Inschriftenkatalog: Mergentheim (Landkreis)

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 54: Landkreis Mergentheim (2002)

Nr. 451 Bad Mergentheim, Schloßkirche, Gruft 1627?

Beschreibung

Epitaph des Hoch- und Deutschmeisters Johann Eustach von Westernach. An der Südwand. Aus der 1730 abgebrochenen Hofkirche. Rundbogenädikula aus rotem Sandstein (5 Werkstücke). Als Bekrönung über dem Rundbogen flache Blattvoluten und ein Engelskopf; im Bogenfeld die Hl. Dreifaltigkeit in fast vollplastischen Figuren, umgeben von Engeln; im Bildfeld des Mittelteils, das unmittelbar an das Bogenfeld anschließt, die Muttergottes im Strahlenkranz auf der Mondsichel in den Wolken schwebend, darunter, nach links gewendet, die vollplastische Figur des Hochmeisters, der kniend die Muttergottes anbetet. Auf dem Brustpanzer des Plattenharnischs trägt er das Hochmeisterkreuz; links vor ihm Vollwappen mit drei Helmen. Auf den flankierenden Pilastern je vier Ahnenwappen mit über den Schilden eingehauenen Beischriften. Die Wappen der heraldisch rechten Seite sind linksgewendet. Im Sockel unter breitem Sims eine querovale Schriftkartusche mit eingehauener Inschrift (A), gerahmt von zwei Engelsköpfen. Witterungsschäden durch aufsteigende Feuchtigkeit vorwiegend im Sockel; Inschrift im rechten Teil ganz zerstört, unten links die abgeplatzte Oberfläche mit Zement ergänzt, Inschrift darauf nur mehr aufgemalt1.

Textergänzungen nach OAB Mergentheim2.

Maße: H. 302,5, B. 170, Bu. 2,5–2,9 (A), 1,8–2,5 cm (Wappenbeischriften).

Schriftart(en): Fraktur.

A

  1. Anno Domini 16⟨27⟩ Den ⟨25a)⟩ Monats ⟨(Octo)brisb)⟩ Jst in G[ott Seeliglichc) Ent]/schlaffen, Der Hochwürdigist Fürst Vnd Herr Herr Joha[nn Eustachiusd) Von Westernach] / Administrator desz Hochmaisterthumbse) in P̣[reuszen Maister Teutsch Ordens in Theutsch undt] / Ẉälsch[e]n L[anden, Herr zue Freudenthal und Eulenberg etc(etera) Deme Und allen Christglaubigen / Seelen Gott barmherzigf) Und an Jenem Großen Thag ein fröhliche Aufferstehung Verleyen / Wolle Amen. Dero Alters Jm 82. Jahr Seiner Regierung im drith Jahreg)]

Wappenbeischriften:

  1. Die Von Wester=/nach Die Vehlin Von [. . .]ṣen=/hauszen 
    Die Von StainDie Von Albịrsdorff 
    Die Von Pleiningenh)Die Hutten [v]on / Rügberg 
    Die Von RechbergDie Von Hoṛbạch 

         
Wappen:
Deutscher Orden (Hochmeister)/Westernach3;
Westernach Vöhlin (von Frickenhausen)
Stain Albersdorf4
Plieningen Hutter von Ruggburg
Rechberg Harbach5.

Kommentar

Die erhaltenen Inschriftreste zeigen eine sehr schmale, sorgfältig gehauene Fraktur mit hohen Ober- und Unterlängen und mit relativ schlichten, nur sparsam mit Zierlinien ausgeschmückten Versalien. Rundes r scheint konsequent nur nach runden Buchstaben mit nach rechts gewandtem Bogen (b, o) sowie bei Doppel-r an zweiter Stelle gesetzt zu sein, sonst steht durchweg Schaft-r.

Johann Eustach von Westernach (geb. 1545), Sohn Riegers V. von Westernach zu Dettelsau und der Maria Vöhlin von Frickenhausen6, bekleidete vier Jahrzehnte lang bedeutende Ämter, in denen er die Politik des Deutschen Ordens entscheidend mitprägte. 1566 wurde er in Horneck in den Orden aufgenommen7 und amtierte zunächst als Küchenmeister des fränkischen Statthalters in Ellingen, als Trappier in Frankfurt und Mergentheim und als Hauskomtur in Ellingen. Ab 1583 Statthalter des Hochmeisters Bobenhausen in dem dem Deutschen Orden vom Kaiser sequesterweise übertragenen Stift Fulda8, wurde Westernach 1585 Komturamtsverwalter von Mergentheim sowie Statthalter des Hochmeisters und des Koadjutors Maximilian in Mergentheim. 1599 legte er wegen seiner Beanspruchung im Dienst Kaiser Rudolfs das Statthalteramt nieder und behielt lediglich die ihm 1590 übertragene Komturei Kapfenburg. Im Reichsdienst bekleidete er 1598–1604 und 1619–1622 das Amt eines Reichskriegs- und Reichsmusterungskommissars9. 1613–25 war er erneut Statthalter in Mergentheim, 1618 wurde der enge Vertraute des Hochmeisters Maximilian außerdem Landkomtur der Ballei Franken. Im Alter von fast 80 Jahren wurde er schließlich zum Hoch- und Deutschmeister gewählt. Ein noch zu Lebzeiten gesetztes epitaphähnliches Stifterdenkmal für Westernach (1617) befindet sich in der Schloßkapelle der Kapfenburg (Hülen, Stadt Lauchheim, Ostalbkreis). Auch das vorliegende Grabmal entstand nach Ausweis des erst nachträglich eingesetzten Sterbedatums zu Lebzeiten des Hochmeisters, doch möglicherweise erst im Todesjahr. Denn die Grabplatte eines Mergentheimer Bürgermeisters aus diesem Jahr (nr. 450) wurde vom selben Bildhauer geschaffen, der also 1627 nachweislich in Mergentheim arbeitete.

Textkritischer Apparat

  1. 28 Breitenbach; Bauer.
  2. Befund: Ziffer 8, danach bris über einem Punkt hochgestellt in verkleinertem Schriftgrad.
  3. Seeliglich OAB Mergentheim; seelig Breitenbach; Bauer.
  4. Eustachius OAB Mergentheim; Eustach Breitenbach; Bauer.
  5. Von den letzten sechs Buchstaben nur noch die Spitzen erhalten.
  6. OAB Mergentheim; Barmherzigkeit Breitenbach.
  7. dero Alters im 82, und dero Regirung im 2tem Jahr Breitenbach; Bauer.
  8. Sic!

Anmerkungen

  1. Im Wortlaut weitgehend identisch mit der Lesung in OAB Mergentheim, offenbar davon abhängig und daher in der Edition nicht berücksichtigt.
  2. Anhand der erhaltenen Textpassagen zeigt sich die größere Zuverlässigkeit dieser Lesung gegenüber der von Breitenbach.
  3. Durch Hochmeisterkreuz quadriert von Deutschem Orden und Westernach; Helmzierden: Mitte Hochmeister, rechts Deutscher Orden, links Westernach.
  4. Hahnenrumpf.
  5. Gespalten, vorn ein springender Windhund (hier eher eine Hirschkuh!), hinten ein Schrägbalken.
  6. Vgl. die Vierahnenprobe Johann Eustachs von 1565: StAL, B 241a Bü 64; abgebildet in: Die Kapfenburg. Vom Adelssitz zum Deutschordensschloß. 800 Jahre Deutscher Orden, Stuttgart 1990, 52 nr. 32.
  7. Noflatscher, Maximilian 114; Zusammenfassung der wichtigsten biographischen Daten: Heinz Noflatscher, Johann Eustach von Westernach (19.III.1625–25.X.1627), in: Die Hochmeister d. Dt. Ordens 1190–1994, 203–208.
  8. Noflatscher, Maximilian 210.
  9. Ebd. 114.

Nachweise

  1. StAL, JL 425 Bd. 9 (Slg. Breitenbach) Nr. 115.
  2. StAL, E 258 VI Bü 2518 (Christian Friedrich Bauer, Anhang zur Chronik Mergentheims, um 1836) Schloßkirche 7v (unvollständig).
  3. Schönhuth, Mergentheim mit seinen Umgebungen 103.
  4. Ders., Kirchen u. Kapellen 118.
  5. OAB Mergentheim 344.
  6. Die Grabdenkmäler der Hoch- u. Deutschmeister 21956, 10 (Abb.).
  7. Noflatscher, Joh. Eustach v. Westernach (wie Anm. 7) 207 (Abb.).

Zitierhinweis:
DI 54, Landkreis Mergentheim, Nr. 451 (Harald Drös), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di054h014k0045101.