Inschriftenkatalog: Mergentheim (Landkreis)

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 54: Landkreis Mergentheim (2002)

Nr. 443 Creglingen, ev. Herrgottskapelle 1625, 1675

Beschreibung

Grabplatte der Susanna Nagel, mit Nachbestattungsinschrift für Euphemia Kramer geb. Nagel. Innen an der Langhausnordwand; ursprünglich wohl im Boden des Chors. Roter Sandstein. Umschrift (A) zwischen profilierten Randleisten; im Feld unter einem Blendbogen die reliefierte Figur der Verstorbenen, bekleidet mit langem Kleid, gefälteltem Mantel und Haube, mit zum Gebet zusammengelegten Händen; in den Bogenzwickeln zwei Wappen. Die untere Hälfte der Figur ist von drei Schriftkartuschen mit Roll- und Beschlagwerkrahmen teilweise verdeckt: oben eine große querovale Kartusche mit Bibelspruch (B), direkt darunter angesetzt eine kleinere querrechteckige Tafel mit weiterem Bibelspruch (C), etwas abgesetzt darunter wieder eine querovale Kartusche, die zunächst leer blieb und erst 1675 für eine Nachbestattung beschriftet wurde (D). Abgetreten, Ränder ausgebrochen.

Maße: L. 173, B. 83,5, Bu. 2,8 (A), 1,9 (B), 1,4 (C), 1,8 cm (D).

Schriftart(en): Fraktur.

  1. A

    Anno 1625 · Den 17 Martij Jst in / G̣ott seeliglich entschlaffen Susanna Herrn Georgen Nagells Schultheiszen zue Creglingen / Eheliche Hauszfraw Jres alttersz Jm / 36 Jar Deren seelen Gott gnedig sein wölle Amen ·a)

  2. B

    Joh: am · 3 · / Allso hatt [G]o[tt] die Weldt geliebet / auff da[s] alle so an Jhn glauben nitt / sollen verloren werd[e]n sondern das / Ewig leben haben1)

  3. C

    Matth[e]us / Kombt her alle die Jhr / muheseelig vnṇḍ be=/laden seidt Jch will / Euch erquicken ·2)

  4. D

    Anno 1675 · den 10 · Aprill / Fru vor 1 · vhr starb Euphemi / kramerin gebohrne Nagelin / Jhres Alters 61 · Jahr :

Datum: 27. März 1625 n. St., 20. April 1675 n. St.

Wappen:
Nagel3, unbekannt4.

Kommentar

Den Creglinger Sterberegistern zufolge starb Susanna Nagel an der Schwindsucht. Ihr Mann Georg, der sich am 27. September 1625 wieder verheiratete mit Margareta Dorothea Faber, ist 1632 an der Wassersucht gestorben und wurde in der Herrgottskapelle „bei dem unteren großen Altar“ beigesetzt5. Die 1675 verstorbene Euphemia war eine Tochter von Georg und Susanna Nagel; ihr Mann war der Bauer Georg Ulrich Kramer/Krämer, Mitglied des Inneren Rats, Bürgermeister und Ratssenior († 1700)6. Zur Werkstatt, in der die Grabplatte nach Ausweis der Schriftformen gefertigt wurde, vgl. nr. 425.

Textkritischer Apparat

  1. Dahinter ist fast die Hälfte der linken Rahmenleiste unbeschriftet.

Anmerkungen

  1. Jh 3, 16.
  2. Mt 11, 28.
  3. In der oberen Schildhälfte 3 Nägel fächerweise; untere Schildhälfte unkenntlich.
  4. Brezel.
  5. Alle Angaben nach Mägerlein 476.
  6. Ebd. 382.

Zitierhinweis:
DI 54, Landkreis Mergentheim, Nr. 443 (Harald Drös), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di054h014k0044309.