Inschriftenkatalog: Mergentheim (Landkreis)

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 54: Landkreis Mergentheim (2002)

Nr. 436 Niederstetten, ev. Pfarrkirche (St. Jakob) 1621

Beschreibung

Epitaph der Anna Maria von Rosenberg geb. von Gemmingen. Innen an der Südwand. Reste einer hölzernen Ädikula; bei der letzten Kirchenrenovierung auf dem Dachboden gefunden und von Restaurator Eckert, Bad Mergentheim, ergänzt1. Giebel fehlt; auf der Unterseite des verkröpften Gebälks in einem querrechteckigen, an den Schmalseiten halbrund ausgezogenen Schriftfeld in 5 Zeilen mit schwarzer Farbe aufgemalter Bibelspruch (A) und Datierung (B). Darunter in der Hauptzone die vollplastischen geschnitzten und farbig gefaßten Figuren eines Ehepaars und ihres Söhnchens, in Anbetung des Kruzifixus kniend (Kruzifixus fehlt, Kreuz modern ergänzt): links der Mann in höfischer Kleidung, auf einem Löwen kniend, rechts die Frau in kostbarem Kleid, Haube und pelzverbrämtem Mantel; in der Mitte der kleine Knabe2; als seitliche Rahmung des Hauptgeschosses je zwei eine schmale Muschelnische einschließende Pilaster. Im Unterhang ein querrechteckiges, seitlich segmentbogig ausgezogenes Schriftfeld mit aufgemalter Sterbeinschrift (C), Bibelspruch (D) und Jahreszahl mit Künstlersignatur in Form eines Monogramms (E). Kein Wappenschmuck erhalten.

Maße: H. ca. 285, B. 266, Bu. ca. 1,8 (A, B), 1,8 (C, D), 1,0 cm (E).

Schriftart(en): Fraktur (A–D), Kapitalis (B, D, E).

  1. A

    Also hat Gott Die Welt Geliebet, Das Er seinen Eingebornen Son Gab, Auff das Alle / Die An Jn Glauben nicht Verloren Werden, Sondern Das Ewige Leben Haben. Denn Gott hat seinen / Son Nicht Gesand in Die Welt, Das er die Welt Richte, Sondern Das die Welt Durch Jn selig Werde. Wer An Jn / Glaubet, Der Wird nicht Gerichtet, Wer aber nicht Glaubet, Der Jst schon Gerichtet . Denn Er Glaubet nicht An den / Namen Des Eingebornen Sons Gottes . Johannj . 3 . Capitel .3)

  2. B

    A(nn)o . MDCXXI

  3. C

    Anno Dominj 1618 . Den 12 . Septembris . Starb Die / Wol Edle Ehr Vnnd Tugentreiche Fraw Anna Maria Von / Roszenberg Geborne Von Gemmingen, im 53 Jahr Jhres Alters, Jh=/=res Wehrenden Ehestandts im 34 . Jahr . Welcher Gott Durch Chris=/=tum Ein Fröliche Aufferstehung Zum Ewigen Leben Verleihen Wolle, Amen .

  4. D

    Der Gerechten Seelen Seind in Gottes Handt, Vnnd Keine / Qual Rühret Sie An .SAPIENTIAE . IIIa)4)

  5. E

    16 DSb) 21

Datum: 22. September n. St.

Kommentar

Der Schriftbefund scheint noch weitgehend der ursprüngliche zu sein. Die Frakturversalien sind kunstvoll und aufwendig verziert, und auch Ober- und Unterlängen der Gemeinen sind häufig durch eingerollte Zierbögen und ‑schleifen geschmückt. Das Künstlermonogramm DS ließ sich nicht auflösen.

Anna Maria, geboren 1563, war eine Tochter Reinhards von Gemmingen zu Hornberg, Treschklingen, Michelfeld und Rappenau und der Helena von Massenbach5. 1584 heiratete sie Georg Sigmund von Rosenberg. Der einzige Sohn aus dieser Ehe ist früh verstorben6. Vor Errichtung des vorliegenden Epitaphs hat Georg Sigmund 1620 ein zweites Mal geheiratet. Der Sohn Adam Christoph aus dieser Ehe mit Susanna Wolfskeel von Reichenberg zu Rottenbauer ist ebenfalls vor dem Vater gestorben7.

Textkritischer Apparat

  1. Danach blütenförmiger Zierpunkt.
  2. S mit dem Schaft des D verschränkt.

Anmerkungen

  1. Vgl. Klinghardt nr. 11.
  2. Bei der derzeitigen Anordnung ist das Kind dem Betrachter statt dem Kreuz zugekehrt, was sicherlich nicht der ursprünglichen Disposition entspricht.
  3. Jh 3, 16–18.
  4. Wsh 3, 1.
  5. Möller, Stammtaf. II, Taf. LXXV; Biedermann, Ottenwald, tab. LXXXVII.
  6. Vgl. Neumaier, Verbum Domini 114.
  7. Ebd. 115; die Angaben bei Biedermann, Ottenwald, tab. CCCCXIII sind fehlerhaft; auch Möller, Stammtaf. II, Taf. LXXV verzeichnet die zweite Ehe nicht.

Nachweise

  1. Kdm. Jagstkreis I, 306 (nur erwähnt).
  2. Rapaschinski 4 nr. 12.
  3. Neumaier, Verbum Domini 114f. (nur A, m. Abb.).
  4. Koch, St. Jakob 432 (nur erwähnt).

Zitierhinweis:
DI 54, Landkreis Mergentheim, Nr. 436 (Harald Drös), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di054h014k0043604.