Inschriftenkatalog: Mergentheim (Landkreis)

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 54: Landkreis Mergentheim (2002)

Nr. 412 Creglingen, ev. Herrgottskapelle 1616

Beschreibung

Epitaph der Anna Dohl. Neben dem Chorbogen an der Nordwand des Chors. Hochrechteckige Sandsteinplatte mit Bekrönung (Sanduhr auf Totenschädel zwischen Voluten); Umschrift (A) zwischen Linien, an den Ecken unterbrochen von vier aufgelegten Wappenschilden, unten in der Mitte von einer Kartusche mit Engelskopf; im Feld vor einem Blendbogen in hohem Relief die Figur der Verstorbenen nach rechts hin kniend und den Kruzifixus anbetend; Kreuztitulus (B), am Fuß des Kreuzes ein großes Vollwappen. Im linken Bogenzwickel ist die Inschrift (A) in vier kurzen Zeilen fortgesetzt; links vom Kreuz eine 2zeilige, dem Bogenverlauf folgende Inschrift (C). Unter der Darstellung im unteren Drittel des Mittelfeldes eine Schrifttafel mit Versinschrift (D) und Spruch (E). Hände und Nase der Figur sind abgebrochen, ansonsten ist das Epitaph ausgezeichnet erhalten. Die Zeilen aller Inschriften sind sorgfältig vorgeritzt.

Maße: H. 228, B. 100, Bu. 3,0 (A)1, 2,3 (B, C), 2,5 (D), 3,0 cm (E).

Schriftart(en): Fraktur (A, C, D), Kapitalis (B, E).

  1. A

    Anno · 1 · 6 · 16 · den · 19 · Augusti abents / zwischen · 8 · vnd · 9 · vhrn ist in Christo Seeliglich Entschlaffen die Erbare vnd viel Tug/entsame Fraw // Anna des / Ehr(n)hafften vnd achbar(n) Friderichen Dohlen Schultheise(n) alhier Ehliche Hauszfrau ihres alters // 49 · iar · deren / Seele(n) gott / gnedig / Seÿ

  2. B

    I · N · R · I

  3. C

    Auff Erden Die gröst Süssigkeit /ist ehelich lieb mit einigkita)

  4. D

    Jn Christo bin ich gschlaffe(n) einwie ich da(n) bin getaufft auff ihnkein sü(n)dtb) kei(n) todt ficht mich mehr anSie müszen mich wohl bleibe(n) lahnc)Mein Seel die steht in Gottes hendtvnd hat all müh v(n)db) angst ein endt

  5. E

    HODIE MIHI CRAS TIBI

Übersetzung:

Heute mir, morgen dir.

Versmaß: Deutsche Reimverse (C, D).

Datum: 29. August 1616 n. St.

Wappen:
Dohl/unbekannt2;
Dohl3unbekannt4
unbekannt5unbekannt6.

Kommentar

Das Epitaph, eine Arbeit des P(eter?) Niklas7, zeichnet sich durch eine äußerst sorgfältige und gleichmäßige Schriftgestaltung aus. Die Oberlänge des l bildet eine Schleife. Besonderheiten der sehr breit proportionierten Kapitalis in Inschrift (E) sind die s-förmig geschwungenen Sporen an den Bogenenden von C und S, spitzovales O und die sehr hoch sitzenden I-Punkte.

Anna Dohl war in erster Ehe mit dem 1596 verstorbenen und ebenfalls in der Herrgottskirche begrabenen Georg Deurlein (vgl. nr. 308) verheiratet, für eine Tochter aus dieser Eheverbindung ließ sie 1608 eine Grabplatte anfertigen (nr. 387). Ihr zweiter Mann Friedrich Dohl heiratete 1617 Anna Maria Wagner aus Frauental8.

Textkritischer Apparat

  1. Sic!
  2. Kürzungsstrich durchstreicht den oberen freien Bogenabschnitt des d.
  3. So für lassen.

Anmerkungen

  1. Ende der Inschrift im Bogenzwickel in kleinerer Schrift: 2,7 cm.
  2. Eheallianzwappen in gespaltenem Schild: vorn Dohl (3 6strahlige Sterne schrägbalkenweise), hinten unbekannt (auf Dreiberg stehendes Schwert); Helmzier Dohl: über Helmkrone 2 Büffelhörner.
  3. 3 6strahlige Sterne schrägbalkenweise.
  4. Auf Dreiberg stehendes Schwert.
  5. 2 schräggelegte gestümmelte Äste übereinander.
  6. Hausmarke (Schaft mit kreuzkopfschaftweise nach oben gebrochener vorderer Oberkopfabstrebe, nach links geneigter Mittelkreuzsprosse und schaftweise nach unten gebrochener hinterer Fußstrebe), begleitet unten rechts von einem 5speichigen Rad, oben links von einem 6strahligen Stern.
  7. Vgl. Einl. LXII, LXVIf.
  8. Mägerlein 107.

Zitierhinweis:
DI 54, Landkreis Mergentheim, Nr. 412 (Harald Drös), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di054h014k0041204.