Inschriftenkatalog: Mergentheim (Landkreis)

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 54: Landkreis Mergentheim (2002)

Nr. 427† Weikersheim, ev. Stadtkirche 1619, 1658

Beschreibung

Grabplatte des Hofpredigers Johann Assum mit Nachbestattungsinschrift für seinen Sohn Wolfgang Ludwig. Vermutlich im Boden des Chors. Steinplatte1 mit eingehauener Inschrift (A). Auf der Platte wurde 1658 eine Messingtafel mit Inschriften angebracht, die erhalten ist und sich jetzt innen an der Ostwand des Chors befindet. Die Steinplatte wurde dagegen, wohl bei der Kirchenrenovierung 1934, zerstört2. Die querrechteckige Messingtafel trägt auf dem breiten Rahmen einen erhaben gegossenen Bibelspruch (B); im Feld ist oben in der Mitte ein reliefiertes Vollwappen angebracht, im linken und rechten Drittel eine in zwei Spalten und jeweils gestaffelt zentriert angeordnete Grabinschrift (C), dazwischen unter dem Wappen – in kleinerem Schriftgrad eingefügt – biographische Angaben zu dem Verstorbenen (D), ebenfalls erhaben gegossen.

Wortlaut von (A) nach Fischlin.

Schriftart(en): Fraktur (B), Kapitalis (C, D).

  1. A†

    Quisquis es, Lector: En! magnus ille Theologus, Johannes Assum, Antistes olim Aulae et Ecclesiarum PerJllustris Comitatusa) Hoenloici Primarius, An(no) Chr(isti) M DC XIX . d(ie) XIV . Augusti aetatis LXVII . Ministerii XLIII . Conjugii cum Honoratissima Matrona, Sara Gailingia XLIV . tandem post tot exantlatos Vitae et officii labores a Deo Creatore avocatus, animam illi, depositas vero Exuviasb) ad usque Archangeli Tubae Sonum terrae omniparentic) reddidit . Vale Lector et sic quoque disce mori in terris, ut possis vivere in Coelis .3)

  2. B

    Elias Fuhr im wetter gen himmeld) . Elisa aber / sahe es, vnd schreÿ : mein Vatter, / mein Vatter, Wagen Jsräel, vnd seine / Reütter · II · Kön · 2 · Cap ·4)

  3. C

    EXUVIAE SACRAE / THEOLOGI INCOMPARAB(ILIS) / D(OMINI) WOLFG(ANGI) LUDOV(ICI) ASSUM, / IOHANNIS / FILII, COLLEGAEe), ET / SUCCESSORIS, SUPERATT(ENDENTIS) ET ECCLESIAST(ICI) / AUL(AE) WEIKERSHEMIO=/HOHENLOICI // EXUVIIS PATERNIS / ADDITAE, / ET IN SPEM RESURRECT(IONIS) / GLORIOSAE / UTRAEQUAEf) HOC SAXO / CONTECTAE . / ANNO / M . DC . LVIII . DIE XXII. IUN(II)

  4. D

    NATUS FUIT Ό MAKαRÍTHSg) / ANNO CHRISTI 1590 . / DIE 24 . IAN(UARII) / DENATUS 1658 . DIE 18 IUN(II) / CONIUGII GEMINI . 43 . / MINISTERII SACRI . 44 . / AETATIS SUAE . 69 .

Übersetzung:

Wer du auch bist, Leser, sieh: der große Theologe Johann Assum, einst Hofprediger und Superattendent der Kirchen der Erlauchten Grafschaft Hohenlohe. Im Jahr Christi 1619 am 14. August wurde er im 67. Lebensjahr, im 43. Jahr seines Amtes und im 44. seiner Ehe mit der sehr ehrenhaften Hausfrau Sara Gayling endlich nach so vielen erduldeten Mühen des Lebens und des Berufs von Gott dem Schöpfer abgerufen. Jenem hat er seine Seele, die abgelegte sterbliche Hülle aber bis zu des Erzengels Posaunenstoß der Erde, der Mutter allen Lebens, zurückgegeben. Leb wohl, Leser, und lerne auch du so auf Erden zu sterben, daß du im Himmel leben kannst. – Die ehrwürdigen sterblichen Überreste des unvergleichlichen Theologen Herrn Wolfgang Ludwig Assum, Johanns Sohnes, Kollegen und Nachfolgers, Superattendenten und Hohenlohe-Weikersheimischen Hofpredigers, wurden zu den sterblichen Überresten des Vaters gelegt und in der Erwartung der herrlichen Auferstehung beider mit diesem Stein bedeckt im Jahr 1658 am 22. Juni. – Der Selige wurde geboren im Jahr Christi 1590 am 24. Januar, er starb 1658 am 18. Juni, nachdem er in zwei Ehen 43 Jahre verheiratet war, im 44. Jahr seines heiligen Amtes, im 69. Lebensjahr.

Datum: 24. August 1619 n. St. (A); 3. Februar 1590 n. St., 28. Juni 1658 n. St. (D); 2. Juli 1658 n. St. (C).

Wappen:
Assum5.

Kommentar

Johann Assum ist 1552 als Sohn des Augustin Assum, Bürgers und Werkmeisters zu Nürtingen, geboren6. Nach Besuch der Klosterschulen Murrhardt und Herrenalb studierte er ab 1570 in Tübingen (imm. 1570, bacc. 1571, mag. 1573), wurde 1575 Präzeptor der Klosterschule in Adelberg, 1576 Zweiter und im folgenden Jahr Erster Diakon der Stuttgarter Stiftskirche sowie Pfarrer an St. Leonhard in Stuttgart, 1579 Pfarrer in Großbottwar. 1582 wurde er von Graf Wolfgang II. von Hohenlohe als Superattendent und Hofprediger nach Langenburg berufen, nach der Verlegung der Residenz nach Weikersheim wirkte er dort in derselben Funktion bis zu seinem Tod. 1576 heiratete Assum die Pfarrerstochter Sara Gayling, die nach ihm am 3. Mai 1623 starb.

Sein Sohn Wolfgang Ludwig, verheiratet in erster Ehe (1614) mit Margarethe Seitz († 1639), in zweiter Ehe (1640) mit Anna Margareta Hermann († 1669)7, wurde nach seinem Studium in Gießen, Jena und Wittenberg 1614 zunächst Pfarrverweser, dann Pfarrer in Schäftersheim, 1617 Stadtpfarrer in Weikersheim und 1621 schließlich, wie zuvor sein Vater, Hofprediger und Superattendent.

Textkritischer Apparat

  1. Antistes … Comitatus Fischlin; fehlt Wibel.
  2. Exuvias Fischlin; corporis exuvias Wibel.
  3. omniparenti Fischlin; omnium parenti Wibel.
  4. genhimmel ohne Worttrennung.
  5. G klein zwischen E und A auf halber Zeilenhöhe eingefügt.
  6. So statt UTRAEQUE.
  7. So für ό μακαριτης, das zweite Alpha in Minuskelform; Weickersh. Wibel.

Anmerkungen

  1. „Grabstein“, vgl. Wibel, Hohenloh. Kyrchen- u. Reformations-Historie IV, 208. Nach Fischlin (wie unten) war die Inschrift „saxo sepulcrali incisum“.
  2. In einem Schreiben des LDA Stuttgart (Schmidt) an das Dekanatamt Weikersheim von 1934 IX 29 (LDA Stuttgart, Ortsakten 128126: Stadtkirche Weikersheim) wird auf mehrere provisorisch vor der Kirche liegende Grabplatten hingewiesen. „Aus einer dieser Grabplatten war auch eine bronzene Wappentafel herausgebrochen, um getrennt von der Platte im Chor in die Wand eingelassen zu werden“. Hierbei könnte es sich um die Assum-Grabplatte gehandelt haben; über ihren Verbleib ist nichts bekannt.
  3. Vgl. den Hexameter „Disce mori vivens moriens ut vivere possis“: Walther, Proverbia 1 nr. 5863; Luc. 5, 364; als Inschrift: DI 41 (Göppingen) nr. 288 (1571).
  4. 2 Kö 2, 11–12.
  5. Im gevierten Feld 2 schräggekreuzte Winkel, an der Fußstelle begleitet von 3 (2:1) Rosen; Helmzier: über Helmwulst 4 paarweise nach außen gekehrte Winkel.
  6. Alles Folgende nach Pfarrerbuch Württ. Franken 2, 11 nr. 62 (m. weiterer Lit.); vgl. auch Wibel, Hohenloh. Kyrchen- u. Reformations-Historie IV, 208–211; Gunther Franz, Die Kirchenleitung in Hohenlohe in den Jahrzehnten nach der Reformation. Visitation, Konsistorium, Kirchenzucht und die Festigung des landesherrlichen Kirchenregiments 1556–1586 (Quellen u. Forschungen zur württ. Kirchengeschichte 3), Stuttgart 1971, 138–145.
  7. Vgl. Pfarrerbuch Württ. Franken 2, 12 nr. 64.

Nachweise

  1. Ludovicus Melchior Fischlinus, Memoria Theologorum wirtembergensium resuscitata …, Pars I, Ulmae 1709, 298 (nur A).
  2. Wibel, Hohenloh. Kyrchen- u. Reformations-Historie IV, 208f. (A), 211 (C, D).

Zitierhinweis:
DI 54, Landkreis Mergentheim, Nr. 427† (Harald Drös), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di054h014k0042705.