Inschriftenkatalog: Mergentheim (Landkreis)

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 54: Landkreis Mergentheim (2002)

Nr. 449 Creglingen, ev. Herrgottskapelle (1627)

Beschreibung

Fragment der Grabplatte für das Kind Veit Dietrich Wagner. Innen an der Langhaussüdwand unter der Kanzel. Roter Sandstein. Die Platte ist oben um schätzungsweise 15–20 cm beschnitten. Schmale erhabene Rahmenleiste, Umschrift (A) zwischen Linien, im Feld oben 1- oder 2zeilig fortgesetzt; in der Mitte des Feldes Vollwappen in Relief, darunter eine in Umrissen eingeritzte, mit einem Bibelspruch 4zeilig beschriftete Schrifttafel (B) mit darübergesetzter, vom Wappenschild unterbrochener Bibelstellenangabe. Stark abgetreten, Schrift teilweise mit Zement und einer festen Schmutzschicht zugesetzt; Kopfleiste der Umschrift fehlt; vom Ende der Inschrift oben im Feld nur die untere Hälfte der Zeile erhalten.

Maße: L. (Rest) 84, B. 54, Bu. 2,3 (A), 1,6 cm (B).

Schriftart(en): Fraktur.

  1. A

    [– – – / . . . v]nd 10̣ vhr in der Nacht ist des Ernhaften Ṿẹịṭ ditrich wagner / ṣẹịṇ sönlein auch Veit ditrich genant / in Gott Verschiten seines altters · 10 · monat · dessen sellen G[ott] //a) [. . . . . .]gb) seịṇ wolle amen

  2. B

    · marcus · // · 10 · / lassett die kinndlein zu / mir kommen Vnnd wehr/et ihnen nichtt den solcher / ist dass himmel reich1)

Wappen:
Wagner2.

Kommentar

Die zeitliche Einordnung der Grabplatte durch den Eintrag im Creglinger Sterberegister läßt sich durch Schriftvergleich stützen: Besonders charakteristisch ist das d mit deutlich verkürztem senkrechten Teil der gebrochenen linken Bogenhälfte und mit fast waagerecht als „Deckbalken“ abknickendem und weit nach links überstehendem freiem oberen Bogenabschnitt. Die Creglinger Grabmäler der 1619 verstorbenen Euphemia Junius (nr. 426) und Eva Dullinger (nr. 428) sowie der 1625 verstorbenen Susanna Nagel (nr. 443) sind eindeutig von demselben Steinmetzen angefertigt, der also im zweiten und dritten Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts in Creglingen oder in der näheren Umgebung tätig war3.

Dem Sterberegister zufolge ist das Kind am 19. März 1627 begraben worden. Es war ein Enkel des 1625 in der Herrgottskirche bestatteten Amtmanns von Frauental Martin Wagner (vgl. nr. 444). Auch der Vater des Jungen war Verwalter in Frauental. Er hatte 1625 Anna Schär geheiratet4.

Textkritischer Apparat

  1. Danach möglicherweise Ausfall einer ganzen Zeile.
  2. Vermutlich gnädig in abweichender Schreibung; ein d ist jedenfalls eindeutig nicht vorhanden. Von der gesamten Zeile ist nur die untere Hälfte erhalten.

Anmerkungen

  1. Mk 10, 14.
  2. 6speichiges Rad; Helmzier: über Helmwulst ein 6speichiges Rad zwischen 2 Büffelhörnern.
  3. Vgl. Einl. LXVII.
  4. Alle Angaben nach Mägerlein 701.

Zitierhinweis:
DI 54, Landkreis Mergentheim, Nr. 449 (Harald Drös), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di054h014k0044908.