Inschriftenkatalog: Mergentheim (Landkreis)

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 54: Landkreis Mergentheim (2002)

Nr. 472 Wachbach (Stadt Bad Mergentheim), ev. Pfarrkirche 1632

Beschreibung

Grabplatte des Johann Christoph von Adelsheim. Innen an der Ostwand des Chors, über dem Gestühl. Hochrechteckige Sandsteinplatte. In der Mitte in kreisrund eingetieftem Feld Eheallianzwappen in hohem Relief, darüber und darunter zwei Schriftblöcke mit 8- bzw. 7zeiliger Inschrift (A, C); in den Zwickeln des Kreisfeldes die vier Ziffern einer Jahreszahl (B); die Inschriften und das zentrale Allianzwappen sind ringsum umgeben von einer Ahnenprobe zu 16 Vollwappen, jeweils mit Beischriften (D) in darübergesetzten Schriftbändern. Die agnatische Reihe beginnt mit dem heraldisch rechten der beiden mittleren Wappen in der oberen Reihe und setzt sich gegen den Uhrzeigersinn fort, die cognatische Reihe beginnt entsprechend mit dem heraldisch linken der beiden mittleren Wappen in der oberen Reihe und verläuft dann im Uhrzeigersinn nach unten. Ränder bestoßen und zum Teil ergänzt; untere Wappenreihe durch das Gestühl verdeckt, die Beischriften jedoch sichtbar; Schrift teilweise mit dunkler Farbe nachgezogen.

Maße: L. ca. 200, B. 103, Bu. 3,3–3,5 (A, C), 1,5–1,8 cm (D).

Schriftart(en): Fraktur (A), Mischschrift aus Fraktur und humanistischer Minuskel (C, D).

  1. A

    An(n)oa) 1632 · den 10 · Aprilisa)1) dinstag / abents vmb · 7 · vhrn verschied Jn / Gott seelig · der weilandt wol Edel / vnd Gestrenge Johann Christoff / von vnd zu Adelszheim · v(on) · Wachbach / seines altters 51 · Jahr 3 · monat · 16 · / tag deme Gott eine fröliche vrstandt / verleihen wölle Amen ·b)

  2. B

    1 // 6 / 3 // 2

  3. C

    Psalm 37 · V(ers) · 5 · 6 · / Befehl dem Herrn deine wege / vnd hoffe auf Jhn er wirdts / wohl machen · vnd wird dein / Gerechtigkeit herrfürbringen / wie das liecht vnd dein recht / wie den mittag ·b)

  4. D

    Adolszheim ·c) Hutten ·c)  
    Geebsattel ·c) Selwitz ·c)  
    [. . .] Vo(n)d) · Kollnberg ·2) Weÿersz ·c)  
    [S]tieber Vo(n)d) · Buttenheim Lichtenstain ·c)  
    Junngen ·c) Bibra ·c)  
    Dett[e]lbach ·c) Fuchs ·c)  
    [. . . . .]ngen ·c) Hutten Vo(n) · steckelbeṛ[g]3)  
    Zöllner Vo(n)d) · Rottenstein Sternbrick ·c)  

Datum: 20. April 1632 n. St.

Wappen:
Adelsheim, Rotenhan;
AdelsheimHutten
GebsattelSelbitz
RüdtEbersberg gen. Weyers
Stiebar von ButtenheimLichtenstein4
zum JungenBibra
DettelbachFuchs von Bimbach
SickingenHutten
Zöllner von RotensteinSternberg.

Kommentar

Während für die Sterbeinschrift (A) eine etwas ungelenke, unregelmäßige Fraktur verwendet ist, hat der Steinmetz für Bibelzitat und Wappenbeischriften eine Schrift gewählt, die Elemente der humanistischen Minuskel (Ausrundung der Bögen, stumpf auf der Grundlinie endende Schäfte, Kapitalisversalien) mit Frakturelementen (Formen von e, k, Bogen-r, v und w, quadrangelförmige Fahne des Schaft-r, rundes s mit Bogenbrechung) mischt. Gemeinsam ist beiden Schriften der enge Zeilenabstand5.

Johann Christoph d. Ä. von und zu Adelsheim und Wachbach entstammt der zweiten Ehe Georg Sigmunds von Adelsheim mit Ursula von Hutten. 1613 heiratete er Anna Amalia von Rotenhan zu Rentweinsdorf und Fischbach. Seinem Schwiegervater Johann Georg von Rotenhan folgte Johann Christoph als kurpfälzischer Amtmann zu Boxberg6.

Textkritischer Apparat

  1. Anno und Aprilis in Mischschrift, wie Inschriften (C) und (D).
  2. Quadrangel, in lange Zierranke auslaufend (Zeilenfüller).
  3. Quadrangel, in kurze Zierranke auslaufend.
  4. o klein über V übergeschrieben.

Anmerkungen

  1. Datumsangabe nach Altem Stil.
  2. Collenberg hier versehentlich statt Bödigheim.
  3. So statt Hutten zu Gronau.
  4. Im Zahnschnitt geviert.
  5. Zur Werkstatt vgl. Einl. LXVII, LXIX.
  6. Spätestens 1619, vgl. das kurfürstliche Mandat von 1619 III 24: Andermann, Urkunden Adelsheim Nr. 381. Zur Genealogie vgl. Biedermann, Ottenwald, tab. CXCI.

Nachweise

  1. OAB Mergentheim 753 (nur A).
  2. Bengel, Ev. Kirche 14 (nur A, m. Abb.).
  3. Dies., Wachbach 195 (nur A, m. Abb.).

Zitierhinweis:
DI 54, Landkreis Mergentheim, Nr. 472 (Harald Drös), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di054h014k0047200.