt aus diesem Anlaß eine Gedenkinschrift. Auch dieses Gefäß ist von außerhalb ins Bearbeitungsgebiet verbracht worden. Ein im 15. oder 16. Jahrhundert gefertigtes Ostensorium mit zumindest teilweise inschriftlich ausgeführten Reliquienbeischriften (nr. 340) gehörte zum Deutschordensschatz. Schließlich sei noch als Kuriosum einer 1611 hergestellten Bechersonnenuhr mit Funktionsbeischriften (nr. 402) gedacht, die in die Wachbacher Kirche gelangte und zu einem Abendmahlskelch umfunktioniert wurde.

An Paramenten mit vor 1650 entstandenen Inschriften ist einzig ein gesticktes spätgotisches Kaselkreuz in Nassau erhalten (nr. 127), das 1619 – sicherlich anläßlich einer Schenkung – mit Wappen und Initialen eines Stifters versehen wurde. Nur mehr abschriftlich bezeugt sind Inschriften auf etlichen wohl zumeist erst im 17. Jahrhundert gefertigten liturgischen Gewändern, Corporaltaschen und Kelchtüchern, die sich in der Pfarrkirche und in der Hofkapelle in Mergentheim befanden. Es handelte sich bei diesen Inschriften ausschließlich um die in verschiedenen Materialien und Techniken aufgestickten oder aufgemalten Namen Jesu und Mariae.

4.4. Inschriften an Gebäuden, Wandmalereien

Die einfachsten Bauinschriften sind bloße Jahreszahlen, die den Abschluß eines Bauabschnitts oder einer Renovierungsmaßnahme dokumentieren. Solche Bauzahlen sind im Bearbeitungsgebiet ab 1484, verstärkt ab etwa 1540, in großer Zahl auch an Wohnhäusern erhalten, besonders häufig in Weikersheim, Mergentheim, Elpersheim und Markelsheim. Durch beigefügte Namen, Nameninitialen oder Wappen können die Bauherren bezeichnet sein. Bevorzugter Anbringungsort dieser einfachen Bauinschriften sind die Scheitel der Rundbogenportale von Hof-, Haus- und Kellereingängen sowie Eckquader im oberen Bereich der gemauerten Erdgeschosse; im Fachwerk wurden, soweit dies der erhaltene Bestand erkennen läßt, vor allem die senkrechten Mittel- und Eckständer zur Beschriftung genutzt. Eine aufwendigere Form stellt die Anbringung größerer Wappentafeln dar, die mit Jahreszahlen und/oder Namen und Titeln des Bauherrn versehen wurden (Erstbeleg 1494).

Die ältesten Bauinschriften des Bearbeitungsgebiets befinden sich an Kirchenbauten in Laudenbach und Weikersheim und sind 1412 bzw. 1419 entstanden (nrr. 38, 42). Sie folgen beide demselben lateinischen Formular, das mit Jahres- und Tagesangabe beginnt, dann den Akt des Baubeginns in Passivkonstruktion benennt (inceptum est hoc opus) und mit der Aufzählung der Patrozinien (in honore …) endet. Die Bauinschrift an einem Turm der Laudenbacher Ortsbefestigung von 1476 (nr. 62) weist dieselbe Passivkonstruktion auf (anno … inchoatum est hoc opus), im Anschluß sind aber die seinerzeit lebenden Ortsherren aus dem Rittergeschlecht der von Finsterlohr aufgezählt, eingeführt mit der ungewöhnlichen Wendung sub dominio nobilium ville tunc viventibus wilhelmo et wiperto …. Ebenfalls noch lateinisch abgefaßt war eine Bauinschrift von 1502 am Weikersheimer Pfarrhaus (nr. 95).

Die erste ausführlichere deutschsprachige Bauinschrift datiert von 1560 (nr. 184), ihr Aufbau gleicht dem der lateinischen Inschriften: anno domini … yst die bruck erbaut wornn mit anschließender Nennung der amtierenden Bürgermeister144). Ungewöhnlich ist dagegen die drei Jahre jüngere Inschrift am Mergentheimer Rathaus (nr. 189), die aus der ausführlichen Titulatur des amtierenden Hoch- und Deutschmeisters, seiner Regierungsdauer und einer Fürbitte für weiterhin lange Regierung und seligen Tod besteht und die erst durch die abschließende Jahreszahl zu einer Bauinschrift im weiteren Sinne wird.

[Druckseite XLVIII]

An den Schlössern des Niederadels sind ab 1570 Kombinationen von Wappendarstellungen mit längeren deutschsprachigen Bauinschriften zu beobachten (nrr. 207, 276, 290). Die Inschriften sind in Prosa oder in Versen verfaßt und können ergänzt werden durch Devisen und Haussprüche. In der langen originellen Versinschrift am Wachbacher Schloß (nr. 290) wird die Nachricht über die Baumaßnahme mit einer Bitte um das Fortbestehen des Adelsgeschlechts verbunden. Um zu dokumentieren, daß es sich bei den jeweiligen Bauten um Sitze von turnier- und stiftsfähigen Adelsgeschlechtern handelte, wurden die Bauinschriften gelegentlich zusätzlich mit den Ahnenproben der Bauherren versehen145).

Die Bauinschriften an den Amtsgebäuden der brandenburgischen Herrschaft fielen zumeist recht schlicht aus. So weist eine Reihe von Wappensteinen im Bereich des Klosters Frauental aus dem letzten Drittel des 16. Jahrhunderts lediglich das zollernsche Wappen sowie die Initialen des Fürsten und des örtlichen Verwalters auf (nrr. 219, 224, 263). Dagegen wurde die herrschaftliche Kelter in Creglingen mit Wappentafel, Titulatur des Markgrafen und zusätzlicher Bauinschrift der örtlichen Amtsträger deutlich aufwendiger gestaltet (nr. 248). Auch am Weikersheimer Kornbau ist der herrschaftliche (hohenlohische) Amtsträger als der für die Ausführung des Baus Zuständige genannt. Die Versinschrift von 1582 (nr. 256) erwähnt außerdem den Baumeister und endet mit einem Segenswunsch.

Die letzte lateinische Bauinschrift im Bearbeitungsgebiet befand sich im würzburgischen Laudenbach und ist 1582 entstanden (nr. 255). Sie bestand aus dem Namen und Titel des Würzburger Fürstbischofs, der klassischen, durch den Humanismus wieder in Gebrauch gekommenen Formel f(ieri) f(ecit) und abschließender Datierung. Eine weitere Laudenbacher Bauinschrift des Bischofs Julius Echter von Mespelbrunn wurde 1613 geschaffen (nr. 407). Sie gehört zu einer großen Serie von ähnlich lautenden, in deutschen Reimversen abgefaßten Lobsprüchen, die anläßlich des 40. Regierungsjubiläums des Bischofs im gesamten würzburgischen Territorium angebracht wurden und die jeweils außer der konkreten Baumaßnahme auch des Jubiläums und der vorbildlichen, die Verbreitung des katholischen Glaubens fördernden Regierung des Fürsten gedenken. Diese Inschrift ist ebenso ein Denkmal der Gegenreformation wie die Bauinschrift des Freiherrn zu Eck und Hungersbach in Stuppach (nr. 385), in der unter den Heiligen, denen der Kirchenbau geweiht ist, Maria durch Auszeichnungsschrift besonders hervorgehoben wird.

Eine besondere Gruppe unter den Bauinschriften bilden die lateinisch abgefaßten, wortreichen Gedenk- und Grundsteinlegungsinschriften auf den Silberplatten, die 1628, 1636 und 1641 in die Grundsteine des Mergentheimer Kapuzinerklosters und der Maria-Hilf-Kapelle eingelassen wurden (nrr. 456, 479, 490) und in denen jeweils der Hochmeister von Stadion als Auftraggeber mit ausführlicher Titulatur sowie die Kirchenpatrozinien genannt werden, in einem Fall auch die weihenden Bischöfe.

Inschriften in Verbindung mit Wandmalereien sind im Bearbeitungsgebiet in verhältnismäßig großer Zahl auf uns gekommen. Allerdings sind Wandmalereien stets gefährdet durch Bau- und Renovierungsmaßnahmen, und vor allem im Bereich der Kirchenbauten sind im Zuge der Reformation sicherlich viele Malereien beseitigt oder übertüncht worden. Der Großteil der überlieferten Inschriften ist nur mehr fragmentarisch erhalten und oft bis zur Unkenntlichkeit zerstört, so daß über Inhalt und Funktion häufig keine sichere Aussage gemacht werden kann. Etliche dieser Malereien wurden im 19. und 20. Jahrhundert freigelegt und dabei nicht immer sachgemäß restauriert, was vor allem zu Lasten des paläographischen Befunds ging. Eine schriftkundliche Auswertung ist dadurch erheblich erschwert.

Die ältesten Inschriften finden sich in Mergentheim, Frauental, Niederstetten und Rüsselhausen (nrr. 9, 13, 14, 16). Sie stammen aus der 1. Hälfte des 14. Jahrhunderts, die Mergentheimer ist vielleicht noch etwas früher anzusetzen. Es handelt sich bei diesen Fragmenten um Heiligennamen als Beischriften zu Bildern, um Tituli in Schriftbändern sowie um Spruchbänder in Bildszenen, deren Texte nicht mehr zu ermitteln sind. Die verwendete Schriftart ist die gotische Majuskel. Die Wandmalereien des 15. Jahrhunderts wurden dann mit Inschriften in gotischer Minuskel versehen. Sie stehen meist in Schriftbändern oder in den schmalen, die Bilder umgebenden Rahmenleisten und haben, soweit erkennbar, die Funktion von Namenbeischriften und Anrufungen (nrr. 55, 56, 83, 90). Inschriften in von Engeln gehaltenen Schriftbändern im Gewölbe der Mergentheimer Dominikanerkirche (nr. 68) gedenken in Verbindung mit einem Wappenschlußstein der Herren von Hohenlohe als der Förderer der Kirche. Ein umfangreicher Marienzyklus im Kreuzgang derselben Kirche aus der Zeit um 1500 ist reich mit Inschriften ausgestattet (nr. 93). Es sind zumeist Bibelzitate, die als Beischriften das Geschehen erläutern oder in Spruchbändern die Verkündigung von Gottes Wort durch Engel anzeigen.

[Druckseite XLIX]

In der 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts wurden in den Kirchen von Archshofen und Waldmannshofen die Chorgewölbe mit Evangelistensymbolen ausgemalt, in Waldmannshofen anstelle einer älteren Ausmalung mit demselben Thema. Die Namen der Evangelisten in den Schriftbändern wurden in frühhumanistischer Kapitalis (nr. 56) und in Kapitalis (nr. 122) ausgeführt. Von der Renaissanceausmalung des Mergentheimer Schlosses im letzten Viertel des 16. und zu Beginn des 17. Jahrhunderts sind an Inschriften nur ein winziges Fragment ungewissen Inhalts (nr. 332) sowie die Namenbeischriften zu den beiden Wappenfriesen der Hochmeister und der Deutschmeister (nr. 378) erhalten. Letztere bestehen jeweils nach nur wenig variiertem Formular aus dem Namen, einer fortlaufenden Zählung und der Regierungsdauer, dem Todesjahr oder dem Jahr des Amtsantritts. Anläßlich der Umbettung der Gebeine von Angehörigen des hohenlohischen Grafenhauses in die 1605 neu angelegte Gruft unter der Weikersheimer Stadtkirche wurde dort eine von Todessymbolen umrahmte Grabbezeugungsinschrift auf die Wand gemalt (nr. 376). Am Kranzgesims des Chors derselben Kirche ließ Graf Georg Friedrich von Hohenlohe 1618 seinen Lebenslauf in einer langen Inschrift ohne Bildschmuck aufmalen (nr. 421). Eine komplette Ausmalung mit einem mariologischen Programm erhielt 1607 die Ecksche Kapelle in der Mergentheimer Pfarrkirche. Metrische Bildbeischriften zu Szenen aus dem Marienleben und der ebenfalls lateinische Text des Salve Regina (nr. 382) bilden die inschriftliche Komponente dieses Ausmalungsprogramms. Als Kuriosität seien schließlich noch die deftigen Verse erwähnt, die in der Abortanlage eines Creglinger Wohnhauses wohl gegen Ende des 16. Jahrhunderts aufgemalt wurden, um die Benutzer zur Hygiene anzuhalten (nr. 331).

In der Funktion den Wandmalereien vergleichbar sind die stuckierten Deckenbilder von 1598 im Weikersheimer Schloß. Den antiken Szenen sind als Umschriften aufgemalte, in deutsche Verse gefaßte Bilderläuterungen beigegeben (nr. 313). Auch die auf Leinwand gemalten Deckenbilder im Schloß mit Szenen aus dem Türkenkrieg wurden mit erklärenden Beischriften versehen (nr. 366).

Mittelalterliche Glasmalereien mit Inschriften sind nur in der Creglinger Herrgottskapelle erhalten. Auf drei im ausgehenden 14. Jahrhundert entstandenen Stifterscheiben stehen in Spruchbändern lateinische und deutschsprachige Anrufungen, in einem Fall ist auch der dargestellte Stifter namentlich bezeichnet (nr. 30). Eine Kabinettscheibe mit Wappen und Namen des Deutschmeisters Dietrich von Cleen (1515–26) könnte Mergentheimer Provenienz sein (nr. 129). Die Stifterinschrift einer Fensterscheibe von 1649 in Rüsselhausen (nr. 499) schließlich ist nur mehr abschriftlich überliefert.

4.5. Der Deutschordensschatz

Der Grundstock des Deutschordensschatzes wurde im 16. Jahrhundert gelegt146). Er wurde sukzessive vermehrt durch Stiftungen der Hoch- und Deutschmeister, durch besondere Auftragsarbeiten für einige Hochmeister, durch Schenkungen an den Orden sowie durch Einziehung des Besitzes der verstorbenen Ordensritter. Dieses Spolienrecht des Ordensoberhaupts wurde nachweislich ab 1515 in Anspruch genommen147). Allerdings war der Orden auch immer wieder gezwungen, Teile des Schatzes – und darunter oft die wertvollsten Stücke – zu verpfänden, zu verkaufen oder in die Münze zu geben, um seinen finanziellen und militärischen Verpflichtungen gegenüber Kaiser und Reich, vornehmlich in den Türkenkriegen, nachkommen zu können. In Kriegszeiten mußte der Schatz häufig geflüchtet werden. Auch führte Diebstahl zu Verlusten. Das erste Mergentheimer Inventar wurde 1606 erstellt, seither wird die Sammlung als Ordensschatz geführt. Neben den Ordensinsignien und liturgischen Geräten umfaßte der Schatz auch typische Kunstkammerstücke, wie wertvolle Gefäße aus kostbaren Materialien, Gläser, Schmuckstücke, Medaillen, astronomische Geräte, zudem Gemälde, kostbare Waffen und Rüstzeug sowie Tafelgold und -silber und weitere Gebrauchsgegenstände. Aus den Inventaren wissen wir, daß etliche Gegenstände mit Wappen und Jahreszahlen bezeichnet waren (so auch nrr. 137, 179, 194), andere trugen Initialen oder ausführlichere Inschriften, die allerdings nicht im Wortlaut überliefert sind148).

Von den inschriftlich bezeichneten Schatzkammerstücken sind die am frühesten nachweisbaren eine Natternzungenkredenz mit einer beschrifteten Goldfassung (nr. 91), die seit spätestens 1526 Teil des Schatzes ist, ein Kokosnußbecher mit Becherschraube aus dem Nachlaß Walters von Kronberg (nr. 137), ein Maserkopf mit Wappen und Jahreszahl (nr. 179), der 1585 inventarisiert wurde, sowie ein auf 1566 datiertes Lavoir, das vermutlich aus dem Nachlaß Georg Hunds von Wenkheim stammte [Druckseite L] (nr. 194). Den bedeutendsten Zuwachs erhielt der Schatz im Berichtszeitraum durch Hochmeister Erzherzog Maximilian III. von Österreich. Schon zu seinen Lebzeiten gelangten einzelne Stücke nach Mergentheim, so ein silbernes Reiterporträt des Fürsten mit Widmungsinschrift (nr. 329) und zwei kunstvoll in Kupferstichmanier gravierte Kredenzschalen Johann Theodor de Brys, die mit deutschen Bibelzitaten und einer Stifterinschrift bzw. mit einer Bibelparaphrase in französischen Reimversen beschriftet waren (nrr. 364, 365). Das meiste floß dem Deutschen Orden aber nach dem Tod des ab 1602 in Innsbruck residierenden Hochmeisters 1619 zu. Zwar ging Vieles aus seinem Nachlaß an den Wiener Hof, der Hauptteil seines Kunstschatzes und seiner Bücherei wurde aber 1626 während des Dreißigjährigen Krieges von Innsbruck nach Mergentheim verbracht149). Aus Maximilians Besitz stammt der über und über mit Inschriften bedeckte Erd- und Himmelsglobus des Nürnberger Feinmechanikers und Instrumentenmachers Christian Heiden (nr. 208), eine Obsidianplakette mit Porträt Kaiser Karls V. (nr. 165), ein Schmuckanhänger mit den eingravierten Zehn Geboten in hebräischer Schrift (nr. 335), ein im frühen 17. Jahrhundert umgearbeiteter Kristall-Doppelkopf mit Bekrönung in Form des österreichischen Erzherzogshuts (nr. 423), ein Ring mit lateinischer Devise (nr. 422) sowie vermutlich ein Schmuckanhänger mit Devisen, Initialen und dem Wappen der Freiherren von Waldstein (nr. 424). Unter den zahlreichen Prunkwaffen aus Maximilians Sammlung befanden sich auch ein orientalischer Säbel mit persischer Inschrift und zwei türkische Dolche mit türkischer Beschriftung, die im vorliegenden Band allerdings nicht aufgenommen wurden150).

Der gesamte in Mergentheim, Burg Neuhaus und teilweise auch auf Burg Horneck aufbewahrte Ordensschatz wurde während des Dreißigjährigen Kriegs 1631 nach Heidelberg zu den Jesuiten geflüchtet, von dort 1632 auf die Insel Mainau und weiter teils nach Wien und teils nach Rodenegg in Südtirol. Nach teilweiser Rückführung wurde der Schatz 1643 erneut in Sicherheit gebracht nach Ingolstadt, und erst 1660 gelangten wieder fast alle Teile des Schatzes aus Wien und Ingolstadt nach Mergentheim zurück. Die späteren Flüchtungen der Pretiosen im 17. und 18. Jahrhundert müssen hier nicht verfolgt werden. Ab 1806 befindet sich das, was von der Sammlung übriggeblieben ist, in Wien151).

5. Die Schriftformen

5.1. Romanische und gotische Majuskel

Die frühesten erhaltenen Inschriften des Bearbeitungsgebiets entstammen der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts. Da auch für das 14. Jahrhundert der Bestand an erhaltenen Majuskelinschriften recht gering ist, läßt sich eine eigentliche Schriftentwicklung natürlich nicht nachzeichnen. Erschwerend kommt hinzu, daß bis auf zwei Ausnahmen sämtliche Inschriften undatiert und daher nur ungefähr und unsicher zeitlich einzuordnen sind. An in Stein ausgeführten Inschriften haben nur zwei die Zeit überdauert. Den Großteil bilden Glockeninschriften und Inschriften auf Wandmalereien, wobei letztere aufgrund der weitgehenden Zerstörung des originalen Schriftbefunds und zum Teil wegen erheblicher Verfälschungen durch Übermalung kaum zur Auswertung herangezogen werden können.

Zwei Glocken in Creglingen und Neunkirchen (nrr. 2, 3) weisen noch Inschriften in romanischer Majuskel auf und sind vermutlich noch in der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts entstanden. Beide Schriften sind relativ dünnstrichig, haben aber aufgrund der unterschiedlichen Herstellungstechniken abweichende Formen. Die Buchstabenmodelle der Creglinger Glocke wurden in ihren Konturen aus einer flachen Wachsplatte mit dem Messer ausgeschnitten und auf das Glockenmodell aufgeklebt. Die Schaft-, Balken- und Bogenenden sind leicht keilförmig verdickt, lediglich die Balkenenden des schmalen kapitalen E sind stärker erweitert zu breiten Dreiecken, die sich mit den Spitzen berühren und den Buchstaben dadurch nach rechts abschließen. Das (spiegelverkehrte) unziale E scheint sogar bereits durch einen durchgehenden Abschlußstrich geschlossen zu sein. Auch das kreisrunde C, dessen Bogenenden sich fast berühren, ist einmal durch einen kurzen Abschlußstrich geschlossen. Neben E kommt auch M sowohl in kapitaler als auch in unzialer Form vor. Bogenschwellungen sind noch nicht vorhanden, Bogenverstärkungen nur zaghaft angedeutet. Neben flachgedecktem A mit beidseitig weit überstehendem Deckbalken und geknicktem Mittelbalken ist auch einmal ein pseudounziales A eingesetzt. Auf der Neunkirchener Glocke wurden die Buchstaben einzeln mit der Hand geformt, dann auf eine Wachsplatte geklebt. Anschließend wurden sie mitsamt ihrer Wachsunterlage ausgeschnitten, [Druckseite LI] diese rechteckigen Plättchen wurden dann auf dem Glockenmodell befestigt. Die Buchstaben sind im Querschnitt wesentlich unregelmäßiger als die der Creglinger Glocke; Schaft-, Balken- und Bogenenden weisen keine einheitliche Gestaltung auf und sind nur selten keilförmig, allenfalls keulenartig erweitert. Die Cauda des R und das Bogenende des unzialen H sind spitz ausgezogen. Unzial sind außerdem das E und das fast vollrunde, unten durch einen Abschlußstrich geschlossene M. E und C lassen dagegen noch keinerlei Tendenz zur Abschließung erkennen. Auch hier kommen sowohl flachgedecktes als auch pseudounziales A vor.

Creglingen, nr. 2

Neunkirchen, nr. 3

Zwei kurze Namenbeischriften zu Wandmalereien in Mergentheim (nr. 9) und Frauental (nr. 13) entziehen sich aufgrund ihrer starken Übermalungen und Ergänzungen einer paläographischen Auswertung. Sie dürften in der 1. Hälfte des 14. Jahrhunderts entstanden sein, die Mergentheimer Inschrift ist vielleicht auch etwas älter. Ihre Buchstaben weisen noch keine Bogenschwellungen auf und sind noch der romanischen Majuskel zuzuordnen. Die Frauentaler Inschrift scheint bereits kräftige Bogenschwellungen zu besitzen; ob die langen Sporen des unzialen E auch im ursprünglichen Schriftbefund noch nicht zu einem Abschlußstrich verbunden waren, läßt sich nicht mehr entscheiden. Der Übergang zur gotischen Majuskel deutet sich zumindest in dem etwas größeren Volumen der Einzelbuchstaben an. Alle weiteren Majuskelinschriften des 14. Jahrhunderts sind dann eindeutig der gotischen Majuskel zuzurechnen.

Noch nicht mit Modeln hergestellt, sondern noch einzeln aus der Wachsplatte ausgeschnitten sind die breit proportionierten Buchstaben der ältesten Elpersheimer Glocke (nr. 11). Sie zeigen bereits aufgeblähte Bögen mit deutlichen Bogenschwellungen, keilförmige Verbreiterungen der Schaft-, Balken- und Bogenenden und kräftige Abschlußstriche bei C und unzialem E. Das symmetrische unziale M ist unten offen. Sporen finden sich nur ansatzweise bei S und V. Als Zierelemente dienen Nodi und Halbnodi an den Schäften von I und M. Die wohl bereits mit Hilfe von Buchstabenmodeln beschriftete Alphabetglocke in Lichtel (nr. 15) weist eine einheitlich stilisierte Schrift mit annähernd quadratischen, nur leicht gestreckten Proportionen auf. C, unziales E und symmetrisches unziales M sind durch Abschlußstriche geschlossen. Im Unterschied zu der Elpersheimer Glockeninschrift haben hier fast alle Buchstaben relativ breite Sporen, die oft keilförmig verdickt sind. Einzig das A hat eine Doppelform (pseudounziales neben flachgedecktem A). Die Balken des Z und die Cauda des Q haben aufgesetzte tropfenförmige Schwellungen. Von den Buchstabenformen und der Gestaltung der Sporen vergleichbar ist eine Glocke aus Schäftersheim (nr. 17), allerdings sind die Proportionen schmaler. Hier trägt auch der Balken des L eine tropfenförmige Schwellung. Als Doppelformen begegnen kapitales neben rundem N sowie V neben U. Letzteres ist oben geschlossen und somit fast nicht von dem runden, rechts geschlossenen T zu unterscheiden. Die Glocken in Lichtel und Schäftersheim dürften beide in der 1. Hälfte des 14. Jahrhunderts entstanden sein und sind Werke fränkischer Gießer.

Elpersheim, nr. 11

Lichtel, nr. 15

[Druckseite LII]

Schäftersheim, nr. 17

Quadratische Proportionen besitzt auch die gotische Majuskel der Rüsselhausener Wandmalereiinschriften aus der ersten Jahrhunderthälfte (nr. 16). Auffällige Merkmale dieser Schrift sind – soweit noch erkennbar – die bisweilen sehr langen, fast senkrechten Abschlußstriche von C und unzialem E, der starke Kontrast von haarfeinen Linien und kräftigen Hasten, keilförmigen Balken und breiten Bogenschwellungen, die oft eine gerade Innenkontur aufweisen, sowie eingestellte senkrechte Zierstriche (in E und O). Wesentlich unregelmäßiger in Gesamtduktus und Einzelformen scheinen die in ihren Schriftformen stellenweise stark verfälschten Wandmalereiinschriften in der Niederstettener Friedhofskapelle zu sein (nr. 14). Auffällig ist der Gegensatz zwischen teils haarfein ausgezogenen, durchgebogenen Sporen an Schaft- und Bogenenden und den zu klobigen Dreiecken erweiterten nach außen umgebogenen Bogenenden des pseudounzialen A, des unzialen M und des runden N. Auch die Sporen des B sind zu unförmigen Dreiecken verdickt. Die konsequente und einheitliche Umgestaltung aller Sporen und aller umgebogenen Bogen- und Caudenenden zu flachen Dreiecken, deren stumpfer Winkel auch abgerundet sein kann, ist eines der Merkmale einer Ausprägung der gotischen Majuskel, wie sie in Unterfranken – zuerst wohl in Würzburg – ab den 30er Jahren des 14. Jahrhunderts in Inschriften zu beobachten ist152). Als weitere charakteristische Eigenheiten dieser Schriftausformung kommen eine deutliche Streckung der Buchstaben (bis zum Verhältnis von 2:1) und spitz ausgezogene Bogenschwellungen hinzu. Letzteres ist bei den Niederstettener Inschriften aufgrund des unklaren Befunds nicht (mehr?) nachzuweisen, die Sporengestaltung setzt aber wohl die Kenntnis entsprechender Vorbilder voraus, so daß die Wandmalereien eher in das zweite als in das erste Viertel des 14. Jahrhunderts zu datieren sind.

Rüsselhausen, nr. 16

Niederstetten, nr. 14

Zumindest ansatzweise spitz ausgezogene kräftige Dreiecksporen und schmale Proportionen hat die erste datierte in Stein ausgeführte Inschrift152) auf einer Weikersheimer Grabplatte von 1385 (nr. 28), die freilich insgesamt sehr unbeholfen ausgeführt ist. Die langen Sporen bewirken zum Teil verhältnismäßig große Buchstabenabstände, wodurch die Einzelbuchstaben gegeneinander weitgehend abgeschlossen sind und ein unharmonisches Gesamtbild bieten. Wesentlich sorgfältiger gearbeitet ist der eingehauene Kreuztitulus am Portal der Niederstettener Friedhofskapelle (nr. 19). Auch hier sind die Sporen zu Dreiecken umgeformt, die allerdings durch ihre zierliche Gestaltung ganz gegenüber den tief eingehauenen Schäften und Bögen zurücktreten. Die Bogenschwellung des R ist spitz ausgezogen. Eine Entstehung der Inschrift in der Mitte des 14. Jahrhunderts erscheint demnach plausibel. Spitz ausgezogene Bogenschwellungen, verbunden mit runden Bogeninnenschwellungen, zeigen die erhaben gravierten, email-negativen Inschriften auf einem Reliquiar (nr. 21). Die flachen Dreiecksporen sind in spitz auslaufende Wellenlinien umgeformt, wodurch oben und unten am Schriftband fast der Eindruck einer durchgehenden Wellenlinie entsteht. Genau dasselbe Gestaltungsprinzip zeigt die gotische Majuskel, die der Nürnberger Gießer Hermann Kessler (II.) und seine Nachfolger auf ihren ab 1358 bis ins frühe 15. Jahrhundert nachweisbaren Glocken153) verwendeten. Von Kessler stammt die [Druckseite LIII] undatierte Glocke vom Creglinger Stadtzinkenistenturm (nr. 33), von einem seiner Nachfolger eine weitere Creglinger Glocke von 1401 (nr. 37). Kessler setzte als zusätzliche Zierelemente Halbnodi und dornenförmige oder gewellte Ansätze an Schäften und Bögen ein. Eine wesentlich ausgiebigere Verwendung von Nodi, Halbnodi und Zierpunkten bei gleichzeitig etwas zurückhaltenderer Sporengestaltung zeigt die Inschrift einer Wachbacher Glocke, die von dem 1352 bis 1367 urkundlich nachweisbaren Gießer Conrad von Würzburg gegossen wurde (nr. 25).

Niederstetten, nr. 21

Weikersheim, nr. 28

Creglingen, nr. 33

Wachbach, nr. 25

Münster, nr. 34

Keine Dreiecksporen hat die Glockeninschrift des Meisters Albuertus in Münster (nr. 34), deren Alphabet allerdings offenbar aus verschiedenen Modelsätzen zusammengesetzt wurde, wie unterschiedliche Größe, Proportionen und Stilisierung lehren. Die spitz ausgezogenen Bogenschwellungen sind in dieser Inschrift am deutlichsten ausgeprägt. Der Gießer ist anderweitig bislang nicht nachweisbar, so daß die Inschrift nur grob in die 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts zu datieren ist. Nach 1401 wurde im Kreis Mergentheim die gotische Majuskel dem Überlieferungsbefund zufolge nicht mehr als Textschrift eingesetzt, allenfalls noch als Auszeichnungsschrift in Versalfunktion innerhalb von Inschriften in gotischer Minuskel.

5.2. Gotische Minuskel

Die gotische Minuskel als Schrift von in Stein ausgeführten Inschriften läßt sich im Bearbeitungsgebiet erstmals 1371 nachweisen. Eine nicht erhaltene Grabplatte in Wachbach (nr. 23) war nach zuverlässigem Zeugnis mit einer „sehr lesbaren Umschrift in der eckigten Minuskel“ versehen. Das Aufkommen der gotischen Minuskel in inschriftlicher Verwendung liegt damit im Kreis Mergentheim etwas – wenn auch unwesentlich – früher als in den bislang edierten Inschriftenbeständen im Bereich der ehemaligen Diözese Würzburg und der westlich anschließenden Regionen154). Ein 1382 oder [Druckseite LIV] früher gefertigter Bildstock in Harthausen-Reckerstal (nr. 27) trug einen nur mehr durch Fotografien dokumentierten Kreuztitulus in gotischer Minuskel. Auch die früheste erhaltene Minuskelinschrift des Bearbeitungsgebiets auf dem Epitaph der Katharina von Finsterlohr in Laudenbach (nr. 29) ist noch in den 80er Jahren des 14. Jahrhunderts entstanden. Die Inschrift ist in einer regelmäßigen Textura ohne Versalien ausgeführt. Während die Buchstaben mit Unterlängen (g) ganz in den Mittellängenbereich eingefügt sind, sind die leicht rechtsschräg geschnittenen Oberlängen deutlich ausgeprägt; der auffällig weit aufragende obere Bogen des a füllt den gesamten Oberlängenbereich aus. An die Fahne des r ist ein Zierhaken angesetzt. Das Grabmal wurde in einer vermutlich in Würzburg beheimateten Werkstatt hergestellt, von der eine große Zahl weiterer Grabmäler für den gräflichen, edelfreien und niederen Adel vorwiegend in Unterfranken erhalten ist155). Weitere epigraphische Merkmale dieser Werkstatt sind Worttrenner in Form von auf der Kante liegenden Quadrangeln sowie eine Rosette anstelle des Invokationskreuzes am Beginn der Inschrift. Die Laudenbacher Inschrift wurde noch zu Lebzeiten der Katharina von Finsterlohr begonnen, und das Sterbedatum wurde später von einem Steinmetz derselben Werkstatt nachgetragen, worauf leichte Abweichungen in der Schriftausführung hindeuten. Wohl derselben Werkstatt ist ferner ein Grabmal von 1412 in Waldmannshofen (nr. 39) zuzuweisen, dessen Minuskel weitgehende Übereinstimmungen mit der (jüngeren) Laudenbacher Inschrift zeigt. Besonders signifikant sind die identischen Formen von k und x, t mit beidseitig überstehendem, etwas nach unten gerücktem Balken, sowie die erwähnten Worttrenner. Als Versalien sind ein vergrößertes Minuskel-a und ein durch Bogenbrechung an die Form der Textura angepaßtes, links geschlossenes unziales M eingesetzt. Die gotische Minuskel scheint, soweit sich dies aus dem spärlichen Material ablesen läßt, die gotische Majuskel als epigraphische Schrift gegen Ende des 14. Jahrhunderts völlig verdrängt zu haben.

Insgesamt ist die Verwendung von Versalien in den Minuskelinschriften des 15. Jahrhunderts eher selten, meist beschränkt sie sich auf das einleitende A von Anno oder auf die Buchstaben in Funktion römischer Zahlzeichen. Das beigefügte Schaubild gibt einen Überblick über die Versalien der in gotischer Minuskel in Stein und Metall ausgeführten Inschriften. Mit einem reicheren Einsatz von Versalien wartet eine mit sorgfältiger Vorritzung eingemeißelte Bauinschrift von 1412 in Laudenbach auf (nr. 38), die nur kurze Ober- und Unterlängen aufweist. Bemerkenswert ist das kastenförmige a, das als Doppelform im Wortinnern und am Wortende auftritt neben einem a mit rundem, als Haarlinie ausgeführtem oberen Bogen, das nur am Wortanfang steht. Das kastenförmige a ist sonst im südwestdeutschen Raum in Inschriften kaum nachzuweisen. Eine nur wenig jüngere Bauinschrift in Weikersheim (nr. 42) wirkt mit ihren dünnen, weit auseinanderstehenden Schäften und der unterschiedlichen Höhe der Oberlängen recht ungelenk. Sehr unregelmäßige Minuskelinschriften finden sich vor allem auf Grabplatten in Creglingen, die von Steinmetzen gefertigt wurden, die offensichtlich Schwierigkeiten mit der Ausführung gleichförmiger Brechungen und gleich ausgerichteter Senkrechten hatten. Auf einer Grabplatte von 1488 (nr. 70) behalf sich der Steinmetz damit, das besonders schwierige Schluß-s in Form einer eckigen 8 aus zwei übereinandergesetzten Rauten wiederzugeben. Eine Schriftentwicklung läßt sich aus den Minuskelinschriften des 15. Jahrhunderts nicht ablesen. Neben Inschriften mit kurzen und stumpf oder schräg endenden Oberlängen finden sich ab der Mitte des 16. Jahrhunderts (nr. 57) auch solche mit tief gespaltenen Oberschäften. Auch bei der Verwendung von Zierelementen – vor allem von haarfeinen Häkchen an c, e, r und t – ist keine Entwicklung im Sinne einer Zunahme festzustellen. Ausgesprochen schmale Proportionen und eng aneinandergefügte Buchstaben hat eine Inschrift von 1488 in Archshofen (nr. 71). Sie verzichtet zudem, wie bereits zwei Creglinger Inschriften aus der Jahrhundertmitte (nrr. 58, 59), auf Worttrenner.

Nachdem als Versalien zuvor hauptsächlich vergrößerte Gemeine, gotische Majuskeln oder im Bereich der Buchschrift entwickelte Textura-Versalien zum Einsatz kamen, verwendet eine Laudenbacher Bauinschrift von 1476 (nr. 62) erstmals ein A der frühhumanistischen Kapitalis mit weit überstehendem Deckbalken und geknicktem Mittelbalken. Dieselbe Form, aber wesentlich feingliedriger, mit leicht eingebogenen Schrägschäften und mit schräg geschnittenen Balkenenden, kommt in einer Bauinschrift von 1494 in Markelsheim vor (nr. 76). Diese charakteristische Ausformung des Versals, zusammen mit einer übereinstimmenden, sehr auffälligen Form des x, verbindet die Markelsheimer Inschrift mit einer Bauinschrift von 1510 an der Mergentheimer Wolfgangskapelle (nr. 107), die vom selben Steinmetzen gefertigt sein dürfte.

Eigenartige feinstrichige und zum Teil bis zur Unkenntlichkeit in ihre Einzelteile zergliederte Versalien besitzt die Sterbeinschrift des Mergentheimer Deutschordenskomturs Graf Georg von Henneberg

[Druckseite LV]

Die Versalien der gotischen Minuskel in chronologischer Reihenfolge

[Druckseite LVI]

von 1508 (nr. 101). Leider ist die Inschrift in weiten Teilen zerstört, so daß gerade die nur schwach ausgehauenen feinen Linien der Versalien kaum noch zu erkennen sind. Vorbilder dürften in Zieralphabeten der Schreibmeister und in Auszeichnungsbuchstaben der Bastarda und verwandter Kanzleischriften zu suchen sein156). Die Gemeinen sind sehr schmal und stehen eng gefügt, so daß trotz der etwas unregelmäßigen Ausrichtung der Schäfte und senkrechten Teile der gebrochenen Bögen der Eindruck eines kompakten Schriftbandes entsteht. Der Meister des auch stilistisch hervorragenden Grabmals konnte bislang noch nicht ermittelt werden.

Die jüngeren Minuskelinschriften des 16. Jahrhunderts erreichen das strenge Schriftbild der Textura nicht mehr, vielmehr werden sie – zum Teil unter Aufnahme von Frakturelementen – verfremdet. So weist die kurze Inschrift eines Laudenbacher Bildstocks von 1518 (nr. 118) zwar noch die Proportionen der gotischen Minuskel auf, das e hat aber bereits einen mit dem Balken zum Schwellzug verschmolzenen oberen Bogenabschnitt, während der linke Bogenabschnitt noch nach Art der Textura als senkrechter Schaft ausgeführt ist. Die Bögen von g und p sind annähernd rechteckig gebrochen, und die Linien haben fast alle die gleiche Strichstärke. Weit vom Kanon der Textura entfernt ist eine Mergentheimer Gedenkinschrift von 1540 (nr. 143), die ohnehin unbeholfen gehauen ist, darüber hinaus aber auch zahlreiche ausgerundete Bögen und vereinfachte Brechungen zeigt. Auffällig sind das einstöckige a, dessen Schaft unten nicht nach rechts gebrochen ist, und b mit stark eingeschnürtem Bogen. Die schlichten Versalien sind größtenteils Anleihen aus der frühhumanistischen Kapitalis. Wesentlich gleichmäßiger gehauen, aber durch eigenwillige Stilisierung ähnlich verfremdet erscheint die Minuskel auf einem Wachbacher Epitaph von 1545 (nr. 152). Die Ober- und Unterlängen sind lang ausgezogen, i erscheint stets als i-longa, a stellt durch Einschnürung des Bogens eine Mischung zwischen ein- und zweistöckiger Form dar, und o und d haben eine gestreckte sechseckige Grundform. Auch bei dieser Schrift ist kaum mehr ein Strichstärkenwechsel zwischen Senkrechten, Links- und Rechtsschrägen zu bemerken. Die Abstände der Einzelbuchstaben voneinander sind geringer als die Binnenabstände der Senkrechten innerhalb eines Buchstabens. Dadurch wird die Lesung trotz gleichmäßiger Schriftausführung erheblich erschwert.

Als nächstes müssen die Schriftprodukte einer Werkstatt in den Blick genommen werden, von der im Bearbeitungsgebiet nicht weniger als sieben Grabmäler mit Minuskelschrift sowie zwei weitere, in Kapitalis beschriftete, erhalten sind. Die völlig einheitliche Schriftausführung auf allen diesen Grabmälern legt es nahe, von der Hand ein und desselben ausführenden Bildhauers auszugehen. Es handelt sich durchweg um Denkmäler des Niederadels, die zwischen 1542 und 1560 in Wachbach, Niederstetten und Laudenbach errichtet wurden157). Anneliese Seeliger-Zeiss hat schon darauf hingewiesen, daß der Werkgruppe weitere Inschriftendenkmäler in den Landkreisen Karlsruhe, Heilbronn, Ludwigsburg, Schwäbisch Hall sowie im Hohenlohekreis anzureihen sind158). Insgesamt erweitert sich die Zahl der Werke dadurch um achtzehn: Schwaigern (Lkr. Heilbronn): 1534 (?) und 1536; Unterriexingen (Lkr. Ludwigsburg): 1531, 1543, zweimal 1544159); Flehingen (Lkr. Karlsruhe): 1542, um 1542160); Dörzbach (Hohenlohekreis): 1540, 1543, 154(.); Schöntal (Hohenlohekreis): 1541, 1553; Künzelsau: 1545; Vellberg-Stöckenburg (Lkr. Schwäbisch Hall): 1545, 1551, 1560; Schrozberg (Lkr. Schwäbisch Hall): 1546. Eine Lokalisierung der produktiven Werkstatt, die offenbar ausschließlich den ritterschaftlichen Adel mit Figurenepitaphien und -grabplatten belieferte, ist nach wie vor nicht gelungen. Als Notnamen schlage ich aufgrund des Produktionsschwerpunkts über einen längeren Zeitraum „Meister von Niederstetten und Wachbach“ vor. Die Minuskel weist in der Regel große Wortabstände auf, Worttrenner finden sich nicht auf allen Inschriftenträgern. Einigen Denkmälern sieht man deutlich an, daß die Inschriften flüchtiger ausgeführt wurden. Vor allem die zeilenweise eingehauenen Inschriften der späteren Epitaphien (nrr. 162, 181, 182) wirken durch auf fehlende Vorzeichnung zurückzuführende unregelmäßige Zeilenführung und -höhe sehr unruhig. Gemeinsame [Druckseite LVII] Merkmale aller Inschriften sind kurze, gleichwohl markante Ober- und Unterlängen (Oberlängen rechtsschräg geschnitten oder gespalten), schmale, gestreckte Proportionen und geringe Buchstabenabstände. Wie bei der Wachbacher Inschrift von 1545 (nr. 152) sind auch hier die Abstände der Senkrechten innerhalb der Buchstaben größer als die Abstände zu den benachbarten Schriftzeichen. Besonders auffällig sind die weiten Spatien zwischen den unverbundenen Schäften von m, n und u. Die Hasten des v sind meist beide nach außen schräggestellt und verbreitern den Buchstaben dadurch überproportional. Die in der strengen Textura zu senkrechten Linien umgebrochenen Teile der Bögen (bei b, d, g, h, o) werden häufig nach innen durchgebogen. Da der Grad der Krümmung sehr stark schwankt, haben die Einzelbuchstaben eine große Variationsbreite. Ein weiteres Charakteristikum der Werkstatt sind die Versalien. Das markante A am Beginn der Sterbeinschriften wird konsequent immer in derselben Form gebildet: pseudounziale Grundform, aufgesetzte doppelbogige Schwellung auf dem geschwungenen linken Schaft und begleitende haarfeine Zierlinien. Der Kanon der Versalien beschränkt sich sonst ganz rigoros auf kapitales A und C (jeweils nur einmal), zweibogiges E, Fraktur-J, ausgesprochen breites symmetrisches unziales M, S und – auf den Grabmälern der Rosenberger – R mit kleinem Bogen und steiler, auswärts gebogener oder geschwungener Cauda. Für alle übrigen Buchstaben werden – auch bei Eigennamen – ausschließlich die Gemeinen gesetzt.

Weitgehende Übereinstimmungen mit der beschriebenen Schrift zeigt die Umschrift einer nur mehr fragmentarisch erhaltenen Äbtissinnengrabplatte aus Kloster Frauental, die 1529 oder 1530 entstanden ist (nr. 135). Die Proportionen sind noch etwas schmaler, auf die Durchbiegung der senkrechten Bogenteile ist verzichtet, und die Worttrenner-Quadrangeln sind oben und unten mit Zierhäkchen besetzt. Ansonsten entspricht die Schrift aber in allen Einzelheiten der der vorgestellten Werkgruppe, besonders hervorzuheben sind die seltene Form des k und die E- und M-Versalien161). Da – soweit erkennbar – die Gestaltung des Faltenwurfs in dem Bildrelief und auch die Form und Gestaltung der Wappenschilde von den späteren Werken des Bildhauers erheblich abweichen und eine höhere Qualität erkennen lassen, ist der Befund wohl nur so zu erklären, daß das Bildrelief von einem älteren Meister geschaffen, die Inschrift aber von dem späteren Bildhauer „von Niederstetten und Wachbach“, der 1529/30 vermutlich noch Geselle war, hinzugefügt wurde. Von der Hand des älteren Meisters rühren übrigens nach Ausweis der identischen Form der Wappenschilde zwei in Kapitalis beschriftete Epitaphien von 1529 in Niederstetten (nrr. 133, 134) her.

In der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts wird die gotische Minuskel als Schrift für in Stein ausgeführte Inschriften sehr schnell von Kapitalis und Fraktur verdrängt. Eine Brückenbauinschrift von 1560 in Creglingen (nr. 184) nimmt mit der Ausrundung der Bögen bei b, h, g und Schluß-s sowie der Fahne des langen s wesentliche Merkmale der Fraktur auf, o erscheint neben der Texturaform auch spitzoval. Langes s ist allerdings noch auf der Grundlinie gebrochen, und die für die Fraktur typischen Schwellschäfte und Schwellzüge fehlen noch ganz. Ebenfalls um eine Mischschrift handelt es sich bei einer unbeholfen ausgeführten Inschrift auf einer Creglinger Grabplatte von 1568 (nr. 200). Ein letztes Mal begegnet die gotische Minuskel in Stein auf einem nur mehr fragmentarisch erhaltenen Epitaph in Markelsheim, das wohl in die Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert zu datieren ist. Diese Spätform der Minuskel mit langen Ober- und Unterlängen und rechteckig abknickenden c und s, die aber noch ganz dem Kanon der Textura verpflichtet ist, wenngleich das Schriftbild durch unregelmäßige Buchstabenabstände und durch uneinheitliche Versalien aufgelockert ist, erinnert an die – freilich qualitätvollere – Schrift der Ulmer Bildhauerwerkstätten von Hans Schaller († 1594) und seinen Schülern Michael Schaller (1613 †), Peter Schmid († 1608) und Georg Huber († 1628/48)162). Da Georg Huber aus Mergentheim stammte, könnte diese typische Schriftausprägung vielleicht von ihm in seine Heimat vermittelt worden sein.

Auf Glocken finden sich die frühesten Inschriften in gotischer Minuskel im Bearbeitungsgebiet um 1400. Die Schrift der beiden Oberstettener Glocken (nrr. 31, 32) ist zwar regelmäßig, durch Gußfehler aber erheblich beeinträchtigt und schwer lesbar. Die Minuskel beherrscht dann im 15. und 16. Jahrhundert das Schriftbild der Glockeninschriften völlig. Während die Glocken aus dem 1. Viertel des 15. Jahrhunderts keine Schriftbesonderheiten aufweisen, zeigen die Nürnberger Glocken des Meisters Ulrich und seiner Nachfolger von 1429 und 1433 (nrr. 46, 47) charakteristisch gespaltene und beidseitig eingerollte Oberschäfte sowie unten nach rechts hochgebogene und meist perlartig verdickte Abstriche an den Balken von f und t, am oberen Bogenabschnitt des c, an der Fahne des r sowie am rechten Fortsatz des g. Die gesamte Schrift ist in ein Zweilinienschema gezwängt. Ganz ähnlich ist die Minuskel des Konrad Gnoczhamer, die aber noch zusätzlich zahlreiche Zierhäkchen [Druckseite LVIII] einsetzt. An einige Buchstaben sind in Blattranken mündende Zierlinien angefügt. Die Minuskel der Heilbronner Lachaman-Glocken unterscheidet sich von der der Nürnberger Glocken deutlich durch ausgeprägte Ober- und Unterlängen. Bemerkenswerte Zierformen haben schließlich die Nürnberger Glocken des späten 16. Jahrhunderts aus den Gießhütten von Pankraz Bemer und den beiden Christoph Glockengießer: Sowohl die Ober- als auch die Unterlängen sind tief gespalten und beidseitig eingerollt, die Buchstaben mit Oberschäften haben in Höhe der Oberlinie des Mittelbandes oft einen dornartigen Ansatz links am Schaft. Da die Alphabetmodel innerhalb der Gießhütten von Generation zu Generation weitergegeben wurden, hielt sich die gotische Minuskel im Bereich der Glockeninschriften im Kreisgebiet – wie auch andernorts – bis weit ins 17. Jahrhundert. Die letzten nachweisbaren Minuskelglocken wurden 1613 von Christoph Glockengießer d. J. in Igersheim gegossen (nrr. 405, 406).

Die späteste Anwendung im inschriftlichen Bereich überhaupt fand die gotische Minuskel auf den beiden geschmiedeten Uhrtafeln des Mergentheimer Bläserturms von 1620 (nr. 433). Bei der Wiedergabe der römischen Zahlzeichen des Zifferblatts hat sich die Schreibung in Textura bezeichnenderweise vielfach bis heute gehalten.

Auf Messingtafeln und -epitaphien sind insgesamt acht Inschriften des 15. und 16. Jahrhunderts in erhabener gotischer Minuskel auf uns gekommen. Die älteste, 1471 entstandene (nr. 61) zeichnet sich durch große Regelmäßigkeit aus. Wie bei erhabenen Minuskelinschriften häufig zu beobachten, ist auch hier die Breite der Schäfte größer als der Abstand zwischen den Senkrechten. Dies ergibt, zusammen mit den Quadrangeln an Ober- und Unterlinie des Mittellängenbereichs, den für die Textura typischen Gittercharakter. Die Schrift ist dennoch aufgrund der deutlichen Ober- und Unterlängen gut lesbar. Sie verzichtet auf jegliche Zierformen sowie auf Versalien und Worttrenner. Die Oberlängen sind rechtsschräg geschnitten. Auch eine Inschrift von 1485 (nr. 67) zeigt eine ausgeprägte Gitterstruktur, deren Eindruck noch verstärkt wird durch leicht eingeschnürte Schäfte und kräftigere Quadrangeln. Der rechtsschräge Schnitt der Oberschäfte ist stark eingebogen, gelegentlich fast eingekerbt. Die in einer Rothenburger Werkstatt hergestellte Inschrift weist Zierhäkchen an g, r und t auf, die am Zeilenende in lange Zierlinien auslaufen können. Der Schriftgrund ist rechtsschräg schraffiert. Bei mittellangen Buchstaben ist das obere Ende des linken Schafts in bestimmten, einer festen Regel folgenden Fällen rechtsschräg geschnitten statt mit einem Quadrangel versehen. Die Versalien sind dem Breitfederduktus der Textura angepaßt, lediglich am Beginn der Inschrift steht eine Lombarde. Schmalere Proportionen hat die Minuskel einer ebenfalls in Rothenburg gefertigten Inschrift von 1502 (nr. 94), die bereits eine deutliche Tendenz zur Ausrundung von Bögen (g, Schluß-s, v) sowie als Zierelemente eingerollte Bogenenden bei g, h und z zeigt. Die Ober- und Unterlängen ragen weit in die zwischen den Zeilen stehenden Stege hinein; runder i-Punkt ist konsequent gesetzt. Die Textura-Versalien sind ausgesprochen schmal und durchbrechen das Mittelband kaum. Der Schriftgrund ist wiederum schrägschraffiert, als Worttrenner dienen Parallelogramme. Qualitätvolle Frakturversalien mit feinen, Kontraschleifen bildenden Zierlinien hat die Minuskel des 1539 in der Nürnberger Vischer-Werkstatt gefertigten Epitaphs für Hochmeister von Kronberg (nr. 139). Die völlig regelmäßigen Gemeinen sind dagegen bemerkenswert schlicht mit nur mäßiger Betonung der zu Quadrangeln umgeformten gebrochenen Schaftenden. Einige Oberschäfte sind mit Zierbögen überwölbt oder mit Kontraschleifen versehen, wo die Zeilenzwischenräume dafür Platz lassen. Einfache, weitgehend schmucklose Versalien aus verschiedenen Alphabeten finden sich in drei Creglinger Inschriften von 1546 und 1560 (nrr. 156, 157, 183), die mit Sicherheit in Nürnberg hergestellt wurden. Die Brechungen an den unteren Schaftenden sind links gelegentlich fast ausgerundet, die Oberlängen sind spitz ausgezogen und leicht nach rechts gebogen. Auf Worttrenner ist verzichtet; der Schriftgrund ist bei zwei der Inschriften mit Punktpunzen strukturiert. Ein spätes Beispiel einer gotischen Minuskel mit überbetonten Quadrangeln mit eingebogenen Kanten, mit auffällig großen viereckigen i-Punkten sowie mit plumpen Frakturversalien bietet schließlich ein Weikersheimer Epitaph von 1588 (nr. 270), dessen Werkstatt noch nicht ermittelt werden konnte. Das l kommt auch in Frakturform mit leicht geschwungenem, nach oben hin spitz zulaufendem Schaft vor.

Gemalte Inschriften in gotischer Minuskel erscheinen im Bearbeitungsgebiet erstmals im ausgehenden 14. Jahrhundert in den Glasmalereien der Creglinger Herrgottskapelle (nr. 30). Weder die in Schwarzlot aufgemalten noch die negativ aus dem schwarzen Schriftgrund ausgeschabten Inschriften weisen paläographische Besonderheiten auf. Allenfalls ist eine gewisse Häufung von Bogenverbindungen in einer der Inschriften zu erwähnen, da solche in den in Stein ausgeführten Inschriften des Kreisgebiets nur selten vorkommen. Versalien sind nicht verwendet. Die Wandmalereiinschriften des 15. Jahrhunderts sind schlecht erhalten und teilweise zudem durch Übermalungen verfälscht, so daß keine sinnvolle Auswertung des Schriftbefunds möglich ist (nrr. 55, 56, 68, 83, 90). Einen reicheren Bestand bietet lediglich die Kreuzgangausmalung der Mergentheimer Dominikanerkirche aus der [Druckseite LIX] Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert (nr. 93). Hier lassen sich als Schmuckelemente geschwungene und an beiden Enden perlartig verdickte lange Zierlinien an c, e, r und t benennen. Als Versalien sind Großbuchstaben verwendet, die im Bereich der Buchschriften in Anpassung an den Breitfederduktus der Textura entwickelt wurden. Ebenfalls eine Übernahme aus der Buchschrift ist die Auszeichnung dieser Versalien durch eingemalte rote Schrägstriche.

6. Nicht aufgenommene Inschriften

Bereits in den Vorbemerkungen des Bandes wurde darauf hingewiesen, daß in den Bänden der „Deutschen Inschriften“ einige Gruppen von Inschriftenträgern nicht aufgenommen werden, die von anderen Spezialwissenschaften mit deren eigenen Methoden erforscht werden. So bleiben etwa, ebenso wie die Runeninschriften, auch Inschriften ausgeklammert, deren Schrift nicht dem abendländischen Kulturkreis entstammt. Dies betrifft im Inschriftenbestand des ehemaligen Kreises Mergentheim drei orientalische Prunkwaffen mit türkischen und persischen Inschriften, die aus dem Besitz des Hochmeisters Erzherzog Maximilian III. von Österreich nach dessen Tod 1619 in den Deutschordensschatz gelangten. Die erste Waffe ist ein persischer Säbel aus dem Anfang des 17. Jahrhunderts in goldener, mit Rubinen und Türkisen reich besetzter silber-vergoldeter Scheide. Seine gewellte Stahlklinge trägt auf dem breiten Rücken eine lange persische Inschrift in zehn Versen, die jeweils von Kartuschen gerahmt werden163). Die zweite Waffe ist ein türkischer Dolch mit gerader, durchbrochener persischer Klinge aus der Zeit um 1600, ein Geschenk des Erzherzogs Albrecht von Österreich, Statthalters der Niederlande, an seinen Bruder164). Die Holzscheide ist mit Goldblech beschlagen, auf der Rückseite in Niellotechnik mit Blattranken verziert und auf der Vorderseite mit geschnittenen und ziselierten Pflanzen und Arabesken sowie mit zwei Schriftkartuschen geschmückt. Die Inschriften sind in schwarzer Farbe „in schönem und zierlichem Talik“ ausgeführt165). Ein weiterer türkisch-persischer Dolch mit gerader Klinge aus dieser Zeit166) hat ebenfalls eine mit starkem Goldblech beschlagene Holzscheide, die auf der Vorderseite Türkise und Rubine und auf der glatten Rückseite zwei Inschriften auf blauem Schriftgrund sowie Pflanzenornament trägt. Von den Inschriften in „schlechtem Talik“167) ist die obere wegen der Abnutzung der Schriftzeichen unleserlich, die untere bedeutet: Spalte, o Freund, mein Herz mit dem Dolche, so wirst du schauen, was mein Herz enthält168).

Von den inschriftlich ausgeführten bloßen Jahreszahlen wurden bis auf wenige Ausnahmen nur diejenigen in den Inschriftenkatalog aufgenommen, die noch erhalten und somit in ihrer Lesung überprüfbar sind. Nicht berücksichtigt wurden: Creglingen, Herrgottskapelle, angebliche in Rötel aufgemalte Jahreszahl 1488 am Chorgestühl169). – Ebd., Stein mit Jahreszahl 1586 von der um die Mitte des 20. Jahrhunderts abgerissenen Mühle jenseits der Herrgottsbrücke; Verbleib unbekannt170). – Igersheim, Burg Neuhaus, drei nicht mehr auffindbare, möglicherweise durch Efeubewuchs verdeckte Jahreszahlen an der inneren Schloßmauer (1550)171), im Graben rechts neben dem Tor (1551) und „an einem Stein im Hof“ (1557)172). – Bad Mergentheim, Engelapotheke am Marktplatz, zwei Torbögen mit Schlußsteinen: 1469 und 1529; 1963 offenbar noch vorhanden, Verbleib unbekannt173). – Ebd., Marienkirche, Holzstatue der Muttergottes an einem der nördlichen Langhauspfeiler, auf der Rückseite der Figur, derzeit unzugänglich, angeblich die Jahreszahl 1484174). – Ebd., Bürgerspital, über einem Eingang der Scheuer angeblich das Wappen des Hochmeisters Johann Caspar von Ampringen [Druckseite LXXI] und die Jahreszahl 1579175); angesichts der Regierungszeit Ampringens (1664–84) ist wohl von einem Druckfehler auszugehen und 1679 zu lesen. – Münster, an einem nicht näher bezeichneten „alten Haus“: 1594176). – Niederstetten, an dem 1945 völlig zerstörten Rathaus: Wappenstein mit „Doppelwappen der Ortsherrschaft“ (Rosenberg) und Jahreszahl 1525 sowie an einem Balken des Laubengangs 1543177). – Ebd., ev. Pfarrkirche, auf dem nicht mehr vorhandenen Altarschrein soll die Jahreszahl 1492 gestanden haben178). – Ebd., Schloß Haltenbergstetten, Treppenturm des Ostflügels: 1550179). Die heute dort angebrachte Jahreszahl wurde erst 1824 zusammen mit einem Renovierungsvermerk eingehauen, möglicherweise aber anstelle einer älteren Inschrift. – Schmerbach, an einem Haus auf der linken Talseite: 1583180). – Wachbach, Schulhaus: angeblich 1560181) bzw. 1591182). – Weikersheim, Schloßkapelle, an der Orgel: 1604183).

Eine Aufnahme in den Katalog war auch bei den Inschriften nicht möglich, von denen lediglich die Existenz des Inschriftenträgers bezeugt, nicht aber der Wortlaut überliefert ist. Da die Überlieferungen häufig das Entstehungsjahr dieser Inschriften nicht mitteilen, erfolgt die Zusammenstellung nicht chronologisch, sondern nach Standorten in alphabetischer Abfolge.

Grabmäler mit nicht überliefertem Wortlaut der Inschriften: In der 1896 abgerissenen kath. Pfarrkirche in Laudenbach lag an den Stufen des Hochaltars eine zu zwei Dritteln verdeckte Grabplatte im Boden, deren „ersichtliche Buchstaben … auf einen Herrn von Finsterlohr hin(deuteten)“184). Da das Geschlecht 1568 im Mannesstamm ausstarb, kann die Grabplatte spätestens zu dieser Zeit entstanden sein. In der alten Markelsheimer Kilianskirche war im „alten Chor“ vor dem Altar eine Messingplatte aus der Mitte des 16. Jahrhunderts in den Boden eingelassen, „die von einem Rothenburger Priester berichtete, welcher am Fronleichnamstage zur Zeit der Reformation von seinen ungetreuen Schafen zur neuen Lehre gezwungen werden sollte, in deutschherrisches Gebiet floh und an dieser Stelle tot zusammengesunken sei“185). Der Name des Priesters ist nicht überliefert, die Metallplatte wurde – wohl zu Beginn des 20. Jahrhunderts – von einem Juden namens Salamle „um einige Groschen erstanden“186) und ist seither verschollen.

In der alten Mergentheimer Schloßkapelle befanden sich einige für Deutschordensritter gesetzte Grabmäler, die beim Neubau der barocken Schloßkirche zerstört wurden. Darunter soll auch das Grabmal des 1249 verstorbenen Heinrich von Hohenlohe gewesen sein187). Allerdings wurde mit dem Bau der ersten Schloßkapelle mit Gruft wohl erst zwischen 1252 und 1255 begonnen, die erste Beisetzung soll 1264 stattgefunden haben188). Vielleicht handelte es sich demnach um ein nachträglich gesetztes Grabmal. Die Grabplatte des am 19. August 1283 in Mergentheim verstorbenen Hartmann von Heldrungen war noch im 18. Jahrhundert in der Schloßkapelle zu sehen. Nach Zeugnis des Deutschordensarchivars Kheull befand sie sich in der Mitte des Chors und trug ein Wappen189). Schließlich ist „Herr Heinrich von Siburg, teutsch-Ordens Ritter und Kuchenmeister“ 1547 in Mergentheim gestorben und in der Schloßkapelle begraben worden. Nach den Trapponeirechnungen von 1548 erhielt ein Steinmetz, „so des Kuchenmeister Seel. Epitaphium ausgehauen“, für seine Arbeit 1 fl. 1 Ort190).

In der 1932 eingestürzten Nordmauer des Mergentheimer Friedhofs wurde unter anderen in Zweitverwendung dort vermauerten Inschriftenträgern (vgl. nrr. 237, 238, 251) ein nicht näher beschriebener „Grabstein“ von 1598 gefunden, der wegen seiner starken Beschädigung nicht in die [Druckseite LXXII] Sammlung des damaligen Bezirksheimatmuseums aufgenommen wurde191). Am Fuß des Hochaltars der ehemaligen Mergentheimer Dominikanerkirche lag eine Grabplatte mit Metallauflage („in Metall gegossenes Epitaphium“) für den am 20. März 1609 verstorbenen Leonhard Circhheimer von Altshausen, der 1572 zum hoch- und deutschmeisterischen Rat und 1589 zum Kanzler ernannt worden war. Der Wortlaut der von Circhheimer selbst verfaßten Grabschrift soll nach Breitenbach in den vormals Mergentheimer „Acten über das Dominikaner Kloster“ überliefert sein192), konnte aber bislang nicht ermittelt werden.

In Nassau (Stadt Weikersheim) befand sich noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts der „Grabstein“ des am 7. Juni 1612 als Pfarrer zu Nassau verstorbenen Matthäus Schiller. Der Stein zeigte als heraldischen Schmuck ein Vollwappen (Äskulapstab im Schild und als Helmzier)193). In der ev. Pfarrkirche in Niederstetten waren drei bereits 1907 verschollene Totenschilde aufgehängt für Christoph von Rosenberg († 1499), Georg von Rosenberg († 1509) und Friedrich von Rosenberg († 1512)194). Ihr Wortlaut scheint ebenso wenig überliefert zu sein wie der der Grabplatte für den 1572 gestorbenen Pfarrer Georg Grünewald, die sich „unter dem Altar“ der Kirche befand. Grünewald amtierte 21 Jahre in Haltenbergstetten und starb „laut seines Epitaphii“ im Alter von 51 Jahren195). Am Eingang zum Turm der ev. Pfarrkirche in Reinsbronn stand noch um die Mitte des 19. Jahrhunderts das Epitaph für die „Frau eines Betlingischen (?) Vormund-Vogts zu Röttingen“196).

Glocken mit nicht überliefertem Wortlaut der Inschriften: Eine Glocke unbekannter Zeitstellung, die aber möglicherweise noch aus der Zeit vor 1650 stammte, wurde beim Abbruch der Burg Neuhaus 1789 zusammen mit der Turmuhr an die Gemeinde Honsbronn (Stadt Weikersheim) verkauft. Über ihr weiteres Schicksal ist nichts bekannt197). 1629 goß Adam Iligan aus Dinkelsbühl (vgl. nrr. 430, 432) für 165 fl. zwei Glocken für das Mergentheimer Kapuzinerkloster198), die vermutlich bereits bei der Zerstörung des Klosters durch die schwedischen Truppen im Dezember 1631 zugrundegingen. Im Turm der Neubronner Pfarrkirche hingen 1880 drei Glocken, von denen die größte „in sehr alten Majuskeln die Namen der vier Evangelisten“ trug, ohne daß der genaue Wortlaut bekannt wäre199). Sie könnte ins 14. Jahrhundert gehören. Da sie in den Glockenbeschlagnahmeakten von 1917 nicht aufgeführt ist, wurde sie vermutlich bereits vorher eingeschmolzen. 1722 wurden die drei Glocken von 1403 und 1478 der Weikersheimer Stadtkirche zu einem Vierergeläut umgegossen200). Näheres zu den Inschriften ist nicht bekannt.

Sonstige Inschriftenträger mit nicht überliefertem Wortlaut der Inschriften: An der Burg Neuhaus befand sich um 1880 in der Ringmauer links vom Tor noch ein Stein mit einer nicht näher bezeichneten verwitterten Minuskelinschrift201), die offenbar nicht erhalten und über deren Zeitstellung nichts bekannt ist. In Bad Mergentheim ist am Haus Ochsengasse 2 eine Wappentafel aus dem ausgehenden 16. Jahrhundert eingemauert. Die als Ädikula gestaltete Sandsteinplatte zeigt die Eheallianzwappen Berlichingen und Rüdt, die Inschrift im Sockel wurde zu unbekanntem Zeitpunkt vollständig abgespitzt. Die Wappen beziehen sich wohl auf Georg Philipp von Berlichingen (1554–1602) und seine Frau Rufina Rüdt von Bödigheim (1563–1627)202), die Wappentafel kann dann frühestens im Jahr der Heirat 1585 entstanden sein. Hochmeister Johann Caspar von Stadion trug 1640 in einem [Druckseite LXXIII] im kaiserlichen Hauptquartier in Nidda verfaßten Schreiben seinem Statthalter in Mergentheim auf, Votivbilder in der Mariahilf-Kapelle anzubringen, die über die wundersame Heilung zweier Frauen berichten sollten203). Ob diese tatsächlich zur Ausführung kamen, ist ungewiß.

Im Deutschordensschatz in Mergentheim befanden sich einige mit Inschriften versehene Prunkgefäße, die zur Geldbeschaffung eingeschmolzen werden mußten. Die Inventare liefern zwar recht genaue Beschreibungen der Stücke, geben aber die Inschriften nicht wieder. Das älteste dieser Objekte war der sogenannte Milchlingsche Becher, ein Geschenk Kaiser Karls V. an den Hochmeister Wolfgang Schutzbar gen. Milchling anläßlich des Frankreichfeldzugs 1545, das Milchling dem Ordensschatz einverleibte. Der Becher aus reinem Gold war so schwer, „daß Niemand mit einer Hand darauß stattlich … trinken“ konnte204). Auf der Unterseite des Fußes befand sich das Wappen des Hochmeisters, auf dem Deckel das Reichsadlerwappen, gehalten von einem sitzenden Kind. Die Cuppa war glockenförmig „mit des Kaisers Caroli V. Bildnüsß, und dem Reichs Adler, umb und umb mit geschmelzter Arbeit, und oben ganz herumb geführter Schrifft, daß nemblich solcher Becher von höchstgned. Kaiserl. Mayestät Ihm Hoch und Teutschmeistern Verehret worden.“ Innen im Deckel war ebenfalls das Porträt des Kaisers mit Lorbeerkranzumrahmung angebracht. Der Pokal wurde 1773 eingeschmolzen. Ein weiterer Pokal wurde unter der Regierung des Hochmeisters von Westernach (1625–27) angeschafft. Der sogenannte „Westernachbecher“ war ebenfalls ein Goldbecher mit Deckel und wog 26 Mark 10 Lot205). Auf der Unterseite des Fußes von „gegossener zierlicher Arbeit“ war das Wappen und umlaufend der Name und Titel des Hochmeisters „geschmelzt“, also in Email ausgeführt. Die Cuppa war glatt gearbeitet. Der getriebene Deckel war mit der gegossenen Standfigur des Hochmeisters, „in einer Hand einen Regimentsstaab haltendt“, bekrönt und enthielt „innwendig das Wappen und Titul wie am Fuß“. Den Westernachbecher ereilte 1773 dasselbe Schicksal wie den Milchlingbecher. Vermutlich war auch der ebenfalls 1773 in die Münze gewanderte goldene Deckelpokal, der 1596 von David Stechmesser in Nürnberg für Hochmeister Erzherzog Maximilian angefertigt worden war, inschriftlich bezeichnet206). Der Becher, der sich von Beginn an im Deutschordensschatz befand, zeigte an der „Ausbauchung“ der Cuppa die Porträts einiger römischer Kaiser und Könige mit ihren Wappen (und Namen?) sowie in einem Medaillon die Wappen des Deutschen Ordens und des Hochmeisters, ferner blau und rot emaillierte „Köpfe und Festons in Raphael’s Manier“. Auf dem Deckel war eine Standfigur des Hochmeisters in Rüstung befestigt.

In der ev. Pfarrkirche in Niederstetten stand ein Taufstein aus dem späten 16. Jahrhundert, der 1853 in die Friedhofskapelle verbracht wurde und mittlerweile verschollen ist207). Er bestand aus einer Säule mit den Figuren der vier Evangelisten und einem halbkugelförmigen Becken mit vier Wappen und einer am oberen Rand umlaufenden Inschrift unbekannten Inhalts. Auf einer undatierten Fotoaufnahme im Landesdenkmalamt Stuttgart208) ist ein Porträtgemälde des Grafen Wolfgang II. von Hohenlohe aus dem Weikersheimer Schloß festgehalten, das derzeit nicht auffindbar ist209). Es zeigte den Grafen in Ganzfigur mit Hund, rechts unten war eine – auf dem Foto nicht lesbare – Beischrift in Fraktur und die Jahreszahl 1610 aufgemalt. In zwei Weikersheimer Inventaren von 1609 und 1609/10210) werden unter 37 Goldringen aus dem Besitz des Grafen Georg Friedrich von Hohenlohe zwei mit Inschriften aufgeführt: In den einen Ring (Nr. 15) waren „ezliche X und buchstaben“ graviert. Der zweite (Nr. 8) „mit E(uer) g(naden) und ihrem Namen von demuten“, also wohl mit den Namensinitialen des Grafen Georg Friedrich und seiner Frau Eva von Waldstein aus Diamanten, hing zur Zeit der Abfassung des Inventars an einer „schwarz und weiß geschmelzten Ketten“, wurde aber später einer Randbemerkung zufolge an einer „güldenen geflochtenen Ketten“ getragen. Eine rote Feldbinde des Grafen Georg Friedrich („ein rot doppeldafatin Veldtzeichen“) mit Goldstickerei trug eine Rose, „darauf ein Kleinodt von I(hro) g(naden) und deren Gemalin Namen“ (verschlungene Namensinitialen?) mit Diamanten und Rubinen. Sie befand sich zwischenzeitlich in Prag, kam aber, wie eine Randnotiz des Inventars vermeldet, am 3. Oktober 1611 wieder zurück in den Behälter im Weikersheimer Schloß.

[Druckseite LXXIV]

Aus dem Katalog wurden zwei angebliche Inschriften ausgeschieden, deren tatsächliche inschriftliche Ausführung unwahrscheinlich ist. So soll ein seit 1619 in den Inventaren des Deutschordensschatzes aufgeführter, aus dem Besitz Erzherzog Maximilians von Österreich stammender und seit der Mitte des 18. Jahrhunderts als „Inthronisationsring“ der Hochmeister des Deutschen Ordens benutzter Goldring den Inventaren von 1717, 1729 und 1732 zufolge „inwendig“ die Inschrift Sigismundus rex Poloniae tragen211). Der mit einem Rubin und zwei Diamanten besetzte, im 15. oder frühen 16. Jahrhundert gefertigte Ring ist in der Schatzkammer des Deutschen Ordens in Wien erhalten212) und zeigt keinerlei Spuren etwaiger Inschriften.

Im Jahr 1800 wurde in der ev. Pfarrkirche in Waldmannshofen nach einem Bericht in der Pfarrbeschreibung von 1913213) bei der Öffnung der Gruft anläßlich der Beisetzung von Anna Maria Josepha Wittenbach aus Aachen angeblich ein „schöner Leichenstein“ gefunden mit der Inschrift: Hier liegt Konrad von Rosenberg, Ritter, protestant(ischer) Religion. Die in der Pfarrbeschreibung folgenden Angaben („starb in Windsheim, wurde hieher gefahren u. hie beygesetzt, wie die Pfarracten auch mehreres davon melden“) können sich allerdings nur auf den 1632 verstorbenen Albrecht Christoph von Rosenberg beziehen, dessen Grabplatte indes erhalten ist (nr. 471) und die nicht mit der Gruftplatte identisch sein kann. In der 1800 geöffneten Gruft wurden ein Zinnsarg, darin ein Holzsarg und Sporen, Stiefelleder und die hintere Schädelhälfte sowie fünf Rippen gefunden214). Ist die Überlieferung des Namens in der angeblichen Inschrift korrekt, kann aber nur Konrad von Rosenberg zu Gnötzheim gemeint sein, der Bruder Albrecht Christophs. Er läge demnach in Waldmannshofen bestattet. Sein unvollendet gebliebenes Prunkepitaph in der ev. Pfarrkirche in Gnötzheim (Gde. Martinsheim, Lkr. Kitzingen)215) wäre dann ein bloßes Erinnerungsmal ohne Bezug zur Grabstätte. Freilich ist er auf dem Gnötzheimer Grabmal als Liegefigur dargestellt, und auch in den dortigen Prosa- und Versinschriften wird auf das Grab in Gnötzheim ausdrücklich Bezug genommen (… Hieher in Sein Ruhebette Gelegt …; … Ruht stil vnd sanfft hie in Dem Herrn …)216). Vom Formular her erregt die Wendung protestantischer Religion Zweifel an einer Entstehung im späten 16. Jahrhundert. In Anbetracht der Ungereimtheiten wurde die angebliche Inschrift nicht in den Katalog eingereiht.

Fremdprovenienzen: Nachweislich nicht im Bearbeitungsgebiet entstanden und auch erst nach 1650 dorthin verbracht wurden eine Ofenplatte von 1599 im Weikersheimer Schloß (aus Schloß Langenburg) und die Glocke von 1606 in der Kapelle des Mergentheimer Caritas-Krankenhauses217) (aus dem Rathausturm zu Leobschütz/Schlesien).

Nach 1650 entstandene Inschriften: In der Creglinger Stadtkirche befindet sich eine Wappengrabplatte für den fünfjährig verstorbenen Johann Erdmann Stiebar von Buttenheim mit stark zerstörter Inschrift. Soweit dies die Schriftreste noch erkennen lassen, war der Verstorbene ein Sohn des Georg Pankraz Stiebar von Buttenheim. Da dieser erst 1673 Amtmann zu Creglingen wurde und bis 1677 amtierte218), dürfte die Grabplatte um 1675 entstanden sein. Im Schatz der Mariahilf-Kapelle in Mergentheim wurden im 1. Viertel des 18. Jahrhunderts zahlreiche Agnus-Dei-Kapseln verwahrt, die mit dem Namen Jesu versehen waren, einige trugen zusätzlich Heiligennamen219). Offenbar waren sie allesamt undatiert. Da die Mariahilf-Kapelle erst gegen Ende des Berichtszeitraums gegründet und bestiftet wurde, dürften die Kapseln – zumindest überwiegend – erst aus der Zeit nach 1650 stammen. Auch das im selben Inventar erwähnte „breite“ Kreuz mit der Inschrift Crux Victorialis gehört wahrscheinlich erst in die 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts. Unter den Grabmälern, die um 1968 vom Münster St. Johannes d. Täufer in den Kreuzgang der Mergentheimer Marienkirche verbracht wurden, ist auch eine Sandsteinplatte mit einer von einem Engel gehaltenen Schrifttafel und darunter einem Engelskopf und zwei Wappenkartuschen. Die Frakturinschriften sind bis zur völligen Unkenntlichkeit verwittert. Es muß sich aber nach den Angaben der Oberamtsbeschreibung von 1880 um das Grabmal [Druckseite LXXV] der 1680 verstorbenen Maria Barbara Pelstein handeln220). Der ebenfalls in der Oberamtsbeschreibung erwähnte „alte runde Taufstein“ auf dem Friedhof in Neubronn221) ist noch vorhanden. Er wurde erst 1652 geschaffen und trägt die Inschrift PETER · FLEISCHAVER · BECK · ALHIER · 1652 ·. Im Südflügel des Waldmannshofener Schlosses sind im Flur des Erdgeschosses im Sterngewölbe Reste von Wandmalereien erhalten. Zwischen die Pflanzenornamente ist ein gekröntes und verschnörkeltes, schwer deutbares Monogramm eingefügt, das sich aus den Buchstaben M und (vielleicht) G zusammensetzt. Die Ausmalung gehört dem Stil nach wohl eher in die 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts. Schließlich steht an der Westmauer des Weikersheimer Friedhofs das Doppelgrabmal eines unbekannten Ehepaars mit versifizierten Paraphrasen von Bibeltexten und mit völlig verwitterten Sterbeinschriften. Das Bildrelief zeigt das Ehepaar zusammen mit ihren heiligen Namenspatronen (?) Christophorus und Katharina. In der linken unteren Schriftkartusche ist immerhin noch die Jahreszahl 1662 oder 1667 zu erkennen, so daß ein Anhaltspunkt für die Datierung gegeben ist.

Zitationshinweis:

DI 54, Mergentheim, Einleitung (Harald Drös), in: inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di054h014e003.

  1. Drei Inschriftenträger, die erst in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts ins Bearbeitungsgebiet verbracht wurden, sind hier ausnahmsweise als Anhang (nrr. A1, A2, A3) ediert. »
  2. Eine Veröffentlichung ist geplant. Eine Einsichtnahme in die derzeit gültige Fassung ist in der Forschungsstelle Deutsche Inschriften der Heidelberger Akademie der Wissenschaften möglich. Die etwas modifizierten Bearbeitungsrichtlinien für die Wiener Reihe der Deutschen Inschriften liegen gedruckt vor: Bearbeitungs- und Editionsgrundsätze für die „Wiener Reihe“ des deutschen Inschriftenwerkes, zusammengestellt v. Walter Koch, Wien 1991. »
  3. Im Kapitel 6 findet sich eine Zusammenstellung weiterer nicht aufgenommener Inschriften mit jeweiliger Begründung. »
  4. Im Standortregister werden die Ortschaften nach der neuen Gemeindezugehörigkeit aufgeschlüsselt. »
  5. Dabei wird in Kauf genommen, daß zwischen dem genauen Datum und der tatsächlichen Ausführung der Inschrift eine – im allgemeinen jedoch geringe – Zeitdifferenz liegen kann. »
  6. Bei nicht erhaltenen Inschriften ist eine Klassifizierung oft nicht möglich, in solchen Fällen wird die Textart (z. B. Grabschrift) angegeben. »
  7. Bei eingehauenen Inschriften in Stein sowie bei erhaben gegossenen Glockeninschriften unterbleibt der Hinweis auf die Herstellungstechniken, da sie im Bearbeitungsgebiet den Normalfall darstellen. »
  8. Nach Io 19, 19. »
  9. Deutsche Inschriften. Terminologie zur Schriftbeschreibung, passim. »
  10. Vgl. Rudolf Goetz, Die natürlichen Grundlagen, in: Der Kreis Mergentheim 43–68; LdBW IV, 252–257. »
  11. Die Mineralquellen, denen Mergentheim seine Bedeutung als Heilbad und Kurort verdankt, wurden erst im 19. Jahrhundert entdeckt und fanden daher natürlich im Berichtszeitraum keinen inschriftlichen Niederschlag, wie dies bei spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Bädern andernorts der Fall war; vgl. DI 30 (Calw) nrr. 371; 372, DI 41 (Göppingen) nrr. 258, 259, 260, Einl. XLIIIf. »
  12. Vgl. auch Emil Kost, Die Creglinger Tauberlandschaft. Ihre Besiedlung in vor- und frühgeschichtlicher Zeit, in: Der Bergfried 2 (1950) 83–85, 93f.; Martina Heiermann/Klaus Bühn, Die vor- und frühmittelalterliche Besiedlung des Mergentheimer Raumes, in: Frankenland 42 (1990) 70–74. »
  13. Stoob, Städtebildung 561f. »
  14. Vgl. Die Würzburger Diözesanmatrikel aus der Mitte des 15. Jahrhunderts. Mit einer Karte der Einteilung des Bistums in Archidiakonate und Landkapitel am Ausgang des Mittelalters, in: WDGB 2 H. 2 (1934), I–XXX, 1–46; Karte VIII 5 des Historischen Atlas von Baden-Württemberg. Kirchliche Gliederung um 1500 (Beiwort v. Meinrad Schaab, 1975); Hugo Ehrensperger, Zur Geschichte des Landkapitels Buchen und Mergentheim, in: FDA NF 3 (1902) 325–371, ebd. NF 4 (1903) 322–357; Julius Krieg, Die Landkapitel im Bistum Würzburg bis zum Ende des 14. Jahrhunderts unter Benutzung ungedruckter Urkunden und Akten dargestellt (Veröff. der Sektion für Rechts- u. Sozialwiss. d. Görres-Gesellschaft 28), Paderborn 1916. »
  15. Vgl. u. a. Hermann Schreibmüller, Audulf der frühest bezeugte Graf im Taubergau, in: Mainfränk. Jb. 3 (1951) 53–69. »
  16. Vgl. Adolf Fischer, Geschichte des Hauses Hohenlohe, 2 Thle., Stuttgart 1866–71; Karl Weller, Geschichte des Hauses Hohenlohe, 2 Tle., Stuttgart 1903/08; Karl Schumm, Zur Territorialgeschichte Hohenlohes, in: WFr 58 (1974) 67–108; allg.: Friedrich Karl Fürst zu Hohenlohe-Waldenburg, Hohenlohe. Bilder aus der Geschichte von Haus und Land, Neuenstein 41983; bester Überblick: Gerhard Taddey, Hohenlohe – ein geschichtlicher Überblick, in: Hohenlohe, hg. v. Otto Bauschert (Schriften zur politischen Landeskunde Baden-Württembergs 21), Stuttgart Berlin Köln 1993, 21–53. »
  17. Vgl. Gerd Wunder, Die Edelherren von Weikersheim und Pfitzingen und die Anfänge des Hauses Hohenlohe, in: WFr 63 (1979) 3–12. »
  18. Vgl. Dieter Wojtecki, Der Deutsche Orden im württembergischen Franken. Zur Entwicklung, Besitz- und Personalgeschichte der Kommenden Mergentheim, Heilbronn und Horneck im 13. Jahrhundert, in: WFr 60 (1976) 55–113. »
  19. Zu Konrad vgl. Dieter Karasek, Konrad von Weinsberg. Studien zur Reichspolitik im Zeitalter Sigismunds, Diss. Erlangen-Nürnberg 1967; Hartmut Welck, Konrad von Weinsberg als Protektor des Basler Konzils (Forschungen aus Württembergisch Franken 37), Schwäbisch Hall 1973; Franz Irsigler, Konrad von Weinsberg (etwa 1370–1448), in: WFr 66 (1982) 59–80. »
  20. Vgl. allg. Gunther Franz, Die Reformation im Tauberland. Gebiet des Kirchenbezirks Weikersheim mit Mergentheim und Creglingen, in: Bll. f. württ. Kirchengeschichte 88 (1988) 78–110; Hans-Joachim König, Die Reformation im benachbarten oberen Bezirk des Kreises Mergentheim. Die politischen und kirchlichen Verhältnisse am Vorabend der Reformation, in: Frankenspiegel 22 (1970) 53–55. »
  21. Pfarrerbuch Württ. Franken I, 55, 91. »
  22. Vgl. Franz, Reformation im Tauberland (wie Anm. 20) 89–91; allg.: Paul Schattenmann, Die Einführung der Reformation in der ehemaligen Reichsstadt Rothenburg ob der Tauber (1520–1580), (Einzelarbeiten aus der Kirchengeschichte Bayerns 7), München 1928. »
  23. Vgl. grundlegend Gunther Franz, Reformation und landesherrliches Kirchenregiment in Hohenlohe, in: WFr 58 (1974) 120–152. »
  24. Ders., Reformation in Hohenlohe – 400 Jahre Hohenlohische Kirchenordnung 1578–1978, in: Bll. f. württ. Kirchengeschichte 79 (1979) 5–27. »
  25. Franz, Reformation im Tauberland 83f. »
  26. Vgl. auch v. Freeden/Engel, Fürstbischof Julius Echter als Bauherr; Gisela Herbst, Die Bautätigkeit des Fürstbischofs Julius Echter von Mespelbrunn 1573–1617, Diss. Innsbruck 1967. »
  27. Vgl. Kapitel 3. Die historisch zu Mergentheim zählende, heute nach Igersheim eingemeindete Deutschordensburg Neuhaus hat nur mehr vier Inschriften aufzuweisen. »
  28. Eine wissenschaftlich fundierte Stadtgeschichte ist ein Desiderat; vgl. allg. nach wie vor OAB Mergentheim 318–432. »
  29. Zur Baugeschichte vgl. Klaiber, Hoch- u. Deutschmeisterschloß, passim; Raupp, Bautätigkeit, passim; Trenschel, Deutschordensschloß 4–15; zusammenfassend Hanemann, Schloss Mergentheim 3–15; vgl. ferner Demel, Mergentheim – Residenz d. Deutschen Ordens, passim. »
  30. Vgl. Gräter, Mergentheim 1972, 132. »
  31. Vgl. unten Kap. 4. 5. »
  32. Vgl. Seiler, Dt. Orden als Stadtherr 166 Anm. 51. »
  33. Zur Baugeschichte vgl. Appold/Häring 3–6. »
  34. Ebd. 4. »
  35. Ebd. 11. »
  36. Auch für Creglingen existiert bislang keine wissenschaftlichen Ansprüchen genügende Stadtgeschichte. Vorläufig: OAB Mergentheim 481–513; Nasse, Aus der Vergangenheit, passim; Schweikhardt, Creglingen einst und heute, passim. »
  37. Vgl. LdBW IV, 308f. »
  38. Vgl. nr. 110 Anm. 1. »
  39. Vgl. Muth, Herrgottskirche, passim; Ehmer, Herrgottskapelle, passim; Simon, Marienaltar 29–41. »
  40. Vgl. Ehmer, Herrgottskapelle 143. »
  41. Ebd. 148. »
  42. Angebliche Rötelinschrift; vgl. OAB Mergentheim 493; Baum, Herrgottskirche 4; Schmidt, Herrgottskirche 8. »
  43. Vgl. nr. 110 Anm. 1: 1460? Zu Jahrtagstiftungen, die bereits für das 15. Jahrhundert Bestattungen in der Herrgottskapelle nahelegen, vgl. ferner Ehmer, Herrgottskapelle 145f. »
  44. Sie sind jetzt aus dem Boden genommen und an den Chor- und Langhauswänden aufgerichtet. »
  45. Es existiert keine brauchbare wissenschaftlich erarbeitete Darstellung der Weikersheimer Stadtgeschichte; vgl. nach wie vor OAB Mergentheim 778–830; Gräter, Weikersheim, passim. »
  46. Zur Baugeschichte vgl. allg. Merten, Stadtkirche 1–10; OAB Mergentheim 779–783. »
  47. Vgl. S. XIV»
  48. Vgl. OAB Mergentheim 782; die Inschriften sind nicht überliefert. »
  49. Vgl. Merten, Stadtkirche 8. »
  50. Vgl. Merten, Schloß Weikersheim (Führer) 3; zur Baugeschichte ebd. 4–9; OAB Mergentheim 783–792; grundlegend: Walther-Gerd Fleck, Das Schloß Weikersheim. Seine Baugeschichte und seine Stellung innerhalb der Schloßbaukunst des 16. und des frühen 17. Jahrhunderts, Diss. Tübingen 1952 (masch.); Auszug: ders., Schloß Weikersheim und die hohenlohischen Schlösser der Renaissance (Tübinger Forschungen zur Kunstgeschichte 8), Tübingen 1954. »
  51. Vgl. Baum, Saalbau, passim. »
  52. Vgl. Max Hermann von Freeden, Der große Kamin in Weikersheim. Ein Werk Michael Junckers, in: Mainfränk. Jb. 2 (1950) 139–145. »
  53. Vgl. Weyer, Graf Wolfgang 64–120, 342–359; ders., Die Weikersheimer Schloßapotheke unter Graf Wolfgang II. und Gräfin Magdalena von Hohenlohe 1587–1610, in: Beiträge zur württ. Apothekengeschichte 17 (1990/92) 65–72. »
  54. Vgl. Hasso von Poser und Groß-Naedlitz, Der Schloßgarten in Weikersheim, in: Jb. d. Vereins für christl. Kunst 16 (1987) 115–131. »
  55. Viele Einzelaspekte der Stadtgeschichte sind gut aufgearbeitet in dem Sammelband 600 Jahre Stadt Niederstetten; eine umfassende Stadtgeschichte existiert gleichwohl noch nicht. »
  56. Vgl. Günter Stachel, Hochmittelalterliche Grabungsbefunde in St. Jakob zu Niederstetten, in: WFr 50 (1966) 52–71. Zur Baugeschichte allg. ausführlich Koch, St. Jakob, passim. »
  57. Vgl. Karl Gerheiser, Der ehemalige befestigte Friedhof um die Jakobskirche in Niederstetten, in: Frankenspiegel 27 (1975) 17–20; Walther-Gerd Fleck, Die Befestigungen von Niederstetten. Beschreibung und Geschichte, in: 650 Jahre Stadt Niederstetten 385–403, hier: 385–392. »
  58. Vgl. Fleck (wie Anm. 57) 391. »
  59. Vgl. Kdm. Jagstkreis I, 306. »
  60. Vgl. OAB Mergentheim 545–550; Schurr, Chronik Frauental; Treiber, Frauenklöster 105f. »
  61. Vgl. nr. 22 Anm. 6–9; vgl. ferner die 1515 begonnene Familien-Chronik des Ritters Michel von Ehenheim, hg. v. Christian Meyer, Würzburg 1891, 11f.: „… in demselben frauenkloster Frauental genannt liegen begraben die edeln und alte herrn von Brauneck …“. »
  62. Ebd. 11. Namentlich bezeugt ist nur die Bestattung von Hans (urk. 1406–12), Vater des Konrad von Ehenheim, vgl. ebd. 16 mit Anm. 4. »
  63. Einer der Verwalter liegt allerdings in der Creglinger Herrgottskapelle begraben, vgl. nr. 444»
  64. Vgl. Bengel, Ev. Kirche; zur Ortsgeschichte allg.: OAB Mergentheim 752–767; LdBW IV, 288f.; Bengel, Wachbach, bes. 22–96, 189–199. »
  65. Vgl. OAB Mergentheim 599–614; Muntsch, passim; LdBW IV, 360; Schneider, Wallfahrt Laudenbach, passim. »
  66. Vgl. Schermann, Bergkirche, passim; Schirmer, Bergkirche, passim. »
  67. Vgl. zuletzt Norbert Bongartz, Denkmalschutzpreis 2000: Das Schlösschen zu Laudenbach in Weikersheim-Laudenbach, in: Denkmalpflege in Baden-Württ. 30 (2001) 14–17. »
  68. Bei dieser Zusammenstellung sind die Graffiti-Sammelnummern 40, 167 und 310 nicht berücksichtigt. Die gegenüber der Katalogzählung höhere Gesamtzahl an Inschriften erklärt sich dadurch, daß in einigen Katalognummern zwei oder mehr Inschriften zusammengefaßt sind. »
  69. Der Anteil der erhaltenen Inschriften ist für die einzelnen Zeitabschnitte sehr unterschiedlich: Für die Inschriften bis 1400 beträgt er 56%, für das 15. Jahrhundert 80%, für die 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts 84%, für die 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts sogar 87% und für die 1. Hälfte des 17. Jahrhunderts schließlich – bedingt vorwiegend durch eine höhere Zahl abschriftlich überlieferter Inschriften in Schloß- und Kircheninventaren der Zeit – nur mehr 72%. »
  70. HStAS, J1 Nr. 154; zur Handschrift vgl. Klein, Handschriften 200. »
  71. Zu Gabelkover und seiner Vorgehensweise bei der Wiedergabe inschriftlicher Texte vgl. zuletzt DI 41 (Göppingen), Einl. XXVf. »
  72. Zur Handschrift HStAS, J1 Nr. 135 II vgl. Klein, Handschriften 185f. »
  73. Vgl. Lit.verzeichnis. Zu Wibel vgl. Rudolf Schlauch, Johann Christian Wibel. Hofprediger, Orientalist und Historiker Hohenlohes 1711–1772, in: Schwäbische Lebensbilder 6, Stuttgart 1957, 127–138. Wibel war nach dem Theologiestudium in Jena (1729–32, mag. 1739) zunächst Pfarrverweser in Kupferzell, dann 1732–46 Diakon in Wilhermsdorf (Lkr. Fürth), bevor er Konrektor und Adjunkt in Öhringen und schließlich 1749 Hof- und Stadtprediger in Langenburg wurde. »
  74. Wibel, Frauenthal 502f. »
  75. Vgl. unten S. XXX»
  76. Vgl. bes. nr. 104. Eine Kontrolle ist außerdem möglich bei der erhaltenen Weikersheimer Tumba des Grafen Wolfgang II. (nr. 396); demnach ist die Textwiedergabe Wibels recht zuverlässig. »
  77. Vgl. zum Folgenden ausführlich Lampe, passim; Seiler, Horneck–Mergentheim–Ludwigsburg, passim. »
  78. Nach Jurastudium in Tübingen 1818–21 war er zunächst 1821–24 am Oberamtsgericht Mergentheim beschäftigt, bevor er als 25jähriger zum Archivaradjunkt bestellt wurde; vgl. Lampe 115. »
  79. Ebd. 106. »
  80. StAL, B 236 Bü 50. Die Sammlung enthält sonst überwiegend Inschriften aus der Zeit nach 1650. »
  81. StAL, B 236 Bü 147. »
  82. Dudík, Kleinodien. »
  83. StAL, B 244 Bü 8 und 149,1; B 300 Bü 90. »
  84. In zwölf Katalognummern zusammengefaßt: nrr. 74, 179, 194, 340, 358, 364, 365, 372, 373, 422, 500, 501»
  85. HZAN, Archiv Langenburg, Nachlaß Georg Friedrich I. 3 Bü 16, 17; ebd., Archiv Niederstetten, Rosenfeld-Hatzfeldt’sche Herrschaften I. 10 B 167; Archiv Niederstetten, Herrschaft Haltenbergstetten-Laudenbach A. II. 5. Bü 143, 144; C. III. 2. Bü 244, Bü 256, Bü 273; ebd., Archiv Weikersheim A V/1/14. »
  86. Pfarrersohn aus Künzelsau, 1796–1800 Medizinstudium in Halle, Jena, Marburg und Würzburg, 1801 Promotion in Erfurt, 1802 Arzt in Ingelfingen, 1806 in Künzelsau, seit 1814 Oberamtsarzt in Mergentheim; vgl. E. Fleck, Ein namhafter Künzelsauer, Dr. med. C. F. Bauer (1776–1838), in: Kocher- u. Jagstbote Nr. 30 (Nov. 1951); ferner ausführlich: Klaus Bauer, Christian Friedrich Bauer, in: WFr 72 (1988) 221–248. »
  87. Teilweise aufgenommen in: Gottschalck, Ritterburgen 6, 149–162, 169–174. Als Quellen der dort anonym abgedruckten Passagen über Burg Neuhaus werden u. a. „mehre (!) Handschriften aus der reichen Sammlung des königl. würtembergischen Archivars P. A. Breitenbach zu Mergentheim“ genannt. »
  88. Vgl. Lit.verzeichnis. »
  89. Zur Person vgl. u. a. Adolf Kastner, Der Geschichtsschreiber und Volksschriftsteller Ottmar Friedrich Heinrich Schönhuth, Pfarrverweser auf dem Hohentwiel (1830–1837), in: Hohentwiel. Bilder aus der Geschichte des Berges, hg. v. Herbert Berner, Konstanz 1957, 280–322; ders., Schrifttum von und über Ottmar Schönhuth, ebd. 385–395; Otto Borst, Ottmar Schönhuth, Historiker, Germanist, Volksschriftsteller, Pfarrer 1806–1864, in: Lebensbilder aus Schwaben und Franken 7, Stuttgart 1960, 214–251, bes. 241–245; Bengel, Wachbach 167–176. »
  90. OAB Mergentheim. »
  91. Vgl. Lit.verzeichnis. »
  92. Vgl. lediglich nr. 23»
  93. Kdm. Jagstkreis I. »
  94. HZAN, Gem. Hausarchiv, Nachlässe Herwig I. 1. Bü 6. »
  95. HZAN, Gem. Hausarchiv, Nachlässe Herwig II. 2. Bü 31, 39, 40. »
  96. Das Todesdatum verdanke ich der freundl. Mitteilung von Herrn Wilfried Beutter, HZAN. »
  97. HZAN, Slg. Friedr. Leop. Erhardt. »
  98. Im badischen Teil des Main-Tauber-Kreises haben sich im Zisterzienserkloster Bronnbach immerhin drei Grabplatten des späten 13. Jahrhunderts und sechs aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts erhalten; vgl. DI 1 (Bad. Main- u. Taubergrund) nrr. 102, 103, 104, 105, 106, 107, 108, 109, 110»
  99. Zur Terminologie vgl. Seeliger-Zeiss, Grabstein oder Grabplatte 289. »
  100. Bei nr. 120 (1520) beginnt die Umschrift – abweichend vom üblichen Brauch – rechts unten. »
  101. Jetzt fast ausnahmslos mit Vierahnenprobe, die nur bei nr. 222 (1575) und nr. 302 (1595) fehlt. »
  102. Vgl. Kap. 4.1.2. »
  103. Der Textanschluß ist sowohl am Ende der Umschrift als auch am Beginn des Schriftblocks im Feld durch identische Verweiszeichen markiert. »
  104. Vgl. nr. 29 bei Anm. 4–8. »
  105. Vgl. DI 4 (Wimpfen) nr. 40»
  106. Vgl. z. B. DI 41 (Göppingen), Einl. XXXIIf. Hier ist vermutlich mit einer höheren Verlustrate als bei den steinernen Grabmälern zu rechnen. In der Creglinger Stadtkirche und in der Herrgottskapelle befinden sich noch zwei Fragmente, von denen ersteres (nr. 504) aufgrund der fehlenden Sterbeinschrift nicht mehr identifiziert werden kann und letzteres überhaupt keine Inschriften mehr aufweist. »
  107. Ein Werk des Bildhauers Achilles Kern; vgl. Paul Bretschneider, Die Epitaphien des Grafen Melchior von Hatzfeldt in den Kirchen zu Prausnitz und Laudenbach, in: Die christl. Kunst 6 (1909/10) 317–324; Schermann, Bergkirche 100–105. »
  108. Vgl. Kdm. Jagstkreis I, 306. »
  109. Vgl. etwa DI 2 (Mainz) nr. 622; DI 29 (Worms) nr. 641; DI 34 (Bad Kreuznach) nrr. 430; 525, 542, 543, DI 39 (Lkr. Jena) nrr. 264, 276, 289, 304, 316, 328; DI 44 (Günzburg) nrr. 115, 136, 137; DI 49 (Darmstadt, Darmstadt-Dieburg, Groß-Gerau) nrr. 258, 283, 298, 319, 335, 341, 359»
  110. Lateinische Fürbitte in ansonsten deutschsprachiger Inschrift: nr. 495 (1644). »
  111. Bloßes anno in einer Sterbeinschrift von 1371 (nr. 23). Zur Datierung in Inschriften vgl. allg. Glaser/Bornschlegel, passim; für Frankreich: Robert Favreau, La datation dans les inscriptions médiévales françaises, in: Bibliothèque de l’École des Chartes 157 (1999) 11–39. »
  112. Beide Inschriften nur abschriftlich, aber wohl zuverlässig überliefert. »
  113. Einmal auch in einer lateinischen Inschrift: nr. 487 (1640). »
  114. Das Fehlen des Todestages in den nur mehr kopial bezeugten Inschriften nrr. 8 (1303) und 24 (1374) dürfte auf ungenaue Überlieferung zurückzuführen sein. In den erhaltenen Sterbeinschriften fehlt die Tagesangabe nur in einem einzigen Fall: nr. 59 (1461). »
  115. In einer Bauinschrift begegnet diese Datierung schon etwas früher: 1502 (nr. 95). »
  116. Dieselbe Kombination kommt auch später noch gelegentlich vor: nrr. 155, 246, 286, 296, 297, 168B, 467, 472»
  117. Bezeichnenderweise ist in der schlichten lateinischen Grabschrift auf dem Gruftepitaph des Hochmeisters (nr. 493), die der Öffentlichkeit nicht zugänglich war und somit auch nicht propagandistisch genutzt werden konnte, der Todestag nach fortlaufenden Monatstagen und nicht nach dem Marienfest angegeben. »
  118. Nrr. 240A (1579), 291 (1593). »
  119. Nrr. 425, 431, 455; bei Datierung nach Festkalender: nr. 492»
  120. Nur einmal: nr. 114 (1516). »
  121. Erstbeleg 1546 (nr. 156). »
  122. Auch dieses Element erscheint nur in der Inschrift des in der Kirche allgemein zugänglichen Epitaphs, nicht aber in der des unzugänglichen Gruftepitaphs (nr. 493); vgl. oben bei Anm. 117. »
  123. Vgl. z. B. DI 10 (Niederösterreich I: Amstetten, Scheibbs); Johann Dorner, Die Inschriften der Stadt Burghausen vor dem Jahre 1805, Tl. 1: Die Inschriften des Stadtgebietes ohne Stadtteil Raitenhaslach (Burghauser Geschichtsblätter 37), Burghausen 1981; ders., Inschriften Raitenhaslach. »
  124. In ausführlicherer Form: nrr. 168B (1600), 386 (1608). »
  125. Vgl. dazu im einzelnen Register 6, Wortfeld „Fürbitte, Bitte um Fürbitte“. »
  126. Vgl. auch nr. 463»
  127. So bereits in der frühesten für einen Bürgerlichen überlieferten Sterbeinschrift von 1546 (nr. 156). »
  128. Ähnlich ausführlich könnte die nur unvollständig überlieferte Inschrift auf dem Sarg der Gräfin Eva von Hohenlohe von 1631 sein, vgl. nr. 468»
  129. Zur Angabe der Todesstunde vgl. oben S. XXXIX»
  130. Vgl. allg. Heinrich Otte, Glockenkunde, Leipzig 21884; Karl Walter, Glockenkunde, Regensburg Rom 1913 sowie die Einleitungen der Bände des Deutschen Glockenatlas. »
  131. Für die Glocken der katholischen Kirchen liegt keine den Glockenbeschlagnahmeakten des Landeskirchlichen Archivs in Stuttgart entsprechende ausführliche Dokumentation vor. »
  132. Dt. Glockenatlas Mittelfranken nr. 230. »
  133. Vgl. u. a. DI 37 (Rems-Murr-Kreis) nrr. 5, 8; DI 41 (Göppingen) nr. 15»
  134. Vgl. Dt. Glockenatlas Württ./Hohenzollern 8f. »
  135. Vgl. Dt. Glockenatlas Mittelfranken 16: nicht identisch mit dem Gießer Magister Cunrad Citewar von Würzburg; zu diesem vgl. ebd. 5f. sowie in diesem Band nrr. 4, 5»
  136. Vgl. Dt. Glockenatlas Mittelfranken 17 bzw. 13f. »
  137. Im badischen Teil des Main-Tauber-Kreises stammt die älteste Minuskelglocke schon von 1361, vgl. DI 1 (Bad. Main- u. Taubergrund) nr. 432»
  138. Vgl. Dt. Glockenatlas Württ./Hohenzollern 51; Dt. Glockenatlas Mittelfranken 29. »
  139. Vgl. DI 1 (Bad. Main- u. Taubergrund) nrr. 447, 448, 449, 450; Dt. Glockenatlas Baden 25f. »
  140. Vgl. Dt. Glockenatlas Württ./Hohenzollern 31–33. »
  141. Zu ihm vgl. Dt. Glockenatlas Mittelfranken 47. »
  142. Vgl. ebd. 43f. »
  143. Vgl. etwa die bis ins 15. Jahrhundert zurückreichenden Aufschwörschilde in der Nürnberger Deutschordenskirche St. Jakob: 800 Jahre Dt. Orden 540–546. »
  144. Die Bürgermeister werden auch in einer Bauinschrift von 1586 in Niederstetten als die für den Bau des Pfarrhauses Zuständigen genannt. »
  145. Nrr. 276, 290. Vgl. auch nr. 216: einzige Inschriften sind die Jahreszahl und eine Devise, die Bauherren sind durch ihre Ahnenproben symbolisiert. Am Amtshaus in Neunkirchen (Stadt Bad Mergentheim) ist ferner eine inschriftlose Wappentafel mit Vierahnenprobe des Ortsherrn Philipp Geyer von Giebelstadt († 1600) angebracht. »
  146. Vgl. ausführlich zur Geschichte des Schatzes: Dudík, Kleinodien 1–25; ferner Krones 15, 18–21. »
  147. Dudík, Kleinodien 2. »
  148. s. Kap. 6»
  149. Vgl. Noflatscher, Maximilian 301: „163½ Zentner wog die Fuhre, die im Frühsommer 1626 nach Mergentheim transportiert wurde.“ »
  150. Vgl. Kap. 6»
  151. Vgl. Dudík, Kleinodien 17–25. »
  152. Die Umzeichnung einer verlorenen Wachbacher Grabplatte aus dem 2. oder 3. Viertel des 14. Jahrhunderts (nr. 26) ist zu ungenau, als daß sie zu einer paläographischen Analyse taugte. Immerhin lassen sich kräftige Bogenschwellungen, Hastenstärke erreichende Abschlußstriche bei unzialem E sowie Nodi am Schaft des I erschließen. »
  153. Vgl. Dt. Glockenatlas Mittelfranken 12f., 84f. Anm. 35. »
  154. In Würzburg 1378, vgl. DI 27 (Stadt Würzburg I) nr. 99; im badischen Teil des Main-Tauber-Kreises 1382, vgl. DI 1 (Bad. Main- u. Taubergrund) nr. 116; in Rothenburg 1389, vgl. DI 15 (Rothenburg o. T.) nr. 29; im Landkreis Haßberge 1390, vgl. DI 17 (Haßberge) nr. 11; im östlichen Rhein-Neckar-Kreis 1377, vgl. DI 16 (Rhein-Neckar-Kreis II) nr. 211; im Neckar-Odenwald-Kreis 1399, vgl. DI 8 (Mosbach, Buchen, Miltenberg) nr. 151a»
  155. Vgl. den Kommentar zu nr. 29 mit Anm. 8. »
  156. Am ehesten vergleichbar sind die Versalien auf einem Grabmal von 1491 in Leonberg (vgl. DI 47 [Böblingen] nr. 101) sowie auf den Epitaphien der Domherren Herzog Johann von Bayern von 1487 und Graf Berthold von Henneberg (!) von 1495 im Straßburger Münster; vgl. Jos. M. B. Clauss, Das Münster als Begräbnisstätte und seine Grabinschriften, in: Straßburger Münsterbl. 2 (1905) 9–26, hier: 22, 17, Taf. V. Bereits eine Generation früher finden sich gelegentlich ähnlich zergliederte Zierbuchstaben: DI 16 (Rhein-Neckar-Kreis II) nr. 238 (1468); DI 22 (Enzkreis) nr. 104 (1473). »
  157. Nrr. 145148, 162, 181, 182; Kapitalis: nrr. 149, 173 (vgl. unten S. LX). »
  158. Vgl. DI 20 (Karlsruhe) Einl. XXV; DI 25 (Ludwigsburg) Einl. XXXVIII»
  159. DI 25 (Ludwigsburg) nrr. 253, 270, 272, 273. Die Zuweisung dreier weiterer Inschriftenträger in Unterriexingen an diese Werkstatt (vgl. ebd., Einl. XXXVIII: nrr. 268, 280, 292) ist vom Schriftbefund her nicht aufrechtzuerhalten. Es dürfte sich vielmehr um – auch im Figurenstil schwächere – nachahmende Produkte einer einheimischen Werkstatt handeln, der im übrigen auch DI 25 nr. 304 (1557) und nr. 306 (1558) zuzuschreiben sind. »
  160. DI 20 (Karlsruhe) nrr. 180, 181»
  161. Letzterer zerstört, aber noch in Umrissen zu erkennen. »
  162. Vgl. DI 41 (Göppingen) Einl. LIf. »
  163. Schatzkammer des Deutschen Ordens in Wien, Inv.-Nr. W-001.1 (Säbel) und W-001.2 (Scheide); vgl. Krones 72. Der für mich nicht überprüfbare Inhalt der Inschrift lautet nach Dudík, Kleinodien 47: Die Fische des Wassers Deines Säbels / Sind am Tage der Schlacht ebensoviele Krokodiljäger. / Du ziehst im Zorne gegen mich Dein leuchtendes Schwert von Dir; / Es ist ja nicht nötig, daß Du mich damit bedrohst, denn die Furcht allein schon tötet mich. / Die krummen Linien des Wassers Deines Säbels sind nämlich keine eigentliche Damaszierung, / Sie sind auf Wasser geschriebene Zeichen, mich zu töten. / Stellt es Dein Schwert zufrieden, einen Menschen wie mich zu töten, / Dann nehme ich den Tod mit Dank an; nur wird dann Dein Schwert durch mein Blut befleckt. / Ich bitte Dich, töte mich nicht durch einen Pfeil, sondern erweise mir die Gnade, mich mit dem Schwerte zu töten, / Denn dann werde ich wenigstens Dir näher zu Boden stürzen. Außerdem sollen noch der Name (Mohamed) und der Wohnort des Schreibers der Inschrift genannt sein. »
  164. Schatzkammer des Deutschen Ordens, Inv.-Nr. W-004.1 (Dolch) und W-004.2 (Scheide); vgl. Krones 72f.; Beda Dudík, Des Hoch- und Deutschmeisters Erzherzog’s Maximilian I. Testament und Verlassenschaft vom Jahr 1619, in: Archiv f. Kunde österreichischer Geschichts-Quellen 33 (1865) 233–352, hier: 266. »
  165. Vgl. Dudík, Kleinodien 41–43. Die Inschriften lauten übersetzt: O Du, des Sultans Majestät Allergnädigster! (A); Dein Titel lautet mit Recht Izzet (=Ehrenvollster) (B). Vgl. ferner 800 Jahre Dt. Orden 232 nr. III.8.26. »
  166. Schatzkammer des Deutschen Ordens, Inv.-Nr. W-006.1 (Dolch) und W-006.2 (Scheide); vgl. Krones 73. »
  167. Dudík, Kleinodien 43. »
  168. Nach Dudík, ebd. »
  169. OAB Mergentheim 493; Baum, Herrgottskirche 4; Schmidt, Herrgottskirche 8. »
  170. Vgl. Nasse, Aus der Vergangenheit 75; Schweikhardt, Aus längst vergangenen Tagen 37; ders., Creglingen 65. »
  171. Schönhuth, Burgen … Württembergs I, 39. »
  172. OAB Mergentheim 593. »
  173. Diehm, Geschichte Mergentheims 180. »
  174. Keppler 222; Bad Mergentheim. Heiligtümer 29. »
  175. OAB Mergentheim 337. »
  176. Ebd. 631. »
  177. Kdm. Jagstkreis I, 308. »
  178. Ebd. 301. »
  179. Ebd. 308. »
  180. OAB Mergentheim 730. »
  181. So OAB Mergentheim 756. »
  182. So Schönhuth, Freiherren von Adelsheim 35. Zum Gebäude vgl. Bengel, Wachbach 155. »
  183. Der Kreis Mergentheim 96. Nach der durchgreifenden Sanierung der Kapelle 1999–2000 ist keine Spur einer Jahreszahl mehr zu erkennen. »
  184. Muntsch, Laudenbach 6; vgl. auch OAB Mergentheim 601. »
  185. Seifriz, Markelsheim 150f. »
  186. Ebd. »
  187. Vgl. OAB Mergentheim 345; Gräter, Bad Mergentheim 1972, 57. »
  188. So Diehm, Geschichte Mergentheims 38, 149. »
  189. StAL, JL 425 Bd. 21 (Slg. Breitenbach) Qu 1, mit Randbemerkung Breitenbachs. »
  190. Ebd. »
  191. Vgl. Fleck, Mitteilungen aus dem Bezirksheimatmuseum. Der Stein sollte „an die Kirchhofmauer wieder zurückgestellt werden“, was aber offenbar unterblieb. Über den Verbleib ist nichts bekannt. »
  192. Vgl. StAL, B 236 Bü 147: Verzeichnuß der Canzler des Deutschen Ordens und der Hoch- und Deutschmeister – nach archivalischen Quellen (um 1820/30). »
  193. Erwähnt im Bericht über die 903. Sitzung des Vereins Herold zu Berlin vom 7. Juli 1914, in: Dt. Herold 45 (1914) 228. Demnach wurde dem Verein ein Foto des Grabsteins von einem Herrn von Schiller aus Lübeck geschenkt. Zwar ist der Standort des Grabmals nicht angegeben, doch kann es sich nur um die Kirche oder den Friedhof in Nassau handeln. Eine schriftliche Anfrage an den Verein Herold über den Verbleib des Fotos blieb leider unbeantwortet. »
  194. Kdm. Jagstkreis I, 306. »
  195. Ev. Pfarrarchiv Niederstetten, Kirchenbuch, angelegt 1573 von Pfarrer Bartholomäus Monatius; Vgl. Neumaier, Verbum Domini 106. »
  196. So jedenfalls Schönhuth, Creglingen u. seine Umgebungen 169. »
  197. Chronik d. Gemeinde Igersheim 29. »
  198. Vgl. Renz, Kapuzinerkloster. »
  199. OAB Mergentheim 645; Keppler 229. »
  200. OAB Mergentheim 782f.; vgl. Dt. Glockenatlas Württ./Hohenzollern nr. 1034. Nach Wibel, Hohenloh. Kyrchen- u. Reformations-Historie IV, 207 stammten die Glocken von 1403 und 1473. »
  201. OAB Mergentheim 593. »
  202. Vgl. Möller, Stamm-Taf. III, Taf. CXXXV. »
  203. Vgl. Renz, Kapuzinerkloster: „Waß für augenscheinliche große Miracul an zwei lahmen Weibspersonen in der Kapuzinerkirche durch deren Heilung geschehen seien und daß über dieses Wunder gemalte Täfelchen angefertigt und in der Kirche angebracht werden sollen“. »
  204. Gewicht: 27 Mark 13 Lot. Alle Angaben nach StAL, JL 425 Bd. 7 (Slg. Breitenbach) Qu 8; vgl. auch Dudík, Kleinodien 4, 97 (danach sei der Pokal von 1544). »
  205. Vgl. StAL, JL 425 Bd. 9 (Slg. Breitenbach) Qu 115; danach alles Weitere. Vgl. auch Dudík, Kleinodien 4. »
  206. Vgl. ebd. 4, 14. »
  207. Kdm. Jagstkreis I, 301; Koch, St. Jakob 444 Anm. 28. »
  208. LDA Stuttgart, Fotoarchiv, Neg.-Nr. 719. »
  209. Freundl. Mitteilung des Schloßverwalters Herrn Helmut Schwarz, Weikersheim. »
  210. HZAN, Archiv Langenburg, Nachl. Georg Friedrich I.3. Bü 16 und Bü 17. »
  211. Vgl. Dudík, Kleinodien 35f. »
  212. Inv.-Nr. I-003; vgl. Krones 27. »
  213. Pfarrbeschreibung für die Pfarrei Waldmannshofen-Sechselbach, gefertigt auf 1. Okt. 1913 v. Pfarrer Barnikel (LKA, A 29, 4963,2) p. 183. »
  214. Alle Angaben nach der Pfarrbeschreibung von 1913 (wie Anm. 234). Der Zinnsarg wurde demnach an den königlich württembergischen Hofagenten in Weikersheim für 118 fl 15 x verkauft; etwaige Sarg-Inschriften sind nicht überliefert. »
  215. Vgl. Dehio Bayern I: Franken 311. »
  216. Vgl. Kdm. Kitzingen 124f.; unsichere Lesung nach dem Foto ebd. »
  217. Vgl. Gräter, Bad Mergentheim 1972, 53; Bad Mergentheim. Heiligtümer 37. »
  218. Vgl. OAB Mergentheim 504. »
  219. StAL, B 244 Bü 149, 1 (Inventar „Mariae Hülff Capellen Betreff“). »
  220. OAB Mergentheim 324. »
  221. Ebd. 645. »