Inschriftenkatalog: Mergentheim (Landkreis)

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 54: Landkreis Mergentheim (2002)

Nr. 509† Bad Mergentheim, kath. Pfarrkirche St. Marien 1. H. 17. Jh.?

Beschreibung

Kruzifixus mit Stifterinschrift des Kaspar Rack und seiner Frau. Ursprünglicher Standort unbekannt; bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts außen am Gebäude der Clozbücherschen Bierbrauerei (zuvor Ziegelei, erbaut 1783) vor dem Mühlwehrtor angebracht, dann in die „Kirchhofkapelle“ (Friedhofskapelle St. Michael) überführt und hinter dem Hochaltar aufgestellt; 1853 von dort an den Eingang des Dominikanerklosters (seit 1853 kath. Pfarrkirche St. Marien) versetzt, bereits 1858 wieder entfernt und provisorisch im Kreuzgang untergebracht1; Verbleib unbekannt. Kreuz und Corpus („Renaissanceskulptur“2) aus Holz geschnitzt; auf der Rückseite des 1858 bereits „beinahe ganz verfaulte(n)“ Kreuzstammes3 eine in zehn Zeilen eingehauene, offenbar unvollendete (?) Inschrift. Die Inschrift wurde im September 1858 anläßlich der erneuten Versetzung vom Schreinerlehrling abgezeichnet.

Wiedergabe nach dieser Zeichnung (StAL, B 236 Bü 50 Nr. 7).

  1. GOTT / SEŸ DIE / EHR AL/LEIN /KASPA[R]a) / RACK V[N]/Da) SEIN / HAVS/FRAVW / HABIb)

Kommentar

Die Abzeichnung der Inschrift scheint recht genau zu sein, so daß sich die Buchstabenformen beurteilen lassen. Die Schrift ist mit gleichbleibender Strichstärke eingehauen, und Schaft-, Balken- und Bogenenden sind meist mit ausgeprägten Sporen versehen. S ist deutlich nach rechts geneigt, der untere Balken des E ist wesentlich länger als die beiden oberen; I hat durchweg einen Punkt, Y zwei Punkte. Die Inschrift könnte durchaus noch in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts entstanden sein. Breitenbach, der im allgemeinen recht zuverlässig urteilt, datierte sie „nach Form und Inhalt“ allgemein ins 17. Jahrhundert.

Kaspar Rack, nach Breitenbach „ohne Zweifel“ der ausführende Zimmermann, der zusätzlichen inschriftlichen Nennung der Ehefrau zufolge aber eher der Stifter des Kreuzes, ließ sich anderweitig nicht nachweisen4.

Textkritischer Apparat

  1. Die rechte Kante des Holzes war offenbar 1858 im Bereich der 5. und 6. Zeile bereits ausgebrochen, was in der Zeichnung durch eine ungerade verlaufende Linie angedeutet ist. Dadurch vermutlich Verlust von je einem Buchstaben.
  2. Lesung eindeutig, Bedeutung unklar. Die Inschrift scheint nicht vollendet worden zu sein.

Anmerkungen

  1. Alle Angaben nach Breitenbach (wie unten).
  2. OAB Mergentheim 329.
  3. Breitenbach (wie unten).
  4. Randbemerkung Breitenbachs (wie unten): „Eine Famillie (!) Rack lebte noch ao. 1708 in Mergentheim, denn der Maurermeister, welcher beim Abbruch der 2 mittleren Säulen der Dominikaner-Kirche im Jahr 1708 verunglückte, hieß: Hannß Georg Rack“.

Nachweise

  1. Anton Breitenbach, Kruzifix, ehem. an der Clozbücherschen Bierbrauerei vor dem Mühlwehrtor, 1858 (StAL, B 236 Bü 50 Nr. 7).
  2. OAB Mergentheim 329 (ungenau).

Zitierhinweis:
DI 54, Landkreis Mergentheim, Nr. 509† (Harald Drös), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di054h014k0050909.