Inschriftenkatalog: Mergentheim (Landkreis)

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 54: Landkreis Mergentheim (2002)

Nr. 457 Creglingen, ev. Stadtkirche 1628, 1632, 1637

Beschreibung

Epitaph der Eheleute Veit Dietrich von Eyb († 1632) und Elichina Barbara geb. von Lentersheim († 1637) sowie ihres Sohnes Wolf Dietrich von Eyb († 1618). Innen an der Südwand des Langhauses. Monumentale Ädikula aus Sandstein, farbig gefaßt. Als Bekrönung ein Rundmedaillon mit zwei skulptierten Vollwappen, darüber ein Putto mit Stundenglas und Totenschädel; auf dem Standsockel der Figur ein mit goldener Farbe auf schwarzem Grund aufgemaltes Jesusmonogramm (A); unter dem Wappenmedaillon eine querovale Kartusche mit aufgemalter Fertigungsinschrift (B), ebenfalls Gold auf Schwarz; auf den rahmenden, sprenggiebelartigen Seitenteilen zwei sitzende Engel mit Palmzweigen. Am Sims des Gebälks ein mit schwarzer Farbe aufgemalter Spruch (C). In der von Pilastern gerahmten Hauptzone vor einem Blendbogen fünf fast vollrunde kniende Figuren: links Vater und Sohn in voller Rüstung, rechts Elichina Barbara von Lentersheim mit einer erwachsenen (Anna Blandina) und einer kleinen Tochter (Eva Barbara); Objekt der Anbetung ist die in Hochrelief unter dem Bogen über einem Wolkenkranz dargestellte Hl. Dreifaltigkeit. Auf den Seitenstücken stehen zwei weitere Putti, deren Attribute (Fackeln?) fehlen. Auf die beiden Pilaster und die Gebälkverkröpfungen darüber sind zwei 8-Ahnenproben in Form von je acht reliefierten Vollwappen aufgelegt: heraldisch rechts die Ahnenprobe Veit Dietrichs von Eyb (alle Wappen linksgewendet), links die seiner Frau. Auf der Verkröpfung des Gebälks befindet sich jeweils das Stammwappen mit Namenbeischrift (D1), darunter auf dem Kapitell des Pilasters eine erklärende Beischrift (D2), auf dem Pilasterschaft folgen die übrigen sieben Wappen, ebenfalls jeweils mit Namenbeischrift (D3). Alle diese Inschriften sind mit schwarzer Farbe aufgemalt. Im Sockelgeschoß eine querovale Kartusche mit den drei je 3zeilig eingehauenen und farbig nachgezogenen Sterbeinschriften (E), Schrift schwarz, Versalien und Ziffern golden; die nachträglich eingefügten Todesdaten sind lediglich aufgemalt. Im Unterhang eine weitere Schriftkartusche mit eingehauener Spruchinschrift (F), das Schriftfeld ist schwarz bemalt, die Inschrift mit goldener Farbe nachgezogen. Sockel und Unterhang sind mit fünf Engelsköpfen geschmückt.

Maße: H. ca. 660, B. 229, Bu. ca. 6 (A), ca. 3 (B, C), ca. 2 (D), 3,1 (E), 2,8 cm (F).

Schriftart(en): Fraktur (B, D, E, F), Kapitalis (A, C, F).

  1. A

    IE(SV)Sa) ·

  2. B

    Anno 1628 Jst dises / Werck vff Gericht worde(n)

  3. C

    · PROPITIA TRINITAS MEA HAEREDITASb)

  4. D1
    E=//ÿb :  Lende=//rsheim 
  5. D2
    Anadc) vom // Vatter ·1)  Anadc) vom // Vatter .1) 
  6. D3
    K(n)oring=//en :  Wallen//Rodt : 
    Lichden=//stein .  Küns//Berg : 
    Ste=//in :  Gütte(n)//Berg : 
    Aur=//Ochs  Rosen//Berg : 
    Vtten=//Hofeṇ  Aurer//Bach : 
    Ḳeut=//tel :  Rie//dern : 
    Büls=//leben :  Rech//berg : 
  7. E

    Anno Domini · 1 · 6 · ⟨32 .⟩ den ⟨· 22 Augustij .⟩ vmb ⟨. 7 . uhr zu nacht .⟩ / Verschied in Gott der Woledel vnd gestreng Veit Dietrich von Eÿb /F(ürstlich) B(randenburgischer) Rath v(n)d Ambtman in die ⟨35 .⟩ ihar alhier · Sei(n)esz altersz ⟨73 .⟩ iar dem gott gnadd) /Anno · 1 · 6 ⟨· 37⟩ den ⟨26 September ·⟩ vmb ⟨· 12 ·⟩ vhr Verschied in Gott die Wohl Edle / Ehrntugentreiche Fraw Elehina Barbara von Eÿb Geborne von lenderszh(eim) / Jm ⟨· 77 ·⟩ Jhar ihres Alters der Gott ein Fröliche Aufferstehung Verleÿen · /Anno · 1 · 6 · 18 · den · 6 · Februari vmb · 2 · vhr in der Nacht ist in Gott Seelig / Entschlaffen der Wohledel Gestrenge Wolff Dietrich: Veit Dietrichs von / Eÿb Ehelicher Sohn · im · 22 · ihar Seinesz altersz dem Gott Gnadt ·

  8. F

    VERBUM DOMINI VERITAS EST / Des Herrn Wort die warheit ist / Darbeÿ erhalt mich Jesu Christ / · 1 · 6 · 28 ·

Übersetzung:

Die gütige Dreifaltigkeit ist meine Erbschaft (C). – Das Wort des Herrn ist die Wahrheit (F).

Versmaß: Deutsche Reimverse (F).

Datum: 1. September 1632 n. St., 6. Oktober 1637 n. St., 16. Februar 1618 n. St.

Wappen:
Eyb, Lentersheim;
EybLentersheim
KnöringenWallenrod2
Lichtenstein3Künsberg
StainGuttenberg
Auerochs4Rosenberg
Uttenhofen5Urbach
Keuttel (?)6Riedern7
Bülsleben8Rechberg.

Kommentar

Die sorgfältig, aber nicht sonderlich regelmäßig gehauene Fraktur hat relativ breite Proportionen, viele Bögen sind ausgerundet. Besonders auffällig sind die fast kreisrund nach rechts umgebogenen Oberschäfte von b und h und die Schleifenbildung an der Oberlänge des l. Nicht nur die Fraktur, auch die Kapitalis in Inschrift (F) mit ihren s-förmig geschwungenen Sporen an den Bogenenden des S ist ein eindeutiges Indiz für eine Zuschreibung des Epitaphs an den Bildhauer P(eter?) Niklas9. Die aufgemalte Kapitalis in Inschrift (C) weist Ausbuchtungen am Mittelbalken von A und H sowie am Schrägschaft des N auf.

Veit Dietrich von Eyb, Sohn des Veit Asmus von Eyb zu Vestenberg, Bruckberg etc. († 1594) und der Blandina Auerochs von Opfershausen, ist 1559 geboren. Er studierte in Altdorf (imm. 1575), Tübingen (1578) und Padua (1582)10. 1594 heiratete er Barbara Elichina, Tochter des Hans Wolf d. J. von Lentersheim zu Alten- und Neuenmuhr. Ab 1597 war er brandenburg-ansbachischer Amtmann zu Creglingen. Das Epitaph wurde zehn Jahre nach dem Tod des einzigen Sohns, Wolf Dietrich, errichtet. Dieser war am 23. Februar 1598 geboren11. 1629 stiftete Veit Dietrich 100 fl für die Creglinger Stadtkirche12.

Textkritischer Apparat

  1. Nomen sacrum IHS mit Hochkreuz auf dem Balken des H.
  2. Danach eine Zierranke.
  3. So für Agnaten.
  4. ad auf dem Rahmen.

Anmerkungen

  1. Die Beischrift bezieht sich nur auf die obere Hälfte der Ahnenprobe; die vier unteren Wappen bilden dagegen die Ahnenprobe der Mutter. Dort unterblieb offenbar aus Platzmangel ein entsprechender Vermerk.
  2. Gürtelspange; Helmzier: über Helmkrone ein Flug, belegt mit dem Schildbild.
  3. Im Zahnschnitt geviert; Helmzier: 2 Büffelhörner, außen mit je 3 Blättern oder Federn besteckt; abweichende Darstellung bei Alberti 456.
  4. Schreitender Ochse; Helmzier: gestulpter Turnierhut (?).
  5. Oben gezinnter Balken; Helmzier: bärtiger Mannsrumpf mit gestulptem Hut, anstelle der Arme 2 mit dem Schildbild belegte Flügel; vgl. Alberti 896.
  6. Doppelschwänziger Löwe; Helmzier: 6 Fähnchen. Nach Biedermann, Rhön u. Werra, tab. CCCLXXV müßte hier das Wappen der Regina von Pinzendorf stehen.
  7. Nach Biedermann, Ottenwald, tab. CCCCX müßte hier das Wappen von Seinsheim oder von Sickingen stehen.
  8. Schild verdeckt; Helmzier: Hut, die Krempe beiderseits besteckt mit einem Eselsohr (?). Nach Biedermann, Rhön u. Werra, tab. CCCLXXV wäre hier das Wappen der Magdalena von Neideck zu erwarten.
  9. Vgl. Einl. LXII, LXVIf..
  10. v. Eyb 226–231; danach auch das Folgende.
  11. Ebd. 297.
  12. Ebd. 231.

Nachweise

  1. Schönhuth, Creglingen u. seine Umgebungen 25 (nur E).
  2. OAB Mergentheim 485 (Wortlaut unvollst.).
  3. Schweikhardt, Aus längst vergangenen Tagen 25.
  4. Ders., Creglingen 45.
  5. v. Eyb 231, 297.

Zitierhinweis:
DI 54, Landkreis Mergentheim, Nr. 457 (Harald Drös), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di054h014k0045703.