Inschriftenkatalog: Mergentheim (Landkreis)

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 54: Landkreis Mergentheim (2002)

Nr. 420 Weikersheim, ev. Stadtkirche 1618

Beschreibung

Altarretabel. Im Chor, auf dem Altartisch aus der Zeit um 1589 (nr. 281). Mehrgeschossiger Aufbau, Holz, bemalt. Als Bekrönung der oberen Zone eine querovale Strahlenscheibe mit dem hebräischen Gottesnamen (A), schwarz auf Gold, und darunter ein von zwei Engeln gehaltenes brennendes Herz; der Mittelteil der oberen Zone ist als Rundbogenädikula gestaltet: oben im Bogen ist ein Bibelspruch (B) aufgemalt; im Bildfeld Gemälde der Auferstehung Christi (Öl auf Leinwand); im Sockel Versinschrift (C); seitlich zwei anbetende Engel und Voluten, auf beiden Voluten wiederum ein Bibelspruch (D). Im Gebälk der Hauptzone drei Engelsköpfe; das große Bildfeld mit Gemälde des Letzten Abendmahls (Öl auf Leinwand) wird eingefaßt von Doppelsäulen und – als Seitenteilen – von Engelshermen; alle vier Säulen sind von Schriftbändern umwunden, die eine fortlaufende Inschrift (E) tragen; in der Sockelzone unter dem Gemälde eine zweispaltige Versinschrift (F); in der Predella zwei ovale Vollwappen-Medaillons, seitlich wiederum zwei Engelshermen. Alle Inschriften goldgelb auf schwarzem Grund. Restauriert. Unter Inschrift (F) ist die übermalte ursprüngliche Fassung mit weiteren Spatien teilweise noch sichtbar; Wortlaut wohl identisch.

Maße: H. ca. 750, B. ca. 360, Bu. ca. 3 (B), ca. 3,8 (C), ca. 4,5 (D), 3,5 (E), 2 cm (F).

Schriftart(en): Fraktur (B–F), einzelne Wörter in humanistischer Minuskel (D) und Kapitalis (B, E).

  1. A

    יְהוָה

  2. B

    ·a) RÖM : 4 . Christus ist vns zur Gerechtigkeit aufferwecket ·a)1)

  3. C

    Allein durch dich Herr Jesu Christ .Mein / brennendt hertz begierig ist .zu erben die ewige / seeligkeitJm glauben . der würckt allezeitt

  4. D

    Iohb) : 14 . Jhc) Christus lebe . vnd // Jr sollt auch leben ·a)2)

  5. E

    · I : COR : / [Der]d) Mensch prüffe sich / selber . vnd // Also esse er / von disem Brodt . / vnd Trincke ·a) // dan welcher vnw[irdig]d) / isset vnd / Trincket ·e) // der isset vnd / Trincket ihme selb[er]d) / das Gericht .3)

  6. F

    Wer diese Gemahlte Bilder hie .Darumb hohahtetc) alss ob sie .Anzubethen oder zu ehren dargestelt .Derselb Gotts wortts vnd Jntens fehlt .Dann es dahin allein gemeint .Das Christus . wie es hie erscheint .Beÿ der heiligen Tauff in seinem Blutt .Durchs wasser maht denn Anfang guett .Von sünden vns zu waschen schon .Zue Kindern Gotts Jnns himels thron . //Denn Tisch des Herrn setzet er fortthtc) .Da Christus leib vnd Bluet durchs wortt .Vermitels Brodt vnd weins mit mundt .Jm glauben gnossen Jeder stundt .Vns Christo noch mehr einuerleibt .Das er mit vns verknüpffet pleibt .Jm Todt vnd Jns ewig leben .Darfür Jm ewig lob sey gebn .Solchs Jeder Christ bedencken soll .Dergestalt steth dise Taffell woll .

Versmaß: Deutsche Reimverse (C, F).

Wappen:
Hohenlohe-Langenburg4, Waldstein.

Kommentar

Die Wappen erweisen den Altar als Stiftung des Grafen Georg Friedrich von Hohenlohe und seiner Frau Eva Gräfin von Waldstein. Eine 1618 ausgeführte Inschrift am Kranzgesims des Chores (nr. 421) nimmt auf die Altarstiftung Bezug. Der geschnitzte Figurenschmuck wurde von Melchior Jung aus Mergentheim geschaffen5, die Bemalung und Vergoldung besorgte der Maler Wolf Dieterich6, die Schreinerarbeiten Balthasar Müller, Hans Schnorrer und Caspar Schüßler, die Aufrichtung des Retabels die Schlosser Gregor Rupolt und Michel Dannschneider7. Inschrift (F) wendet sich gegen die Bilderverehrung, verteidigt und erklärt aber gleichzeitig die Verwendung von Bildern als Mittel zur Belehrung des Kirchenvolks durch die Veranschaulichung des Heilsgeschehens8. Offensichtlich erachtete man es für notwendig, die aufwendige Ausschmückung des vormals calvinistisch-schlichten Tischaltars durch das monumentale Retabel inschriftlich zu rechtfertigen.

Textkritischer Apparat

  1. Sternblüte zwischen beiderseits je 3 Punkten.
  2. Wort in humanistischer Minuskel.
  3. Sic!
  4. Wort vielleicht auf der Rückseite der Säule verdeckt, jedenfalls nicht sichtbar.
  5. Sternblüte als Zierpunkt.

Anmerkungen

  1. Nach Rö 4, 25.
  2. Jh 14, 19.
  3. 1 Ko 11, 28–29.
  4. Quadriert von Hohenlohe und Langenburg; 2 Helme.
  5. Dehio BW I, 825; vgl. HZAN, Archiv Langenburg, Nachl. Georg Friedrich III. 1. Bü 145 (Bauw Protocollum Weickherßheimer Herschafft 1610ff.) p. 33.
  6. Ein Sohn Caspar Dieterichs (vgl. nr. 285); zu Wolf vgl. Elisabeth Grünenwald. Ein Beitrag zum Werk des Malers Johann Wolfgang Dieterich und zur Malerfamilie Dieterich aus Weikersheim, in: WFr 58 (1974) 230–244, hier: 232.
  7. Ebd. p. 31f.
  8. Vgl. eine ähnliche Kruzifix-Inschrift von 1615 in Geislingen an der Steige: DI 41 (Göppingen) nr. 411†.

Nachweise

  1. Scharfe, Ev. Andachtsbilder 18 (nur erwähnt).
  2. Merten, Stadtkirche 41982, 14 (nur erwähnt).
  3. Drös, Mittelalterl. u. frühneuzeitl. Inschriften 25 (teilw. Wortlaut).

Zitierhinweis:
DI 54, Landkreis Mergentheim, Nr. 420 (Harald Drös), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di054h014k0042006.