Inschriftenkatalog: Mergentheim (Landkreis)

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 54: Landkreis Mergentheim (2002)

Nr. 508 Creglingen, ev. Herrgottskapelle 1. H. 17. Jh.?

Beschreibung

Durchzugbalken mit aufgemalten Bibelsprüchen. Unter dem Holztonnengewölbe des Langhauses. Der westliche der vier Holzbalken ist in die Westwand eingefügt, er trägt Inschrift (A); von den drei das Langhaus frei überbrückenden Balken sind der mittlere und der östliche jeweils nur einseitig beschriftet: der mittlere auf seiner Ostseite mit Inschrift (B), der östliche auf der Westseite mit Inschrift (C); die Rückseiten sind jeweils mit Ranken- und Schräggitterfriesen bemalt; der westliche Balken weist diese Muster auf beiden Seiten auf und trägt keine Inschriften. Alle Inschriften und Ornamente sind in rotbrauner Farbe aufgemalt.

Maße: Bu. ca. 20 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

  1. A

    SEIa) GETREU BIS AN DEN TOD, SO WILL ICH DIR DIE KRONE DES LEBENS GEBEN .1)

  2. B

    WACHET, DENN IHR WISSET NICHT, WELCHE STUNDE EUER HERR KOMMEN WIRD2)

  3. C

    SELIG SIND DIE TOTEN, //b) DIE IN DEM HERRN STERBEN3)

Kommentar

Die Kapitalis ist dünnstrichig mit nur schwach ausgeprägten Bogen- und Schrägenverstärkungen ausgeführt, die Schaft-, Balken- und Bogenenden sind meist zu kräftigen Dreiecken verdickt. Die Balkensporen sind durchweg schräggestellt. Besonders auffällig ist das E mit stark verkürztem Mittel- und deutlich verlängertem unteren Balken. Durchweg ist rundes symmetrisches U verwendet; I hat – soweit zu erkennen – in der Regel einen Punkt. Die Verwendung des runden U legt eine Datierung der Inschriften in die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts nahe, während die übrigen Schriftformen auch in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts möglich wären. Eine spätere Überarbeitung ist freilich immer in Rechnung zu stellen. – Die Inschriften nehmen Bezug auf die Funktion des Gebäudes als Friedhofskapelle.

Textkritischer Apparat

  1. Davor als Zeilenfüller Rankenfries.
  2. Inschrift an der Stelle des Balkens, die durch das Gesprenge des Marienaltars verdeckt wird, durch Rankenornament unterbrochen.

Anmerkungen

  1. Off 2, 10.
  2. Mt 24, 42.
  3. Off 14, 13.

Nachweise

  1. Schmidt, Marienaltar, Abb. 1 (C).
  2. Muth, Herrgottskirche 4 (nur C, ungenau), 20 (Abb. von C).

Zitierhinweis:
DI 54, Landkreis Mergentheim, Nr. 508 (Harald Drös), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di054h014k0050805.