Inschriftenkatalog: Mergentheim (Landkreis)

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 54: Landkreis Mergentheim (2002)

Nr. 411 Creglingen, ev. Herrgottskapelle 1616, 1710

Beschreibung

Epitaph der Anna Hermann. Innen an der Langhausnordwand. Ädikula aus Sandstein, farbig gefaßt. Im aus Roll- und Beschlagwerk gebildeten Giebel ein Wappen in rundem Medaillon; im pilastergerahmten Hauptfeld vor einem Blendbogen die Familie der Verstorbenen kniend im Gebet unter dem Kruzifixus, links der Vater mit sechs Söhnen, rechts zwei Mütter mit sechs bzw. einer Tochter; Kreuztitulus (A), zu beiden Seiten des Kreuzes 3zeilige Spruchinschrift (B); in den Bogenzwickeln heraldisch rechts ein Vollwappen, links ein Wappenschild, in letzterem erhaben gehauene Initialen (C). Im Sockel eingehauene Sterbeinschrift (D) und darunter 2zeilig aufgemalte Renovierungsinschrift (E) von 1710. Alle Inschriften mit schwarzer Farbe nachgezogen. Die Oberfläche des Schriftfelds im Sockel sandelt von der rechten unteren Ecke her ab (Schriftverlust), Farbfassung teilweise verblaßt oder abgeplatzt.

Maße: H. 282, B. 142, Bu. 2,4 (A, C, D), 2,1 cm (B).

Schriftart(en): Kapitalis (A, B, C), Fraktur (D, E).

  1. A

    · I · N · R · I ·

  2. B

    VULNERIBUS CHRISTI // QVISQVIS SUA VULNERA IUNGIT // ILLE POTEST CUNCTIS / FORTIOR // ESSE MALIS

  3. C

    A(nna) H(ermann)

  4. D

    Anno Christi · 1616 · Den 15 · Avrilisa) vmb 5 · Vhr zue / Früe ist in Gott seelig entschlaffen die Tugentsame Fraue / Anna Des Ehrnhafften vndt Wolachbarn Herrn Hansen / Hermans Rhatsverwanten vndt Gastgebers allhie ehliche / Hausfraue Deren · Gott vnd allen Christglaubigen in der / Aufferstehung Der Gerechten ein fröliche Vhrstendt zum ewigen Leben verleihen wolle Amen

  5. E

    Dieses werck hat die Tugentsame Frau Margreta Bạÿerin Ṃạ[. . . . . / . . . .] Hermans1) Gewesne Ehl(iche) Hausz Fr(au) A(nn)o 1710 · ReNov(ieren) lass[en]

Übersetzung:

Ein jeder, der seine Wunden verbindet mit den Wunden Christi, kann alles Böse überwinden.

Versmaß: Elegisches Distichon (B).

Datum: 25. April 1616 n. St.

Wappen:
Hermann; Hermann2, unbekannt3.

Kommentar

In der lateinischen Inschrift (B) wird in der Schreibweise zwischen V mit konsonantischem und U mit vokalischem Lautwert unterschieden. I hat durchweg einen Punkt. Die durch die Farbfassung von 1710 in ihrem Gesamtbild verfälschte Frakturschrift mit ihren charakteristischen Formen von d und g erlaubt die Zuweisung des Grabmals an einen Meister, von dessen Hand noch acht weitere Creglinger Figurengrabmäler erhalten sind4.

Den Creglinger Sterberegistern zufolge starb Anna Hermann im Alter von 43 Jahren. Aus ihrer Ehe mit Hans Hermann gingen vier Söhne und vier Töchter hervor. Der Witwer wurde später auch Bürgermeister, Ratssenior und Landschieder. Er heiratete in zweiter Ehe 1617 Eva Korn aus Niedersteinach und ist 1641 gestorben5.

Textkritischer Apparat

  1. v durch Bemalung in p verändert; Fahne des r fehlt; nach dem l wurde bei der Renovierung ein zweites l aufgemalt.

Anmerkungen

  1. Margareta war in erster Ehe mit Georg Friedrich Hermann, einem Sohn der Anna, verheiratet (Mägerlein 260), in zweiter Ehe (1674) mit Hans Albrecht Bayer (ebd. 43); sie ist 1714 gestorben.
  2. Steigender Steinbock; Helmzier: wachsender Steinbock.
  3. Väterliches Wappen der Anna Hermann: Blumenstrauß (überhöht von den Initialen A H).
  4. Vgl. Einl. LXVII.
  5. Mägerlein 259.

Nachweise

  1. Schönhuth, Creglingen u. seine Umgebungen 60 (nur erwähnt).
  2. Ders., Burgen … Württembergs, 2. Aufl., II 122 (nur erwähnt).
  3. Gelchsheimer, Herrgottskirche 1911, 16 (nur erwähnt).

Zitierhinweis:
DI 54, Landkreis Mergentheim, Nr. 411 (Harald Drös), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di054h014k0041107.